[Update] Gewalt und sexuelle Übergriffe gegenüber Kindern und Jugendlichen in Kirche und Gesellschaft

Anmerkungen zur männlichen Homosexualität und wer tatsächlich sexuellen Mißbrauch bekämpft

Als ich vier­zehn Jah­re alt war, wur­de ich mir mei­ner Kraft bewußt und ich schlug zurück. Das war der Beginn des Endes des sexu­el­len Miß­brauchs. Begon­nen hat­te er, als mei­ne Mut­ter einen neu­en Part­ner ins Haus brach­te, da war ich fünf. Spä­ter hei­ra­te­te sie ihn und er adop­tier­te mich. Ich tra­ge noch immer sei­nen Namen. Schon allein des­halb sind mir die erleb­ten Miß­hand­lun­gen und die sexu­el­le Gewalt all­ge­gen­wär­tig. Fünf Jah­re spä­ter kam es zwar zur Schei­dung, aber nicht wegen der Über­grif­fe. Kur­ze Zeit danach kam der Ande­re, der Alko­hol, Gewalt und Sex mit Kin­dern mehr moch­te als mei­ne Mut­ter. Sie litt dar­un­ter und gab einer mei­ner Schwe­stern und mir die Schuld dar­an.

Mit vier­zehn, als ich die sexu­el­len Über­grif­fe durch Män­ner been­de­te, hat­te ich zum ersten Mal Geschlechts­ver­kehr mit einer Frau. Sie war Absol­ven­tin eines Leh­rer­stu­di­ums und mit auf einer Klas­sen­fahrt im Rah­men ihres Schul­prak­ti­kums. Wäh­rend die­ser Fahrt fand der Über­griff statt.

Immer wie­der tref­fe ich auf sexu­el­len Miß­brauch. Ohne sie zu suchen, lern­te ich Opfer ken­nen. Mit einer Betrof­fe­nen war ich zusam­men. Ich war mit einer Frau zusam­men, bis sie mir sag­te, sie wür­de sehr gern mit einem puber­tie­ren­den Jun­gen Sex haben und war­te nur noch auf eine Gele­gen­heit. Ich lern­te Poli­ti­ker, Jour­na­li­sten, Mana­ger, Schrift­stel­ler und Künst­ler ken­nen, die sich für Sex mit Kin­dern aus­spra­chen und ihn auch prak­ti­zier­ten. In ihren Zim­mern hin­gen Abzü­ge von Wil­helm von Glo­e­den, der als Pio­nier der Akt­fo­to­gra­fie von Kna­ben ver­ehrt wird. Sie lieb­ten den pädo­phi­len Foto­gra­fen David Hamil­ton. Beson­ders ver­ehr­ten sie den pädo­phi­len Bal­thus, der mit 80 zwar kei­nen Stift mehr hal­ten konn­te, aber 2400 Pola­roids von einem puber­tie­ren­den Mäd­chen u.a. mit ent­blöß­ter Brust knip­ste. Auch in der Kunst fand und fin­det bis­her kei­ne Auf­ar­bei­tung von Miß­brauch statt, es gilt noch immer: Die Kunst ist frei und alles ande­re Frei­wild.

In den Schu­len sind Roma­ne wie „Das Par­fum – Die Geschich­te eines Mör­ders“, „Homo Faber“, „Die Blech­trom­mel“ und „Die Ver­wir­run­gen des Zög­lings Tör­leß“ mit mehr oder weni­ger per­ver­sen Inhal­ten seit Jahr­zehn­ten Pflicht­lek­tü­re.

Das Jugend­amt der Stadt Mem­min­gen kri­ti­sier­te 2008 zu Recht eine Glo­e­den-Schau in Mem­min­gen mit dem Hin­weis, es wer­de dort das gezeigt, was „heut­zu­ta­ge Pädo­phi­le und Päd­era­sten in Thai­land und Kam­bo­dscha tun“. Mehr Besu­cher als erwar­tet pil­ger­ten nach Mem­min­gen, um unter dem Deck­man­tel der Kunst­frei­heit ihre pädo­phi­le Lust zu befrie­di­gen.

Bagatellisierung sexueller Übergriffe

Päd­era­stie wur­de im anti­ken Grie­chen­land prak­ti­ziert und war gesell­schaft­lich akzep­tiert. Die grie­chi­sche Päd­era­stie dient bis heu­te als Argu­ment, „ein­ver­nehm­li­che“ Sexu­al­kon­tak­te von Erwach­se­nen und Kin­dern (Kna­ben und Mäd­chen) zu begrün­den und Straf­frei­heit für die Täter zu ver­lan­gen. Dies geschieht bis in unse­re Tage.

In den 80er Jah­ren hat die Par­tei „Die Grü­nen“ die For­de­rung nach einer Lega­li­sie­rung von pädo­se­xu­el­len Kon­tak­ten nicht nur debat­tiert, son­dern auch ver­schie­dent­lich beschlos­sen. Das war kein basis­de­mo­kra­ti­sches Kurio­sum und auch kein blo­ßer Zufall. Bereits seit den 1970er Jah­ren gibt es einen Dis­kurs über die Ent­ta­bui­sie­rung von Pädo­phi­lie und Lega­li­sie­rung von Pädo­se­xua­li­tät in die­ser Par­tei.

