Was hat es mit Putins verschleppten Kindern auf sich? Fragen an den russischen Botschafter beim Heiligen Stuhl

Fragen und Antworten


Die Kinderrechtsbeauftragte Marija Lwowa-Belowa bei Wladimir Putin. Beide werden vom Internationalen Strafgerichtshof mit Haftbefehl gesucht, was vor allem Zweifel an der Unparteilichkeit des UNO-Tribunals aufkommen läßt.
Die Kinderrechtsbeauftragte Marija Lwowa-Belowa bei Wladimir Putin. Beide werden vom Internationalen Strafgerichtshof mit Haftbefehl gesucht, was vor allem Zweifel an der Unparteilichkeit des UNO-Tribunals aufkommen läßt.

Kurz vor Weih­nach­ten wur­de auf­fal­lend stark ein The­ma auf­ge­grif­fen, das im Zusam­men­hang mit dem rus­sisch-ukrai­ni­schen Krieg die Gemü­ter bewegt: Die Regie­rung in Kiew, der der west­li­che Main­stream als Laut­spre­cher dient, wirft Mos­kau vor, Aber­tau­sen­de von Kin­dern nach Ruß­land depor­tiert, also ent­führt zu haben. Das ZDF sprach im Mai 2023 von „ver­schlepp­ten“ Kin­dern, ande­re Medi­en beschul­dig­ten Ruß­land Kin­der zu „kid­nap­pen“, Arte berich­te­te von „gestoh­le­nen Kin­dern“ und der links­li­be­ra­le Stan­dard titel­te im Novem­ber 2022 gar: „Mos­kau raubt hun­dert­tau­sen­de ukrai­ni­sche Kin­der“. Was hat es damit auf sich? Grau­sa­me Wahr­heit oder west­li­ches Pro­pa­gan­da­mär­chen? Hier ein Bei­trag, um etwas mehr Licht in die Sache zu bringen.

Anzei­ge

Am 18. Dezem­ber ver­öf­fent­lich­te der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster den Arti­kel: „Das Weih­nach­ten Jesu und der nach Ruß­land depor­tier­ten ukrai­ni­schen Kin­der“. Dar­in wur­den von ihm zwei Aus­sa­gen auf­ge­grif­fen, aus denen er sei­ne Ankla­ge gegen Mos­kau formulierte:

  • Am 30. Juni hat­te der Osser­va­to­re Roma­no, die inof­fi­zi­el­le „Tages­zei­tung des Pap­stes“, von „19.000 nach Ruß­land depor­tier­ten ukrai­ni­schen Min­der­jäh­ri­gen“ berich­tet. Anlaß war die Mos­kau-Rei­se von Kar­di­nal Matteo Zup­pi vom 28.–30. Juni, der von Papst Fran­zis­kus zum Son­der­ge­sand­ten für den Frie­den in der Ukrai­ne ernannt wor­den war. Es war aller­dings nicht Kar­di­nal Zup­pi, der die­se Zahl nannt, obwohl die­ser Ein­druck ent­ste­hen konn­te. Eine Quel­le wur­de vom Osser­va­to­re Roma­no nicht benannt.
  • Am 18. Novem­ber sag­te die Ukrai­ne­rin Han­na Jud­kiws­ka, ehe­ma­li­ge Rich­te­rin am Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te und jetzt Vize­prä­si­den­tin der UN-Arbeits­grup­pe für will­kür­li­che Inhaf­tie­run­gen, dem Avve­ni­re, der Tages­zei­tung der ita­lie­ni­schen Bischö­fe, daß „fast 20.000 Kin­der“ nach Ruß­land „depor­tiert wur­den“, von denen bis­her „nur 386 zurück­ge­kehrt sind“.

Gestützt auf die­se bei­den Quel­len (es lie­ßen sich noch vie­le ande­re nen­nen, die die­se Zahl als Tat­sa­che ver­brei­te­ten), erhob Magi­ster Ankla­ge gegen Ruß­land und mach­te auf das Schick­sal der depor­tier­ten Kin­der auf­merk­sam. In west­li­chen Medi­en wird seit vie­len Mona­ten die­ses The­ma betont. Das Schick­sal von Kin­dern bewegt zu Recht die Gemü­ter. Es löst aus ver­ständ­li­chen Grün­den Emo­tio­nen und Empö­rung aus. 

