Erste päpstliche Kehrtwende: Frauenordination

Frauenordination
Papst Franziskus mit lutherischer Bischöfin Jackelen

(Rom) 2018 wur­de zu drei Fra­gen von Papst Fran­zis­kus in ent­schei­den­den Momen­ten eine Kehrt­wen­de voll­zo­gen. „Er gab aber nie zu ver­ste­hen, ob sie defi­ni­tiv und ehr­lich gemeint sind“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. War es Ein­sicht, oder wur­de Fran­zis­kus vom Mut ver­las­sen, oder sind sei­ne Kehrt­wen­dun­gen ledig­lich tak­ti­scher Art? Die Unklar­heit erge­be sich aus dem, was der regie­ren­de Papst vor­her und nach­her sag­te und tat, nach­dem er den Rück­wärts­gang ein­leg­te.

Erste Kehrtwende: Frauenordination

Die erste Hand­brem­se zog Fran­zis­kus gegen das Frau­en­prie­ster­tum. In die­sem Punkt wider­sprach er sich aller­dings nicht selbst. Seit sei­ner Wahl zum Papst sprach er sich, wann immer er danach gefragt wur­de, per­sön­lich gegen eine Frau­en­or­di­na­ti­on aus. Das geschah bei­spiels­wei­se am 1. Novem­ber 2016 auf dem Rück­flug aus Schwe­den, wo er am Tag zuvor bei dem gemein­sa­men „Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken“ die luthe­ri­sche Erz­bi­schö­fin von Schwe­den umarmt hat­te.

„Gleich­zei­tig ließ er aber lan­ge den Mei­nun­gen der Befür­wor­ter frei­en Lauf, dar­un­ter auch durch Per­sön­lich­kei­ten, die mit ihm befreun­det sind, wie dem Wie­ner Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born“, so Magi­ster.

Erst am ver­gan­ge­nen 29. Mai ver­öf­fent­lich­te der Osser­va­to­re Roma­no eine Erklä­rung von Glau­bens­prä­fekt Luis Ladar­ia Fer­rer, der klar­stell­te, daß bereits 1994 Papst Johan­nes Paul II. auf „unfehl­ba­re“ und „defi­ni­ti­ve“ Wei­se ein Nein zum Frau­en­prie­ster­tum ver­kün­det hat­te. Der Jesu­it Ladar­ia war von Fran­zis­kus an die Spit­ze der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on gesetzt und vor weni­gen Tagen zum Kar­di­nal kre­iert wor­den.

Die Ver­fech­ter des Frau­en­prie­ster­tums geben sich aber nicht geschla­gen. Sie fol­gen einem rechts­po­si­ti­vi­sti­schen Den­ken, laut dem letzt­lich jede Regel durch jene geän­dert wer­den kön­ne, die Macht (nicht unbe­dingt Voll­macht) dazu haben.

Kardinal Martinis Ratschlag

Die Marsch­rou­te gab Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni, eben­falls Jesu­it, als Reak­ti­on auf das Nein von Johan­nes Paul II. vor. Mit einem „Rat­schlag“ emp­fahl er, sich nun auf das Frau­en­dia­ko­nat zu kon­zen­trie­ren, denn das sei von Johan­nes Paul II. nicht aus­drück­lich genannt wor­den. Dann sehe man wei­ter.

In der Angli­ka­ni­schen Kir­che wur­de mit die­ser Sala­mi­tak­tik vor­ge­gan­gen. Unter­stützt wur­de die Frau­en-Agen­da jeweils von einer Mehr­heit der Bischö­fe. Den mei­sten Wider­stand lei­ste­ten die Gläu­bi­gen. Auf der angli­ka­ni­schen Syn­ode wur­de vor weni­gen Jah­ren zur Bre­chung des Wider­stan­des gegen die Ein­füh­rung von Bischö­fen so lan­ge abge­stimmt, bis das gewünsch­te Ziel erreicht war. Pro­gres­si­ve, katho­li­sche Krei­se den­ken dies­be­züg­lich nicht anders.

Bestärkt wer­den sie durch den­sel­ben Fran­zis­kus, der sich per­sön­lich gegen eine Zulas­sung von Frau­en zum Wei­he­sa­kra­ment aus­sprach, weil er 2016 eine Kom­mis­si­on zum Stu­di­um der histo­ri­schen Figur der Dia­ko­nis­sen errich­te­te. Er selbst erklär­te scher­zend, daß ihm ein „wei­ser Mann“ ein­mal emp­foh­len habe, daß man Din­ge durch die Errich­tung von Kom­mis­sio­nen auf die lan­ge Bank schie­ben kön­ne. Doch nie­mand weiß so recht, was Fran­zis­kus nun wirk­lich will.

Dient die Dia­ko­nis­sen­kom­mis­si­on zur Ver­trö­stung der Befür­wor­ter der Frau­en­or­di­na­ti­on oder dient sie zur Vor­be­rei­tung des Frau­en­dia­ko­nats, also letzt­lich der Täu­schung recht­gläu­bi­ger Kir­chen­krei­se, die eine Frau­en­or­di­na­ti­on defi­ni­tiv für unmög­lich hal­ten?

Dazu trägt auch bei, daß Fran­zis­kus selbst ver­schwom­men ein­mal von Dia­ko­nis­sen und ein­mal von Dia­ko­nin­nen spricht und im Unkla­ren läßt, wel­chen Auf­trag die Kom­mis­si­on wirk­lich hat (sie­he Frau­en­dia­ko­nat: Als der Vati­kan noch ohne Stu­di­en­kom­mis­si­on zu ant­wor­ten wuß­te, eben­so Kar­di­nal Mül­ler: Wur­de bereits aus­führ­lich stu­diert).

Auch Magi­ster äußert sol­che Zwei­fel:

„Nach dem Vor­be­rei­tungs­pa­pier zur Ama­zo­nas­syn­ode zu beur­tei­len, die 2019 statt­fin­det, ist vor­her­seh­bar, daß genau dort die ersten Dia­ko­nin­nen geweiht wer­den. Und dann, wer weiß …“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)