Unschöne Szene: Priester verweigert die Mundkommunion

Der Wechsel von der Mund- zur Handkommunion in nur 50 Jahren war kein Naturereignis, sondern menschengemacht


An der Wallfahrtskirche zur heiligen Therese von Lisieux ereignete sich der Vorfall durch den Kirchenrektor Don Silvio José Dias
An der Wallfahrtskirche zur heiligen Therese von Lisieux ereignete sich der Vorfall durch den Kirchenrektor Don Silvio José Dias

(Bra­si­lia) Seit Coro­na sind die Men­schen eini­ges an staat­lich ver­ord­ne­ter Irre­füh­rung und damit ein­her­ge­hen­der Stu­pi­di­tät gewöhnt. Wie drin­gend not­wen­dig die Auf­ar­bei­tung, der Coro­na-Lüge, Pseu­do­pan­de­mie, oder wie immer man den Lug und Trug nen­nen will, ist, zeigt ein Vor­fall in Bra­si­li­en. Die­ser ereig­ne­te sich nicht etwa im undurch­dring­li­chen und oft­mals durch das Auf­set­zen ideo­lo­gi­scher Bril­len in Euro­pa auch undurch­sich­ti­gen Ama­zo­nas­dschun­gel, son­dern im sehr euro­päi­schen Bun­des­staat São Paulo.

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In Bra­si­li­en und ande­ren süd­ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten sind Fäl­le von Den­gue-Fie­ber auf­ge­tre­ten. Das ist eine Tro­pen­krank­heit, die durch das Den­gue-Virus aus­ge­löst wird. Durch die hohe Mobi­li­tät der moder­nen Gesell­schaft konn­te sich das Virus in Gegen­den aus­brei­ten, in denen es vor­her nicht anzu­tref­fen war. Die Sterb­lich­keits­ra­te liegt bei etwa 0,02 Pro­zent. Es sind mehr die Sym­pto­me, hohes Fie­ber und Glie­der­schmer­zen, die in der aku­ten Krank­heits­pha­se unan­ge­nehm sind.

Die guten Nach­rich­ten: Infi­zier­te sind ein Leben lang immun gegen das Virus. Und: Das Fie­ber kann nicht von Mensch zu Mensch über­tra­gen wer­den, auch nicht von Mut­ter zu Kind. Über­trä­ger sind Stech­mücken, zumeist Gelbfieber‑, aber auch Tigermücken.

Und damit kom­men wir zum Vor­fall, um den es geht: Trotz der genann­ten Fak­ten ver­wei­gert ein Prie­ster in São Pau­lo Gläu­bi­gen die Mund­kom­mu­ni­on mit Ver­weis auf das Den­gue-Fie­ber und ein des­halb angeb­lich herr­schen­des Gefährdungsrisiko.

Zum nicht vor­han­de­nen Ansteckungs­ri­si­ko wur­de bereits alles gesagt.

Die kirch­li­chen Bestim­mun­gen hin­ge­gen sind ein­deu­tig: Die Mund­kom­mu­ni­on ist die der Tra­di­ti­on ent­spre­chen­de ein­zi­ge ordent­li­che Form des Kom­mu­nion­emp­fangs. Erst 1969, fast zwei­tau­send Jah­re nach Chri­stus, erteil­te Papst Paul VI. eine Dis­pens, die es Bischofs­kon­fe­ren­zen, die es möch­ten, ermög­licht, zusätz­lich als außer­or­dent­li­che Form der Kom­mu­ni­ons­pen­dung die pro­te­stan­ti­sche Hand­kom­mu­ni­on zu erlau­ben. Seit­her haben, zeit­lich unter­schied­lich, ver­schie­de­ne Bischofs­kon­fe­ren­zen von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch gemacht. Das ändert jedoch nichts an der Tat­sa­che, daß die Mund­kom­mu­ni­on die eigent­li­che Form der Kom­mu­ni­ons­pen­dung ist, also weder durch die zusätz­li­che Hand­kom­mu­ni­on ersetzt und schon gar nicht unter­sagt wer­den kann.

