Schönborn widerspricht der Glaubenskongregation?

Frauenpriestertum
Kardinal Schoenborn gegen Glaubenskongregation in Sachen Weiheverbot für Frauen?

(Rom) Wiens Erz­bi­schof, Chri­stoph Kar­di­nal Schön­born, wird von der pro­gres­si­ven bri­ti­schen Wochen­zei­tung The Tablet zum The­ma Frau­en­prie­ster­tum gegen Glau­bens­prä­fekt Luis Ladar­ia Fer­rer in Stel­lung gebracht. Ein Wider­spruch dage­gen war aus Wien noch nicht zu hören.

Am 30. Mai ver­öf­fent­lich­te der Prä­fekt der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Luis Ladar­ia Fer­rer SJ, eine Klar­stel­lung zu „eini­gen Dubia“ (Zwei­feln) über den „defi­ni­ti­ven“ Cha­rak­ter der Leh­re von Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis.

Schönborn-Interview vom 31. März 2018
Schön­born-Inter­view vom 31. März 2018 (Die Pres­se)

Papst Johan­nes Paul II. hat­te 1994 in dem Apo­sto­li­schen Schrei­ben bekräf­tigt, daß Frau­en kei­nen Anteil am Wei­he­sa­kra­ment haben kön­nen. Die Ent­schei­dung gilt als dog­ma­ti­sche Fest­le­gung, den­noch wur­de der defi­ni­ti­ve Cha­rak­ter seit­her von Theo­lo­gen und Kir­chen­ver­tre­tern wie­der­holt in Fra­ge gestellt.

Dage­gen erfolg­te nun eine Klar­stel­lung von Glau­bens­prä­fekt Ladar­ia, daß die Ent­schei­dung tat­säch­lich „defi­ni­tiv“ ist. Weder durch einen Papst noch ein Kon­zil kön­ne die­se Leh­re geän­dert wer­den, da sie direkt auf Jesus Chri­stus zurück­ge­he.

Die Fest­stel­lung des dog­ma­ti­schen Cha­rak­ters die­ser Ent­schei­dung wur­de erstaun­lich unauf­ge­regt zur Kennt­nis genom­men. Unter Papst Johan­nes Paul II. hat­te die Ver­öf­fent­li­chung von Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis zu Anfein­dun­gen in- und außer­halb der Kir­che geführt. Unter Papst Bene­dikt XVI. hät­te die Ver­öf­fent­li­chung der nun ver­öf­fent­lich­ten Klar­stel­lung einem Auf­schrei nach sich gezo­gen. Die Reak­tio­nen der Wort­füh­rer des Frau­en­prie­ster­tums ver­hal­ten sich unter Papst Fran­zis­kus hin­ge­gen erstaun­lich lei­se.

Kar­di­nal Car­lo Mar­ti­ni SJ, der Gegen­spie­ler von Johan­nes Paul II., damals Erz­bi­schof von Mai­land und laut eige­nen Anga­ben „Ante-Papst“, bemüh­te Mit­te der 90er Jah­re eine eigen­wil­li­ge, pro­gres­si­ve Aus­le­gung von Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis. Der pol­ni­sche Papst habe zwar zum Frau­en­prie­ster­tum die Türe zuge­schla­gen, aber nichts über das Dia­ko­nat gesagt. Mar­ti­ni emp­fahl daher den pro­gres­si­ven Kir­chen­krei­sen, sich des­halb auf das Frau­en­dia­ko­nat zu kon­zen­trie­ren, dann sehe man wei­ter.

Ladar­i­as Klar­stel­lung wider­spricht impli­zit Mar­ti­nis „Schleich­weg“. Aus der Ant­wort des Glau­bens­prä­fek­ten auf die Dubia läßt sich kei­ne Mög­lich­keit ablei­ten, daß Frau­en irgend­ei­nen Anteil am Wei­he­sa­kra­ment hät­ten, auch nicht an der unte­ren Stu­fe. Das Wei­he­sa­kra­ment ist als Sakra­ment unteil­bar, wes­halb es in vol­lem Umfang durch Chri­sti Wil­len immer Män­nern vor­be­hal­ten war und auch bleibt.

