Die Rede von J. D. Vance und die Soziallehre der Kirche

Eine epochale Wende: Was er sagte und was er nicht sagte


JD Vance, der neue US-Vizepräsident, las bei der Münchner Sicherheitskonferenz gehörig die Leviten. Es weht ein neuer Wind.
JD Vance, der neue US-Vizepräsident, las bei der Münchner Sicherheitskonferenz gehörig die Leviten. Es weht ein neuer Wind.

Von Ste­fa­no Fontana*

Was wür­de die Sozi­al­leh­re der Kir­che zu der Rede von US-Vize­prä­si­dent James David Van­ce am Sams­tag, dem 14. Febru­ar, in Mün­chen sagen? Die­se Rede wird für lan­ge Zeit in Erin­ne­rung blei­ben, sowohl wegen der Din­ge, die gesagt wur­den, als auch wegen der Din­ge, die gesagt wer­den soll­ten, um die Argu­men­ta­ti­on zu ver­voll­stän­di­gen. Sie wird lan­ge in Erin­ne­rung blei­ben, nicht nur wegen ihrer Aus­wir­kun­gen auf aktu­el­le poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che und mili­tä­ri­sche Fra­gen, son­dern vor allem wegen ihres Ver­suchs, einen umfas­sen­den Vor­schlag zu machen, der bei den Wur­zeln der poli­ti­schen Koexi­stenz ansetzt.

Im Mit­tel­punkt der Rede stand die Erkennt­nis, daß der Feind nicht außer­halb steht, son­dern in Euro­pa und den USA selbst zu suchen ist, und daß er in einem Rück­zug von den eige­nen Grund­wer­ten besteht. Eine Krank­heit der See­le, eine Erschöp­fung der eige­nen mora­li­schen und gei­sti­gen Kraft. Der Leser der Rede mag gedacht haben, daß die­se Kri­tik von Van­ce nur an Euro­pa gerich­tet war. Statt­des­sen war sie auch an Ame­ri­ka gerich­tet, nur mit dem Unter­schied, daß man dort auf­ge­wacht ist, wäh­rend Euro­pa noch im Tief­schlaf einer rea­li­täts­ver­ach­ten­den Künst­lich­keit lebt.

Ein Bei­spiel: In Euro­pa kommt eine erzwun­ge­ne Päd­ago­gik der Mas­sen zum Ein­satz, um den euro­päi­schen Men­schen zu erzie­hen, aber dafür wer­den Tech­ni­ken ver­wen­det, die in den USA ent­wickelt wur­den, wo die Erzie­hung der Mas­sen eine lan­ge wis­sen­schaft­li­che und prak­ti­sche Geschich­te hat.

Die Ame­ri­ka­ner haben jedoch begon­nen, ihren Kurs zu ändern, und die neue Regie­rung hat bei­spiels­wei­se USAID abge­schafft, das ideo­lo­gi­sche Zwangs­for­men der staats­bür­ger­li­chen Erzie­hung finan­zier­te, die dem gesun­den Men­schen­ver­stand zuwi­der­lie­fen. Van­ce spricht daher sowohl von einer euro­päi­sti­schen als auch von einer ame­ri­ka­ni­sti­schen Ideo­lo­gie. Er pran­gert vor allem die erste­re an, aber nur, weil er sich im US-Wahl­kampf bereits aus­führ­lich über letz­te­re geäu­ßert hat­te und weil er der Ver­tre­ter einer Regie­rung ist, die davon los­ge­kom­men ist. Sei­ne har­schen Wor­te an Euro­pa, sei­ne Par­r­he­sie, die trotz des diplo­ma­ti­schen Rah­mens dem poli­ti­schen guten Ton nicht viel zuge­steht, ent­sprin­gen dem Bewußt­sein, daß er ein Ame­ri­ka ver­tritt, das ein pseu­do­to­ta­li­tä­res System, in das die Euro­pä­er noch ver­strickt sind, abge­schüt­telt hat oder dabei ist, es abzuschütteln.

