Anglikanische Bischöfin berät Papst Franziskus im Kardinalsrat zur „Frauenfrage“

Die weibliche Dimension der Kirche


Der erneuerte C9-Kardinalsrat berät über "die Aufwertung der Rolle der Frau in der Kirche". Anwesend ist auch Kardinal Lacroix (Kreis), gegen den in Kanada wegen homosexuellen Mißbrauchs ermittelt wird. Im Hintergrund die drei Referentinnen: (v. l.) Giuliva Di Berardino, Sr. Linda Pocher und die anglikanische Bischöfin Jo Bailey Wells.
Der erneuerte C9-Kardinalsrat berät über "die Aufwertung der Rolle der Frau in der Kirche". Anwesend ist auch Kardinal Lacroix (Kreis), gegen den in Kanada wegen homosexuellen Mißbrauchs ermittelt wird. Im Hintergrund die drei Referentinnen: (v. l.) Giuliva Di Berardino, Sr. Linda Pocher und die anglikanische Bischöfin Jo Bailey Wells.

(Rom) In Rom tagt der­zeit der Kar­di­nals­rat C9, der Papst Fran­zis­kus in der Lei­tung der Welt­kir­che berät. Es ist bereits das zwei­te Tref­fen des Kar­di­nals­rats mit dem The­ma: die Auf­wer­tung der „Rol­le der Frau in Kir­che“. Seit Mona­ten geht das Gerücht um, daß alles vor­be­rei­tet wer­de, um ein weib­li­ches Dia­ko­nat einzuführen.

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Folgt man die­sen Gerüch­ten, dann soll alles bereit­ste­hen. Im Vati­kan weiß man nach drei Stu­di­en­kom­mis­sio­nen zum The­ma zwar, daß es in der Geschich­te der Kir­che nie einen weib­li­chen Dia­kon gege­ben hat, doch das scheint in San­ta Mar­ta nicht als Hin­de­rungs­grund gese­hen zu wer­den. Der Zeit­geist ver­lan­ge nach einer stär­ke­ren Berück­sich­ti­gung der Frau­en, wes­halb dem ent­spro­chen wer­den sol­le. Getüf­telt wird an der Ver­si­on, wie der Schritt mög­lichst scho­nend gesetzt und argu­men­ta­tiv geklei­det wer­den könn­te. Fran­zis­kus, so heißt es in sei­nem Umfeld, sei immer auf der Suche nach „neu­en Wegen“. Er sei „offen“ und war­te auf zün­den­de Ideen.

Am ver­gan­ge­nen 30. Novem­ber hat­te Fran­zis­kus in der Audi­enz für die Mit­glie­der der Inter­na­tio­na­len Theo­lo­gen­kom­mis­si­on ange­kün­digt, nach­dem er im Satz zuvor die kon­ser­va­ti­ve deut­sche Theo­lo­gin Han­na-Bar­ba­ra Gerl-Fal­ko­vitz gelobt hat­te: „Und jetzt, in der näch­sten Ver­samm­lung der neun Kar­di­nä­le, wer­den wir eine Refle­xi­on über die weib­li­che Dimen­si­on der Kir­che haben“. Die Kom­bi­na­ti­on aus Beru­hi­gung und Vor­pre­schen ent­spricht der berg­o­glia­ni­schen Stra­te­gie. Das Schwer­ge­wicht der Aus­sa­ge liegt dabei jeweils auf dem zwei­ten Teil der Aussage.

Die aktu­el­le Sit­zung des C9-Kar­di­nals­rats dau­ert nur zwei Tage und endet heu­te. In die­sen Tagen sind Bei­trä­ge von drei Frau­en vor­ge­se­hen, dar­un­ter der angli­ka­ni­schen Bischö­fin Jo Bai­ley Wells. Joan­ne Wells wur­de 1995 zur Dia­ko­nin, 1996 zur Prie­ste­rin und 2016 zur Bischö­fin der Kir­che von Eng­land geweiht. Die katho­li­sche Kir­che erkennt die­se Wei­hen nicht an. Jo Wells ist ver­hei­ra­tet, auch ihr Mann ist angli­ka­ni­scher Pastor, und Mut­ter von zwei Kin­dern. Wells gehör­te frü­her zu den kon­ser­va­ti­ven Stim­men gegen die Homo-Agen­da. Seit sie Bischö­fin ist, schweigt sie aller­dings zu dem Thema.