Die Rea­li­tät sieht frei­lich etwas anders aus. Die Zulas­sung der dem kirch­li­chen Kul­tus frem­den Hand­kom­mu­ni­on wur­de seit 1969 mas­siv geför­dert. Den Gläu­bi­gen wur­de erst gar nicht kom­mu­ni­ziert, daß es sich bei der Hand­kom­mu­ni­on nur um eine Aus­nah­me­re­ge­lung han­delt. Gan­ze Gene­ra­tio­nen von Erst­kom­mu­ni­kan­ten wur­den im irri­gen Glau­ben gelas­sen, die Hand­kom­mu­ni­on sei die regu­lä­re Form des Kom­mu­nion­emp­fangs. Die Mund­kom­mu­ni­on wur­de ihnen erst gar nicht ver­mit­telt, meist nicht ein­mal erwähnt, eher sogar davon abgeraten.

So kam es zur absur­den Situa­ti­on, daß die Kir­che eine regu­lä­re Form der Kom­mu­ni­ons­pen­dung und des Kom­mu­nion­emp­fangs hat, die­se aber kaum mehr genützt wird.

In Coro­na-Zei­ten wur­den die kirch­li­chen Rechts­nor­men von kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten in der Fra­ge der Kom­mu­ni­ons­pen­dung sogar gebro­chen, ohne dies öffent­lich zu kom­mu­ni­zie­ren. Viel­fach wur­de der Kom­mu­nion­emp­fang, auf­grund des behaup­te­ten, tat­säch­lich aber nie gege­be­nen Gesund­heits­not­stan­des, ein­ge­schränkt und die Mund­kom­mu­ni­on ganz besei­tigt. Die­ser schwer­wie­gen­de Rechts­bruch wird von einem engen Ver­trau­ten von Papst Fran­zis­kus in sei­ner Erz­diö­ze­se Chie­ti-Vas­to noch heu­te prak­ti­ziert.

Der Vor­fall in São Pau­lo zeigt, wie sehr die Coro­na-Maß­nah­men (nicht Coro­na) das Den­ken man­cher kor­rum­piert zu haben schei­nen. Anders läßt sich das schwer­wie­gen­de Ver­hal­ten von Don Sil­vio José Dias, Rek­tor der Wall­fahrts­kir­che San­ta Tere­zin­ha in der Diö­ze­se Taub­a­té im Bun­des­staat São Pau­lo, nicht erklären.

Kir­chen­recht­lich ist es undenk­bar, daß auch nur irgend­je­mand irgend­wo auf der Welt zur Hand­kom­mu­ni­on gezwun­gen wer­den kann. Wann immer so etwas ver­langt wird, liegt ein schwer­wie­gen­der Ver­such der Rechts­beu­gung vor.

Der Vor­fall in der genann­ten Wall­fahrts­kir­che im Paraí­ba­tal ist durch eine Video­auf­nah­me doku­men­tiert. Sie zeigt, wie ein Gläu­bi­ger vor Don Sil­vio José Dias kniet und dar­um bit­tet, die Mund­kom­mu­ni­on emp­fan­gen zu kön­nen, der Prie­ster dies jedoch ablehnt und ver­sucht, dem Gläu­bi­gen die kon­se­krier­te Hostie in die Hand zu drücken, was die­ser aber ablehnt. Schließ­lich ging der Prie­ster ein­fach wei­ter und ließ den Gläu­bi­gen ohne Kom­mu­ni­on zurück.

Das Video ver­brei­te­te sich schnell im Inter­net und führ­te zu einer hef­ti­gen Pole­mik. Medi­en­ver­tre­ter frag­ten in der Metro­po­li­tan­kir­che von São Pau­lo nach. Dort ver­wies man auf die Instruk­ti­on Redemp­tio­nis Sacra­men­tum der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, damals unter der Lei­tung von Glau­bens­prä­fekt Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, vom 19. März 2004, in der es heißt: daß „jeder Gläu­bi­ge das Recht hat, die hei­li­ge eucha­ri­sti­sche Kom­mu­ni­on mit dem Mund und kniend zu empfangen“.

