Marcello Pera, der Freund Benedikts XVI., über Papst Franziskus und die Migrationspolitik: „Er haßt den Westen und will ihn zerstören“

Marcello Pera übte scharfe Kritik an Papst Franziskus: "Er macht nur Politik, die weder von der Vernunft noch vom Evangelium geleitet ist"
Marcello Pera übte scharfe Kritik an Papst Franziskus: "Er macht nur Politik, die weder von der Vernunft noch vom Evangelium geleitet ist"

(Rom) Der frü­he­re Prä­si­dent des Ita­lie­ni­schen Senats, Mar­cel­lo Pera, wirft dem katho­li­schen Kir­chen­ober­haupt vor, „ein Papst zu sein, der nur Poli­tik macht“. Fran­zis­kus nahm am ver­gan­ge­nen Sams­tag ener­gisch gegen jede Poli­tik zur Kon­trol­le und Begren­zung der Mas­sen­ein­wan­de­rung nach Euro­pa Stel­lung. In einem Inter­view mit der Tages­zei­tung Il Mat­ti­no sag­te der Wis­sen­schafts­theo­re­ti­ker Pera, daß die­se Stel­lung­nah­men von Papst Fran­zis­kus weder durch die Ver­nunft noch das Evan­ge­li­um gelei­tet sei­en.

Damit reagier­te der bekann­te Phi­lo­soph, hoch­ran­gi­ge ita­lie­ni­sche Poli­ti­ker und per­sön­li­che Freund von Bene­dikt XVI., auf das jüng­ste Inter­view von Euge­nio Scal­f­a­ri mit Papst Fran­zis­kus zum G20-Gip­fel in Ham­burg, das am ver­gan­ge­nen Sams­tag in der Tages­zei­tung La Repubbli­ca erschie­nen ist. Fran­zis­kus grei­fe mit „star­ken und explo­si­ven The­sen“ in die poli­ti­sche Debat­te ein, die man vor kur­zem noch als „links“ bezeich­net hät­te. Das Pera-Inter­view wur­de vom Mat­ti­no in sei­ner Sonn­tags­aus­ga­be ver­öf­fent­licht. Hier ein Aus­zug aus dem Inter­view:

Il Mat­ti­no: Prä­si­dent Pera, wel­ches Urteil haben Sie sich über die stän­di­gen Will­kom­mens­ap­pel­le die­ses Pap­stes für die Ein­wan­de­rer gebil­det? Eine unter­schieds­lo­se, bedin­gungs­lo­se, tota­le Auf­nah­me?

Mar­cel­lo Pera: Ganz ehr­lich, die­sen Papst ver­ste­he ich nicht. Was er sagt, liegt außer­halb eines ratio­na­len Ver­ständ­nis­ses. Es ist allen offen­sicht­lich, daß eine bedin­gungs­lo­se Auf­nah­me nicht mög­lich ist. Es gibt einen kri­ti­schen Punkt, der nicht über­schrit­ten wer­den darf. Wenn der Papst die­sen kri­ti­schen Punkt nicht berück­sich­tigt, wenn er auch eine mas­si­ve und tota­le Auf­nah­me beharrt, fra­ge ich mich: War­um sagt er das? Was ist der wirk­li­che Zweck sei­ner Wor­te? War­um läßt er es selbst an einem Mini­mum an Rea­lis­mus feh­len, jenem Mini­mum, das von jedem gefor­dert ist?
Ich kann mir dar­auf nur eine Ant­wort geben: Der Papst tut es, weil er den Westen ver­ach­tet, dar­auf abzielt ihn zu zer­stö­ren und alles tut, um die­ses Ziel zu errei­chen. Wenn man der kri­ti­schen Schwel­le nicht Rech­nung trägt, jen­seits der unse­re Gesell­schaf­ten nicht mehr jeden auf­neh­men kön­nen und ihnen nicht ein­mal mehr jene Min­dest­wür­de garan­tie­ren kön­nen, die man jedem Men­schen schul­det, wer­den wir bald Zeu­gen einer regel­rech­ten Inva­si­on wer­den, die uns über­flu­ten und unse­re Sit­ten, unse­re Frei­heit, ja sogar das Chri­sten­tum in eine Kri­se stür­zen wird. Es wird eine Reak­ti­on fol­gen und ein Krieg. Wie kann das der Papst nicht ver­ste­hen? Und auf wel­cher Sei­te wird er ste­hen, wenn die­ser Bür­ger­krieg erst ein­mal aus­ge­bro­chen sein wird?