Bis 2003 haben Ber­li­ner Jugend­äm­ter Kin­der in die Obhut pädo­phi­ler Män­ner gege­ben. Man mein­te – ähn­lich wie bei den alten Grie­chen –, daß Kin­der und Jugend­li­che, die auf der Stra­ße leb­ten oder Gewalt zu Hau­se erfuh­ren, also beson­ders schwie­ri­ge Fäl­le, bei die­sen Män­nern sozi­al gefe­stigt wer­den. „Wis­sen­schaft­lich“ begrün­de­te dies Hel­mut Kent­ler. Kent­ler war auch häu­fig als gericht­li­cher Sach­ver­stän­di­ger in Miß­brauchs­fäl­len tätig:

„Ich bin sehr stolz dar­auf, dass bis­her alle Fäl­le, in denen ich tätig gewor­den bin, mit Ein­stel­lun­gen der Ver­fah­ren oder sogar Frei­sprü­chen been­det wor­den sind“.

Über­rollt die Psy­chow­el­le das Recht? In: Emma, Nov/Dez. 1997, S. 30–38

„Ich habe […] in der über­wie­gen­den Mehr­heit die Erfah­rung gemacht, dass sich päd­era­sti­sche Ver­hält­nis­se sehr posi­tiv auf die Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung eines Jun­gen aus­wir­ken kön­nen, vor allem dann, wenn der Päd­erast ein regel­rech­ter Men­tor des Jun­gen ist.“

Täte­rin­nen und Täter beim sexu­el­len Miss­brauch von Jun­gen. In: Katha­ri­na Rutsch­ky, Rein­hardt Wolff (Hrsg.): Hand­buch sexu­el­ler Miss­brauch. Klein, Ham­burg 1999, S. 208.

Wie tief in einer Gesell­schaft sexu­el­le Per­ver­sio­nen als nor­mal hin­ge­nom­men wer­den und sogar zu för­dern sei­en, wur­de u.a. mit dem Tod von Hel­mut Kent­ler deut­lich: Die taz nann­te ihn einen

„ver­dienst­vol­len Strei­ter für eine erlau­ben­de Sexu­al­mo­ral“.

Tages­zei­tung vom 12. Juli 2008

„Ein Leucht­turm unse­res Bei­rats ist erlo­schen. Wie kein zwei­ter ver­kör­per­te Hel­mut Kent­ler die huma­ni­sti­sche Auf­ga­be einer auf­klä­re­ri­schen Sexu­al­erzie­hung, und zudem war er ein Vor­bild für öffent­li­che Wis­sen­schaft. […] Sein Habi­tus kom­bi­nier­te in sel­te­ner Wei­se die Eigen­schaf­ten Kom­pe­tenz, Authen­ti­zi­tät und Nah­bar­keit, womit Kent­ler sei­ne Leser wie Hörer beein­druck­te [… ] Da er sogleich Sym­pa­thien weck­te, haben vie­le sich ihm anver­traut.“

Rüdi­ger Laut­mann: Nach­ruf auf Hel­mut Kent­ler. In: Mit­tei­lun­gen der Huma­ni­sti­schen Uni­on. Zeit­schrift für Auf­klä­rung und Bür­ger­rech­te. Aus­ga­be Nr. 202 (Heft 3/2008) vom 30. Okto­ber 2008, S. 26–27 – Online zuletzt auf­ge­ru­fen am 6. Mai 2020.

Mit der soge­nann­ten Reform­päd­ago­gik wur­de der sexu­el­le Miß­brauch brei­ter in die Gesell­schaft getra­gen und mehr oder weni­ger offen prak­ti­ziert. Jüng­stes Bei­spiel ist die Oden­wald­schu­le. Dort war es unter ande­rem üblich, Schü­ler und Schü­le­rin­nen auf Urlaubs­rei­sen mit­zu­neh­men, um sie dort meh­re­ren Päd­era­sten zuzu­füh­ren. In einer Wald­hüt­te eines Unter­neh­mers in der Nähe von Hei­del­berg wur­den Schü­ler auf Par­tys von Leh­rern zur Pro­sti­tu­ti­on prä­sen­tiert. Auch Mäd­chen wur­den von Leh­rern der Oden­wald­schu­le ver­ge­wal­tigt und geschwän­gert. (Ich füh­le die Angst heu­te noch – Inter­view mit A. Koer­fer. In: DIE ZEIT. Nr. 14, 28. März 2019, Nr. 14, S. 12.)

Bei der teil­wei­sen Auf­ar­bei­tung des sexu­el­len Miß­brauchs an der Oden­wald­schu­le wur­de auch bekannt, daß es bereits seit der Grün­dung der Schu­le Über­grif­fe auf Schü­ler gab. (Mat­thi­as Bartsch, Mar­kus Ver­beet: Die Wur­zeln des Miss­brauchs, in: Der Spie­gel. Nr. 29, 19.07.2010, Online – zuletzt abge­ru­fen am 6. Mai 2020, und Christl Stark: Idee und Gestalt einer Schu­le im Urteil des Eltern­hau­ses. Dis­ser­ta­ti­on, Päd­ago­gi­sche Hoch­schu­le Hei­del­berg 1998.)

Ehe­ma­li­ge Schü­ler der Oden­wald­schu­le, wie der deutsch-fran­zö­si­sche Poli­ti­ker Dani­el Cohn-Ben­dit von Bünd­nis 90/Die Grü­nen, spra­chen sich spä­ter ganz offen für sexu­el­len Miß­brauch von Kin­dern aus:

„Die Sexua­li­tät eines Kin­des ist etwas Fan­ta­sti­sches. Man muss auf­rich­tig sein, seri­ös, mit den ganz Klei­nen ist es etwas ande­res“, sag­te Cohn-Ben­dit, „aber wenn ein klei­nes fünf­jäh­ri­ges Mäd­chen beginnt, sie aus­zu­zie­hen: Es ist groß­ar­tig, weil es ein Spiel ist. Ein wahn­sin­nig ero­ti­sches Spiel“.

