Verurteilte Mißbrauchstäter erhalten vom Vatikan „drastische“ Strafreduzierung

Kritik an bisher unbekannten Bestimmungen von Papst Franziskus












Das Wall Street Journal berichtet von einer „laxen“ Nulltoleranz“ von Papst Franziskus gegen sexueller Mißbrauchstäter.
Das Wall Street Journal berichtet von einer „laxen“ Nulltoleranz“ von Papst Franziskus gegen sexueller Mißbrauchstäter.

(Rom) Kaum bekannte Bestimmungen, die von Papst Franziskus erlassen wurden, reduzieren im kanonischen Berufungsverfahren drastisch die Strafen von Klerikern, die des sexuellen Mißbrauchs für schuldig befunden wurden.

Mindestens ein Drittel aller Fälle sollen in den Genuß der Strafreduzierung kommen, so Francis X. Rocca im Wall Street Journal vom 21. Dezember.

Zahlreiche Priester, die wegen des sexuellen Mißbrauchs verurteilt wurden, kommen in den Genuß einer „drastischen“ Strafreduzierung im Berufungsverfahren. Die Maßnahme war von Papst Franziskus unbemerkt von der Öffentlichkeit erlassen worden, so die New Yorker Wirtschaftszeitung.

Bekannt wurden die Maßnahmen erst jetzt durch die Kritik einiger Bischöfe, die eine harte Linie in der Mißbrauchsbekämpfung fordern. Sie kritisieren die „laxe“ Nulltoleranz des regierenden Papstes.

Papst Franziskus bekräftigte beim Weihnachtsempfang für die Kurienmitarbeiter eine harte Politik der Nulltoleranz.

Kritiker unter den Bischöfen sehen das anders. Sie werfen Papst Franziskus vor, den Worten nach eine harte Linie zu versprechen, den Fakten nach aber eine „laxe“ Linie umzusetzen. In einigen Fällen sehen die päpstlichen Maßnahmen vor, daß Priester, die aus dem priesterlichen Dienst entfernt wurden, von anderen kirchlichen Autoritäten als jenen, bei denen sie inkardiniert waren, wieder ins Amt gesetzt werden können.

Bereits in einer Versammlung im Juni 2017 habe Kardinal Sean Patrick O’Malley, der Vorsitzende der Päpstlichen Kinderschutzkommission, Kritik an einer „übertriebenen Indulgenz“ geübt, wie „ihm vertraute Personen“ dem Journalisten des Wall Street Journal anvertrauten. Die Spannungen zum Thema hätten in jüngster Zeit noch deutlich zugenommen.

Kardinal O’Malley wurde von Papst Franziskus nicht in das Organisationskomitee für den Sondergipfel gegen den sexuellen Mißbrauch im Februar eingebunden worden. Der Kardinal, obwohl im Vatikan für die Frage zuständig, wurde von Franziskus überhaupt erst nach einigen internen Protesten zum Gipfel eingeladen worden. Der Kardinal selbst wollte gegenüber der Zeitung nicht Stellung nehmen.

„Verschiedene Bischöfe“, so die Wirtschaftszeitung, kritisierten die päpstliche Nachsicht gegenüber verurteilten Mißbrauchstätern.

Bei dem Weihnachtsempfang für die Kurialen hatte Papst Franziskus deutliche Worte gefunden und auch schwere Schuld der zuständigen Stellen eingestanden, ohne sich davon auszunehmen. Das Wall Street Journal zitierte den Kirchenrechtler Kurt Martens von der Katholischen Universität von Amerika. Dieser meinte, daß Papst Franziskus es offenbar allen Seiten recht machen wolle.

Die zuständige Revisionsstelle des Vatikans reduzierte aufgrund der päpstlichen Bestimmungen bereits in 15 Fällen die Strafen deutlich.

Empört darüber zeigt sich auch Marie Collins. Die Maßnahme widerspreche allem, was Papst Franziskus in der Sache angekündigt und versprochen habe, so die Irin, die selbst Opfer von priesterlichem Mißbrauch wurde. Im vergangenen Jahr verließ sie unter Protest über die Politik von Papst Franziskus gegen den Mißbrauch die Päpstliche Kinderschutzkommission, deren Mitglied sie war.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wall Street Journal (Screenshot)

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