Il Mat­ti­no: Sind Sie nicht der Mei­nung, daß das auch mit dem Evan­ge­li­um zu tun haben könn­te, mit dem, was Chri­stus lehr­te?

Mar­cel­lo Pera: Abso­lut nicht. Genau­so­we­nig, wie es mit einer ratio­na­len Moti­va­ti­on zu tun hat, gibt es eine evan­ge­li­sche Begrün­dung, die erklä­ren könn­te, was der Papst sagt. Das ist ein Papst, der seit dem Tag sei­ner Amts­ein­füh­rung nur Poli­tik betreibt. Er sucht den schnel­len Applaus, indem er sich ein­mal zum Gene­ral­se­kre­tär der UNO macht, ein ander­mal zum Staats­ober­haupt oder sogar zum Gewerk­schafts­füh­rer. Sei­ne Sicht­wei­se ist süd­ame­ri­ka­nisch, die des pero­ni­sti­schen Justi­cia­lis­mo((Auch als Pero­nis­mus bekann­ter „Drit­ter Weg“ zwi­schen Kom­mu­nis­mus und Kapi­ta­lis­mus.)), der nichts mit der west­li­chen Tra­di­ti­on der poli­ti­schen Frei­hei­ten und der christ­li­chen Matrix zu tun hat. Das Chri­sten­tum des Pap­stes ist von ande­rer Natur. Es ist ein völ­lig poli­ti­sches Chri­sten­tum.

Il Mat­ti­no: Das scheint in die­sem Fall aber nicht den Wider­stand der Lai­zi­sten zu pro­vo­zie­ren, der wäh­rend der vor­he­ri­gen Pon­ti­fi­ka­te stän­dig zur Stel­le war?

Mar­cel­lo Pera: Das ist ein Papst, der einer bestimm­ten öffent­li­chen Mei­nung gefällt. Er spie­gelt deren Stim­mungs­la­ge wider, und sie ist dafür bereit, ihm auch zu applau­die­ren, wenn er Bana­li­tä­ten von sich gibt.

Il Mat­ti­no: Im Inter­view von Euge­nio Scal­f­a­ri befürch­tet Fran­zis­kus „sehr gefähr­li­che Alli­an­zen“ gegen die Migran­ten von „Mäch­ten, die eine ver­zerr­te Sicht der Welt haben: ‚Ame­ri­ka und Ruß­land, Chi­na und Nord­ko­rea‘“. Ist es nicht mehr als bizarr, eine alte Demo­kra­tie wie die USA zusam­men mit stark auto­ri­tä­ren oder sogar tota­li­tä­ren Staa­ten zu nen­nen?

Mar­cel­lo Pera: Das ist es, wun­dert mich aber nicht ange­sichts des­sen, was ich zuvor gesagt habe. Der Papst reflek­tiert alle Vor­ur­tei­le eines Süd­ame­ri­ka­ners gegen die USA, gegen die Markt­wirt­schaft, die Frei­heit, den Kapi­ta­lis­mus. Das wäre auch so, wenn noch Oba­ma Prä­si­dent der USA wäre. Es ist aber eine Tat­sa­che, daß sich heu­te die­se Ide­en des Pap­stes in Euro­pa mit Anti-Trump-Res­sen­ti­ments zu einem gefähr­li­chen Mix ver­ei­nen.

Il Mat­ti­no: War­um pas­siert das alles? Ist das nicht zutiefst irra­tio­nal?