Für bei­de Sit­zungs­ta­ge ist die stän­di­ge Anwe­sen­heit von Papst Fran­zis­kus ange­sagt. In den ersten Jah­ren tag­te der Kar­di­nals­rat jeweils drei Tage, wobei Fran­zis­kus am Mitt­woch vor­mit­tag wegen der Gene­ral­au­di­enz nicht dar­an teil­neh­men konn­te. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den die Sit­zungs­pe­ri­oden auf zwei Tage ver­kürzt, um Fran­zis­kus die per­ma­nen­te Anwe­sen­heit zu ermöglichen.

Die Bera­te­rin­nen von Papst Fran­zis­kus und des C9-Kar­di­nal­rats: die angli­ka­ni­sche Bischö­fin Jo Wells, die Sale­sia­ne­rin Lin­da Pocher und die gott­ge­weih­te Giu­li­va Di Berardino

Wei­te­re Red­ne­rin­nen sind die sale­sia­ni­sche Ordens­frau Lin­da Pocher FMA, eine Toch­ter Mari­ens, Hel­fe­rin der Chri­sten. Sie lehrt Mario­lo­gie und Chri­sto­lo­gie am Auxi­li­um, der Päpst­li­chen Fakul­tät für Erzie­hungs­wis­sen­schaf­ten in Rom. Die aus Fri­aul stam­men­de Pocher erwarb 2020 ein Dok­to­rat der Dog­ma­tik an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na in Rom. Sie nahm bereits an der Sit­zung des Kar­di­nals­rats am ver­gan­ge­nen 5./6. Dezem­ber teil. Ihr beson­de­res Anlie­gen ist es, „auf den weib­li­chen Aspekt der Kir­che zu hören“.

Eben­so anwe­send ist Giu­li­va Di Berar­di­no, eine gott­ge­weih­te Frau des Ordo Vir­ginum der Diö­ze­se Vero­na, die als Exper­tin für jüdi­schen, bibli­schen und lit­ur­gi­schen Tanz und Theo­lo­gin vor­ge­stellt wird. Die aus der Stau­fer­stadt L’A­qui­la gebür­ti­ge Di Berar­di­no erwarb am bug­nini­schen Pasto­ral-Lit­ur­gi­schen Insti­tut in Padua ein Dok­to­rat der Liturgie.

Im Kon­text der im Vati­kan dis­ku­tier­ten „Frau­en­fra­ge“ ist auch die Auf­for­de­rung von Fran­zis­kus zu sehen, immer in sei­ner Anspra­che an die Mit­glie­der der Inter­na­tio­na­len Theo­lo­gen­kom­mis­si­on am 30. Novem­ber, die Kir­che zu „ent­männ­li­chen“.

Der seit 2017 geschrumpf­te Kar­di­nals­rat war von Fran­zis­kus am 7. März 2023 wie­der auf neun Mit­glie­der auf­ge­stockt wor­den, ohne das ursprüng­li­che geo­gra­phi­sche Sche­ma bei­zu­be­hal­ten, laut dem sie­ben Kar­di­nä­le jeweils einen Erd­teil ver­tra­ten. Ihm gehö­ren heu­te fol­gen­de Kar­di­nä­le an: Pie­tro Paro­lin, Staats­se­kre­tär; Fer­nan­do Vérgez Alz­a­ga, Prä­si­dent der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on für den Staat der Vati­kan­stadt und des Gover­na­torats des Staa­tes Vati­kan­stadt; Fri­do­lin Ambon­go Besun­gu, Erz­bi­schof von Kin­sha­sa (Kon­go); Oswald Gra­ci­as, Erz­bi­schof von Bom­bay (Indi­en); Seán Patrick O’Mal­ley, Erz­bi­schof von Bos­ton (USA); Juan José Omel­la Omel­la, Erz­bi­schof von Bar­ce­lo­na (Spa­ni­en); Gérald Lacroix, Erz­bi­schof von Qué­bec (Kana­da); Jean-Clau­de Hol­le­rich, Erz­bi­schof von Luxem­burg (Luxem­burg); Sérgio da Rocha, Erz­bi­schof von San Sal­va­dor de Bahia (Bra­si­li­en). Sekre­tär ist Msgr. Mar­co Mel­li­no, Titu­lar­bi­schof von Cresima.

