Rota-Richter wegen Pädophilie verurteilt: Führt Franziskus Moderator curiae ein?

Moderator curiae
Nach der Verurteilung des Rota-Richters droht durch weitere Sexskandale Ungemach. Will Papst Franziskus, daß ein Moderator curiae künftig Kandidaten durchleuchtet?

(Rom) Nicht nur im Erz­bis­tum Nea­pel explo­diert gera­de ein Homo-Skan­dal. Auch im Vati­kan „ist ein neu­er, dra­ma­ti­scher Sex­skan­dal am explo­die­ren“, so die Tages­zei­tung Libe­ro in ihrer gest­ri­gen Aus­ga­be. Soll ein Mode­ra­tor curiae soll Abhil­fe schaf­fen?

„Neu­er Sex­skan­dal im Anzug, nun zit­tert der Papst“.

Letz­te­res darf zwar bezwei­felt wer­den, aller­dings fehlt es der­zeit nicht an Erschüt­te­run­gen. Erst am 15. Febru­ar wur­de ein Rich­ter der Rota Roma­na, Msgr. Pie­tro Amen­ta, wegen des Besit­zes „von kin­der­por­no­gra­phi­schem Mate­ri­al“ und „sexu­el­ler Belä­sti­gung“ eines 20jährigen Rumä­nen zu 14 Mona­te Gefäng­nis auf Bewäh­rung ver­ur­teilt. Das Urteil war ohne Haupt­ver­hand­lung durch eine „alter­na­ti­ve Ver­fah­rens­form mit Straf­zu­mes­sung auf Antrag der Par­tei­en“ zustan­de gekom­men. Mit ande­ren Wor­ten, Msgr. Amen­ta leg­te hin­ter ver­schlos­se­nen Türen ein Geständ­nis ab und akzep­tier­te die ihm ange­bo­te­ne, dadurch redu­zier­te Stra­fe, um eine Haupt­ver­hand­lung zu ver­hin­dern. Bei einer Ver­ur­tei­lung ab 24 Mona­ten hät­te die Stra­fe nicht auf Bewäh­rung aus­ge­setzt wer­den kön­nen.

Der 55 Jah­re alte Amen­ta war 2013 von Papst Fran­zis­kus an den vati­ka­ni­schen Gerichts­hof Rota Roma­na beru­fen wor­den.

„Neu­es Schei­tern von Papst Fran­zis­kus: An der Sacra Rota ist ein Pädo­phi­ler Prie­ster-Rich­ter.“

So titel­te am 17. Febru­ar die Tages­zei­tung Libe­ro über das Urteil.

Moderator curiae soll Kandidaten durchleuchten

Nun steht ein neu­er „dra­ma­ti­scher“ Skan­dal vor der Tür. Papst Fran­zis­kus soll bereits infor­miert sein und über­le­ge Schrit­te, sich und die Kir­che zu schüt­zen. Laut der römi­schen Tages­zei­tung Il Tem­po lie­gen neue „Skan­da­le in der Luft“:

„Der Papst geht in Deckung“.

Gemeint ist damit, daß das Kir­chen­ober­haupt die Beru­fung eines Mode­ra­tor curiae, eines Super-Per­so­nal­di­rek­tors plant. Die­ser soll vor jeder Neu­er­nen­nung mit Hil­fe der vati­ka­ni­schen Gen­dar­me­rie Infor­ma­tio­nen ein­ho­len. Die Gen­dar­me­rie war in der Ver­gan­gen­heit nur in ganz sel­te­nen Fäl­len bei Per­so­nal­fra­gen hin­zu­ge­zo­gen wor­den. Das soll sich ändern.

Bis­her war der Sub­sti­tut des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats für die Über­prü­fung von Kan­di­da­ten zustän­dig. Laut Il Tem­po bedien­te er sich dafür der Foko­lar­be­we­gung. Die­se habe auf Wunsch dis­kret Infor­ma­tio­nen gesam­melt und dem Staats­se­kre­ta­ri­at zuge­lei­tet. Die Foko­lar­be­we­gung sei „in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren in alle wich­ti­gen Kanä­le jen­seits des Tibers“ unter­wegs gewe­sen.