Bekannt ist aber auch, daß Mos­kau die Anschul­di­gung wie­der­holt zurück­wies. Tat­säch­lich wur­de die anfangs behaup­te­te Zahl von „hun­dert­tau­sen­den Kin­dern“, mit denen das The­ma im Westen in die Köp­fe ein­ge­pflanzt wur­de, im Mai 2023 in einem Euro­pa­rats-Doku­ment auf 19.540 Kin­der redu­ziert. Die­ser Umstand zeigt, unter wel­chen zwei­fel­haf­ten Vor­zei­chen das The­ma in die Öffent­lich­keit getra­gen wur­de. Ruß­land stellt auch die­se nach unten kor­ri­gier­te Zahl in Fra­ge und ver­langt Namen und Bele­ge, die bis heu­te nicht annä­hernd vor­lie­gen, um die Zahl zu stüt­zen. Was ist also dran an der Sache? Geht es nur um ein Pro­pa­gan­da­in­stru­ment des Westens gegen Ruß­land, wie Mos­kau sagt? 

War­um aber ein Propagandainstrument?

Lügen zur Stimmungsmache

2015 berich­te­te der Deutsch­land­funk über „Blu­ti­ge Lügen zur Stim­mungs­ma­che“. Es wur­de das Buch „Ame­ri­kas Schat­ten­krie­ger“ der deut­schen Jour­na­li­stin Eva Schweit­zer vor­ge­stellt, das Kriegs­pro­pa­gan­da und Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen entlarvt.

Im Ersten Welt­krieg mel­de­ten bri­ti­sche und US-ame­ri­ka­ni­sche Medi­en, deut­sche Sol­da­ten wür­den bel­gi­schen Kin­dern die Hän­de abhacken, die­se kochen und dann essen. Die New York Times ver­öf­fent­lich­te ein Bild, das einen deut­schen Sol­da­ten mit einem auf sei­nem Bajo­nett auf­ge­spieß­ten Baby zeig­te. Nichts davon ent­sprach der Wahr­heit. Es han­del­te sich um nie­der­träch­ti­ge Greu­el­pro­pa­gan­da zum Zweck, die Bevöl­ke­rung der angel­säch­si­schen Staa­ten (das bri­ti­sche Empire beherrsch­te damals ein Vier­tel der Welt, die USA waren gera­de am Sprung zur Welt­macht) gegen die Deut­schen auf­zu­het­zen. Heu­te wür­de man von Haß­pro­pa­gan­da spre­chen. Der Deutsch­land­funk schrieb 2015:

„Bei­de Geschich­ten soll­ten die ame­ri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung auf den Welt­krieg ein­stim­men. Das Motiv – grau­sa­mer Sol­dat gegen wehr­lo­se Klein­kin­der – ist Stan­dard in der Kriegspropaganda.“

Dabei befan­den sich die USA damals gar nicht im Krieg, doch ein­fluß­rei­che Krei­se hat­ten offen­sicht­lich bereits ein Inter­es­se, skru­pel­los Feind­bil­der zu erzeu­gen, um ein­sei­tig Par­tei ergrei­fen zu können.

Bes­ser in Erin­ne­rung ist die Brut­ka­sten­lü­ge von 1990, aller­dings muß man dafür inzwi­schen auch schon über 45 Jah­re alt sein. Der west­li­che Main­stream trom­mel­te, daß ira­ki­sche Sol­da­ten im besetz­ten Kuwait Früh­ge­bo­re­ne aus den Brut­kä­sten hol­ten und auf den Boden leg­ten, damit sie ster­ben. Auch an die­ser Geschich­te war nichts dran, dien­te aber den USA, ihren ersten Krieg gegen den Irak zu recht­fer­ti­gen. Die Lüge konn­te erst viel spä­ter als sol­che ent­larvt wer­den, doch da war der Krieg schon aus. Die Pro­pa­gan­da hat­te ihren Zweck erfüllt. Kon­se­quen­zen gab es, trotz unzäh­li­ger Toter und Zer­stö­run­gen, keine.