Aus der Sicht der kirch­li­chen Sozi­al­leh­re ist die­se „Rück­kehr zur Rea­li­tät“ zur Ver­tei­di­gung einer ech­ten Frei­heit, die nie bei sich selbst beginnt, son­dern von der Rea­li­tät und dem „gesun­den Men­schen­ver­stand“ genährt wird, posi­tiv zu bewer­ten. Johan­nes Paul II., den Van­ce im übri­gen am Ende sei­ner Rede zitiert, hat­te in Evan­ge­li­um vitae geschrie­ben, daß „der Wert der Demo­kra­tie mit den Wer­ten steht und fällt, die sie ver­kör­pert und fördert“.

Lei­der hat sich die Kir­che in Euro­pa, wie kürz­lich in einem ihr gewid­me­ten Bericht gezeigt wur­de, nicht dar­um bemüht, die Men­schen von der euro­päi­sti­schen Ideo­lo­gie zu befrei­en, sie hat viel­mehr alle Poli­ti­ken mit­ge­macht, die sich als wert­los her­aus­stell­ten, und sie hat auf ihre eige­ne Rol­le der Erzie­hung zur Wahr­heit im Lich­te der Ver­nunft und des Glau­bens ver­zich­tet. Man kann also sagen, daß die Rede von Van­ce impli­zit auch einen Vor­wurf an die Hal­tung der katho­li­schen Kir­che ent­hält, die zu einem „Seel­sor­ger“ des herr­schen­den poli­ti­schen Kur­ses gewor­den ist. Bezieht man sich auf die Sozi­al­leh­re der Kir­che und nicht auf ihre aktu­el­le Pra­xis, kann das Urteil über die­se Aspek­te der Rede nur posi­tiv ausfallen.

Dann gibt es einen Bereich der Van­ce-Rede, in dem inter­es­san­te Per­spek­ti­ven ange­deu­tet wer­den. Als er auf die Kri­se der Demo­kra­tie in Euro­pa zu spre­chen kam, sag­te er, daß die wah­re Demo­kra­tie die­je­ni­ge ist, die auf das Volk hört, die Stim­men, Mei­nun­gen und Gewis­sen nicht unter­schlägt (die Hin­wei­se auf Zwangs­maß­nah­men im Abtrei­bungs­be­reich in Eng­land und Schwe­den waren sehr beredt), die auf dem Grund­satz beruht, daß das Volk zählt, die den Wil­len des Vol­kes akzep­tiert, auch wenn sie nicht mit ihm über­ein­stimmt, die ein ech­tes demo­kra­ti­sches Man­dat anstrebt, um die not­wen­di­gen schwie­ri­gen Ent­schei­dun­gen zu treffen.

Dies war und ist in Euro­pa nicht der Fall, wie die ver­schie­de­nen von ihm ange­führ­ten Fäl­le zei­gen. Damit scheint er das Volk nicht als eine unver­bun­de­ne Ansamm­lung von Indi­vi­du­en im Sin­ne des libe­ra­len Indi­vi­dua­lis­mus zu ver­ste­hen, son­dern als einen Orga­nis­mus, der über ein „gemein­sa­mes Gefühl“ ver­fügt, das nicht von ihm aus­geht, son­dern ihm vor­aus­geht. Das ist es, was Van­ce andeu­tet, eine Dimen­si­on, auf die er in bezug auf den „gesun­den Men­schen­ver­stand“ anzu­spie­len scheint, den auch Trump in sei­ner Ein­füh­rungs­re­de beschwor. Die Demo­kra­tie, so scheint er zu sagen, darf nicht dar­in bestehen, daß die Mehr­heit gegen den gesun­den Men­schen­ver­stand kämpft, den das Volk in sich trägt, denn das wür­de des­sen Selbst­mord bedeu­ten. Das sind Andeu­tun­gen und Hin­wei­se, die, wei­ter aus­ge­führt, den vol­len Kon­sens der Sozi­al­leh­re der Kir­che fin­den würden.