Moderator curiae
Pie­tro Amen­ta

Papst Fran­zis­kus zie­he wegen der Ver­ur­tei­lung des Rota-Rich­ters Pie­tro Amen­ta das Tem­po an. Zudem sei­en an „zwei Ermitt­lun­gen zu mut­maß­lich pädo­phi­len, homo­se­xu­el­len Prä­la­ten anhän­gig“, die bereits in den näch­sten Tagen neue Erschüt­te­run­gen für die Römi­sche Kuri­en brin­gen könn­ten. Die Ermitt­lun­gen ver­lau­fen „streng und geheim“. Unter ande­rem sei davon eine Per­son betrof­fen, „die dem Papst sehr nahe­steht und in der Welt der Medi­en und der Kul­tur sehr geschätzt und bekannt ist; laut eini­gen unbe­stä­tig­ten Infor­ma­tio­nen fre­quen­tie­re sie ein Apart­ment in der Nähe der Via del­la Scro­fa in Rom“, so Lui­gi Bisi­gna­ni, der Chef­ko­lum­nist der Tages­zei­tung.

Die Idee eines Mode­ra­tors für die Römi­sche Kurie stam­me laut Il Tem­po von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin. Er habe sich für die Ein­bin­dung der Gen­dar­me­rie aus­ge­spro­chen, weil die­se mit Inter­pol bestens ver­netzt ist.

Heu­te hat eine neue Sit­zungs­run­de des C9-Kar­di­nal­s­ra­tes begon­nen, die bis Mitt­woch dau­ern wird. Es ist denk­bar, daß der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär, der Mit­glied des Rates ist, sei­nen Vor­schlag heu­te bereits vor­ge­legt hat.

Die Urhe­ber­rech­te für die Mode­ra­to­ren-Idee kann jedoch nicht der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär gel­tend machen, son­dern ein ande­rer Kir­chen­ver­tre­ter im Kar­di­nal­s­rang.

Moderatoren-Idee von Kardinal Coccopalmerio

Fran­ces­co Kar­di­nal Coc­co­pal­me­rio, der Prä­si­dent des Päpst­li­chen Rats für die Geset­zes­tex­te, ist der Erfin­der der Mode­ra­to­ren-Idee.

„Als er die­se Rol­le erfand und [als Weih­bi­schof] in Mai­land aus­üb­te, wuß­te der dama­li­ge Erz­bi­schof Car­lo Maria Mar­ti­ni, als des­sen Schü­ler und Bewun­de­rer er sich bezeich­net, sei­ne Lei­stun­gen kei­nes­wegs zu schät­zen, viel­mehr ver­such­te er sich sei­ner zu ent­le­di­gen, indem er ihm die Beför­de­rung an die Spit­ze einer klei­nen Diö­ze­se anbot“.

Francesco Coccopalmerio
Kar­di­nal Fran­ces­co Coc­co­pal­me­rio

Dies schrieb der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster Anfang Mai 2013. Coc­co­pal­me­rio lehn­te die Weg­be­för­de­rung durch den von ihm bewun­der­ten Kar­di­nal Mar­ti­ni ab. Statt­des­sen wur­de er 2007 von Papst Bene­dikt XVI. als Nach­fol­ger von Juli­an Kar­di­nal Her­ranz mit dem Vor­sitz des Päpst­li­chen Rats für die Geset­zes­tex­te betraut. Eine Beför­de­rung,  die er dem dama­li­gen Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Ber­to­ne zu ver­dan­ken hat­te, über die nicht wenig gestaunt wur­de. Coc­co­pal­me­rio galt „nach dem Urteil der füh­ren­den Kir­chen­recht­ler“ als „an Fach­kom­pe­tenz unter­le­gen“, so Magi­ster. Die Mode­ra­to­ren-Idee brach­te er nach Rom mit.

Bene­dikt XVI. war es, der den Dikaste­ri­en­lei­ter 2012 im letz­ten Schub vor sei­nem auf­se­hen­er­re­gen­den Amts­ver­zicht mit Pur­pur bedach­te.