„Priesterinnen“ bei den Anglikanern
„Prie­ste­rin­nen“ bei den Angli­ka­nern

Ende des 20. Jahr­hun­derts gehör­te es, beson­ders im deut­schen Sprach­raum, zum Stan­dard­re­per­toire von Son­der­theo­lo­gen wie Eugen Dre­wer­mann und Hans Küng, Frau­en­dia­ko­nat und Frau­en­prie­ster­tum zu for­dern. Inzwi­schen haben sich aber auch Bischö­fe weit in die­se Rich­tung aus dem Fen­ster gelehnt. Das gilt nicht nur für den eme­ri­tier­ten, öster­rei­chi­schen Mis­si­ons­bi­schof Erwin Kräut­ler, der der­zeit an ande­rer Front einen Angriff gegen das Wei­he­sa­kra­ment vor­be­rei­tet. Auch Bischö­fe wie Man­fred Scheu­er (vor­her Inns­bruck, jetzt Linz), Robert Zollitsch (Frei­burg im Breis­gau), Her­mann Glett­ler (Inns­bruck), Wal­ter Kas­per (vor­her Rot­ten­burg-Stutt­gart, dann Kuri­en­kar­di­nal), sein Nach­fol­ger Geb­hard Fürst (Rot­ten­burg-Stutt­gart), Franz-Josef Bode (Osna­brück) spra­chen sich mit leich­ten Nuan­cie­run­gen für ein Frau­en­dia­ko­nat aus. Sie tun damit, was Kar­di­nal Mar­ti­ni „emp­foh­len“ hat­te.

Chri­sta Pongratz-Lip­pitt, Öster­reich-Kor­re­spon­den­tin ver­schie­de­ner pro­gres­si­ver Medi­en im eng­lisch­spra­chi­gen Raum, und Chri­sto­pher Lamb, bei­de schrei­ben für The Tablet, haben zwei Tage nach der Ladar­ia-Klar­stel­lung im Tablet Kar­di­nal Schön­born gegen die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on in Stel­lung gebracht.

Sie beru­fen sich dabei auf ein Inter­view, das Schön­born Ende März gab, und das gleich­zei­tig am 31. März von gleich sechs öster­rei­chi­schen Tages­zei­tun­gen ver­öf­fent­licht wur­de, dar­un­ter Die Pres­se, Klei­ne Zei­tung und Salz­bur­ger Nach­rich­ten. Die Tablet-Über­schrift behaup­tet: „Schön­born wider­spricht der Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zum Frau­en­prie­ster­tum“. Die Kern­aus­sa­ge lau­tet: Für Kar­di­nal Schön­born kön­ne die Fra­ge der Frau­en­or­di­na­ti­on „nur“ durch „ein öku­me­ni­sches Kon­zil“ geklärt wer­den.

Das Inter­view Schön­borns liegt zu lan­ge zurück, um Jour­na­li­sten zu erlau­ben, einen direk­ten Gegen­satz zu behaup­ten. Vor allem wird der irri­ge Ein­druck erweckt, Schön­born habe damit auf die Klar­stel­lung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on reagiert. In Wirk­lich­keit erfolg­te die Klar­stel­lung zwei Mona­te nach dem Schön­born-Inter­view. Die­se chro­no­lo­gi­sche Abfol­ge wird von den Tablet-Autoren zwar erwähnt, aller­dings nur bei­läu­fig mit­ten im Text und mit der Anga­be eines fal­schen Datums. Der Gesamt­ein­druck, auf den sie beim Leser abzie­len, soll ein ande­rer sein.

Die Tablet-Leser­schaft wur­de erst mit die­sem Arti­kel über die Klar­stel­lung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on infor­miert. In Wirk­lich­keit wur­de ihr Fokus vom ersten Satz an, unter Ver­weis auf Kar­di­nal Schön­born, auf eine Gegen­po­si­ti­on umge­lenkt.

Was sag­te Schön­born aber am 31. März?

Da der Text des Inter­views zwar ein­heit­lich ist, aber jede der sechs betei­lig­ten Tages­zei­tun­gen etwas ande­re Tei­le davon für den Abdruck aus­wähl­te, ist ein Blick in alle Ver­öf­fent­li­chun­gen von Nöten.

Fra­ge: Was wün­schen Sie sich genau?

Kar­di­nal Schön­born: Etwa einen höhe­ren Frau­en­an­teil in lei­ten­den Posi­tio­nen. Obwohl es damit in der Erz­diö­ze­se Wien nicht schlech­ter ist als in ande­ren gro­ßen Orga­ni­sa­tio­nen. Die Wei­he­fra­ge ist eine Fra­ge, die sicher nur von einem Kon­zil geklärt wer­den kann. Das kann auch nicht ein Papst allein ent­schei­den. Das ist eine zu gro­ße Fra­ge, als dass sie vom Schreib­tisch eines Pap­stes aus geklärt wer­den könn­te.

Fra­ge: Sie mei­nen die Wei­he von Frau­en zu Prie­ste­rin­nen?

Kar­di­nal Schön­born: Dia­ko­nen, Prie­stern, Bischö­fen.

Fra­ge: Der Papst hat Dia­ko­nin­nen zumin­dest nicht aus­ge­schlos­sen. Er könn­te die Ein­füh­rung nicht allein ent­schei­den?