Und schließ­lich kom­men wir zu dem, was Van­ce nicht gesagt hat, weil er vor­her auf­ge­hört hat, was die Sozi­al­leh­re aber für wich­tig hält. Wor­auf grün­det sich die Demo­kra­tie letzt­lich? Zu sagen, sie beru­he auf dem Man­dat des Vol­kes, ist trotz der viel­ver­spre­chen­den Anspie­lun­gen auf die Natur des Vol­kes, von denen ich gera­de gespro­chen habe, unzu­rei­chend. Die Auf­for­de­rung an Euro­pa, das Man­dat des Vol­kes nicht zu dome­sti­zie­ren oder gar zu ver­leug­nen, wie in dem von ihm zitier­ten Fall der Wahl­an­nul­lie­rung in Rumä­ni­en, reicht nicht aus, denn auf die­se Wei­se könn­te eine „Volks­sou­ve­rä­ni­tät“ begrün­det wer­den, die eben­so poten­ti­ell tota­li­tär ist. Hier wür­de die Sozi­al­leh­re der Kir­che ein­grei­fen, um Van­ce auf­zu­for­dern, den Weg des „gemein­sa­men Gefühls“, auf den er anspiel­te, wei­ter­zu­ge­hen, um zu jener sozia­len und end­gül­ti­gen Ord­nung zu gelan­gen, die der Demo­kra­tie die zu ver­tei­di­gen­den Wer­te gibt. Mehr­hei­ten schaf­fen kei­ne Wer­te, sie ach­ten und ver­tei­di­gen sie.

*Ste­fa­no Fon­ta­na, Direk­tor des Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thu­an for the Social Doc­tri­ne of the Church; zu sei­nen jüng­sten Publi­ka­tio­nen gehö­ren „La nuo­va Chie­sa di Karl Rah­ner“ („Die neue Kir­che von Karl Rah­ner. Der Theo­lo­ge, der die Kapi­tu­la­ti­on vor der Welt lehr­te“, 2017), gemein­sam mit Erz­bi­schof Pao­lo Cre­pal­di „Le chia­vi del­la que­stio­ne socia­le“ („Die Schlüs­sel der sozia­len Fra­ge. Gemein­wohl und Sub­si­dia­ri­tät: Die Geschich­te eines Miß­ver­ständ­nis­ses“, 2019), „La filoso­fia cri­stia­na“ („Die christ­li­che Phi­lo­so­phie. Eine Gesamt­schau auf die Berei­che des Den­kens“, 2021); alle erschie­nen im Ver­lag Fede & Cul­tu­ra, Verona.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

1 Kommentar

  1. Zeit-Fra­gen Maga­zin aus der Schweiz zu direk­ter und dezen­tra­ler Demo­kra­tie mit Ple­bis­zi­ten und Volks­ab­stim­mun­gen und star­kem Föde­ra­lis­mus und zur EU usw.

    http://​www​.zeit​-fra​gen​.ch

    Die Bedeu­tung des Katho­li­zis­mus und der Katho­lisch-Kon­ser­va­ti­ven für die Ent­wick­lung einer demo­kra­ti­schen Kul­tur in der Schweiz
    von Dr. phil. René Roca, For­schungs­in­sti­tut direk­te Demo­kra­tie (www​.fidd​.ch)
    In der Schweiz haben die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger die Demo­kra­tie in den letz­ten 200 Jah­ren zu einem welt­weit ein­ma­li­gen Modell ent­wickelt. Die direk­te Demo­kra­tie ist fester Bestand­teil der poli­ti­schen Kul­tur und das ent­schei­den­de Fun­da­ment für den wirt­schaft­li­chen Erfolg des Lan­des. Der Arti­kel «Geschichts­for­schung und direk­te Demo­kra­tie» (sie­he Zeit-Fra­gen Nr. 16 vom 28. Juli 2020) fass­te als Auf­takt und kur­zer Über­blickstext die bis­he­ri­gen For­schun­gen zusam­men. Nun sol­len, wie ange­kün­digt, in einer losen Fol­ge die For­schungs­re­sul­ta­te anhand ein­zel­ner The­men ver­tieft wer­den. Den Anfang machen der Katho­li­zis­mus und sei­ne Bedeu­tung für die Demo­kra­tie­ge­schich­te. Sein Ein­fluss, beson­ders in Form des katho­li­schen Kon­ser­va­tis­mus, für die Ent­ste­hung und Ent­wick­lung der direk­ten Demo­kra­tie in der Schweiz wird bis heu­te sehr stark unter­schätzt und in der Geschichts­wis­sen­schaft kom­plett igno­riert. Nach­fol­gend nun ein Aus­zug aus dem ein­lei­ten­den Kapi­tel des Tagungs­ban­des «Katho­li­zis­mus und moder­ne Schweiz».1