Mar­cel­lo Pera: Nein, das ist es nicht. Ich wür­de viel­mehr sagen, das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ist end­lich in sei­ner gan­zen revo­lu­tio­nä­ren und umstürz­le­ri­schen Radi­ka­li­tät explo­diert. Es sind Ide­en, die zum Selbst­mord der katho­li­schen Kir­che füh­ren. Die­se Ide­en wur­den aber bereits damals ver­tre­ten. Man ver­gißt, daß das Kon­zil zeit­lich den Stu­den­ten­un­ru­hen, der Sexu­el­len Revo­lu­ti­on und dem Umbruch der Lebens­sti­le vor­aus­ging. Es nahm sie auf gewis­se Wei­se vor­weg und pro­vo­zier­te sie. Der Aggior­na­men­to des Chri­sten­tums ver­welt­lich­te die Kir­che sehr stark. Er löste eine Ver­än­de­rung aus, die sehr tief war und ein Schis­ma zu pro­vo­zie­ren droh­te, auch wenn er in den fol­gen­den Jah­ren gelenkt und kon­trol­liert wer­den konn­te. Paul VI. unter­stütz­te ihn, wur­de am Ende aber sein Opfer. Die bei­den gro­ßen Päpste((Johannes Paul II. 1978–2005; Bene­dikt XVI. 2005–2013.)), die auf ihn folg­ten, waren sich der aus­ge­lö­sten Kon­se­quen­zen genau bewußt und ver­such­ten sie des­halb irgend­wie ein­zu­däm­men und zu len­ken. Sie gewan­nen eine tra­gi­sche Sicht­wei­se der Wirk­lich­keit, hiel­ten stand, ver­such­ten das Neue mit der Tra­di­ti­on zu ver­bin­den. Sie bemüh­ten sich auf her­vor­ra­gen­de Wei­se. Sie mach­ten einen Schritt zurück, doch nun haben sich die­se Bemü­hun­gen auf­ge­löst: die Gesell­schaft und nicht mehr das Heil, die welt­li­che Stadt, wie sie Augu­sti­nus schil­dert, und nicht mehr die gött­li­che scheint der Hori­zont zu sein, auf den die vor­herr­schen­de kirch­li­che Hier­ar­chie aus­rich­tet ist. Die Men­schen­rech­te, alle, ohne Aus­nah­me, sind zum idea­len Bezugs­punkt und zum Kom­paß für die Kir­che gewor­den. Für die Rech­te Got­tes und der Tra­di­ti­on gibt es fast kei­nen Platz mehr. Zumin­dest dem Anschein nach fühlt sich Ber­go­glio völ­lig frei von ihnen, und lebt auch so.

Mar­cel­lo Pera war von 2001–2006 Senats­prä­si­dent. Von 1996–2013 war er Sena­tor der Repu­blik Ita­li­en. Der Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor der Wis­sen­schafts­theo­rie ver­öf­fent­lich­te 2004 zusam­men mit Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger einen Gesprächs­band, der 2005 unter dem Titel „Ohne Wur­zeln. Der Rela­ti­vis­mus und die Kri­se der euro­päi­schen Kul­tur“ auch in deut­scher Aus­ga­be erschien. Er ist Aus­druck einer schon län­ger andau­ern­den Annä­he­rung des ehe­mals sozia­li­sti­schen und lai­zi­sti­schen Phi­lo­so­phen, der sich frü­her selbst als „nicht gläu­big“ bezeich­net hat­te, an das Chri­sten­tum und die katho­li­sche Kir­che. 2008 folg­te das Bekennt­nis­buch „War­um wir uns Chri­sten nen­nen müs­sen. Plä­doy­er eines Libe­ra­len“ (deut­sche Aus­ga­be 2009), zu dem Papst Bene­dikt XVI. das Vor­wort schrieb. Mit Bene­dikt XVI. teilt Pera die Über­zeu­gung, daß der Rela­ti­vis­mus die gefähr­lich­ste Bedro­hung für die heu­ti­ge Gesell­schaft und die Iden­ti­tät Euro­pas ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL (Screen­shot)




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12 Kommentare

  1. Ich fürch­te der gute Mann ist eini­gen Eti­ket­ten­schwin­deln auf­ge­ses­sen.
    Markt­wirt­schaft ist nicht Kapi­ta­lis­mus. Markt­wirt­schaft ist geleb­te Frei­heit. Kapi­ta­lis­mus ist die Dik­ta­tur des agglo­me­rier­ten Mam­mon.