Chri­sti­an Fül­ler: Danys Phan­ta­sien und Träu­me, Cohn-Ben­dits pädo­phi­le Äuße­run­gen, FAZ vom 29.04.2013, Online, zuletzt abge­ru­fen am 6. Mai 2020

Oder waren in der Por­no-Indu­strie tätig wie Bea­te Uhse.

Doch sexu­el­le Über­grif­fe gibt es nicht nur im lin­ken Milieu. Auch in eher rech­ten Krei­sen wird vom „päd­ago­gi­schen Eros“ gespro­chen und sexu­el­ler Miß­brauch von Kin­dern ver­harm­lost. Nur wenig davon dringt in die Öffent­lich­keit, auch weil sich Opfer erst nach Jahr­zehn­ten offen­ba­ren kön­nen, wie eini­ge Opfer des Ste­fan-Geor­ge-Krei­ses es 2018 taten.

Sexueller Mißbrauch in katholischen Einrichtungen

Ab den Sieb­zi­gern fand auch im grö­ße­ren Stil sexu­el­ler Miß­brauch in katho­li­schen Ein­rich­tun­gen statt. Vor allem in jenen, die mehr und mehr reform­päd­ago­gi­sche Stan­dards über­nah­men und jenen, die sich nach und nach von der katho­li­schen Moral und Leh­re ver­ab­schie­de­ten. Bekannt wur­den 2010 eini­ge Fäl­le im Ber­li­ner Cani­si­us-Kol­leg.

Ich war eini­ge Jah­re eng mit einer Frau befreun­det, die sexu­el­le Über­grif­fe im Inter­nat Klo­ster Wald erleb­te und von wei­te­ren Opfern erzähl­te. Auch fan­den dort regel­mä­ßig Sex­or­gi­en vor allem an Wochen­en­den statt.

Wäh­rend das Cani­si­us-Kol­leg sich mit Auf­ar­bei­tung beschäf­tigt und sogar ein Prä­ven­ti­ons­kon­zept erar­bei­te­te, sind auf der Web-Sei­te des Mäd­chen­in­ter­nats ähn­li­che Infor­ma­tio­nen nicht zu fin­den.

Seit den 1960ern sind in die Kir­che zahl­rei­che Päd­era­sten und Men­schen mit Nei­gun­gen zu ande­ren sexu­el­len Per­ver­sio­nen ein­ge­drun­gen, weil die Kir­che sich ihnen im Zuge des „Aggior­na­men­to“ breit öff­ne­te. Zum einen über­nahm die Kir­che die Moral der Gesell­schaft, in der die­se Nei­gun­gen mehr oder weni­ger offen tole­riert und geför­dert wer­den, statt die christ­li­che Moral zu leh­ren und zu ver­tei­di­gen. Ande­rer­seits beschäf­tigt sich die Kir­che seit den 1960ern nur noch mit sich selbst. Sie han­delt viel­fach kon­trär zur bis­he­ri­gen katho­li­schen Leh­re und Moral. Seit­dem ist die Kir­che im Kri­sen­mo­dus und hilft dabei, daß das Christ­li­che in den Gesell­schaf­ten immer wei­ter ver­schwin­det.

In „Syn­oda­len Pro­zes­sen“ wird auf den „Human­wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt“ ver­wie­sen und damit gefor­dert, die kirch­li­che Leh­re „neu“ zu justie­ren, um Homo­se­xua­li­tät und damit auch Päd­era­stie als Nor­mal­form mensch­li­cher Sexua­li­tät anzu­er­ken­nen.

Noch heu­te wer­den von den mei­sten Bischö­fen Situa­tio­nen und Struk­tu­ren geschaf­fen und geför­dert, in denen Miß­brauch statt­fin­den kann.

Homo­se­xua­li­tät ist ein objek­ti­ves Wei­he­hin­der­nis. Nur ein Mann, der ehe­fä­hig ist, kann zum Prie­ster geweiht wer­den. Wenn die künf­ti­gen homo­se­xu­el­len Prie­ster bei ihrer Dia­ko­nen­wei­he die Ehe­lo­sig­keit ver­spre­chen, ist die Fra­ge nicht mehr beant­wor­tet, wel­che Ehe gemeint ist. Der Zöli­bat ist Ehe­ver­zicht, dar­in ein­ge­schlos­sen ist die Ent­halt­sam­keit. Aber der Zöli­bat ist nicht nur Ver­zicht auf Sexu­al­pra­xis. Vor allem dient der Zöli­bat nicht dazu, eine unge­ord­ne­te Sexua­li­tät zu beru­hi­gen. Es ist selbst­ver­ständ­lich, daß eine Ehe nur zwi­schen Mann und Frau geschlos­sen wer­den kann. Nur im Mit­ein­an­der von Mann und Frau kommt das gan­ze Mensch­sein zum Tra­gen. In der Ehe zwi­schen Mann und Frau liegt der Keim jeg­li­cher mensch­li­chen Gesell­schaft und Gemein­schaft. Eine soge­nann­te „Homo-Ehe“ ist ein Wider­spruch und ein Zei­chen, daß eine Gesell­schaft schi­zo­phren wird. Bei einer Wei­he eines homo­se­xu­el­len Man­nes zum Prie­ster wird die Auf­fas­sung von Ehe ver­scho­ben und die Hete­ro­se­xua­li­tät als Nor­mal­form der mensch­li­chen Sexua­li­tät in Fra­ge gestellt. (Sie­he auch Schrei­ben vom 16. Mai 2002 der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst, ver­öf­fent­licht in Noti­tiae 2002, S. 586: „eine Per­son, die homo­se­xu­ell ist oder eine homo­se­xu­el­le Nei­gung hat, nicht geeig­net ist, das Sakra­ment der hei­li­gen Wei­hen zu emp­fan­gen“.)