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2021/nr‑2–26-januar-2021/die-bedeutung-des-katholizismus-und-der-katholisch-konservativen-fuer-die-entwicklung-einer-demokratischen-kultur-in-der-schweiz

    Die Bun­des­ver­fas­sung und der Katho­li­zis­mus in der Schweiz
    Suk­zes­si­ve Inte­gra­ti­on der Verlierer
    von Dr. phil. René Roca, For­schungs­in­sti­tut direk­te Demo­kra­tie (www​.fidd​.ch)

    Die schwei­ze­ri­sche Geschichts­wis­sen­schaft pfleg­te in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts und teil­wei­se bis heu­te die «Mei­ster­er­zäh­lung», dass die Schwei­zer Libe­ra­len allei­ne den Bun­des­staat mit allen sei­nen Errun­gen­schaf­ten erschaf­fen hät­ten. Auch wenn die Libe­ra­len, vor allem die gemä­ssig­ten, einen gro­ssen Anteil am Bun­des­staat für sich in Anspruch neh­men kön­nen, darf der Ein­fluss der Katho­lisch-Kon­ser­va­ti­ven und auch der Früh­so­zia­li­sten nicht über­gan­gen wer­den. Auch im noch lau­fen­den Jahr, mit dem wir das Jubi­lä­um von 175 Jah­ren Schwei­ze­ri­sche Bun­des­ver­fas­sung fei­ern, erschie­nen Arti­kel, die ledig­lich die libe­ra­le Sei­te beton­ten. Im fol­gen­den Arti­kel wird nun spe­zi­ell der Anteil der Katho­lisch-Kon­ser­va­ti­ven am Bun­des­staat her­vor­ge­ho­ben und gewür­digt. Wei­te­re Arti­kel wer­den die Rol­le der ande­ren poli­ti­schen und ideel­len Kräf­te zum The­ma machen.

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2023/nr-27–27-dezember-2023/die-bundesverfassung-und-der-katholizismus-in-der-schweiz

    Eltern-Mit­wir­kung von Anfang an
    Eltern-Mit­wir­kung von Anfang an
    KED zieht Bilanz nach Bun­des­kon­gress – Bun­des­vor­sit­zen­de Kast­ner warnt vor Öko­no­mi­sie­rung von Bil­dung und Erziehung
    Katho­li­sche Eltern­schaft Deutsch­lands (KED) e.V.

    https://​www​.zeit​-fra​gen​.ch/​a​r​c​h​i​v​/​2​0​1​2​/​n​r​1​6​-​v​o​m​-​1​6​4​2​0​1​2​/​e​l​t​e​r​n​-​m​i​t​w​i​r​k​u​n​g​-​v​o​n​-​a​n​f​a​n​g​-an

    «Föde­ra­lis­mus und Kon­kor­danz – zwei zen­tra­le Bei­trä­ge des Katholizismus»
    «Föde­ra­lis­mus und Kon­kor­danz – zwei zen­tra­le Bei­trä­ge des Katholizismus»
    Gruss­wort von Natio­nal­rats­prä­si­dent Rue­di Lust­en­ber­ger, Wis­sen­schaft­li­che Kon­fe­renz des For­schungs­in­sti­tu­tes direk­te Demo­kra­tie am 17. Okto­ber 2014, Schwyz

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2014/nr-29–2‑dezember-2014/foederalismus-und-konkordanz-zwei-zentrale-beitraege-des-katholizismus

    Was heisst denn hier Links-Katholizismus?
    Was heisst denn hier Links-Katholizismus?
    Geg­ner von Stutt­gart 21 in der Gewalt­fra­ge nicht sauber

    https://​www​.zeit​-fra​gen​.ch/​a​r​c​h​i​v​/​2​0​1​1​/​n​r​-​2​6​-​v​o​m​-​2​7​6​2​0​1​1​/​w​a​s​-​h​e​i​s​s​t​-​d​e​n​n​-​h​i​e​r​-​l​i​n​k​s​-​k​a​t​h​o​l​i​z​i​s​mus

