Kardinal Zen wurde 90: „Ich hoffe, daß ich den Herrn nie enttäuscht habe“

Mutige Stimme, die in Santa Marta nicht gehört wird

Kardinal Zen, die mutige Stimme der chinesischen Untergrundkirche, beging gestern seinen 90. Geburtstag.
Kardinal Zen, die mutige Stimme der chinesischen Untergrundkirche, beging gestern seinen 90. Geburtstag.

(Hong Kong) Kar­di­nal Joseph Zen, der eme­ri­tier­te Bischof von Hong­kong und graue Emi­nenz der chi­ne­si­schen Unter­grund­kir­che, wur­de gestern 90 Jah­re alt. Bei rüsti­ger Gesund­heit gehört er zu den kräf­tig­sten und mutig­sten, aber in San­ta Mar­ta unge­hör­ten Stim­men der Kirche.

Auf­grund sei­nes lan­gen Lebens erleb­te er seit sei­ner Eme­ri­tie­rung bereits drei Nach­fol­ger auf dem Bischofs­stuhl von Hong­kong. Zwei von ihnen, Kar­di­nal John Tong, Bischof von 2009 bis 2017, und der amtie­ren­de Bischof Ste­phen Chow Sau-yan SJ, der am 4. Dezem­ber geweiht wur­de, gra­tu­lier­ten ihrem Vor­gän­ger in einer schlich­ten Fei­er. Der drit­te, Msgr. Micha­el Yeung, war im Janu­ar 2019 nach nur andert­halb Jah­ren im Amt verstorben.

In kur­zen Glück­wün­schen schrieb die Diö­ze­se: „Möge die Gegen­wart des Herrn Jesus Sie beglei­ten und Ihnen sei­nen Segen und die Fül­le der Gna­de an die­sem beson­de­ren Tag schen­ken.“

Am Vor­mit­tag hat­te sich Kar­di­nal Zen auf sei­ner Face­book-Sei­te an die vie­len Men­schen aus aller Welt gewandt, die ihm ihre besten Wün­sche über­mit­telt hatten.

„Ich dan­ke dem Herrn für das Geschenk des Lebens und für mei­ne Beru­fung, als Prie­ster und Sale­sia­ner ein Die­ner Got­tes für unse­re lie­ben Jugend­li­chen und Sie alle zu sein. In all den Jah­ren habe ich mich immer wie­der gefragt: ‚Habe ich die Plä­ne erfüllt, die Gott für mich hat?‘ Ich hof­fe, den Herrn nie ent­täuscht zu haben. Ich dan­ke Ihnen von gan­zem Herzen!“

Kar­di­nal Zen wur­de am 13. Janu­ar 1932 in Yang King-pang in der Diö­ze­se Shang­hai gebo­ren. Er trat im August 1949, kurz vor der Aus­ru­fung der kom­mu­ni­sti­schen Volks­re­pu­blik Chi­na, in den Sale­sia­ner­or­den ein und wur­de 1961 in Turin zum Prie­ster geweiht. Er war Dozent an Prie­ster­se­mi­na­ren in Hong­kong und auf dem chi­ne­si­schen Fest­land sowie Pro­vinz­obe­rer sei­nes Ordens für Chi­na. Am 13. Sep­tem­ber 1996, weni­ge Mona­te vor der Rück­ga­be Hong­kongs an Chi­na, wur­de er von Johan­nes Paul II. zum Koad­ju­tor von Kar­di­nal John Bap­tist Wu ernannt, dem er 2002 als Bischof von Hong­kong nachfolgte. 

Kar­di­nal Zen wur­de zum Leucht­turm der Ver­tei­di­gung der frei­en Reli­gi­ons­aus­übung, der Men­schen­rech­te und der Rech­te der Kir­che in Chi­na. 2006 erhob ihn Papst Bene­dikt XVI. in den Kar­di­nal­s­rang. Kurz nach Voll­endung sei­nes 77. Lebens­jah­res wur­de er emeritiert.

Seit­her erhebt er mit gan­zem Ein­satz sei­ne Stim­me für die Frei­heit von Chi­nas Katho­li­ken und die Frei­heit Hong­kongs. Wäh­rend der Pro­te­ste der Regen­schirm-Bewe­gung ging er an der Sei­te der Stu­den­ten auf die Stra­ße. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren stemm­te er sich offen und ener­gisch gegen die neue Ost­po­li­tik des Vati­kans, beson­ders gegen das Geheim­ab­kom­men über die Bischofs­er­nen­nun­gen, das 2018 zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der kom­mu­ni­sti­schen Staats­füh­rung in Peking unter­zeich­net wur­de. Im Sep­tem­ber 2019 wand­te er sich mit einem Schrei­ben an alle Mit­brü­der im Kar­di­nal­s­rang, um ihnen das ekla­tan­te Schei­tern des Geheim­ab­kom­mens darzulegen:

„Kön­nen wir taten­los zuse­hen, wie die Kir­che in Chi­na getö­tet wird durch jene, die sie vor den Fein­den schüt­zen und ver­tei­di­gen sollten?“

Anlaß war die Ver­öf­fent­li­chung von Pasto­ra­len Ori­en­tie­run­gen zur Regi­strie­rung des Kle­rus für die Bischö­fe, Prie­ster und Gläu­bi­gen in Chi­na im Gefol­ge des Geheim­ab­kom­mens. Kar­di­nal Zen unter­zog die Ori­en­tie­run­gen einer ver­nich­ten­den Kri­tik:

„Mit dem neu­en Chi­na-Doku­ment des Vati­kans könn­te man sogar Apost­asie rechtfertigen.“

Am 8. Mai 2020 gehör­te er zu den Unter­zeich­nern der War­nung an die Kir­che und die Welt:

„Es gibt Mäch­te, die Coro­na für den Griff nach der Welt­herr­schaft miß­brau­chen wollen.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­News

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