Neue Kardinäle und eine neue Wahlordnung im Konklave?

Papst Franziskus und sein Nachfolger

Kreiert Papst Franziskus im kommenden Oktober bereits die nächsten Kardinäle, obwohl es einen Überschuß an Papstwählern gibt?
Kreiert Papst Franziskus im kommenden Oktober bereits die nächsten Kardinäle, obwohl es einen Überschuß an Papstwählern gibt?

(Rom) Wie­der­holt wird in unter­schied­li­chem Rah­men the­ma­ti­siert, auch durch und unter Vati­ka­ni­sten, ob Papst Fran­zis­kus bereits über das näch­ste Kon­kla­ve nach­denkt. Theo­re­tisch betrifft ein sol­ches kei­nen Papst, denn im Nor­mal­fall – wie die Geschich­te lehrt – ist der Tod des regie­ren­den Kir­chen­ober­haupts Vor­aus­set­zung und Anlaß zur Ein­be­ru­fung eines Kon­kla­ves. Viel­leicht mach­te sich Bene­dikt XVI. kei­ne wirk­li­chen, jeden­falls kei­ne stra­te­gi­schen Gedan­ken über sei­ne Nach­fol­ge. In Rom bezwei­felt jedoch nie­mand, und das ist durch­aus wört­lich zu neh­men, daß Fran­zis­kus sich sehr kon­kre­te Gedan­ken über sei­nen Nach­fol­ger macht.

Die seit 2013 fort­dau­ern­de Situa­ti­on zwei­er Päp­ste, eines zurück­ge­tre­te­nen und eines regie­ren­den, stellt zumin­dest in der kon­kre­ten Kon­stel­la­ti­on eine abso­lu­te Aus­nah­me dar. Kein Papst in der fast zwei­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te die­ser Insti­tu­ti­on ver­zich­te­te auf sein Amt aus Alters­grün­den oder mit dem Wunsch nach einer Art von päpst­li­chem Ruhe­stand. Ent­spre­chend ver­ständ­lich ist es, wenn auch noch im neun­ten Jahr des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats Fra­gen und Zwei­fel zu den Grün­den und Hin­ter­grün­den die­ses Amts­ver­zichts geäu­ßert werden.

Fran­zis­kus erklär­te in unter­schied­li­chen Vari­an­ten, daß er „Pro­zes­se“ ansto­ßen wol­le. Er klei­de­te die­se Aus­sa­gen in den Hin­weis, daß es ihm nicht dar­um gehe, die Ergeb­nis­se die­ser Pro­zes­se vor­zu­ge­ben, son­dern sie mög­lich zu machen. Die Wirk­lich­keit sieht aber anders aus. Fran­zis­kus gibt sehr wohl das von ihm gewünsch­te Ergeb­nis vor. Er erlaubt ledig­lich den Diö­ze­san­bi­schö­fen, das Tem­po zu bestim­men, wie schnell sie ihm dar­in fol­gen wol­len. Daß sie ihm fol­gen sol­len, steht hin­ge­gen außer Dis­kus­si­on. Offe­ner Wider­stand ist im besten Fall kar­rie­rehem­mend. Die rele­van­te­sten Bei­spie­le dafür sind Amo­ris lae­ti­tia mit der Zulas­sung von Per­so­nen in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen zur Kom­mu­ni­on und Tra­di­tio­nis custo­des mit der Homo­ge­ni­sie­rung des Römi­schen Ritus durch Unter­drückung des über­lie­fer­ten Ritus.

Franziskus und die Bereitschaft, harte Entscheidungen zu treffen

Par­al­lel ist es unbe­streit­bar, daß Fran­zis­kus zumin­dest seit 2014 Spu­ren hin­ter­läßt, die zei­gen, daß er die Ent­schei­dung über sei­nen Nach­fol­ger nicht dem „Zufall“ über­las­sen will. Papst Bene­dikt XVI. war ein gro­ßer Den­ker, der die Din­ge mit bemer­kens­wer­ter Klar­heit erkann­te. Sei­ne Regie­rungs­eig­nung blieb aller­dings hin­ter jener des Theo­lo­gen zurück. Ganz anders Papst Fran­zis­kus: Sein Cha­rak­ter ist auto­ri­tär und er ist ohne Zögern ent­schlos­sen, wenn nötig, auch har­te Ent­schei­dun­gen zu treffen.

Das zeig­te sich zuletzt am 16. Juli mit dem neu­en Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des. Bene­dikt XVI. hat­te auf eine Koexi­stenz der bei­den For­men des Römi­schen Ritus gehofft, jener bis 1969 und jener seit 1969, wobei er den über­lie­fer­ten Ritus als Instru­ment zur Stär­kung der schwä­cheln­den Wehr­bau­ten gegen die moder­ni­sti­sche Wühl­ar­beit zur Zer­trüm­me­rung der Kir­che betrachtete.