    Die direk­te Demo­kra­tie der Schweiz – ein Frie­dens­mo­dell in poli­ti­scher, sozia­ler und wirt­schaft­li­cher Hinsicht

    Die direk­te Demo­kra­tie der Schweiz – ein Frie­dens­mo­dell in poli­ti­scher, sozia­ler und wirt­schaft­li­cher Hinsicht
    Zum neu­en For­schungs­band von Dr. René Roca: «Die schwei­ze­ri­sche direk­te Demo­kra­tie in Theo­rie und Praxis»
    von Tobi­as Sal­an­der, Historiker

    Die direk­te Demo­kra­tie der Schweiz – ein Erfolgs­mo­dell, gera­de auch in Zei­ten der Wirt­schafts­kri­se. Wäh­rend vie­le Bür­ger in den euro­päi­schen Län­dern eben­falls Bestre­bun­gen unter­neh­men, mehr Mit­be­stim­mung zu erhal­ten, die­se aber in müh­se­li­ger Arbeit den selbst­er­nann­ten Eli­ten abtrot­zen müs­sen, lohnt sich auch ein Blick in die Geschich­te. Wie hat sich denn in der Schweiz die­ses Modell eines Auf­baus von unten nach oben ent­wickelt? Und war­um nennt sich die Schweiz auch «Eid­ge­nos­sen­schaft»? Wel­che Ele­men­te spiel­ten in der Geschich­te zusam­men, dass schon früh eine Mit­be­stim­mung der Bür­ger Tat­sa­che wur­de, als ande­re Län­der noch stark mon­ar­chi­stisch und/​oder ari­sto­kra­tisch struk­tu­riert waren? Der Blick in die For­schung an Schwei­zer Uni­ver­si­tä­ten zeigt, dass dies­be­züg­lich erstaun­li­cher­wei­se tie­fe Lücken klaf­fen. Und dass bis­her auch wenig unter­nom­men wur­de, die­sen Not­stand zu behe­ben. Die Grün­de dafür sind offen­sicht­lich: Wer ein direkt­de­mo­kra­ti­sches, von unten nach oben auf­ge­bau­tes und frie­dens­lie­ben­des Gemein­we­sen in ein von oben nach unten zen­tra­li­stisch von Finanz­olig­ar­chen und Lob­by­isten diri­gier­tes Mon­ster wie die EU ein­glie­dern will, muss der zu unter­jo­chen­den Bevöl­ke­rung ihre Wür­de, ihr Selbst­be­wusst­sein und vor allem ihr Geschichts­be­wusst­sein neh­men: Gelingt es in einem Land zu erwir­ken, dass Gel­der für die seriö­se wis­sen­schaft­li­che Erfor­schung der eige­nen Geschich­te und ihrer Beson­der­hei­ten nicht oder nur zöger­lich bewil­ligt wer­den, ist ein wich­ti­ger Teil in die­sem Gehirn­wä­sche­pro­gramm gelei­stet … Wenn man dabei wie bis dato noch auf die will­fäh­ri­ge Unter­stüt­zung einer ein­hei­mi­schen fünf­ten Kolon­ne zäh­len darf, macht dies die Sache für die Plu­to­kra­ten nur um so einfacher!
    Um so erfreu­li­cher ist es des­halb, dass im fol­gen­den ein For­scher und sein neue­stes Werk vor­ge­stellt wer­den dür­fen, der eine libe­ra­le Sie­ger­ge­schichts­schrei­bung, ent­stan­den nach dem Sieg im Son­der­bunds­krieg und der libe­ra­len Bun­des­staats­grün­dung von 1848, kri­tisch hin­ter­fragt, damit impli­zit aber auch einer ideo­lo­gie­ge­lei­te­ten Pro-EU-Histo­rie im Gefol­ge des Ber­gi­er-Berichts eine Absa­ge erteilt und zu Erkennt­nis­sen gelangt, die gera­de heu­te wich­tig sind für den Zusam­men­halt der Schweiz: denn gera­de auch den besieg­ten Katho­lisch-Kon­ser­va­ti­ven hat es die moder­ne Schweiz zu ver­dan­ken, dass alte genos­sen­schaft­li­che Tra­di­tio­nen und ein an der Wür­de des Men­schen ori­en­tier­tes per­so­na­les Men­schen­bild im 19. Jahr­hun­dert für die Ent­ste­hung der direk­ten Demo­kra­tie nutz­bar gemacht wer­den konn­ten, indem auf die­sem Boden den einer wahr­haf­ten Volks­sou­ve­rä­ni­tät gemäss Rous­se­au abge­neig­ten Libe­ra­len Instru­men­te abge­run­gen wer­den konn­ten, die heu­te unter dem Namen Refe­ren­dum und Initia­ti­ve Wesens­merk­ma­le des Son­der­falls Schweiz sind. Eine For­schungs­ar­beit, die Mut macht, allen am Modell Schweiz Betei­lig­ten die Wür­de zurück­gibt, geeig­net ist, eine Abwehr­front gegen den Dau­er­be­schuss unse­res Lan­des von sei­ten der EU und ins­be­son­de­re Deutsch­lands auf­zu­bau­en, und zu wei­te­ren For­schun­gen auffordert.

