Papst Franziskus: „Traditionalismus kann geheilt werden“

Was Franziskus für eine "lebendige Kirche" hält – und was nicht


CNS wurde 2020 hundert Jahre alt: Beim Empfang durch den Papst ließ Franziskus tief blicken.
CNS wurde 2020 hundert Jahre alt: Beim Empfang durch den Papst ließ Franziskus tief blicken.

(Rom) Am Mon­tag emp­fing Papst Fran­zis­kus Ver­tre­ter von Catho­lic News Ser­vice (CNS), der Pres­se­agen­tur der Ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Dabei belieb­te er „zu scher­zen“, wie in Rom eini­ge sug­ge­rie­ren wol­len. Doch selbst wenn Fran­zis­kus scherzt, vor­aus­ge­setzt, er scherz­te wirk­lich, tut er es hin­ter­sin­nig. Auch in die­sem Fall.

Anlaß für den Emp­fang war das hun­dert­jäh­ri­ge Bestehen von CNS und Vor­läu­fern seit 1920. Zunächst warn­te das Kir­chen­ober­haupt die Medi­en­ver­tre­ter vor Spal­tun­gen, denn die­se wür­den „nir­gend­wo“ hin­füh­ren. Es sei auch Auf­ga­be der Medi­en, Spal­tun­gen zu über­win­den, anstatt Sen­sa­ti­ons­lust und Skan­da­le zu schüren. 

„Eine gespal­te­ne Kir­che ist nicht die Kir­che, sie ist nicht die wah­re Kirche.“

„Ich den­ke so. Du denkst so. Wir kön­nen dar­über dis­ku­tie­ren, aber mit dem­sel­ben Her­zen. Unter­stüt­zen Sie die Ein­heit. Begün­sti­gen Sie kei­ne Spal­tung, denn der Jour­na­lis­mus hat vier Haupt­sün­den, näm­lich: Des­in­for­ma­ti­on, Ver­leum­dung, Dif­fa­mie­rung und Kopro­phi­lie“, wie Rome­Re­ports berich­te­te. Zugleich lob­te Fran­zis­kus die Arbeit der Kir­che in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und nann­te sie „mutig, groß­zü­gig und demütig“.

Er sag­te auch, was er damit meint:

„Sie heißt Ein­wan­de­rer will­kom­men. Was die Kir­che für Ein­wan­de­rer tut, ist rie­sig, oder? Sie ist groß­zü­gig, weil die Kir­che in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten vie­le wirt­schaft­li­che Mög­lich­kei­ten hat und groß­zü­gig hilft.“

Wei­ter sag­te Franziskus:

Die Kir­che in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten „ist sehr leben­dig, sehr sehr leben­dig. Viel­leicht gibt es tra­di­tio­na­li­sti­sche Grup­pen, aber wir haben sie auch hier im Vati­kan. Das kann geheilt werden.“

Störfaktor „Traditionalismus“

Das wich­tig­ste Kri­te­ri­um einer „leben­di­gen“ Kir­che ist dem­nach, laut Fran­zis­kus, eine Poli­tik der unein­ge­schränk­ten Mas­seneinwan­de­rung. Die­se för­dert Fran­zis­kus als eine Haupt­agen­da sei­nes Pon­ti­fi­kats seit Juli 2013, als er zu die­sem Zweck die ita­lie­ni­sche Mit­tel­meer­in­sel Lam­pe­du­sa besuch­te. Aspek­te, die ein „Recht“ auf Ein­wan­de­rung ein­schrän­ken, nann­te das Kir­chen­ober­haupt bis­her nicht.

Der Wis­sen­schafts­theo­re­ti­ker und ehe­ma­li­ge Prä­si­dent des Ita­lie­ni­schen Senats, Mar­cel­lo Pera, ein per­sön­li­cher Freund von Bene­dikt XVI., erhob des­halb im Juli 2017 gegen Fran­zis­kus den Vor­wurf, den Westen „zu has­sen“ und ihn „zer­stö­ren“ zu wollen.

Als Stör­fak­tor für eine „leben­di­ge Kir­che“ nann­te Fran­zis­kus „tra­di­tio­na­li­sti­sche Grup­pen“, doch Tra­di­tio­na­lis­mus „kann geheilt wer­den“. Was Fran­zis­kus in einen scher­zen­den Ton ver­pack­te, war in Wirk­lich­keit eine geziel­te Her­ab­set­zung die­ses Teils der Kir­che. Er gab wie­der ein­mal zu ver­ste­hen, wen vor allem er nicht mag. Der nega­ti­ve Duk­tus der Aus­sa­ge wird durch den Ver­gleich mit ande­ren Aus­sa­gen des Pap­stes noch ver­schärft. Er impli­zier­te, daß „Tra­di­tio­na­lis­mus“ etwas ist, das geheilt wer­den müs­se, kurz­um, etwas Kran­kes sei. Wann sprach ein Papst so über Bischö­fe, Prie­ster und Gläu­bi­ge der Kirche?

Die Anspie­lung gegen­über den Medi­en­ver­tre­tern der Ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz erhält beson­de­re Aus­sa­ge­kraft, da Fran­zis­kus vor Jah­ren den Kampf um die Kon­trol­le die­ser Bischofs­kon­fe­renz auf­nahm. Im Gegen­satz zu den west­li­chen Staa­ten Euro­pas ist in den USA der Kul­tur­kampf zwi­schen links und rechts, pro­gres­siv und kon­ser­va­tiv nicht ent­schie­den. Fran­zis­kus ist die Bedeu­tung die­ser Tat­sa­che für die übri­ge west­li­che Welt und die Welt ins­ge­samt bewußt. Er will die­se Basti­on schlei­fen und ver­schärf­te nach der Wahl von Donald Trump den Kampf gegen die „reli­giö­se Rech­te“ in den USA.

Dann scherz­te Fran­zis­kus noch über sei­ne Ischi­as­pro­ble­me. Sein Arzt habe ihm gesagt: 

„Aber geh zum Ange­lus, damit sie nicht sagen, daß Du tot bist.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CNS/​Youtube (Screen­shot)