Kar­di­nal Lacroix sieht sich neu­er­dings mit Vor­wür­fen des homo­se­xu­el­len Miß­brauchs kon­fron­tiert. Er bestrei­tet die Anschul­di­gun­gen und es gilt die Unschulds­ver­mu­tung. Da gemäß der neu­en kir­chen­recht­li­chen Bestim­mun­gen den­noch Ermitt­lun­gen gegen ihn auf­ge­nom­men wur­den, gab er bekannt, bis zur Klä­rung der Ange­le­gen­heit, sei­ne erz­bi­schöf­li­chen Rech­te in sei­ner Diö­ze­se ruhen zu las­sen. An der Sit­zung des Kar­di­nals­rats in Rom nimmt er aller­dings teil (sie­he Bild).

Tanz zu einem jüdi­schen Lied „als Gebet“ von Giu­li­va Di Berar­di­no in einer Kirche

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

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Katho­li­sches war die erste katho­li­sche Publi­ka­ti­on, die das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus kri­tisch beleuch­te­te, als ande­re noch mit Schön­re­den die Qua­dra­tur des Krei­ses versuchten.

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6 Kommentare

  1. Wenn ein Frau­en­dia­ko­nat kommt, trifft Bene­dikt XVI. dar­an wegen sei­nes Motu Pro­prio Omni­um in men­tem aus dem Jahr 2009 eine Mitschuld.

  2. „Tu es Petrus, et super hanc petram aedi­fi­c­abo Eccle­si­am meam.“

    Wor­an dach­te Jesus, als er die­se Wor­te zu Simon, mit dem Bei­na­men Petrus, sagte?

    Eine „Kir­che“ in unse­rem Sin­ne kann­te er ja nicht!

    Er dach­te doch wohl an die grie­chi­sche „Eccle­sia“?

    Kürz­lich kam ich auf die „glor­rei­che“ Idee, ein­mal nach­zu­schau­en, was denn die Grie­chen unter einer Eccle­sia verstanden! 

    Es lohnt sich, den­ke ich, ein­mal inten­siv dar­über nachzudenken! 😉

    • Inter­es­sant ist, daß Simon Kephas zu den Zei­ten, als Jesus bei ihnen war, von einem Fett­näpf­chen ins ande­re tritt. Petrus ist unter den Zwölf mit Abstand der, der am mei­sten ver­sagt. Er schläft ein, fürch­tet sich, zwei­felt, leug­net, wird sogar mit „Satan, wei­che von mir!“ geta­delt. Am Tag des Pfingst­er­eig­nis­ses ist er dann völ­lig ver­wan­delt. Da ist er der Fels. Petrus ist dann unter allen der Wehr­fä­hig­ste. Sei­ner Art wer­den die­je­ni­gen sein, die die künf­ti­ge Kir­che tragen.
      Der Blick auf sei­ne Pfingst­pre­digt ist eine gro­sse Mah­nung an uns. Da spricht er vor der ver­sam­mel­ten Bevöl­ke­rung von Jeru­sa­lem. Nicht im gering­sten nimmt er Rück­sicht auf die Erwar­tungs­hal­tung sei­ner Zuhö­rer­schaft. Was die Men­schen von ihm Den­ken, ist irrele­vant. Wor­in besteht sei­ne Wehr­fä­hig­keit also? Sie besteht im Ein­set­zen der Wahrheit.

  3. Eine sakra­men­ta­le Wei­he zur Dia­ko­nin wäre immer ungül­tig und wür­de den Papst zum Häre­ti­ker machen – die Ein­heit der drei Ämter ist immer­hin dog­ma­ti­scher Natur. Ver­mut­lich wird es eine Seg­nung wer­den. Schlimm und ver­wir­rend genug. In jedem Fall dürf­te sich Fran­zis­kus den Zorn Got­tes zuzie­hen, der sei­ner Sakra­men­te nicht spot­ten lässt!

  4. Hei­li­ger Vater ich bit­te Sie bei allen Engeln und Hei­li­gen hören Sie auf mit dem Unsinn und keh­ren Sie zurück zum Glau­ben zu dem Glau­ben den wir von unse­ren Vätern und Müt­tern erhal­ten haben
    Bit­te, Bit­te, Bitte

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