Trotz­dem neh­men deut­sche Bischö­fe homo­se­xu­el­le Män­ner in ihre Prie­ster­se­mi­na­re auf und wei­hen die­se. Mei­ne Fami­lie ist mit einem hete­ro­se­xu­el­len Mann befreun­det, der Prie­ster wer­den möch­te und in ein Semi­nar der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. ein­tre­ten wird, weil er das homo­se­xu­el­le Kli­ma im Semi­nar sei­ner Hei­mat­diö­ze­se ablehnt.

Prie­ster leben kaum noch in ordens- oder pfar­rüb­li­chen Gemein­schaf­ten, son­dern in Pri­vat­woh­nun­gen. So wird nicht nur sexu­el­ler Miß­brauch geför­dert, son­dern jeg­li­chem mora­lisch bedenk­li­chen Tun Tür und Tor geöff­net. Es fehlt den Betrof­fe­nen die christ­li­che Gemein­schaft, die gegen­sei­ti­ge Stär­kung der Beru­fung, das gemein­sa­me Gebet. Das Leben in Prie­ster­ge­mein­schaf­ten war das Lebens­mo­dell seit der Urkir­che. Zur Erin­ne­rung: Der hei­li­ge Augu­sti­nus wei­ger­te sich, Män­ner zu Prie­stern zu wei­hen, die nicht bereit zum Leben in der vita com­mu­nis waren.

Auch sind lei­der vor allem die deut­schen Bischö­fe dafür bekannt, stän­dig die kirch­li­che Ehe- und Sexu­al­mo­ral in Fra­ge zu stel­len und sie tre­ten mehr oder weni­ger offen für Abtrei­bung, Ehe­schei­dung, Patch­work­fa­mi­li­en und für die „Ehe“ für alle ein.

Mißbrauch bei der katholischen Tradition

Lei­der auch in katho­li­schen Gemein­schaf­ten, die die katho­li­sche Leh­re unver­fälscht in ihren Semi­na­ren leh­ren und in Prie­ster­ge­mein­schaf­ten leben, kom­men sexu­el­le Über­grif­fe vor, wie jüngst in Ame­ri­ka in den Medi­en zu lesen war. Hier för­dern zwar die Obe­ren die Über­grif­fe nicht direkt, aber durch Über­for­de­rung, Nai­vi­tät, Unwis­sen­heit, feh­len­den Mut und Durch­set­zungs­stär­ke.

So geht man dort davon aus, daß eine sozio-kul­tu­rel­le Prä­gung in Rich­tung Homo­se­xua­li­tät in „ihren“ Krei­sen im Gegen­satz zu ande­ren Tei­len der Gesell­schaft nicht statt­fin­det. Es wird des­halb nur vor der Gefahr einer zu früh prak­ti­zier­ten Hete­ro­se­xua­li­tät gewarnt.

Auch bei den Gemein­schaf­ten der Tra­di­ti­on fehlt es an Moral­theo­lo­gen und Fach­kun­di­gen, die sich mit den The­men wis­sen­schaft­lich aus­ein­an­der­set­zen und Prie­stern im pasto­ra­len Dienst zur Sei­te ste­hen, sowie Obe­re, Schul- und Inter­nats­lei­tun­gen bera­ten, um mög­li­chen Miß­brauch in den Ein­rich­tun­gen durch Geist­li­che, Ange­stell­te oder Ehren­amt­li­che zu ver­hin­dern.

Auch jun­ge Män­ner aus katho­lisch tra­di­tio­nel­lem Umfeld kön­nen heut­zu­ta­ge homo­se­xu­ell wer­den, weil sie ori­en­tie­rungs­los geblie­ben sind oder gemacht wur­den. Einer­seits wird auch in tra­di­tio­nel­len Krei­sen der nega­ti­ve media­le Ein­fluß unter­schätzt, ander­seits fal­len auch hier die Väter als Vor­bild immer mehr aus. Die Rol­le über­neh­men dann Prie­ster, Erzie­her und Leh­rer. Und die­se ver­hal­ten sich oft falsch und kaum einer merkt‘s. Distan­zen wer­den nicht ein­ge­hal­ten und es kommt zu Ver­trau­lich­kei­ten, die man frü­her gegen­über Schutz­be­foh­le­nen weder in der Kir­che noch in der Gesell­schaft prak­ti­zier­te und dul­de­te.

Es feh­len vor allem auch Ange­bo­te von Sei­ten der Tra­di­ti­on, die sol­che Pro­ble­me pasto­ral anpacken. Ein Apo­sto­lat wie z.B. „Cou­ra­ge“ in den USA lei­stet da gute Dien­ste. Sol­che Ansät­ze sehe ich in Deutsch­land und Euro­pa – über den ein­zel­nen Prie­ster hin­aus – nicht.

Auch Obe­ren tra­di­tio­nel­ler Gemein­schaf­ten fehlt der Mut und die Kraft, Prie­ster, die zu Tätern wur­den, hin­ter Mau­ern zu ver­ban­nen und dort zu belas­sen – auch im Fall einer Reue. Objek­tiv ist jede hei­li­ge Mes­se, die vor einer Gemein­de gele­sen wird, gut. Trifft dies auch sub­jek­tiv zu, wenn der Prie­ster Miß­brauch­stä­ter ist?