    https://​www​.zeit​-fra​gen​.ch/​a​r​c​h​i​v​/​2​0​1​3​/​n​r​4​-​v​o​m​-​2​1​1​2​0​1​3​/​d​i​e​-​d​i​r​e​k​t​e​-​d​e​m​o​k​r​a​t​i​e​-​d​e​r​-​s​c​h​w​e​i​z​-​e​i​n​-​f​r​i​e​d​e​n​s​m​o​d​e​l​l​-​i​n​-​p​o​l​i​t​i​s​c​h​e​r​-​s​o​z​i​a​l​e​r​-​u​n​d​-​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​l​i​c​h​e​r​-​h​i​n​s​i​cht

    «… möge die­se Begeg­nung ein Zei­chen der Hoff­nung für alle Men­schen guten Wil­lens sein»
    «… möge die­se Begeg­nung ein Zei­chen der Hoff­nung für alle Men­schen guten Wil­lens sein»
    Gemein­sa­me Erklä­rung von Papst Fran­zis­kus und Patri­arch Kyrill von Mos­kau und der gan­zen Rus
    zf. Fast 1000 Jah­re nach der auf das Jahr 1054 ange­setz­ten Spal­tung der Kir­che in die römisch-katho­li­sche mit Sitz in Rom und die ortho­do­xe mit Sitz im dama­li­gen Kon­stan­ti­no­pel ist es bei­den christ­li­chen Kir­chen gelun­gen, zum Aus­druck zu brin­gen, dass man die bestehen­den Dif­fe­ren­zen über­win­den will, und die Gemein­sam­kei­ten in der kir­chen­ge­schicht­li­chen Betrach­tung, im christ­li­chen Glau­ben und in zen­tra­len ethi­schen Fra­gen in einer gemein­sa­men Erklä­rung fest­zu­hal­ten. Das ist ein histo­ri­sches Ereig­nis und ein Zei­chen dafür, dass und wie es mög­lich ist, auch schwer­wie­gen­de Dif­fe­ren­zen zu über­win­den und in Anbe­tracht der Lage in der Welt die Gemein­sam­kei­ten ins Zen­trum zu stel­len. In die­sem Sin­ne könn­te die fol­gen­de gemein­sa­me Erklä­rung auch eine Weg­wei­sung für das der­zeit erneut höchst ange­spann­te und explo­si­ve Ost-West-Ver­hält­nis sein.
    Wir doku­men­tie­ren im fol­gen­den den voll­stän­di­gen Wort­laut der Erklärung.