Auch im Nah­ost-Kon­flikt scheint es der­zeit viel Des­in­for­ma­ti­on zu geben, immer mit dem Ziel einer Eska­la­ti­on, um den Krieg auszuweiten.

Haben wir es also bei den „von Ruß­land depor­tier­ten Kin­dern“ mit einer ähn­li­chen Geschich­te zu tun? Eini­ges spricht dafür, denn es drän­gen sich meh­re­re Fra­gen auf. Wenn es 20.000 depor­tier­te Kin­der gibt: Wo sind die Eltern, die ver­zwei­felt alles in Bewe­gung set­zen wür­den, um ihre Kin­der zurück­zu­kom­men? Stimmt die­se Zahl? War­um soll­te Ruß­land Kin­der ent­füh­ren, was in der Geschich­te vor allem Skla­ven­hal­ter­staa­ten taten? Müs­sen Wai­sen­kin­der nicht aus Kriegs­ge­bie­ten eva­ku­iert und in Sicher­heit gebracht wer­den? War­um die auf­fäl­lig gehäs­si­ge Aver­si­on west­li­cher Medi­en gegen Mari­ja Lwo­wa-Belo­wa, die durch Wla­di­mir Putin zur Klä­rung des Schick­sals von unbe­glei­te­ten Kin­dern ernann­te Beauf­trag­te für die Rech­te von Min­der­jäh­ri­gen? Der Schwei­zer Tages-Anzei­ger nann­te sie „Putins Kin­der­die­bin“. Mari­ja Lwo­wa-Belo­wa ist selbst Mut­ter von fünf eige­nen Kin­dern und fünf Adop­tiv­kin­dern. Der Inter­na­tio­na­le Straf­ge­richts­hof, ein UN-Tri­bu­nal, des­sen Zustän­dig­keit die USA nicht aner­ken­nen und der nicht sel­ten als ver­län­ger­ter Arm der US-Regie­rung zu agie­ren scheint, erließ einen Haft­be­fehl gegen Lwo­wa-Belo­wa wegen „mut­maß­li­cher Kriegs­ver­bre­chen in der Ukrai­ne“, womit die „depor­tier­ten Kin­der“ gemeint sind. Muß man sich das so vor­stel­len, daß rus­si­sche Sol­da­ten Jagd auf Kin­der mach­ten, um die­se zu verschleppen?

Auf die sel­ten gestell­te Fra­ge, war­um Putin denn Kin­der ent­füh­ren las­sen soll­te, heißt es, sie wür­den zur „Auf­züch­tung“ der rus­si­schen Bevöl­ke­rung die­nen, was nicht nur aben­teu­er­lich klingt, son­dern auch eine ras­si­sti­sche Phan­ta­sie verrät.

Um die Ver­hält­nis­se in der Ukrai­ne zu ver­ste­hen, gilt es die Vor­stel­lung hin­ter sich zu las­sen, daß die Rus­sen nur hin­ter der Gren­ze von 2014, dies­seits der Gren­ze aber nur Ukrai­ner leb­ten. Tat­säch­lich aber leben in der Ost- und Süd­ukrai­ne nicht nur vie­le Rus­sen (also Groß­rus­sen), son­dern auch vie­le rus­sisch­spra­chi­ge Ukrai­ner, deren Sym­pa­thien Ruß­land zunei­gen. Die ukrai­ni­sche Bevöl­ke­rung unter­teilt sich in pro-west­li­che Ukrai­ner und pro-rus­si­sche Klein­rus­sen. Im Don­bass stel­len Groß- und Klein­rus­sen bei wei­tem die Bevöl­ke­rungs­mehr­heit, wes­halb es 2014 zur Abspal­tung die­ser Gebie­te von Kiew und dem Don­bass-Kon­flikt kam. Die Regie­rung in Kiew ver­ein­nahmt aber alle ukrai­ni­schen Staats­bür­ger als Ukrai­ner und „Opfer der rus­si­schen Aggression“. 