    „Der Westen“ ist nicht das Abend­land. „Der Westen“ steht für Geheim­ge­sell­schaf­ten, Revo­lu­tio­nen, Kapi­ta­lis­mus, Lügen­me­di­en, Gen­der, Libe­ra­lis­mus, Mar­xis­mus, Unkul­tur des Todes (Abtrei­bung, Eutha­na­sie usw.) Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats (Par­la­men­te, Räte usw.) Glo­ba­li­sie­rung (inkl. Migra­ti­on!), Volks­ver­nich­tung durch Indi­vi­dua­li­mus und Kol­lek­ti­vis­mus, künst­li­che Gesell­schaft, Par­tei­en­dik­ta­tur und all das wei­te­re Abscheu­li­che die­ser Art. Kurz: die Abwen­dung von Gott.

    Das Abend­land ist die irdi­sche Vor­stu­fe der ewi­gen Hei­mat (Reich) und steht für den Ver­such eines posi­ti­ven Staa­tes mit einem neu­en Moses als Mon­ar­chen und Statt­hal­ter Chri­sti (sie­he Hl. Hein­rich II.) der den natür­li­chen Gemein­schaf­ten (nicht Gesell­schaf­ten!) Fami­lie, Lands­mann­schaft, Volk, Völ­ker­fa­mi­lie dient, für die Ruhe in der Ord­nung des Wah­ren, Schö­nen und Guten, für die Balan­ce von Per­so­na­li­tät und Sozia­li­tät mit­tels Sub­si­dia­ri­tät, Frei­heit, Recht usw. Kurz: die Hin­wen­dung zu Gott.

    Der Christ war immer nach Osten hin aus­ge­rich­tet, hin zur auf­ge­hen­den Son­ne als Sym­bol des wie­de­keh­ren­den Mes­si­as. Dem Westen als Fin­ster­nis abge­wandt. Des­halb haben die Kir­che zur Ver­tei­di­gung ein West­werk und die Apsis zum Osten. So war es auch im Gei­sti­gen und Geist­li­chen.

    Erst wenn die Chri­sten ler­nen, dass „der Westen“ ein Kon­strukt unse­rer Fein­de ist, besteht eine Chan­ce auf Gene­sung. Er ist das Gegen­teil des Abend­lan­des. Papst Franz dient dabei eher „dem Westen“ als das er ihn zer­stört. Ver­mut­lich ohne es zu ver­ste­hen. Denn gera­de durch sei­nen rein mensch­lich-inner­welt­li­chen Ver­such der Zer­stö­rung des Westens, baut er ihn auf.

    • Grund­sätz­lich rich­tig. Es ist auch wich­tig, dass wir uns des Unter­schie­des zwi­schen „Westen“ und „Abend­land“ bewusst wer­den, zumal die Begrif­fe oft­mals vor­sätz­lich durch­ein­an­der­ge­wor­fen wer­den, vgl die Gleich­set­zung der gera­e­zu anti­eu­ro­päi­schen (weil gegen die euro­päi­sche bevöl­ke­rung gerich­te­te) EU mit „Euro­pa“. „Über­zeug­te Euro­pä­er“ sind dem­nach EU-Befür­wor­ter und somit idR Unter­stüt­zer des Gro­ßen Aus­tau­sches.
      Unse­re (irdi­sche) Hoff­nung besteht in einem gewis­sen Para­do­xon: denn „der Westen“ ist nicht völ­lig los­ge­löst vom Abend­land, wie auch nicht behaup­tet wer­den kann, dass die EU nichts mit Euro­pa zu tun habe. Letzt­lich bringt sich der Libe­ra­lis­mus (die Reli­gi­on des „Westens“)selber um, indem er beharr­lich sei­ne Grund­la­ge zer­setzt.
      Es ist jeden­falls gut, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass wir Katho­li­ken nichts mit „dem Westen“ zu schaf­fen haben sol­len, und dass wir „Westen“ in Peras gutem Inter­view als „Abend­land“ zu lesen haben.
      Was „Markt­wirt­schaft“ oder „Kapi­ta­lis­mus“ betrifft, so trifft es auch zu, dass die­se Begrif­fe kei­nes­wegs iden­tisch sind. Aller­dings sind bei­de für uns kei­nen Schuss Pul­ver wert. Der Begriff der „Ver­göt­zung des Mark­tes“ stamm­te immer­hin von JPII.

  2. Eine kla­re und scho­nungs­lo­se Ana­ly­se des Pap­stes. Auf­grund sei­ner Unab­hän­gig­keit von der kath. Kir­che kann Pera sol­che Wor­te wäh­len, die unse­ren Bischö­fen und Kar­di­nä­len ver­wehrt sind, auch wenn sie nicht unbe­dingt pro-Ber­go­glio ein­ge­stellt sind.

