Interkommunion: Nun gibt es ihn doch, den deutschen Alleingang



Interkommunion deutscher Alleingang Paderborn
Interkommunion: Kardinal Marx versprach „keine deutschen Alleingänge“, nun gibt es ihn aber doch.

(Rom) Obwohl Rom die Handbremse gezogen und Kardinal Marx versichert hatte, daß es „keinen deutschen Alleingang“ geben werde, gibt es ihn nun doch.

Rom zog in Sachen Interkommunion Ende Mai die Handbremse. Nachdem Papst Franziskus anfänglich auf Zeit spielte, übergab er – nachdem der Vorwurf laut wurde, er weigere sich seinen Pflichten als Papst nachzukommen – die Sache dann seinem Glaubenspräfekten, Kardinal Luis Ladaria Ferrer, der schnell klare Worte fand. Dennoch herrschte keine wirkliche Klarheit. Dafür sorgte wiederum Franziskus, dem die grauen Zwischentöne mehr liegen als schwarz und weiß. Je verschwommener, desto größer sein Handlungsspielraum. Je verschwommener, desto größer aber auch die allgemeine Verwirrung.

Vatikan und Deutsche Bischofskonferenz (DBK) suchten eine gemeinsame Sprachregelung und schienen sie auch gefunden zu haben. Kardinal Marx, der Vorsitzende der DBK, die den Vorstoß für die Interkommunion unternahm, versicherte, daß es „keine deutschen Alleingänge“ geben werde. Man sei vielmehr bereit, in allen Fragen mit Rom „mitzuarbeiten“.

Rom betonte im Gegenzug, zunächst aus dem Mund des Papstes, dann auch aus dem Mund des Glaubenspräfekten Ladaria, daß Rom keine „Handbremse“ gezogen habe. Damit blieb allen Seiten ein Gesichtsverlust erspart, was vor allem klimatisch günstigere Voraussetzungen für die weiteren Gespräche schaffen sollte. Zur Klärung trug diese Vorgehensweise aber nicht bei. Im Gegenteil.

Erzbischof Hans-Josef Becker
Erzbischof Hans-Josef Becker

Damit war nämlich wieder offen, ob von Rom nun denn überhaupt ein klärendes Wort gesprochen worden war und in welchem Ausmaß.

Inzwischen steht die Frage im Raum, wie viel Versicherungen von Kardinal Marx überhaupt wert sind. Erzbischof Hans-Josef-Becker von Paderborn machte nämlich nun doch einen Alleingang. Am Samstag meldete das Westfalen-Blatt:

„Erzbischof erlaubt evangelischen Ehepartnern Kommunion“.

Natürlich gehe es nur um „Einzelfälle“, wie der Erzbischof versicherte. Das Wort „Einzelfall“ hat in Deutschland derzeit ja in vielerlei Hinsicht Hochkonjunktur.

Sein Vorpreschen rechtfertigte der Paderborner Oberhirte wie folgt:

„Konfessionsverbindende Ehepaare und Familien liegen uns ebenso am Herzen wie die Ökumene“.

Was Sprache doch so alles vermag: Aus „konfessionsverschieden“ wurde „konfessionsverbindend“. So einfach geht das. Zwei unterschiedliche Konfessionen, ob häretisch oder schismatisch bleibt schon lange unerwähnt, „verbinden“ sich also, weil zwei Angehörige verschiedener Konfessionen heiraten. Aber wozu verbinden sie sich? Was ist das Ergebnis: eine neue, dritte Konfession?

Becker beruft sich direkt auf Papst Franziskus. Franziskus hatte die Intervention Roms, die „keine Handbremse“ gewesen sei, nicht inhaltlich, sondern formalrechtlich begründet. Der Papst zog sich damit a priori auf eine schwache Argumentationsebene zurück. Sie bedeutet in der Regel, und auch im konkreten Fall, daß einer inhaltlichen Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen werden soll. Bekanntlich mag Franziskus keine inhaltlichen Auseinandersetzungen, keine allgemeinen Regeln, schon gar keine einschränkenden.

Die römische Intervention, so der Papst, sei nur deshalb notwendig gewesen, weil die deutschen Bischöfe als Bischofskonferenz gehandelt hätten. Die aber sei kein entscheidungsfähiges Rechtssubjekt. Hätten die einzelnen Diözesen gehandelt, dann…

Erzbischof Becker hörte es und handelte, als einzelne Diözese.

Und was sagt Rom dazu? Und was sagt nun Papst Franziskus dazu?

Da kaum angenommen werden kann, daß Kardinal Marx sich von einem anderen Erzbischof seiner eigenen Gruppierung öffentlich als Lügner bloßstellen läßt, muß eine vorherige Absprache angenommen werden. Anders ausgedrückt: Die Mehrheitsführer der Deutschen Bischofskonferenz nehmen erneut die Papst-Worte ganz ernst. Der päpstliche Hinweis, die einzelnen Diözesen sollten handeln, wird als Handlungsanweisung gesehen. Becker kann sagen, er nehme Franziskus nur beim Wort.

War also die römische Intervention, die Kardinal Ladaria „mit audrücklicher Zustimmung des Papstes“ vollführte, letztlich nur Theaterdonner? Vielleicht um die „Konservativen“ stillzuhalten? Einiges spricht dafür. Um genau zu sein, spricht sogar vieles dafür. Sollte Rom auf Erzbischof Beckers Alleingang nicht reagieren, spricht sogar alles dafür.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Westfalen-Post (Screenshot)

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2 Kommentare

  1. Ist nicht jeder Fall genau betrachtet ein Einzelfall? Jedes Gesetz muss allgemein gesehen auf den jeden Einzelfall angewendet werden. Also ist die Wortwahl nur Augenwischerei um zu verdecken, dass man sehr wohl die Interkommunion wünscht.

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