Fran­zis­kus kennt aller­dings einen Greu­el, den er auch benennt: die Erstar­rung, Starr­heit, „Rigi­di­tät“, die für ihn ein Syn­onym für Rück­wärts­ge­wandt­heit ist. Ein Angriff gegen die Tra­di­ti­on wur­de schon seit dem Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats erwar­tet, seit dem 24. Mai sogar unmit­tel­bar. Den­noch fehl­te es bis zuletzt nicht an beschwich­ti­gen­den Stim­men, die den Wunsch zum Vater des Gedan­kens mach­ten und mein­ten, es wer­de schon „nicht so schlimm kom­men“. Es kam jedoch noch viel schlim­mer, weil Fran­zis­kus kein Zau­de­rer ist. Er war­tet nur auf den sei­ner Mei­nung nach gün­sti­gen Augenblick.

Der Vati­ka­nist Andrea Gagli­ar­duc­ci schrieb jüngst auf sei­nem Blog zu die­sem Wesens­zug des amtie­ren­den Kirchenoberhauptes:

„Es gibt einen wesent­li­chen Unter­schied zwi­schen Syn­oda­li­tät und Kol­le­gia­li­tät. Erste­re beinhal­tet eine brei­te Kon­sul­ta­ti­on, aber mög­li­cher­wei­se eine Ent­schei­dung, die von nur einer Per­son getrof­fen wird. Zwei­te­re beinhal­tet eine gemein­sa­me Ent­schei­dung. Papst Fran­zis­kus spricht immer von der ersten, nie von der zweiten.“

Die Spaltung der Kirche

Man­che rät­seln, war­um der­sel­be Papst jenen Teil der Tra­di­ti­on bekämpft, der sich in der vol­len Ein­heit mit Rom befin­det, aber dem ande­ren Teil, der Pius­bru­der­schaft, durch Ent­ge­gen­kom­men begeg­ne­te. Dar­in liegt aller­dings eine inne­re Logik. Durch bei­de Stoß­rich­tun­gen geht es Fran­zis­kus um die Eli­mi­nie­rung, eine radi­ka­le und defi­ni­ti­ve Eli­mi­nie­rung, des über­lie­fer­ten Ritus und der orga­ni­sier­ten Arti­ku­la­ti­on der Tra­di­ti­on in der Kir­che. Damit hat auch zu tun, daß im päpst­li­chen Umfeld ange­deu­tet wird, man hät­te nichts dage­gen, wenn als Reak­ti­on auf Tra­di­tio­nis custo­des Prie­ster der Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten und soge­nann­te Summorum-Pon­ti­fi­cum-Lai­en zur Pius­bru­der­schaft abwan­dern würden. 

Dem lie­gen Gedan­ken­spie­le zugrun­de, in einem ersten Schritt die Tra­di­ti­on, die sich in der vol­len Ein­heit mit Rom befin­det, zu eli­mi­nie­ren, denn ein Trenn­strich gegen­über der dann ver­blei­ben­den Pius­bru­der­schaft wäre jeder­zeit pro­blem­los zu zie­hen. Sie sei kein wirk­li­cher Teil der Kir­che, was mit aller­lei Para­gra­phen und Doku­men­ten zur Hand und ohne nen­nens­wer­ten Auf­wand behaup­tet und exe­ku­tiert wer­den kön­ne. Fran­zis­kus sag­te es im ver­trau­ten Kreis, zumin­dest wur­de er von einem Spie­gel-Redak­teur Ende 2016 unwi­der­spro­chen zitiert, es könn­te schon sein, daß er als Papst in die Geschich­te ein­ge­hen wer­de, der die Kir­che gespal­ten hat. Die Bruch­li­nie, ent­lang derer die Spal­tung erfolgt, ist schon defi­niert. Fran­zis­kus mein­te jeden­falls nicht die deut­schen Bischö­fe und ihre abwe­gi­gen syn­oda­len Pfade. 

Fak­tisch hat er die Spal­tung durch Tra­di­tio­nis custo­des bereits exe­ku­tiert. Fran­zis­kus wäre nicht Fran­zis­kus, wenn er dies nicht etwas ver­hüllt getan hät­te. Bei den Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten brennt seit­her der Dach­stuhl. Das Feu­er droht die Gesamt­heit die­ser Insti­tu­te in Flam­men zu set­zen. San­ta Mar­ta stört sich dar­an nicht, schließ­lich wur­de von dort aus das Feu­er gelegt. 