    Auf­grund der Nähe zu Papst BXVI em. und sei­nem Den­ken kann man davon aus­ge­hen, dass die Hal­tung von Papst Bene­dikt mit die­sen Aus­sa­gen in den Grund­zü­gen über­ein­stimmt.

  3. Stim­me die­sen Bericht voll und ganz zu, nur lei­der wird das Fran­zis­kus nicht im gering­sten inter­res­sie­ren

  4. Bra­vo! Eine exzel­len­te Ana­ly­se. Die Kir­che ist auf Gott, wel­cher bekannt­lich die Ord­nung selbst ist (Hl. Tho­mas v. Aquin), gegrün­det und nicht auf die Unord­nung des Men­schen, der in sich kei­ne Ord­nung trägt, son­dern erst durch die gött­li­che Offen­ba­rung wie­der zur Schöp­fung zurück­fin­det. Die ewi­ge Kir­che (vor dem Kon­zil) rich­tet sich immer nach der gött­li­chen Offen­ba­rung aus und ver­sucht, die­se Ord­nung durch Lehr­amt und Struk­tur in die Schöp­fung und zu den Men­schen zu brin­gen. Wenn sich aber die „neue“ Kir­che (nach dem Kon­zil) nach der Unord­nung des Men­schen als höch­ste Maxi­me rich­tet, was soll dann dar­aus erwach­sen? — Was das Papst­ver­ständ­nis des Abend­lan­des betrifft, so ist mir bei Papst Ber­go­glio eine unglaub­li­che Igno­ranz gegen­über der katho­lisch-apo­sto­li­schen Kul­tur bzw. gegen­über dem gan­zen gei­sti­gen Erbe des Abend­lan­des seit dem ersten Tag sei­nes Pon­ti­fi­kats nega­tiv auf­ge­fal­len. Man kann ruhig sagen, daß wir ver­mut­lich noch nie zuvor einen der­ar­tig „pri­mi­ti­ven“ und im Glau­ben bzw. katho­li­scher Kul­tur „unkul­ti­vier­ten“ Papst hat­ten, wie gegenwärtig.Eine Lie­be zur Kir­che ist nicht fühl­bar, jedoch eine Nei­gung zum Genuß von Jubel durch ver­irr­te Massen. Das Pon­ti­fi­kat Ber­go­glio ist das zeit­gei­sti­ge Pro­to-Pro­dukt der Kon­zils­kir­che! Kyrie elei­son.

    • Ich stim­me Ihnen zu. Noch nie habe ich das Wir­ken und die Ein­stel­lungs­ori­en­tie­rung von Fran­zis­kus so gut in den Kon­text der Zeit ein­ge­bet­tet erklärt bekom­men wie in die­sem Inter­view. In der Tat: man merkt dem Pero­ni­sten Ber­go­glio sein Ange­wi­dert­sein gegen­über der west­li­chen Welt und der kirch­li­chen Tra­di­ti­on in jedem Wort und jeder Mimik und Gestik an.

  5. Lei­der steht zu befürch­ten, dass die Kir­che zer­stört wird. Fran­zis­kus geht den Weg der erfolg­lo­sen 68er‑, in D‑A-CH bestens bekann­ten, nach­kon­zi­lia­ren Auf­bruchs­ju­bel­kir­che, die lei­der völ­lig geschei­tert und am Ende ist. Anstel­le einer kri­ti­schen Ana­ly­se nur ein Jetzt-erst-recht-immer-noch-wei­ter-so. Im Ange­sicht der Selbst­auf­lö­sung und Desa­sters auch der jüng­sten 68er-Errun­gen­schaft der Ehe­bre­cher-Kom­mu­ni­on, die nichts bewirkt hat außer Glau­bens­zwei­feln, also wei­ter: Zöli­bat abschaf­fen, Pfar­re­rin­nen. Dann wird alles anders, end­lich gut.…..( sie­he ev. Glau­bens­ge­mein­schaf­ten.….., die im Nie­der­gang noch wei­ter sind).
    Und dann das mit der Barm­her­zig­keit, Offen­heit, Frei­heit, Lie­be gegen­über den Gering­sten. Hier spre­chen die aktu­el­len Ereig­nis­se für sich. Mil­li­ar­den­ein­nah­men für die Kir­che, Ver­lust an Glau­ben, Gläu­bi­gen und geist­li­chem Nach­wuchs, übel­ste Beschimp­fun­gen und Her­ab­set­zun­gen der­je­ni­gen, die am über­lie­fer­ten Glau­ben fest­hal­ten, Unter­drückung kri­ti­scher Stim­men durch Dif­fa­mie­rung und Aus­gren­zung.