Gesellschaften, in denen Gott im Mittelpunkt steht, tolerieren keinen Mißbrauch

Ich stell­te mir Anfang der 90er die Fra­ge, wel­che Kräf­te tat­säch­lich am ent­schie­den­sten sexu­el­len Miß­brauch ver­ur­tei­len und bekämp­fen. Es ist die katho­li­sche Kir­che. Sie ver­ur­teilt jeg­li­che Form von Per­ver­sio­nen. Bis in die 60er hin­ein wand­te sie sich ent­schie­den gegen die Bestre­bun­gen aus den Krei­sen der Homo­se­xu­el­len auf gene­rel­le Straf­frei­heit. Die Kir­che for­der­te, den gesetz­li­chen Schutz (StGB § 175 und § 176) im Inter­es­se der Jugend auf­recht­zu­er­hal­ten. So urteil­te auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 1957, daß von der männ­li­chen Homo­se­xua­li­tät im Wesent­li­chen eine grö­ße­re Gefahr aus­geht als von der weib­li­chen. (Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sah qua­li­ta­ti­ve Unter­schei­de zwi­schen der männ­li­chen und der weib­li­chen Homo­se­xua­li­tät. So sei die männ­li­che Sexua­li­tät stär­ker auf einen blo­ßen Lust­ge­winn gerich­tet. Daher nei­ge der homo­se­xu­el­le Mann dazu, einem hem­mungs­lo­sen Sexu­al­be­dürf­nis zu ver­fal­len. Zudem bestehe für männ­li­che Jugend­li­che eine höhe­re Anfäl­lig­keit gegen Ver­füh­run­gen zum gleich­ge­schlecht­li­chen Sex. Dar­über hin­aus sei­en Dau­er­be­zie­hun­gen unter männ­li­chen Homo­se­xu­el­len sel­te­ner. Viel­mehr nei­gen sie zu stän­di­gem Part­ner­wech­sel und leh­nen fami­li­en­haf­te Bin­dun­gen ab. Außer­dem bestehen Unter­schie­de im begehr­ten Alter des Part­ners sowie in der Pro­sti­tu­ti­on. Nach all­dem gin­gen die Ver­fas­sungs­rich­ter von einer höhe­ren Sozi­al­ge­fähr­lich­keit der männ­li­chen Homo­se­xua­li­tät aus. Es habe eine grö­ße­re Gefahr für Jugend­li­che und die Erre­gung öffent­li­chen Ärger­nis­ses, ins­be­son­de­re durch Pro­pa­gan­da und Pro­sti­tu­ti­on bestan­den. Kosten­lo­se Urtei­le im Inter­net.)

Die katho­li­sche Kir­che akzep­tiert nicht die Begrün­dung, das Laster sei als etwas Natür­li­ches anzu­se­hen. Vor allem aber bejaht sie die vol­le per­sön­li­che Ver­ant­wort­lich­keit bei sexu­el­len Ver­ge­hen.

Nur die katho­li­sche Kir­che lehrt die schwe­re Sünd­haf­tig­keit der Unkeusch­heit und beruft sich u.a. auf die Bibel 1. Kor 6, 9 f.; Eph 5, 5; Gal 5, 19 f.; Kol 3,5.

„Täuscht euch nicht: Weder Unzüch­ti­ge noch Göt­zen­die­ner, noch Ehe­bre­cher, noch Lüst­lin­ge, noch Kna­ben­schän­der kön­nen das Reich Got­tes erben“.

1 Kor 6, 9

Wenn, seit den Sech­zi­gern, die Bischö­fe die­se Leh­ren ver­nach­läs­si­gen und wider­spre­chen, so sind sie Mit­tä­ter.

Um tat­säch­lich Miß­brauch zu ver­hin­dern, braucht es kei­ne ober­fläch­li­che Miß­brauchs­stu­die, die bewußt die tat­säch­li­chen Ursa­chen ver­schweigt und den Ver­ant­wort­li­chen nur als Fei­gen­blatt dient.

Es sind wenige, machbare Dinge, die zu tun sind

  • Die Stär­kung der Ehe als ein­zig recht­mä­ßi­ge Lebens- und Geschlechts­ge­mein­schaft von Mann und Frau.
  • Die Ehe­leu­te dazu zu befä­hi­gen ihre stan­des­ge­mä­ße Rol­le als Ehe­mann und Vater sowie Ehe­frau und Mut­ter anzu­neh­men und mit christ­li­cher Freu­de zu leben und sich zu hei­li­gen.
  • Fami­li­en anlei­ten und ermu­ti­gen ihre Söh­ne zu Män­nern und ihre Töch­ter zu Frau­en zu erzie­hen.
  • Die Straf­tat­be­stän­de der Homo­se­xua­li­tät (§ 175 und § 176) wie­der in das Straf­ge­setz­buch auf­neh­men und Homo­se­xu­el­le unter­stüt­zen, sexu­ell ent­halt­sam zu leben.
  • Bei betrof­fe­nen Män­nern, bei denen die­se Trie­b­ano­ma­lie durch Miß­brauch und Ver­füh­rung erwor­ben wur­de, hel­fen, ihre Gewohn­hei­ten abzu­le­gen.
  • Die Straf­tat­be­stän­de für sexu­el­len Miß­brauch und Ver­ge­wal­ti­gung gerech­ter gestal­ten. Opfer lei­den lebens­läng­lich.