Wobei die Gewichts­ver­schie­bung offen­kun­dig ist, da die Instruk­ti­on die Dis­pens, also Aus­nah­me von der Regel, von 1969 als gleich­ran­gig prä­sen­tier­te. Die seit 1969 aus­ge­lö­ste Ent­wick­lung mach­te es 2004 not­wen­dig, die ein­zi­ge ordent­li­che Form der Kom­mu­ni­ons­pen­dung ver­tei­di­gen zu müs­sen, so sehr war sie durch die „Rea­li­tät“ bereits an den Rand gedrängt wor­den. Nun fällt bekannt­lich kei­ne „Rea­li­tät“ vom Him­mel, son­dern ist men­schen­ge­macht, was viel über das Ver­hal­ten des Kle­rus, von den Ober­hir­ten bis zum Land­pfar­rer, aussagt.

Don Sil­vio José Dias aus Pin­da­mon­h­an­ga­ba wur­de 1995 zum Prie­ster des Bis­tums Taub­a­té geweiht, war dann unter ande­rem Lei­ter der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung und Chef­re­dak­teur der Kir­chen­zei­tung der Diö­ze­se und wur­de 2016 von sei­nem Bischof zum Öko­no­men der Diö­ze­se und Rek­tor der Wall­fahrts­kir­che der hei­li­gen The­re­se von Lisieux ernannt. Die Errich­tung des Wall­fahrts­or­tes wur­de 1924 begon­nen. 1929 wur­de die Kir­che geweiht.

Die Auf­ar­bei­tung der Coro­na-Maß­nah­men ist drin­gend gebo­ten, damit sich der­glei­chen nicht mehr wie­der­holt. Die Fol­gen wer­den am bra­si­lia­ni­schen Bei­spiel deut­lich. Der Vor­wand ist, und sei es aus fal­scher Angst, mit dem Zau­ber­wort „Gesund­heits­not­stand“ schnell gefun­den. Die damit ein­her­ge­hen­de Demon­ta­ge des Aller­hei­lig­sten und damit der Kir­che und des Glau­bens in sei­nem Wesens­kern wird offen­bar nicht ein­mal erkannt.

Die Ent­wick­lung von der Mund- zur Hand­kom­mu­ni­on ist eine men­schen­ge­mach­te, die vom hohen Kle­rus aus­ging. Obwohl die Hand­kom­mu­ni­on nur eine Aus­nah­me­re­ge­lung dar­stellt, kehr­te man die Ver­hält­nis­se trotz der gel­ten­den Rechts­la­ge in ihr Gegen­teil um. Die Mund­kom­mu­ni­on wur­de zum exo­ti­schen Aus­nah­me­wunsch irgend­wel­cher „Indiet­ri­sten“ mit „selbst­mör­de­ri­schem Ver­hal­ten“ (bei­de Aus­sa­gen von Papst Fran­zis­kus) erklärt. Und so kommt es zu den unschö­nen Sze­nen, wie im Staat São Pau­lo, um es euphe­mi­stisch zu sagen. Die Abnei­gung bricht sich ihre Bahn. So kam es selbst beim Requi­em für Bischof Kurt Krenn in sei­ner Bischofs­kir­che in Sankt Pöl­ten zu sol­chen Sze­nen. Es geht auch um den Geist dahinter.

Weder die Diö­ze­se Taub­a­té noch Wall­fahrts­di­rek­tor Sil­vio José Dias haben bis­her zum Vor­fall Stel­lung genommen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Dio​ce​se​de​taub​a​te​.org​.br/​M​e​t​r​o​p​o​l​e​s​.​com (Screen­shots)

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1 Kommentar

  1. „Die guten Nach­rich­ten: Infi­zier­te sind ein Leben lang immun gegen das Virus.“ Die­se Infor­ma­ti­on ist schlicht weg falsch, lie­ber Herr Nar­di. Bit­te infor­mie­ren Sie sich. Eine zwei­te Infek­ti­on kann meist schwe­re Fol­gen haben, die sogar zum Tode füh­ren kön­nen. Also bit­te stel­len Sie die Sache rich­tig! Vergelt‚s Gott!

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