Fragen an die Russische Botschaft beim Heiligen Stuhl

Vor­sicht ist gebo­ten. Pro­pa­gan­da gibt es auf bei­den Sei­ten. Um mehr Licht in die Sache zu brin­gen oder zumin­dest bes­ser abwä­gen zu kön­nen, woll­ten wir auch die ande­re Sei­te hören. Das kommt in Kriegs­zei­ten zwar nicht gut an, scheint uns aber ange­sichts des enor­men Scha­dens, den Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen allein im 20. Jahr­hun­dert ange­rich­tet haben, gebo­ten zu sein. Wir haben daher die ein­gangs erwähn­ten Berich­te und Aus­sa­gen dem rus­si­schen Bot­schaf­ter beim Hei­li­gen Stuhl Iwan Sol­ta­now­ski [ursprüng­lich stand hier der Name von Alex­an­der Awde­jew, des frü­he­ren rus­si­schen Bot­schaf­ters; er wur­de am 18. Sep­tem­ber 2023 von Iwan Sol­ta­now­ski abge­löst; wir bit­ten den Feh­ler zu ent­schul­di­gen] vor­ge­legt, der direkt mit den vati­ka­ni­schen Stel­len und auch mit dem päpst­li­chen Son­der­ge­sand­ten Kar­di­nal Zup­pi zu tun hat. Dem Bot­schaf­ter haben wir kurz vor Weih­nach­ten fol­gen­de Fra­gen gestellt:

  • Was sagen Sie zu den Behaup­tun­gen, daß „fast 20.000 ukrai­ni­sche Kin­der nach Ruß­land depor­tiert“ wor­den sind? Um wel­che Kin­der han­delt es sich dabei?
  • Wel­che Maß­nah­men wur­den ergrif­fen, um die von ihren ukrai­ni­schen Eltern getrenn­ten Kin­der zurückzubringen?
  • War­um behar­ren ukrai­ni­sche und west­li­che Poli­ti­ker und Medi­en auf die­ser Aussage?
  • Gibt es kon­kre­te Bemü­hun­gen, einen Besuch von Papst Fran­zis­kus in Ruß­land zu ermöglichen?

Die Antwort des russischen Botschafters beim Heiligen Stuhl

Die nun ein­ge­gan­ge­ne Ant­wort der Rus­si­schen Bot­schaft beim Hei­li­gen Stuhl im voll­stän­di­gen Wortlaut:

Die ukrai­ni­sche Tra­gö­die hat eine huma­ni­tä­re Kri­se aus­ge­löst. Ein Jahr­zehnt unab­läs­si­ger Feind­se­lig­kei­ten hat dazu geführt, daß vie­le Fami­li­en gezwun­gen waren, ihre Hei­mat zu ver­las­sen. Infol­ge der Kämp­fe und der Ver­la­ge­rung der Front­li­nie wur­den auch vie­le Fami­li­en getrennt, was sicher­lich schreck­lich ist.
Die Fra­ge der von ihren Eltern (oder gesetz­li­chen Ver­tre­tern) getrenn­ten Min­der­jäh­ri­gen ist eine der hei­kel­sten. Wenn es um Kin­der geht, kann man nicht ohne Emo­tio­nen aus­kom­men. Lei­der wer­den Kin­der des­halb oft für poli­ti­sche Zwecke instru­men­ta­li­siert. Im Zusam­men­hang mit der Ukrai­ne-Kri­se spre­chen die Behör­den in Kiew und ihre Ver­bün­de­ten von ‚fast 20.000 nach Ruß­land depor­tier­ten‘ Kindern.