Wenn die Kir­che sich wie­der für die­se eigent­lich selbst­ver­ständ­li­chen Belan­ge stark machen wür­de, wür­den unse­re Gesell­schaf­ten gesun­den. Sexu­el­le Straf­ta­ten und vor allem sexu­el­ler Miß­brauch fän­den kaum noch statt.

„Gesell­schaf­ten und gan­ze Kul­tu­ren, die Gott aus ihrer Mit­te ver­ban­nen und an sei­ne Stel­le den Men­schen als Maß von Gut und Böse set­zen, von wahr und falsch, von gelun­gen und miss­ra­ten, keh­ren sich letzt­lich gegen sich selbst und ent­lar­ven sich als das, was sie sind – unmensch­lich.“

Kar­di­nal Meis­ner

Der Autor ist der Redak­ti­on per­sön­lich bekannt.

[Update 7. Mai 2020, 18:00 Uhr: Ein Leser wies uns auf die Mit­tei­lung und auf ein Por­tal des ame­ri­ka­ni­schen Distrikts der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. hin, auf dem Miß­brauchs­hand­lun­gen gemel­det wer­den kön­nen. Die Sei­te ist auf Mehr­spra­chig­keit aus­ge­rich­tet. Es ist mög­lich, daß wei­te­re Spra­chen fol­gen wer­den.]

9 Kommentare

  1. Dan­ke für die­sen muti­gen und wahr­haf­ti­gen, unver­fälsch­ten Bericht, wie ihn nur ein ech­ter Katho­lik geben kann.
    Dan­ke auch für die­ses wun­der­ba­re Zeug­nis, dass dar­aus spricht, wie mit dem Herrn und sei­ner Kir­che, die eben genau nicht die homo­se­xu­el­len Prie­ster und Lai­en (Kna­ben­schän­der) sind, alles über­wun­den wer­den kann.
    Dan­ke auch für die Erwäh­nung der Blind­heit der Kon­ser­va­ti­ven, die sich lie­ber in Ihrer Bla­se von vor 60 Jah­ren hal­ten, und sich mit den immer schlim­mer und prä­sen­ter wer­den­den Pro­ble­men nicht beschäf­ti­gen wol­len, obwohl sie sehr gute Mög­lich­kei­ten dazu hät­ten.

  2. Es wur­de Zeit, dass der Autor sich so öffent­lich mit der Sache aus­ein­an­der­setzt. Das sich die­se Mög­lich­keit ergab ist sicher kein Zufall.

  3. Ihr umfas­sen­der Bericht spricht zwei­fels­oh­ne vie­le Wahr­hei­ten aus; doch ver­mit­telt er mas­siv den Ein­druck, als sei­en für die­sen furcht­ba­ren sexu­el­len Miss­brauch durch Prie­ster ins­be­son­de­re das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil und die Aus­wir­kun­gen der sexu­el­len 68iger Revo­lu­ti­on ver­ant­wort­lich. Ich kann hier nicht aus­führ­lich dazu Stel­lung bezie­hen – das wür­de den Rah­men spren­gen. Den­noch möch­te ich eini­ge Punk­te anmer­ken: ich kann­te vor Jah­ren sehr gut einen in Deutsch­land täti­gen Pfar­rer, der aus Süd­ita­li­en stamm­te. Er erzähl­te mei­nen – sprach­lo­sen – Eltern und mir Gescheh­nis­se aus sei­nem ehe­ma­li­gen Prie­ster­se­mi­nar und davon, dass unter einer Rei­he jun­ger ange­hen­der Prie­ster homo­se­xu­el­le Nei­gun­gen bis zur geleb­ten Homo­se­xua­li­tät gras­sier­ten. Die Zeit sei­nes dor­ti­gen Auf­ent­hal­tes: Ende der 40iger bis Beginn der 50iger Jah­re. Ähn­li­ches wis­se der Geist­li­che von Amts­brü­dern aus ande­ren ita­lie­ni­schen und auch deut­schen Prie­ster­se­mi­na­ren des­sel­ben Zeit­raums.
    Aus mei­nen Kin­der­jah­ren, den 50igern, ist mir in nega­ti­ver Hin­sicht vor allem eines in Erin­ne­rung geblie­ben: der im katho­li­schen (und bür­ger­li­chen) Ambi­en­te ungu­te Umgang mit dem eige­nen Kör­per. Inter­es­sier­ten sich die klei­nen Jun­gen natür­li­cher­wei­se für das Aus­se­hen eines Mäd­chens und umge­kehrt, wur­de dies oft mit Schimp­fen und Dro­hen quit­tiert, was wie­der­um vie­le Heim­lich­kei­ten bereits bei den Kin­dern nach sich zog… Und sich spä­ter fort­setz­te…
    Eine Sache, die weder mit Homo­se­xua­li­tät, noch Miss­brauch zu tun hat, son­dern schlicht mit gesun­der Sexua­li­tät – und die, das sei ange­merkt, in der vor­kon­zi­lia­ren Zeit geschah: ich ging ein hal­bes Jahr vor der Kon­zil­s­er­öff­nung zur Erst­kom­mu­ni­on. Unser Kaplan, ein enga­gier­ter und über­zeu­gen­der, jun­ger Prie­ster, bei dem wir Unter­richt hat­ten, kam mei­ne Fami­lie ein­mal besu­chen. Dabei belausch­te ich ein Gespräch zwi­schen mei­nem Vater und ihm, ein Gespräch, was mich zunächst sprach­los, dann lächeln ließ und das ich nie mehr ver­gaß. Es ging um den Zöli­bat. Der Kaplan berich­te­te von Amts­kol­le­gen aus Latein­ame­ri­ka, die er teil­wei­se kann­te und von denen „vie­le mit einer Frau leb­ten.“ Und die Bischö­fe wür­den z.T. bei­de Augen zudrücken… Der jun­ge Prie­ster, der sich selbst für den Zöli­bat ent­schie­den hat­te, ver­trat den­noch die Auf­fas­sung, dass es wie in den ersten 1100 Jah­ren der Kir­che mög­lich sein müs­se, bei­de Sakra­men­te mit­ein­an­der zu ver­bin­den – das Wei­he –und das Ehe­sa­kra­ment. Das war im Früh­jahr 1962. Im Okto­ber 1962 begann das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil…!
    Dr. Julia­na Bau­er