    «Die Gna­de Jesu Chri­sti, des Herrn,
    die Lie­be Got­tes und die Gemeinschaft
    des Hei­li­gen Gei­stes sei mit euch allen!»
    (2 Kor 13,13)

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2016/nr‑5–1‑maerz-2016/moege-diese-begegnung-ein-zeichen-der-hoffnung-fuer-alle-menschen-guten-willens-sein

    Natur­recht – Die Grund­la­ge von Recht und Frieden
    Natur­recht – Die Grund­la­ge von Recht und Frieden
    von Urs Knob­lauch, Kul­tur­pu­bli­zist, Fruthwi­len TG
    Im Auf­trag der Johan­nes-Mess­ner-Gesell­schaft wur­de an der Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Bene­dikt XVI. Hei­li­gen­kreuz in Öster­reich der Sam­mel­band «Das Natur­recht – Quel­len und Bedeu­tung für die Gegen­wart» von Her­bert Pri­byl und Chri­sti­an Machek her­aus­ge­ge­ben (Be&Be-Verlag Hei­li­gen­kreuz 2015). Dies ist sehr ver­dienst­voll, denn die The­ma­tik ist, in Anbe­tracht der zuneh­men­den Rela­ti­vie­rung und Ver­let­zung des Rechts in den ver­schie­de­nen gesell­schaft­li­chen und staat­li­chen Berei­chen, hoch­ak­tu­ell. Die Bei­trä­ge machen deut­lich, dass das Natur­recht eine ent­schei­den­de Grund­la­ge für eine all­ge­mein­gül­ti­ge Rechts­kul­tur und ein fried­fer­ti­ges und gerech­tes Zusam­men­le­ben der gan­zen Mensch­heits­fa­mi­lie bedeu­tet. Es bil­det die Grund­la­ge der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te der Ver­ein­ten Natio­nen von 1948 und des Völ­ker­rechts insgesamt.

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2016/nr-13–7‑juni-2016/naturrecht-die-grundlage-von-recht-und-frieden

    Direk­te Demo­kra­tie benö­tigt histo­ri­sches Wissen
    Direk­te Demo­kra­tie benö­tigt histo­ri­sches Wissen
    von Dr. phil. René Roca, For­schungs­in­sti­tut direk­te Demokratie*

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2015/nr-24–15-september-2015/direkte-demokratie-benoetigt-historisches-wissen

    Die Bedeu­tung von Fried­rich Wil­helm Raiff­ei­sen für die Genos­sen­schafts­be­we­gung des 19. Jahrhunderts
    Die Bedeu­tung von Fried­rich Wil­helm Raiff­ei­sen für die Genos­sen­schafts­be­we­gung des 19. Jahrhunderts
    von Dr. phil. René Roca, Historiker

    In Deutsch­land war im 19. Jahr­hun­dert sowohl der Ansatz von Schul­ze-Delitzsch als auch die «Idee Raiff­ei­sen» für eine breit abge­stütz­te Genos­sen­schafts­be­we­gung ver­ant­wort­lich. In der Schweiz sind ähn­li­che Abläu­fe fest­zu­stel­len. Es brauch­te immer die Ver­bin­dung von tra­di­ti­ons­be­wuss­ten, kon­ser­va­ti­ven Strö­mun­gen mit neu­en zeit­ge­mä­ssen Ideen. Nur so liess sich die brei­te Bevöl­ke­rung – in Stadt und Land – von den genos­sen­schaft­li­chen Wert­hal­tun­gen über­zeu­gen, und sie schöpf­te Ver­trau­en in neue Institutionen.
    Man stel­le sich vor, wenn das genos­sen­schaft­li­che Fun­da­ment des 19. Jahr­hun­derts, das in vie­len Natio­nal­staa­ten Erfolg hat­te, bis ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein noch kräf­ti­ger gewirkt hät­te und wenn nicht ande­re men­schen­ver­ach­ten­de, impe­ria­li­sti­sche und tota­li­tä­re Ideo­lo­gien die Ober­hand gewon­nen hät­ten. Ein 20. Jahr­hun­dert, ein Euro­pa ohne die bei­den Welt­krie­ge, sähe heu­te anders aus. Wir haben aber viel in der Hand. Wir müs­sen das Genos­sen­schafts­prin­zip wie­der stär­ker in der Wirt­schaft ver­an­kern. Auf die­se Wei­se kön­nen die Men­schen aus der Geschich­te ler­nen und eine «Wirt­schaft zum Woh­le aller» einrichten.