Nach den uns vor­lie­gen­den Daten hat Ruß­land seit Febru­ar 2022 etwa 5 Mil­lio­nen Flücht­lin­ge aus der Ukrai­ne (und den neu­en rus­si­schen Regio­nen, die zuvor trotz rus­si­scher Bevöl­ke­rung unter ukrai­ni­scher Ober­ho­heit stan­den) auf­ge­nom­men, von denen etwa 700.000 min­der­jäh­rig sind. Die mei­sten von ihnen kamen in Beglei­tung ihrer Eltern. Die­se Men­schen sind aus frei­en Stücken nach Ruß­land gekom­men (aber in den west­li­chen Medi­en ist immer von einer „rus­si­schen Aggres­si­on gegen das ukrai­ni­sche Volk“ die Rede).

Gleich­zei­tig wur­den etwa 1.500 Min­der­jäh­ri­ge aus Wai­sen­häu­sern und Min­der­jäh­ri­ge ohne Eltern und Ver­wand­te, d. h. unbe­glei­tet, von rus­si­schen Sol­da­ten unter den Bedin­gun­gen der Mili­tär­ak­tio­nen geret­tet und nach Ruß­land eva­ku­iert. Für vie­le von ihnen wur­de die Rück­kehr in ihre Wai­sen­häu­ser durch­ge­führt, die ande­ren befin­den sich in Ruß­land unter der Vor­mund­schaft (nicht Adop­ti­on!) rus­si­scher Fami­li­en, mit dem Ein­ver­ständ­nis der Min­der­jäh­ri­gen selbst. Wenn ein Eltern­teil, ein Ver­wand­ter oder ein recht­mä­ßi­ger Ver­tre­ter eines sol­chen Kin­des gefun­den wird oder sich mel­det, ver­steht es sich von selbst, daß sie selbst­ver­ständ­lich wie­der zusam­men­ge­führt wer­den, und sol­che Zusam­men­füh­run­gen fin­den auch statt. In Ruß­land gibt es eine inter­mi­ni­ste­ri­el­le Kom­mis­si­on, die sich eigens mit sol­chen Zusam­men­füh­run­gen befaßt.

Was die Maß­nah­men zur Rück­füh­rung von Min­der­jäh­ri­gen, betrifft, die von ihren Eltern getrennt wur­den, so ist die Arbeit, die Frau Mari­ja Lwo­wa-Belo­wa, die Beauf­trag­te des Prä­si­den­ten der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on für die Rech­te von Min­der­jäh­ri­gen, und ihr Büro, auch in Zusam­men­ar­beit mit dem Ver­tre­ter des Pap­stes für huma­ni­tä­re Fra­gen, Kar­di­nal Matteo Zup­pi, in die­ser Hin­sicht lei­sten, ein deut­li­ches Zeichen.

In dem Kom­mu­ni­qué des Büros von Frau Lwo­wa-Belo­wa vom 11. Dezem­ber wer­den die Ergeb­nis­se die­ser Tätig­keit in den ersten sechs Mona­ten der Zusam­men­ar­beit aus­führ­lich dar­ge­stellt [Kar­di­nal Zup­pi war am 20. Mai 2023 von Papst Fran­zis­kus mit der Frie­dens­mis­si­on im rus­sisch-ukrai­ni­schen Krieg beauf­tragt wor­den, Katho​li​sches​.info]. Auf der Grund­la­ge der von der ukrai­ni­schen Sei­te erstell­ten Listen von Kin­dern wird kon­kre­te und sorg­fäl­ti­ge Arbeit geleistet.

„Die Prü­fung eines jeden Fal­les ist ein sequen­ti­el­ler Algo­rith­mus von Maß­nah­men, ein­schließ­lich der direk­ten Inter­ak­ti­on mit den Ver­wand­ten der Kin­der, der Samm­lung und Ana­ly­se ver­füg­ba­rer Infor­ma­tio­nen über den Fall sowie der Über­mitt­lung von Anfra­gen an auto­ri­sier­te Stel­len für Infor­ma­tio­nen über den mög­li­chen Ver­bleib der Kin­der. Falls erfor­der­lich, wer­den Besu­che bei den Kin­dern orga­ni­siert und recht­li­che Fra­gen geklärt. Bis­lang konn­te eine Rei­he von Fäl­len geklärt wer­den“ (aus dem Kommuniqué).