    • Die Aus­sa­gen, daß in den 50igern gan­ze Semi­na­re voll mit homo­se­xu­el­len Män­nern war, ist eher im Bereich des Unwah­ren zu sehen. Wie der Autor des Arti­kels rich­tig dar­stell­te wur­de erst mit dem II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil die Regel, daß Homo­se­xua­li­tät ein Ehe- und damit Weih­hin­der­nis ist, durch die Regel homo­se­xu­el­le Män­ner auf­zu­neh­men und zu wei­hen ersetzt.

      Das „Schimp­fen und dro­hen“ gab es eher außer­halb der katho­li­schen Fami­li­en. Katho­li­sche Fami­li­en waren eher nicht spie­ßig, son­dern es gibt schon immer eine „Theo­lo­gie des Lei­bes“ in der Kir­che. Sexua­li­tät, Unter­schied­lich­keit der Geschlech­ter usw. wur­den in den sel­te­sten Fäl­len so ver­mit­telt wie Sie schrei­ben. Die Kir­che bejaht die Sexua­li­tät zwi­schen Ehe­leu­ten, ande­res ist außer­halb der Kir­che zu fin­den.

      Ins­ge­samt arbei­ten Sie mit Vor­ur­tei­len und unter­le­gen die­se nur mit Geschich­ten, die nicht nach­prüf­bar sind.

      Eine Wei­he­sa­kra­ment kann nicht mit dem Ehe­sa­kra­ment ver­bun­den wer­den. Gott allein hat die Sakra­men­te ein­ge­setzt (zum Woh­le des Men­schen), es steht den Men­schen nicht zu Gott zu spie­len und sei­ne ein­ge­setz­ten Sakra­men­te zu ver­än­dern.

      Übri­gens glau­be ich auch hier nicht ganz, was Sie schrei­ben, so unge­bil­det bzw. dumm war ein Kaplan frü­her eher nicht.

      Ja, lei­der hat mit der sexu­el­len Revo­lu­ti­on der Miß­brauch extrem zuge­nom­men. Päd­era­stie ist eine Form der Homo­se­xua­li­tät. Nimmt die­se zu, nimmt auch Päd­era­stie zu. Die sexu­el­le Revo­lu­ti­on lehrt den Trie­ben frei­en Lauf zu las­sen und jeg­li­che Moral zu ver­nei­nen. Die Fol­gen sehen wir seit dem Aus­bruch der sexu­el­len Revo­lu­ti­on täg­lich.

      • In dem Bericht von Dr. Julia­na Bau­er stimmt zumin­dest die Zahl mit den 1.100 Jah­ren ohne Zöli­bat nicht. Mei­nes wis­sens waren das maxi­mal ein paar hun­dert Jah­re in denen es (evtl.) kein Zöli­ba­ver­spre­chent gab. Wenn es denn so war, war­um hat man ihn dann abge­schafft? Das wird schon sei­ne Grün­de gehabt haben.
        Dabei bin ich mir nicht mal sicher, ob jemals Prie­ster in der katho­li­schen Kir­che hei­ra­ten durf­ten. Even­tu­ell wur­de es eine Zeit lang auch nur gedul­det.
        Viel­leicht kön­nen Sie was dazu schrei­ben.

        Der Kom­men­tar von Frau Bau­er strotzt nur so von Pole­mi­ken.
        Sie belausch­te im zar­ten Alter von unge­fähr 9 — 10 Jah­ren (das ist 58 Jah­re her) ein Gespräch des Kaplans mit ihrem Vater: “ was mich zunächst sprach­los, dann lächeln ließ und das ich nie mehr ver­gaß. Es ging um den Zöli­bat. .….…“.
        Das glau­be ich ein­fach nicht.

  4. Was ich damals gehört, erlebt und auch nie ver­ges­sen habe, schrieb ich exakt nie­der. Es steht Ihnen frei, ver­ehr­ter Herr Schnei­der (wie auch dem ande­ren Herrn, oder ist es eine Dame?), das zu glau­ben oder nicht. Nur ist es unkor­rekt, mich als Lüg­ne­rin hin­zu­stel­len.

    Im Übri­gen gab und gibt es zu allen Zei­ten gute und schlech­te Prie­ster. Ich bin jedoch nicht damit ein­ver­stan­den, das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil per­ma­nent als Buh­mann für alles Schlech­te hin­zu­stel­len und so zu tun, als sei­en Prie­ster und Kir­che in den Zei­ten davor nahe­zu sün­den­frei gewe­sen (sie­he La Salet­te im Jahr 1846, wo die Mut­ter Jesu bei den Hir­ten­kin­dern vor Kum­mer über die vie­len schlech­ten Prie­ster wein­te). Was die homo­se­xu­el­len Män­ner betrifft, leh­ne ich sie als Prie­ster per­sön­lich ab, denn homo­se­xu­el­le Prie­ster wider­spre­chen auch den bibli­schen Schrif­ten. Den­noch gab es Ten­den­zen, Nei­gun­gen und (heim­lich) geleb­te Homo­se­xua­li­tät bei Prie­stern auch vor dem Kon­zil – der Geist­li­che, der davon berich­te­te, war mir nicht als Lüg­ner bekannt. Ange­merkt sei auch, dass das Kon­zil viel Befrei­en­des und über­zeu­gen­de enga­gier­te Pfar­rer mit sich brach­te.