    • In Rom wird doch von denen, die „VII-Jubel­hel­den“ sind, ein mas­si­ver „Eti­ket­ten­schwin­del“ betrie­ben: auf der „Ver­packung“ steht „katho­lisch“ drauf, aber inhalt­lich ist es doch das glat­te Gegen­teil. Mit dem, was Sie zu den 68-ern schrei­ben, stim­me ich Ihnen zu.

      Aber: Bit­te beden­ken Sie, daß Jesus Chri­stus der Sohn Got­tes ist, die zwei­te gött­li­che Per­son, die in der Fül­le der Zeit Mensch gewor­den ist. Für vie­le Chri­sten (einschl. Katho­li­ken) ist es heu­te nicht mehr selbst­ver­ständ­lich, die­se wesent­li­chen Wahr­hei­ten anzu­neh­men und zu bezeu­gen. Und den­noch: Gera­de der mensch­ge­wor­de­ne Got­tes­sohn hat sei­nen Jün­gern, den Apo­steln, gesagt (und ver­spro­chen), daß die Pfor­ten der Höl­le die rk Kir­che nicht über­win­den wer­den. Wir soll­ten Ihm, dem Herrn, ver­trau­en. Natür­lich ist das Ange­sicht der rk Kir­che durch die Machen­schaf­ten im Vati­kan sehr ver­dun­kelt. Daher ist es wich­ti­ger den je für alle rk Chri­sten, sich selbst — wo nicht anders mög­lich — wei­ter­zu­bil­den in dem, was die Kir­che (Apo­stel und Lehr­amt, Kir­chen­vä­ter, ‑leh­rer) getreu über­lie­fert und ver­wal­tet hat. Denn die Grund­la­ge aller Über­lie­fe­rung (Tra­di­ti­on) ist doch unser Herr Jesus Chri­stus; Er hat Sei­ne Kir­che auf ein siche­res Fun­da­ment gegrün­det. Chri­stus ist das Fun­da­ment, der Eck­stein, den die Bau­leu­te ver­wor­fen haben.

      Im Inter­net gibt es gute Sei­ten, wo man Schrif­ten der Kir­chen­vä­ter (z.B. „Biblio­thek der Kir­chen­vä­ter“) sich her­un­ter­la­den und dann dar­über nach­den­ken kann. Oder auf http://www.zvab.com kön­nen anti­qua­ri­sche christ­li­che Bücher erwor­ben wer­den. Ich emp­feh­le für das per­sön­li­che Leben ech­ter Katho­li­ken auch die mysti­schen Wer­ke einer Tere­sa von Avi­la oder eines Johan­nes vom Kreuz (von bei­den aber mög­lichst älte­re Über­set­zun­gen benut­zen, da die­se nicht vom Zeit­geist „defor­miert“ sind). Oder die „Nach­fol­ge Chri­sti“ von Tho­mas von Kem­pis, oder die „Phi­lo­thea“ von Franz von Sales. Für das per­sön­li­che Leben und dem eige­nen Fort­schrei­ten im geist­li­chen Leben sind die­se Wer­ke sehr, sehr hilf­reich; es ist aber nur ein Hin­weis mei­ner­seits, kein Muß. Jeder ent­schei­det selbst.

      Zum Schluß noch­mals: Ver­trau­en Sie unse­rem Herrn Jesus Chri­stus, wenn Er sagt, daß die Pfor­ten der Höl­le die Kir­che nicht über­win­den wer­den. Wir sind in einer dunk­len Zeit, in der die Kon­tu­ren der rk Kir­che sich zu ver­wi­schen schei­nen. Jeder, der an dem, was Jesus Chri­stus und die von Ihm gegrün­de­te Kir­che gesagt und getan haben, fest­hält, wird immer wie­der ein­zel­ne Leucht­feu­er sehen, die ein Wink des Him­mels sind, wo es lang geht und wo die wah­re Kir­che ist.