Nun erwei­sen sich Anpas­sun­gen als Hemm­schu­he, die von den Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten seit 1988 als Gegen­lei­stung für die von Rom gewähr­te Ein­heit zu erbrin­gen sind wie das selbst­auf­er­leg­te Ver­bot, die Knack­punk­te des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und die Defi­zi­te des Novus Ordo Mis­sae zu the­ma­ti­sie­ren. Ohne die­se bei­den The­men­fel­der wer­den die Exi­stenz und das Anlie­gen der Tra­di­ti­on aber nicht ver­ständ­lich. Die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten müs­sen des­halb auf einem Bein balan­cie­ren, weil ihnen das ande­re Bein von Rom hoch­ge­bun­den wurde. 

Wenn Rom unter Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. die Tra­di­ti­on aber so ein­schränk­te, was soll­te sie dann von Fran­zis­kus erwar­ten können? 

Es ist nicht zu spät, den­noch scheint es höch­ste Zeit, daß die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten auch jene Fra­gen zu stel­len und zu the­ma­ti­sie­ren begin­nen, um die sie bis­her aus Rück­sicht auf Rom oder aus Angst vor Rom einen Bogen mach­ten. Wis­sen wirk­lich noch alle jun­gen Prie­ster der Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten, was ihre älte­ren Mit­brü­der noch wis­sen, näm­lich war­um es wirk­lich die bei­den For­men des Römi­schen Ritus gibt und es dabei um weit mehr als nur eine Fra­ge des Geschmacks oder der Rubri­k­en­treue geht?

Der harsche Ton

Fran­zis­kus zögert in sei­nem Regie­rungs­stil auch nicht, Ant­wor­ten schul­dig zu blei­ben, wenn sie sei­ne Posi­ti­on schwä­chen könn­ten. Auch eine har­sche Spra­che fällt ihm nicht schwer, sobald sich ihm jemand in den Weg stellt. Sei­ne vor­ge­fer­tig­te Mei­nung zählt, das ist ent­schei­dend, im Zwei­fels­fall immer mehr. Tak­ti­sche Aspek­te kön­nen ihn hin­ge­gen ver­an­las­sen, gele­gent­lich noch einen Moment zuzu­war­ten. Der Angriff gegen Summorum Pon­ti­fi­cum (und auch Eccle­sia Dei) war, wie es scheint, pri­mär vom Gesund­heits­zu­stand Bene­dikts XVI. diktiert.

Es gibt die belieb­te Theo­rie der Mit­te und der Extre­me, die als Detail­aspekt die The­se von den sich berüh­ren­den Extre­men mit­ein­schließt. In der Wirk­lich­keit tau­gen sol­che Erklä­rungs­ver­su­che aller­dings weni­ger. Sie sind am grü­nen Tisch erdacht, wäh­rend es in der Rea­li­tät um kon­kre­te inhalt­li­che Fra­gen geht. So gab es jah­re­lan­ge Ver­su­che einer omi­nö­sen kirch­li­chen Mit­te, Tra­di­ti­on und Pro­gres­sis­mus in der Kir­che als sia­me­si­sche Zwil­lin­ge dar­zu­stel­len, was von der Sache her falsch und als Erklä­rungs­mu­ster letzt­lich Zeit­ver­geu­dung ist.

Die Sor­gen pro­gres­si­ver Krei­se dar­über, wer als näch­ster Papst die Six­ti­ni­sche Kapel­le ver­las­sen könnte.

Tat­sa­che aber ist, daß es die­se Strö­mun­gen tat­säch­lich gibt und der äußer­ste lin­ke Rand der Kir­che, wo der radi­ka­le pro­gres­si­ve Flü­gel ange­sie­delt ist, der rich­ti­ger­wei­se als Moder­nis­mus bezeich­net wer­den soll­te, Papst Fran­zis­kus nahe­steht und Fran­zis­kus die­sem nahe­steht. Dort herrscht seit dem 16. Juli eine ver­gleich­ba­re Genug­tu­ung über Tra­di­tio­nis custo­des wie damals, als Bene­dikt XVI. sei­nen Amts­ver­zicht ankün­dig­te. Gewich­ti­ge Ver­tre­ter die­ses Rand­sau­mes ver­si­chern aber glaub­wür­dig, daß auch sie über die Här­te von Tra­di­tio­nis custo­des ver­wun­dert sei­en. Nicht daß sie der har­sche Ton stö­ren wür­de, denn die Tra­di­ti­on ver­die­ne es nicht anders, doch stam­me die­ser Ton nicht von ihnen. Im Klar­text: Fran­zis­kus trennt tat­säch­lich eine ganz per­sön­li­che, tie­fe Abnei­gung von der Tradition.