Beim Kon­kla­ve von 2013 leg­te Kar­di­nal Coc­co­pal­me­rio dann erstaun­li­ches Enga­ge­ment an den Tag, um die Wahl von Kar­di­nal Ange­lo Sco­la, des Mar­ti­ni-Nach­fol­gers in Mai­land, zu ver­hin­dern. Sco­la stand nach dem lan­gen Mar­ti­ni-Epi­sko­pat für eine Rich­tungs­än­de­rung im Sin­ne Bene­dikts XVI. Eine Rich­tungs­än­de­rung, die von den Mar­ti­nia­nern nicht akzep­tiert wur­de, auch von Coc­co­pal­me­rio nicht. Im ver­gan­ge­nen Jahr leg­te er in sei­ner Funk­ti­on als römi­scher Dikaste­ri­en­lei­ter eine Klein­schrift vor, mit der er die umstrit­te­ne päpst­li­che Inter­pre­ta­ti­on von Amo­ris lae­ti­tia gegen Kri­tik ver­tei­digt. Eine dabei zugrun­de­ge­leg­te, zwei­fel­haf­te Über­le­gung wand­te Coc­co­pal­me­rio auch auf die angli­ka­ni­schen Wei­hen an.

Nach der Wahl von Papst Fran­zis­kus drän­gel­ten alle mög­li­chen Beru­fe­nen und weni­ger Beru­fe­nen vor, um ihre Ideen für eine Kuri­en­re­form vor­zu­tra­gen. Laut­stark ließ sich über die Medi­en auch Coc­co­pal­me­rio mit sei­ner Mode­ra­to­ren-Idee ver­neh­men, und bot sich selbst gleich als idea­ler Kan­di­dat für das Amt an. Im Gegen­satz zu ande­ren Stim­men, schien er schon damals Gehör bei Fran­zis­kus zu fin­den, wie eine ziem­lich generv­te Stel­lung­nah­me von Sub­sti­tut Kuri­en­erz­bi­schof Becciu zeig­te.

Weitere Schwächung von Substitut Becciu?

Seit­her wur­de die Idee vom Staats­se­kre­ta­ri­at, das eine Schwä­chung sei­ner Stel­lung befürch­ten muß­te, erfolg­reich ver­hin­dert. Nun wird sie vom Kar­di­nal­staats­se­kre­tär selbst wie­der auf­ge­grif­fen. Viel­leicht auch des­halb, weil Coc­co­pal­me­rio am 16. März 80 wird und damit das Amt als Dikaste­ri­en­lei­ter und sein Stimm­recht als Papst­wäh­ler ver­liert. Er wird das Amt des Mode­ra­tor curiae, anders als 2013 von ihm erhofft, jeden­falls nicht mehr aus­üben. Ein wei­te­rer Grund ist im Zer­würf­nis zwi­schen dem Kar­di­nal­staats­se­kre­tär und sei­nem Sub­sti­tu­ten Becciu zu suchen. Fran­zis­kus steht dabei an der Sei­te sei­nes Paro­lins. Mit der Errich­tung einer Drit­ten Sek­ti­on am Staats­se­kre­ta­ri­at wur­de Becci­us Posi­ti­on bereits geschwächt. Eine wei­te­re Schwä­chung scheint bevor­zu­ste­hen.

Nur am Ran­de sei erwähnt, daß Coc­co­pal­me­ri­os Sekre­tär von der vati­ka­ni­schen Gen­dar­me­rie in fla­gran­ti bei einer von ihm orga­ni­sier­ten Homo-Dro­gen-Par­ty erwischt wur­de.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Skan­dal­sto­rys aus dem kirch­li­chen Milieu konn­te man frü­her am ehe­sten in deut­schen Nach­rich­ten­ma­ga­zi­nen erwar­ten, die wegen ihres anti­kirch­li­chen, spe­zi­ell anti­ka­tho­li­schen Kur­ses bekannt waren. Man konn­te sol­che Berich­te, wenn sie denn mal auf­tau­chen soll­ten, für ziem­lich über­trie­ben hal­ten, für üble Het­ze oder für frei erfun­den. Nun liest/hört man Nach­rich­ten über Homo-Dro­gen-Sex Par­tys und ähn­li­ches in kirch­li­chen Häu­sern nicht nur in ganz gewöhn­li­chen Tages­zei­tun­gen, son­dern auch in glau­bens­kon­for­men Inter­net­me­di­en – und denkt: Das scheint ja alles wirk­lich so zu stim­men. Das schockiert. Und man­che war­men Wor­te z.B. für den Kar­di­nal mit dem lusti­gen Namen Coc­co­pal­me­rio, die auch schon mal außer­halb des Stie­fel­staa­tes zu hören waren/sind, las­sen sich auf ein­mal sogar irgend­wie ein­ord­nen – irgend­wie nega­tiv. Und das tut weh.

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