    https://​www​.zeit​-fra​gen​.ch/​a​r​c​h​i​v​/​2​0​1​3​/​n​r​1​1​-​v​o​m​-​1​1​3​2​0​1​3​/​d​i​e​-​b​e​d​e​u​t​u​n​g​-​v​o​n​-​f​r​i​e​d​r​i​c​h​-​w​i​l​h​e​l​m​-​r​a​i​f​f​e​i​s​e​n​-​f​u​e​r​-​d​i​e​-​g​e​n​o​s​s​e​n​s​c​h​a​f​t​s​b​e​w​e​g​u​n​g​-​d​e​s​-​1​9​-​j​a​h​r​h​u​n​d​e​rts

    Poli­tik muss auf Ethik ruhen
    Poli­tik muss auf Ethik ruhen
    von Moritz Nestor*

    Lebe in dei­nem Jahr­hun­dert, aber sei nicht sein Geschöpf;
    lei­ste dei­nen Zeit­ge­nos­sen, aber was sie bedür­fen, nicht was sie loben.

    Fried­rich Schiller

    Papst Bene­dikt XVI. hielt am 22. Sep­tem­ber 2011 vor dem deut­schen Bun­des­tag eine viel beach­te­te Rede zur poli­ti­schen Ethik. In den Mit­tel­punkt sei­ner Aus­füh­run­gen stell­te er das Natur­recht und mahn­te Wahr­haf­tig­keit im poli­ti­schen Han­deln an. Der poli­tisch ethi­sche Kern des Natur­rechts sei, so Bene­dikt XVI.:

    «Die Poli­tik muss Mühen um Gerech­tig­keit sein und so die Grund­vor­aus­set­zung für Frie­den schaf­fen. […] Dem Recht zu die­nen und der Herr­schaft des Unrechts zu weh­ren, ist und bleibt die grund­le­gen­de Auf­ga­be des Poli­ti­kers.» Es gehe um «die Fra­ge, was nun dem Gesetz der Wahr­heit ent­spre­che, was wahr­haft recht sei und Gesetz wer­den kön­ne […]».1

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2015/nr-25–29-september-2015/politik-muss-auf-ethik-ruhen

    Direk­te Demo­kra­tie im 19. Jahrhundert
    Direk­te Demo­kra­tie im 19. Jahrhundert

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2015/nr-30–24-november-2015/direkte-demokratie-im-19-jahrhundert

    Die Bedeu­tung des Natur­rechts für die Ethik und das fried­fer­ti­ge Zusam­men­wir­ken der Weltgemeinschaft
    Die Bedeu­tung des Natur­rechts für die Ethik und das fried­fer­ti­ge Zusam­men­wir­ken der Weltgemeinschaft
    Maria Rapha­e­la Höl­schers Buch «Das Natur­recht bei Joseph Ratzinger/​Papst Bene­dikt XVI.»
    von Urs Knob­lauch, Kul­tur­pu­bli­zist, Fruthwi­len TG

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2017/2223–12-september-2017/die-bedeutung-des-naturrechts-fuer-die-ethik-und-das-friedfertige-zusammenwirken-der-weltgemeinschaft

    Poli­tik muss auf Ethik ruhen
    Poli­tik muss auf Ethik ruhen
    von Joa­chim Hoe­fe­le und Moritz Nestor

    https://​www​.zeit​-fra​gen​.ch/​a​r​c​h​i​v​/​2​0​1​1​/​n​r​-​5​1​-​v​o​m​-​2​0​1​2​2​0​1​1​/​p​o​l​i​t​i​k​-​m​u​s​s​-​a​u​f​-​e​t​h​i​k​-​r​u​hen

    Natur­recht und Volks­sou­ve­rä­ni­tät – wich­ti­ge Bau­stei­ne für die Demo­kra­tie in der Schweiz (Teil 1)
    Natur­recht und Volks­sou­ve­rä­ni­tät – wich­ti­ge Bau­stei­ne für die Demo­kra­tie in der Schweiz (Teil 1)
    Ignaz Paul Vital Trox­lers Demokratiekonzeption
    von Dr. phil. René Roca, For­schungs­in­sti­tut direk­te Demokratie1

    https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2017/nr-31–5‑dezember-2017/naturrecht-und-volkssouveraenitaet-wichtige-bausteine-fuer-die-demokratie-in-der-schweiz-teil‑1

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