So konn­ten Min­der­jäh­ri­ge iden­ti­fi­ziert wer­den, die die Hil­fe Ruß­lands bei der Zusam­men­füh­rung mit Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen benö­ti­gen könn­ten. „Dabei han­delt es sich ins­be­son­de­re um drei Kin­der, die mit ihrer Mut­ter im Jahr 2022 nach Ruß­land gekom­men sind. Auf­grund der schwie­ri­gen Lebens­si­tua­ti­on in der Fami­lie wur­den die Kin­der in einem sozia­len Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum für Min­der­jäh­ri­ge unter­ge­bracht. Dank der von Kar­di­nal Matteo Zup­pi bereit­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen konn­ten die Kin­der schnell aus­fin­dig gemacht und ihr Sta­tus fest­ge­stellt wer­den. Die wei­te­re Ent­wick­lung der Situa­ti­on wird von den Lebens­um­stän­den und der Mei­nung der Mut­ter der Kin­der abhän­gen“ (aus dem Kommuniqué).

„Es hat sich bestä­tigt, daß min­de­stens acht Min­der­jäh­ri­ge, die zuvor von Ver­wand­ten gesucht wur­den, sich nicht in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on auf­hal­ten, son­dern bei ihren Eltern und Ver­wand­ten in der Ukrai­ne oder in EU-Län­dern leben. In die­sem Zusam­men­hang wur­de die Suche nach die­sen Kin­dern ein­ge­stellt“ (aus dem Kommuniqué).

Eines der wich­tig­sten Ergeb­nis­se die­ser Arbeit ist die ein­deu­ti­ge Bestä­ti­gung, daß die Behaup­tun­gen von „Tau­sen­den von depor­tier­ten Kin­dern“ nicht den Tat­sa­chen entspricht.

Wenn es sie gibt, müs­sen kon­kre­te Listen von ihnen, ihre Nach­na­men, d. h. Fak­ten, vor­ge­legt wer­den. Es ist klar, daß dies nichts ande­res als eine Pro­pa­gan­da­kam­pa­gne mit Falsch­be­haup­tun­gen gegen Ruß­land ist.

In den acht Jah­ren des bewaff­ne­ten Kon­flikts in der Ukrai­ne (der 2014 begann, als die rus­si­schen Regio­nen der Ukrai­ne die Ergeb­nis­se des Put­sches und die Maß­nah­men zu ihrer Besei­ti­gung nicht akzep­tier­ten) wur­den bis Febru­ar 2022 150 Kin­der getö­tet und etwa 700 ver­letzt, als die ukrai­ni­schen Streit­kräf­te „Rebellen“-Gebiete bom­bar­dier­ten und dort vom ukrai­ni­schen Mili­tär ver­leg­te Minen explo­dier­ten. Wäh­rend die ukrai­ni­sche Sei­te wei­ter­hin die fried­li­che Bevöl­ke­rung die­ser (nun auch offi­zi­ell rus­si­schen) Gebie­te bom­bar­diert, wird Russ­land beschul­digt, weil es etli­che Min­der­jäh­ri­ge vor die­sen Bom­bar­die­run­gen geret­tet hat.

Und noch etwas. Soweit uns bekannt ist, gibt es inzwi­schen in vie­len euro­päi­schen Län­dern vie­le ukrai­ni­sche Min­der­jäh­ri­ge, die von den ört­li­chen Behör­den und den Jugend­äm­tern ihren Fami­li­en weg­ge­nom­men wur­den. Allein in Deutsch­land sind es nach Anga­ben vom April 2023 etwa 80. Ins­ge­samt gibt es Hun­der­te sol­cher Fäl­le und die Zahl steigt.

Ukrai­ni­sche Müt­ter, denen ihre Kin­der weg­ge­nom­men wur­den, schrei­ben in sozia­len Netz­wer­ken und wen­den sich sogar an rus­si­sche Kon­su­la­te (!), weil sie nicht mehr wis­sen, was sie tun sol­len. Aber all die­se Fäl­le wer­den tot­ge­schwie­gen, die west­li­chen Medi­en wol­len nichts davon wis­sen und nicht dar­über sprechen.

