Das erste Pontifikalamt von Kardinal Eijk im überlieferten Ritus

Ein Signal aus den Niederlanden


Kardinal Eijk, Erzbischof von Utrecht, zelebrierte an Laetare erstmals ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus in der Diözese Herzogenbusch.
Kardinal Eijk, Erzbischof von Utrecht, zelebrierte an Laetare erstmals ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus in der Diözese Herzogenbusch.

Von Hen­drik van Vlierbosch*

In einer Zeit inten­si­ver lit­ur­gi­scher Debat­ten inner­halb der katho­li­schen Kir­che kommt ein Zei­chen aus den Nie­der­lan­den: Der Utrech­ter Erz­bi­schof und Kar­di­nal Wil­lem Jaco­bus Eijk zele­brier­te erst­mals ein Pon­ti­fi­kal­amt in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus. Die Zele­bra­ti­on fand in der Kir­che der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis in Oss statt (de kerk van de Onze Lie­ve Vrouw Onbev­lekt Ont­van­gen), die zur Diö­ze­se Her­zo­gen­busch gehört.

Schon der Ort ver­leiht dem Ereig­nis eine beson­de­re histo­ri­sche Note. Die Nie­der­lan­de waren in der katho­li­schen Kir­che lan­ge ein Sym­bol für einen beson­ders akzen­tu­ier­ten Pro­gres­sis­mus der Nach­kon­zils­zeit. Von hier stammt der berüch­tig­te Hol­län­di­sche Kate­chis­mus (1966), der damals inter­na­tio­nal für Dis­kus­sio­nen und Ärger­nis sorg­te. Eben­falls in den Nie­der­lan­den setz­te sich früh die Pra­xis der ste­hen­den Hand­kom­mu­ni­on durch. Auch theo­lo­gi­sche Strö­mun­gen, die den über­lie­fer­ten Fröm­mig­keits­for­men aus­ge­spro­chen spek­tisch und ableh­nend gegen­über­stan­den – etwa gegen­über den Erschei­nun­gen von Fati­ma – waren hier beson­ders präsent.

Vor die­sem Hin­ter­grund wirkt das Pon­ti­fi­kal­amt von Kar­di­nal Eijk im soge­nann­ten Vetus Ordo, also in der lit­ur­gi­schen Form des Mis­sa­le Roma­num von 1962, für Beob­ach­ter wie ein uner­war­te­tes Hoff­nungs­zei­chen. Ein Pon­ti­fi­kal­amt ist die fei­er­lich­ste Form der Eucha­ri­stie­fei­er eines Bischofs. Sie umfaßt eine Rei­he tra­di­tio­nel­ler lit­ur­gi­scher Ele­men­te – etwa die Assi­stenz von Dia­ko­nen und Sub­dia­ko­nen, den Gebrauch von Mitra und Hir­ten­stab sowie zahl­rei­che zere­mo­ni­el­le Gesten. Wenn ein Kar­di­nal die­se vor­kon­zi­lia­re Form der Lit­ur­gie wählt, besitzt das über den rein pasto­ra­len Rah­men hin­aus eine deut­li­che sym­bo­li­sche Bedeutung.

Radio Maria Nie­der­lan­de sorg­te für eine Direkt­über­tra­gung und zeig­te damit mehr lit­ur­gi­sche Sen­si­bi­li­tät, als sie bis­her von den Sen­dern von Radio Maria im deut­schen Sprach­raum gezeigt wird.

Seit dem Motu pro­prio Tra­di­tio­nis cus­to­des von Papst Fran­zis­kus aus dem Jahr 2021 unter­liegt die Fei­er der tra­di­tio­nel­len latei­ni­schen Mes­se stren­gen Ein­schrän­kun­gen. Offi­zi­ell betont das Doku­ment die Ver­ant­wor­tung der Diö­ze­san­bi­schö­fe und erklärt, es sol­le die lit­ur­gi­sche Ein­heit der Kir­che sichern und die Ent­ste­hung par­al­le­ler lit­ur­gi­scher Iden­ti­tä­ten ver­hin­dern. Kri­ti­ker sehen dar­in jedoch vor allem den Ver­such, den über­lie­fer­ten römi­schen Ritus schritt­wei­se abzu­wür­gen. Tat­säch­lich führ­te die Umset­zung der Bestim­mun­gen in ver­schie­de­nen Diö­ze­sen welt­weit zu einer Redu­zie­rung der Orte und Mög­lich­kei­ten, an denen der über­lie­fer­te Ritus noch öffent­lich gefei­ert wer­den kann.

Gera­de des­halb wird ein Pon­ti­fi­kal­amt eines Kar­di­nals in die­ser Form als bemer­kens­wer­tes Signal wahr­ge­nom­men. Sie kann als deut­li­cher Hin­weis ver­stan­den wer­den, daß der über­lie­fer­te Ritus wei­ter­hin Teil des lit­ur­gi­schen Lebens der Kir­che blei­ben soll.

Dies geschieht in einem Moment, da die lit­ur­gi­sche Fra­ge an einem poten­ti­el­len Wen­de­punkt steht: durch den Tod von Fran­zis­kus, durch die Wahl von Leo XIV. und damit ver­bun­de­ne Hoff­nun­gen und schließ­lich durch die Fra­ge der ange­kün­dig­ten Bischofs­wei­hen der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Mit dem Pon­ti­fi­kat von Papst Leo XIV. ist noch nicht end­gül­tig abseh­bar, wie sich Rom in die­ser Ange­le­gen­heit posi­tio­nie­ren wird. Beob­ach­ter dis­ku­tie­ren ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten: eine kon­se­quen­te Fort­füh­rung der bis­he­ri­gen repres­si­ven Linie, eine vor­sich­ti­ge Locke­rung der berg­o­glia­ni­schen Ein­schrän­kun­gen oder eine neue Pha­se der lit­ur­gi­schen Ver­söh­nung, in der die tra­di­tio­nel­len Aus­drucks­for­men der römi­schen Lit­ur­gie wie­der als fester Bestand­teil in das lit­ur­gi­sche Leben der Kir­che inte­griert wer­den, wie es Bene­dikt XVI. mit Sum­morum Pon­ti­fi­cum ange­strebt hatte.

In die­sem Kon­text erhält die von Kar­di­nal Eijk zele­brier­te Hei­li­ge Mes­se eine Bedeu­tung, die über das ein­zel­ne Ereig­nis hin­aus­weist. Sie zeigt, daß die Debat­te um die lit­ur­gi­sche Tra­di­ti­on wei­ter­hin leben­dig ist – nicht nur in bestimm­ten Gemein­schaf­ten und lit­ur­gi­schen Fach­krei­sen, son­dern auch im Leben der Orts­kir­chen und ihrer Hirten.

Die Fra­ge nach dem Platz der lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on im Leben der Kir­che gehört – anders als von Fran­zis­kus ange­strebt – wei­ter­hin und sogar wie­der ver­stärkt zu den The­men, die Katho­li­ken welt­weit bewegen.

*Hen­drik van Vlier­bosch ist das Pseud­onym eines nie­der­län­di­schen Publi­zi­sten. Gebo­ren 1978 in der Pro­vinz Nord­bra­bant, stu­dier­te er Geschich­te und Phi­lo­so­phie und beschäf­tig­te sich früh mit der reli­giö­sen und kul­tu­rel­len Ent­wick­lung des nie­der­län­di­schen Katho­li­zis­mus nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Konzil.

Bild: You­tube (Screen­shot)

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