    • Wobei es wohl der Voll­endung (im dop­pel­ten Wort­sinn!) des „neu­en Glau­bens“ braucht, bevor eine Kathar­sis ein­set­zen kann. Auch wenn ich das ungern sage: Da müs­sen wir durch.

  6. Bes­ser als mit den fol­gen­den Wor­ten M Peras kann man den der­zei­ti­gen Zustand der RKK nicht auf den Punkt brin­gen:

    “ Das Kon­zil ( das 1965 zu Ende ging und für den Ber­go­glio-Papst der Leucht­turm schlecht­hin ist) ist end­lich in sei­ner gan­zen umstürz­le­ri­schen Radi­ka­li­tät explodiert..Es sind Ide­en (am Werk), die zum Selbst­mord der RKK füh­ren.“

    1) Sei es die tra­di­ti­ons­ver­ges­se­ne Idee, die fei­er­li­che Got­tes­ver­eh­rung mit Weih­rauch und ehr­furcht­er­wecken­der Sakral­spra­che durch Events mit Par­ty­cha­rak­ter zu erset­zen.

    2)Sei es die Idee, die Sexu­al­mo­ral durch eine wert­schät­zen­de Akzep­tanz von Zöli­bats­bruch, Ehe­bruch, Abtrei­bung und wider­na­tür­li­chem Sex zu rela­ti­vie­ren.

    3) Sei es die Idee, die Hei­den-Mis­si­on der Pro­se­ly­ten­ma­che­rei gleich­zu­set­zen und jeden Ver­such einer Mis­sio­nie­rung „unse­rer älte­ren Brü­der, die Chri­sti gar nicht bedür­fen, weil sie auf einem Son­der­weg zum Heil sind,“ als Fre­vel ein­zu­stu­fen.

    4) Sei es die Idee, die 1400 Jah­re wäh­ren­de Abwehr­hal­tung der Päp­ste gegen­über den unent­weg­ten exi­stenz­be­droh­li­chen Anstür­men des Islam (wobei sie auch öfters Tup­pen des Kir­chen­staa­tes ins Feld war­fen) als Irr­weg abzu­tun und statt des­sen Respekt vor dem (auch hei­li­gen Buch?) Koran zu pre­di­gen und eine Will­kom­mens­kul­tur zu eta­blie­ren gegen­über allen Koran­ver­wirr­ten, die sich vom Koran vor­schrei­ben las­sen, Nicht­mos­lems zu täu­schen, zu demü­ti­gen, aus­zu­plün­dern, zu ver­skla­ven, zu töten.

  7. Mar­cel­lo Pera gibt hier eine her­vor­ra­gen­de Ana­ly­se von der Prä­gung und Ein­bet­tung des Franciskus/Bergoglio in dem Zeit­geist; eben­so her­vor­ra­gend sei­ne kur­ze aber packen­de Beschrei­bung wie das 2. Vati­ka­ni­sche Kon­zil die revo­lu­tio­nä­ren Ereig­nis­se der 2. Hälf­te der sech­zi­ger Jah­ren vor­weg­nahm.
    Und wie zwei gro­ße Päp­ste danach ver­such­ten, den Scher­ben­hau­fen eini­ger­ma­ßen zusam­men­zu­klei­stern im Ver­such, die ihnen teu­ren Una Sanc­ta zu hel­fen und nicht ganz vor den Hun­den gehen­zu­las­sen.

  8. Eine sehr gute Ana­ly­se Mar­cel­lo Peras — mit einer Ein­schrän­kung: Woj­ty­la war alles ande­re als ein gro­ßer Papst. Zwar blieb Woj­ty­la der kirch­li­chen Moral­leh­re treu, aber nicht der kirch­li­chen Leh­re von der Kir­che als die eine von Gott gegrün­de­te, wah­re Kir­che und von dem katho­li­schen Glau­ben als dem einen wah­ren Glau­ben. Mit sei­nem schlim­men Glau­bens­re­la­ti­vis­mus trieb auch Woj­ty­la die Kir­che in ihre heu­ti­ge Kri­se.

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