Was den mög­li­chen Besuch des Pap­stes in Ruß­land betrifft, so ist uns nicht bekannt, daß es dazu kon­kre­te Fak­ten gibt.

Text/​Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

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1 Kommentar

  1. Ein sehr wich­ti­ger Punkt wird von allen Sei­ten verschwiegen:
    Die Ukrai­ne hat seit ihrer Unab­hän­gig­keit 1991 ein sehr merk­wür­di­ges und in Euro­pa ein­ma­li­ges Gesetz, wonach eine Geburt bis zu 48 Stun­den spä­ter gemel­det wer­den muß, und wohl ent­we­der von einem Mann, der sich als Vater dekla­riert, oder einer Frau, die sich als Mut­ter dekla­riert; der Name des ande­ren Eltern­teils ist nicht not­wen­dig zu nennen.
    Das ist natür­lich eine lega­li­sti­sche Kon­struk­ti­on, wel­che die Tür für brei­te Leih­mut­ter­schaft geöff­net hat.
    Von mora­li­schen Aus­sa­gen oder Beden­ken betr. Leih­mut­ter­schaft ist aus der Ukrai­ne in den letz­ten 30 Jah­ren nichts bekannt geworden.
    Fakt ist jedoch, daß bei der tie­fen Armut von gro­ßen Tei­len der Bevöl­ke­rung sich Frau­en für Reproduktion/​Leihmutterschaft zur Ver­fü­gung stell­ten und die (Sperma)donoren aus dem Westen, zum größ­ten Teil aus den USA kamen.
    Die Frau­en wur­den natür­lich gut ernährt und ver­sorgt, in spe­zi­el­len Einrichtungen/„Hotels“/(„Farmen“) und aus ver­ständ­li­chen Grün­den nicht in tou­ri­sti­schen Hoch­bur­gen, son­dern in ruhi­ger Umgebung.
    Ein Geschäft, womit sehr viel Geld gemacht wurde.
    Beim Start der „mili­tä­ri­schen Son­der­ope­ra­ti­on“ und kurz hin­ter­her flüch­te­ten vie­le Per­so­nen, und teils sehr weit weg; und das ukrai­ni­sche Heer, teils in Panik, zog sich eilends zurück.
    Die frisch­ge­bä­ren­den, hoch­schwan­ge­ren und schwan­ge­ren Frau­en blie­ben in die­sen Ein­rich­tun­gen zurück.
    Ihre Exi­stenz und Lage ist mit Sicher­heit von den rus­si­schen Streit­kräf­ten bekannt gewe­sen, und offen­sicht­lich wur­den alle Per­so­nen dort in Sicher­heit gebracht.
    In den 9 Mona­ten hin­ter­her sind natür­lich alle Kin­der aus die­sen Leih­mut­ter­schaf­ten gebo­ren: auf dem Ter­ri­to­ri­um von Ruß­land, aus ein­fa­chen Müt­tern die mei­stens Rus­sisch spre­chen (wobei das Ukrai­ni­sche mit dem Rus­si­schen sehr ver­wandt ist) und von „unbe­kann­ter“ oder bekann­ter, aber nicht ange­ge­be­nen Vaterschaft.
    Der Westen nennt es „Ent­füh­rung“, die rus­si­sche Sei­te „vor­bild­li­che Ver­sor­gung von Mut­ter und Kind“ in der Heimat.
    Daß im Westen, und beson­ders in den USA, die Emo­tio­nen gewal­tig sind bei den Fami­li­en, die eine Leih­mut­ter­schaft indu­ziert und dafür viel Geld aus­ge­ge­ben haben und nun ohne Kind daste­hen, ist klar.
    Die gewal­ti­ge fun­da­men­ta­le Amo­ra­li­tät dahin­ten will man jedoch nicht offen­ge­legt haben.
    So bleibt nur eine dün­ne „legen­da nera“ [Schwar­ze Legende].

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