    Was Ihre Bemer­kung, Herr Schnei­der, zu mei­nem „Erst­kom­mu­ni­on­ka­plan“ hin­sicht­lich des Zöli­bats betrifft, haben Sie recht: er war ein intel­li­gen­ter und gebil­de­ter Mann. Des­halb kann­te er auch die Bibel sowie die 2000jährige Geschich­te sei­ner Kir­che sehr gut. Zu mei­nem „Lächeln:“ ich kam damals schon häu­fig durch die Freund­schaft mit einem Pfar­rer­s­kind in ein evan­ge­li­sches Pfarr­haus, wo ich mich wohl fühl­te und auch die Pfarr­frau sehr moch­te.

    Aber: befas­sen Sie sich doch mal näher mit der Kir­chen­ge­schich­te und auch mit ent­spre­chen­den Bibel­tex­ten wie bei­spiels­wei­se sol­chen aus den Pau­lus­brie­fen, so: 1. Kor.7 ff., 1. Brie­fe an Timo­theus 3, 1–13 und 4, 1–5, wo Pau­lus die Ehe­lo­sig­keit em-pfiehlt, aber nicht be-fiehlt (und sich dabei auf Jesus von Naza­reth bezieht), wo er in selbst­ver­ständ­li­cher Wei­se von ver­hei­ra­te­ten Lei­tern der Gemein­de Got­tes (Bischö­fen, Pres­by­tern) spricht (1 Timo 3,1 ff.), wo er davor warnt, dem Men­schen das Hei­ra­ten zu „ver­bie­ten,“ bestimm­te Spei­sen zu ver­bie­ten usw. und sol­che Ver­bo­te als von „ver­füh­re­ri­schen Gei­stern“ beein­flusst sieht, „Denn alles, was Gott geschaf­fen hat, ist gut …denn es wird gehei­ligt durch das Wort Got­tes und das Gebet (1 Timo 4,3–5).“

    Sicher­lich sind Ihnen auch die mit Rom unier­ten Ost­kir­chen bekannt, d.h. die Kir­chen des Ostens, die zur römisch-katho­li­schen Kir­che gehö­ren und damit dem Papst unter­stellt sind. Deren Prie­ster­schaft ist zu 90% ver­hei­ra­tet; die­se Män­ner emp­fan­gen also bei­de Sakra­men­te, das Wei­he- und das Ehe­sa­kra­ment wie es bis zum Jahr 1123 (Papst Calix­tus II. im I. Later­an­kon­zil) bzw.1139 (Papst Inno­zenz II. beim II. Later­an­kon­zil) auch in der West­kir­che gro­ßen­teils üblich war. (Und ich kann Ihnen allen ver­si­chern: ich habe die Kir­chen-Geschich­te nicht geschrie­ben …)!

    Die Dis­kus­si­on von mei­ner Sei­te abschlie­ßend möch­te ich auf fol­gen­des hin­wei­sen: als Jesus die Grün­de auf­führ­te, die die Ehe­lo­sig­keit von Men­schen bedin­gen, sprach er aller­dings nicht von Ehe­lo­sen, son­dern – man lese und stau­ne – von „Ver­schnit­te­nen,“ d.h. von Kastrier­ten (so der Urtext, Mt 19,11–12; Kar­di­nal P. J. Cor­des, Ver­schnit­ten um Jesu wil­len). Wäre das eine Mög­lich­keit für die Kin­der­schän­der in kirch­li­chen Rei­hen…? „Denn wenn dei­ne Hand dich zum Bösen ver­führt, dann hau sie ab …“ (Mk 9,43).
    Dr. Julia­na Bau­er

    • - Die Kir­che befiehlt nicht die Ehe­lo­sig­keit, son­dern der Mann, wenn er geweiht wird, ver­spricht sie.
      — Selbst­ver­ständ­lich kön­nen ver­hei­ra­te­te Män­ner zum Prie­ster geweiht wer­den, aber geweih­te Prie­ster nicht hei­ra­ten. Jeder Prie­ster ver­spricht keusch zu leben. Nähe­res zum Zöli­bat und zu sei­nem Ver­ständ­nis fin­det sich in jeder guten Moral­theo­lo­gie, z.B. „Das Gesetz Chri­sti“ von Häring.
      — Sicher gab es auch vor dem II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil schlech­te Prie­ster, aber erst mit dem II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil hat sich die Kir­che dem Schlech­ten wil­lent­lich geöff­net und zieht schlech­te Prie­ster an.
      — Das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil war ganz sicher befrei­end: Vor allem davon, dass Gott und nicht der Mensch im Mit­tel­punkt zu ste­hen hat. Sicht­bar in der neu­en Lit­ur­gie. (Lite­ra­tur­emp­feh­lung: „Die alte und die neue Mes­se“ von Georg May.
      — Vor allem befrei­te das Kon­zil die Kir­che von der bis­he­ri­gen Leh­re und stürz­te die Kir­che in eine Glau­bens­kri­se. (Lite­ra­tur­emp­feh­lung: „Sie haben ihn ent­thront. Vom Libe­ra­lis­mus zur Apost­asie. Die Tra­gö­die des Kon­zils“.)

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