Neujahr in China – Erstmals gigantisches System der Gesichtserkennung im Einsatz

Untergrundpriester fühlen sich verraten



Die Behörden rechnen mit 2,99 Milliarden Reisen zum chinesischen Neujahrsfest.
Die Behörden rechnen mit 2,99 Milliarden Reisen zum chinesischen Neujahrsfest.

(Peking) Die Behörden der Volksrepublik China rechnen mit einem Rekord an Menschenbewegungen zum Mondneujahr, das in China gefeiert wird. Der Massenexodus wird vom Regime erstmals systematisch mit Gesichtserkennungssystemen überwacht. Überwacht werden auch die katholischen Priester des kommunistischen Großreiches.

Rund 1,5 Milliarden Chinesen werden an der größten Massenbewegung der Welt teilnehmen. Ob mit dem Zug, dem Flugzeug, dem Auto oder manche auch zu Fuß, die meisten Chinesen sind im Laue der kommenden 35 Tagen noch in Bewegung, um das chinesische Neujahrsfest zu feiern, das im Zeichen des Schweins steht. Diese Menschenbewegung der Superlative begann am 21. März und wird bis zum 1. März andauern. Die Chinesen kehren zum Neujahrsfest traditionell in die Heimatorte ihrer Familie zurück, um mit Verwandten und Freunden den Beginn des neuen Jahres zu feiern. Es fehlt nicht an Engpässen bei den Transportmitteln und auf den Transportwegen, um solche Menschenmassen zu befördern.

Offizielles Neujahrsdatum ist in China der 5. Februar 2019. Die Behörden gehen offiziell von 2,99 Milliarden Menschenbewegungen aus. Zur Bewältigung werden Tausende von zusätzlichen Zügen und Flugzeugen eingesetzt. Allein der Flugverkehr soll laut Behördenschätzung gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent zunehmen.

Zum Neujahrsfest werden neue Hochgeschwindigkeitsstrecken in Betrieb genommen, unter anderem die Linie Guangzhou – Shenzhen – Hong Kong.

Erstmals kommt auch das neue System Social Credit zum Einsatz. Die Menschenbewegungen werden mit einer möglichst systematischen Gesichtserkennung überwacht und kontrolliert. Das System nützt eine gigantische Datenbank und neue Technologien der Künstlichen Intelligenz.

Untergrundpriester fühlen sich vom Vatikan „verraten“

Überwacht werden in der Volksrepublik China auch die katholischen Priester. Um offiziell als Priester wirken zu können, müssen sie der regimehörigen Patriotischen Vereinigung beitreten. AsiaNews erreichte die Nachricht eines solchen „offiziellen“ Priesters. Er berichtet, daß sich Untergrundpriester, mit denen er bekannt ist, vom Vatikan verraten fühlen, besonders seit dem Abkommen zwischen Peking und dem Heiligen Stuhl. Die Patriotische Vereinigung arbeitet nämlich trotz Abkommen weiterhin für eine vom Heiligen Stuhl unabhängige und vom kommunistischen Regime abhängige, chinesische Nationalkirche.

Nur die Patriotische Vereinigung ist vom Staat anerkannt

Der Priester ruft daher den Vatikan auf, bei den künftigen Gesprächen mit Peking auch über die Rolle der Patriotischen Vereinigung zu sprechen.

Grund für diese Botschaft ist für den Priester eine alarmierende Entwicklung. Mehrere Priester der romtreuen Untergrundkirche, mit denen er befreundet ist, seien dabei, ihr Priestertum aufzugeben. Sie fühlen sich vom Vatikan verraten. Papst Franziskus erklärte nach der Unterzeichnung des Abkommens über die Bischofsernennungen „Das letzte Wort steht mir zu“, doch die Rolle der Patriotischen Vereinigung wurde nicht geklärt. Die Patriotische Vereinigung „ist ein Kontrollorgan der Kommunistischen Partei Chinas und will eine sich selbst genügende, vom Heiligen Stuhl unabhängige Kirche errichten“.

Papst Benedikt XVI., so der Priester, erklärte 2007 in seinem Schreiben an die chinesischen Katholiken die Patriotische Vereinigung für „unvereinbar mit der katholischen Glaubenslehre“. Papst Franziskus betonte mehrfach, daß das Schreiben seines Vorgängers „noch gültig ist“.

Die Realität vermittle aber einen anderen Eindruck, so der Priester. Franziskus greift auf Bischöfe und Priester der Patriotischen Vereinigung zurück, als einer Art „geringeres Übel“ Die Mitgliedschaft in der Patriotischen Vereinigung ist nach wie vor Voraussetzung, um vom Staat als Priester anerkannt zu werden. Benedikt XVI. legte hingegen fest, daß eine Mitgliedschaft in Organisationen und Gremien nicht gestattet ist, die eine Leugnung der unverzichtbaren Grundsätze des Glaubens und der kirchlichen Gemeinschaft betreiben.

Die Patriotische Vereinigung tue genau das, wie die 60-Jahrfeiern ihrer Gründung erneut bewiesen haben.

Der Priester berichtet von verschiedenen Untergrundpriestern, die von den jüngsten Entwicklungen so enttäuscht sind, daß sie sich vom Vatikan im Stich gelassen und verraten fühlen. Von mehreren weiß er, daß sie in ihre Heimatorte zurückgekehrt sind oder zurückkehren wollen. Sie sind „Opfer des chinesisch-vatikanischen Abkommens“, so der Priester.

„Ich fürchte, daß es in ganz China viele Priester gibt, die das derzeit so durchmachen: Sie waren treu und haben den katholischen Glauben verteidigt, aber plötzlich wurden sie von Rom verraten. Sie können ihr Gewissen nicht vergewaltigen und noch weniger können sie gegen ihren Glauben handeln.“

Die Sorge des Priesters ist, daß seine Mitbrüder ihre „missionarische Berufung“ verlieren könnten. Wenn ihnen die weltliche Macht ihr Priestertum aberkennt und sie nicht einmal von der Kirche Halt bekommen, „sind sie wirklich wie der gekreuzigte Christus und können nur mit allem Nachdruck rufen: Vater, warum hast Du uns verlassen?“

Text: Andreas Becker/Giuseppe Nardi
Bild: AsiaNews

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