Die Här­te des neu­en Motu pro­prio wird dahin­ge­hend inter­pre­tiert, daß Fran­zis­kus wirk­lich tabu­la rasa machen wol­le, indem er von jedem eine Ent­schei­dung auf die Fra­ge ver­langt: „Für mich oder gegen mich?“ Tra­di­tio­nis custo­des ist dabei die Meß­lat­te. Jeder Bischof kann dar­an gemes­sen wer­den, wie er das Motu pro­prio umsetzt. Jeder Prie­ster, ob bereits geweiht oder künf­ti­ger, muß durch das nun eta­blier­te Erlaub­nis­sy­stem Far­be beken­nen. Fern­seh­zu­schau­ern ist aus Kri­mi­nal­fil­men eine Stan­dard­satz ver­traut, der da lau­tet: „Sie haben das Recht zu schwei­gen, alles was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie ver­wen­det wer­den. Sie haben das Recht auf einen Anwalt, soll­ten Sie sich kei­nen lei­sten kön­nen, stellt Ihnen das Gericht einen zur Ver­fü­gung.“ Die Rechts­ga­ran­tien der Tra­di­ti­on sind deut­lich schwä­cher. Sie hat kein Recht zu schwei­gen, Fran­zis­kus dul­det es nicht. Und sie hat auch kein Recht auf einen Anwalt, weil sie nicht ein­mal das Recht auf Ein­spruch hat. Was an die­sem Film-Zitat zutrifft, ist allein der Mit­tel­teil, daß alles, was die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten und ande­re Ver­tre­ter der Tra­di­ti­on nun sagen oder tun, gegen sie ver­wen­det wer­den kann und wird.

Und Fran­zis­kus scheint mit sei­nem Spal­tungs­wil­len noch nicht am Ende zu sein. Im Zusam­men­hang mit sei­nem Ungarn-Besuch und der Selig­spre­chung von Ste­fan Kar­di­nal Wyszy­ń­ski scheint der Papst erneut ver­sucht zu sein, die unüber­seh­ba­ren Ris­se in der Kir­che noch zu vertiefen.

Eine neue Wahlordnung für das Konklave?

Alle die­se Schrit­te zie­len auch auf sei­nen Nach­fol­ger ab, den Fran­zis­kus mit­be­stim­men will und von dem er sich eine Fort­set­zung sei­nes Kur­ses erwar­tet. Da Fran­zis­kus miß­trau­isch ist, will er jedoch, was ihm wich­tig ist, noch selbst erle­di­gen und sei­nen Nach­fol­ger so ein­he­gen, daß die ange­sto­ße­nen „Pro­zes­se“ irrever­si­bel sind. 

Es häu­fen sich die Stim­men, daß Fran­zis­kus ver­sucht sein könn­te, die Wahl­ord­nung des Kon­kla­ves zu ändern. Alber­to Mel­lo­ni, der Lei­ter der pro­gres­si­ven „Schu­le von Bolo­gna“, der auch einer der Kron­prin­zen von Fran­zis­kus, der phil­ip­pi­ni­sche Kar­di­nal Luis Anto­nio Tag­le, ange­hört, kri­ti­sier­te die bei der Papst­wahl erfor­der­li­che Zwei-Drit­tel-Mehr­heit. Da Fran­zis­kus stark pola­ri­sie­re und sich Fein­de macht, wo vor­her kei­ne waren, befürch­ten ihm nahe­ste­hen­de Krei­se, dar­un­ter Mel­lo­ni, daß es trotz vie­ler von Fran­zis­kus ernann­ter Kar­di­nä­le schwie­rig wer­den könn­te, einen zwei­ten Fran­zis­kus durch­zu­set­zen. Aus der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit weiß man, daß am Ende ein Kom­pro­miß­kan­di­dat die Six­ti­ni­sche Kapel­le als neu­er Papst ver­las­sen könn­te. Das soll ver­hin­dert wer­den. Des­halb, so der Vor­schlag, sol­le die abso­lu­te Mehr­heit der Papst­wäh­ler genü­gen und es statt­des­sen zwi­schen den Wahl­gän­gen län­ge­re Pau­sen geben. Mel­lo­ni begrün­det das mit einer angeb­li­chen Not­wen­dig­keit, mög­li­che Papa­bi­li auf ihre Ver­gan­gen­heit zu über­prü­fen. Nahe­lie­gen­der scheint zunächst, daß einer ent­schlos­se­nen Min­der­heit die Gele­gen­heit gebo­ten wer­den soll, die Wahl ihres Kan­di­da­ten bes­ser zu orga­ni­sie­ren. Füh­ren­de pro­gres­si­ve Köp­fe sind aller­dings seit dem McCarrick-Skan­dals im Spät­som­mer 2018 ernst­lich besorgt. Damals droh­te eine kon­ser­va­ti­ve katho­li­sche Grup­pe, die sich dazu in den USA kon­sti­tu­ier­te, (pro­gres­si­ve) Kar­di­nä­le zu „durch­leuch­ten“. Mel­lo­ni möch­te mit sei­ner Wahl­re­form ver­hin­dern, daß zwar die Wahl eines zwei­ten Fran­zis­kus gelingt, die­ser aber durch eine ihn ein­ho­len­de „Ver­gan­gen­heit“ stür­zen könnte.