Kar­di­nal Schön­born: Ich hiel­te es auch nicht für gut. Die Kir­che ist eine Gemein­schaft, gro­ße Ent­schei­dun­gen sol­len gemein­schaft­lich getrof­fen wer­den.

Die Aus­sa­gen zum Kon­zil sind im Kon­text auf Papst Fran­zis­kus und nicht auf Johan­nes Paul II. und das Doku­ment Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis gemünzt. Letz­te­res wird gar nicht erwähnt. Wiens Erz­bi­schof ver­sucht ganz sei­ner Art ent­spre­chend, maxi­ma­len Kon­sens zu fin­den, diplo­ma­tisch nichts zu sagen und doch allen unver­bind­lich ein biß­chen recht zu geben.

Schönborn-Interview vom 31. März
Schön­born-Inter­view vom 31. März (Salz­bur­ger Nach­rich­ten)

Der von den Tablet-Autoren behaup­te­te Gegen­satz zum Ladar­ia-Doku­ment läßt sich dar­aus nicht able­sen. Er ist kon­stru­iert.

Pongratz-Lip­pitt und Lamb hän­gen sich an der Schön­born-Aus­sa­ge auf, „nur ein Kon­zil“ kön­ne über die Wei­he­fra­ge ent­schei­den. Das konn­te zu die­sem Zeit­punkt nicht nur gegen eine even­tu­el­le Öff­nung durch Papst Fran­zis­kus für „Dia­ko­nin­nen“ ins Feld geführt wer­den, son­dern auch gegen das Wei­he­ver­bot von Frau­en durch Papst Johan­nes Paul II. Das aber wür­de vor­aus­set­zen, daß Schön­born zum Zeit­punkt des Inter­views den „defi­ni­ti­ven Cha­rak­ter“ von Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis bezwei­fel­te. Die Fra­ge ist aber wenn schon, ob er ihn auch noch nach der Klar­stel­lung durch die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on bezwei­felt. Das aber darf ernst­lich bezwei­felt wer­den.

Schön­born ist zu sehr Diplo­mat, um sich zu umstrit­te­nen The­men fest­na­geln zu las­sen. Der Tablet-Arti­kel vom 1. Juni wür­de eine Klar­stel­lung durch das Erz­bis­tum Wien ver­lan­gen. Eine sol­che wird aber nicht erfol­gen. Rom macht es dies­be­züg­lich vor. Im Namen von Papst Fran­zis­kus wer­den von sei­nen Gesprächs­part­nern unglaub­li­che Aus­sa­gen an die Öffent­lich­keit gebracht, doch der Vati­kan reagiert dar­auf nicht. Auch das ist eine Stra­te­gie, bei der sich jemand etwas denkt. Was genau, bleibt aller­dings ver­bor­gen, und offe­ne Fra­gen blei­ben in der Luft schwe­ben.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: The Tablet/Die Presse/Salzburger Nach­rich­ten (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Der Papst soll nicht dar­über ent­schei­den, ob es Frau­en­prie­ster­tum gibt oder nicht. Das soll gemein­schaft­lich dis­ku­tiert, also demo­kra­ti­siert wer­den?

    Wenn Frau­en, rein hypo­the­tisch zu Dia­ko­nen geweiht wer­den soll­ten, müss­ten sie das Prie­ster­se­mi­nar besu­chen und sakra­men­tal die Prie­ster­wei­he emp­fan­gen. Damit wäre der Fuß bereits in der Tür, denn von dort aus wäre im Hand­um­dre­hen das Prie­ster­tum und bald auch der Zöli­bat aus­ge­he­belt.

    Jesus Chri­stus wird schon gewusst haben, wie­so ihm Gott der Vater auf­ge­tra­gen hat 12 Män­ner aus­zu­wäh­len, um den Dienst als Apo­stel und Jün­ger aus­zu­üben. Wür­de hier Got­tes Wil­le respek­tiert und nicht stän­dig nach Lücken gesucht, gäbe es die­se lächer­li­che Dis­kus­si­on nicht.

    Und wür­de die Rol­le der Frau­en in der Fami­lie und Gesell­schaft im tra­di­tio­nel­len, umfas­sen­den Sin­ne wie­der mehr erkannt wer­den, wür­de man nicht die­sem Gleich­ma­chungs­wahn erlie­gen, es gäbe weni­ger Irr­tü­mer bei der Beset­zung von wich­ti­gen Posten, die oft als Selbst­zweck an Frau­en gehen.
    Es gäbe weni­ger Sexis­mus in Wer­bung und Medi­en all­ge­mein. Es gäbe weni­ger Schwie­rig­kei­ten mit gebur­ten­schwa­chen Jahr­gän­gen, mit der Gegen­fi­nan­zie­rung des Pen­si­ons­sy­stems, es wäre weni­ger demo­gra­fisch moti­vier­ter Zuzug nötig und und und.

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