Der Vati­ka­nist Andrea Gagli­ar­duc­ci schreibt auf sei­nem Blog:

„Papst Fran­zis­kus denkt sei­ner­seits über die Nach­fol­ge nach. Wahr­schein­lich wird es im kom­men­den Okto­ber ein wei­te­res Kon­si­sto­ri­um geben, bei dem der Papst neue Kar­di­nä­le ernen­nen wird, die sei­ner Men­ta­li­tät nahestehen.“

Neue Kar­di­nä­le sind neue Papst­wäh­ler. Die Ein­be­ru­fung eines Kon­si­sto­ri­ums im kom­men­den Herbst zur Kre­ierung neu­er Kar­di­nä­le wür­de erstau­nen, aber bestä­ti­gen, daß Fran­zis­kus auf ein Kon­kla­ve vor­be­rei­tet sein will und gera­de­zu unge­dul­dig dar­auf war­tet, den Umbau des Kar­di­nals­kol­le­gi­ums vor­an­zu­trei­ben. Bis zum Jah­res­en­de wird aber kein Platz im Kon­kla­ve frei. Die Höchst­zahl der Papst­wäh­ler ist auf 120 Kar­di­nä­le fest­ge­legt. Fran­zis­kus ernann­te zuletzt im Novem­ber 2020 so vie­le neue Kar­di­nä­le, daß es noch immer einen Über­schuß gibt. Der­zeit wären 123 Kar­di­nä­le wahl­be­rech­tigt. Rech­net man Kar­di­nal Ange­lo Becciu hin­zu, sind es sogar 124. Erst am 13. April 2022 wäre der erste Platz im Wahl­kör­per wie­der neu zu ver­ge­ben, da bis dahin so vie­le Kar­di­nä­le durch Voll­endung des 80. Lebens­jah­res als Papst­wäh­ler aus­schei­den werden. 

Die Kre­ierung neu­er Kar­di­nä­le wür­de nach kirch­li­cher Gepflo­gen­heit frü­he­stens im Okto­ber 2022 statt­fin­den. Fran­zis­kus könn­te das aber zu lan­ge dau­ern. Die Ernen­nung eines Über­schus­ses an Kar­di­nal­wäh­lern stellt zudem kein Ver­ge­hen dar. In den ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen sind dage­gen kei­ne Sank­tio­nen vor­ge­se­hen, da der Papst die höch­ste Rechts­in­stanz ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: gpo1961/Flickr/Wikicommons

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4 Kommentare

  1. Der Papst regelt sei­ne Nach­fol­ge. So viel zum Ver­trau­en in den Hl. Geist. Das klingt alles eher nach einem Par­tei­tag zur Bestim­mung eines neu­en Par­tei­vor­sit­zen­den als nach einer Hei­li­gen Kirche.

  2. Es dürf­te wohl nicht mehr all­zu schwer zu erra­ten sein,wer oder was nach Fran­zis­kus im Vati­kan residiert.

  3. Der Geist des Kon­zils hat­te für mich immer den Cha­rak­ter einer Ideo­lo­gie. Er hat mich zum kri­ti­schen kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken gemacht. Das Han­deln der davon Befal­le­nen war auch so, wie es Faschi­sten aller Far­ben an den Tag legen. Alle Spal­tun­gen wer­den von die­sen betrieben.
    Ich habe gera­de den Brief Erz­bi­schof Lef­eb­v­res an Kar­di­nal Otta­via­ni (1966) gele­sen. Er bestä­tigt ganz wesent­lich mei­ne Erkennt­nis­se über die Ent­wick­lun­gen, die die Kir­che jetzt in eine wei­te­re, dann unüber­seh­ba­re Spal­tung treiben.

    Dank für Ihren auf­schluß­rei­chen Artikel.

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