„Nur die Ungarn haben uns geholfen“

Ungarn Tolentino Erdbeben Kirche
„Nur die Ungarn haben uns geholfen“, ist in Tolentino und vom chaldäischen Patriarchen zu hören. Dankbare Worte, die auch etwas über das Versagen westlicher Regierungen aussagen. Im Bild: Pontifikalvesper in der Herz-Jesu-Kirche von Tolentino, die nach dem Erdbeben 2016 mit ungarischer Hilfe wiederaufgebaut wurde.

(Rom/Bagdad) „Nur die Ungarn haben gehol­fen“, sag­te in die­sen Tagen eine Kate­che­tin in der mit­tel­ita­lie­ni­schen Stadt Tolen­ti­no. „Nur die Ungarn haben uns gehol­fen“, sag­te der chaldäi­sche Patri­arch vor weni­gen Tagen. Die Wor­te brin­gen Dank­bar­keit zum Aus­druck und sind zugleich eine Ankla­ge gegen die Regie­run­gen ande­rer west­li­cher Staa­ten.

„Nur die Ungarn haben uns geholfen“ – Tolentino in den Marken

Im August und Okto­ber 2016 war die 20.000 Ein­woh­ner zäh­len­de Stadt Schau­platz schwe­rer Erd­be­ben, die auch Nor­cia, den Geburts­ort des hei­li­gen Bene­dikt von Nur­sia, in Schutt und Asche leg­ten. Sie sprach in der Kir­che del Sacro Cuo­re zu etwa 50 Kin­dern, die im Früh­ling die Erst­kom­mu­ni­on emp­fan­gen wer­den. Das dem Hei­lig­sten Her­zen Jesu geweih­te Got­tes­haus, in dem die Kin­der mit ihr gebe­tet haben, ist die ein­zi­ge Kir­che der Alt­stadt, die seit dem Erd­be­ben wie­der zugäng­lich ist. Kir­che und Pfarr­haus konn­ten durch die finan­zi­el­le Hil­fe der unga­ri­schen Regie­rung von wie­der­auf­ge­baut und restau­riert wer­den. Ungarn war das ein­zi­ge Land, das direkt gehol­fen hat. Der Bischof von Mace­ra­ta, Msgr. Naz­z­a­re­no Mar­co­ni, zu des­sen Bis­tum die Stadt gehört, nahm an der Pon­ti­fi­kal­ves­per teil, die anläß­lich der Wie­der­eröff­nung von Kuri­en­bi­schof Giu­sep­pe Sci­ac­ca, Sekre­tär der Apo­sto­li­schen Signa­tur, in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus zele­briert wur­de.

„Nur die Ungarn haben uns geholfen“ – Petriolo in den Marken

„Nur die Ungarn haben uns gehol­fen“, sagen auch die Gläu­bi­gen von Petrio­lo, einer Nach­bar­ge­mein­de von Tolen­ti­no mit 2.000 Ein­woh­nern. Auch sie liegt in den ita­lie­ni­schen Mar­ken und wur­de durch die Erd­be­ben von 2016 schwer beschä­digt. Seit Weih­nach­ten kön­nen in der Prop­stei­kir­che der hei­li­gen Mar­kus und Mar­tin wie­der hei­li­ge Mes­sen zele­briert wer­den und sich die Gläu­bi­gen zum Gebet ver­sam­meln. Ungarn stell­te die nöti­gen Mit­tel zur Ver­fü­gung. Auch das Erz­bis­tum Fer­mo, zu dem Petrio­lo gehört, zeigt sich dank­bar, da es durch die unga­ri­sche Hil­fe die eige­nen Mit­tel ande­ren Pfar­rei­en zur Ver­fü­gung stel­len konn­te, die drin­gend der Hil­fe bedür­fen.

„Nur die Ungarn haben uns geholfen“ – Patriarch Louis Raphaël I. Sako

„Nur die Ungarn haben uns gehol­fen“, sag­te der Patri­arch von Baby­lon, Lou­is Raphaël I. Sako, Ober­haupt der mit Rom unier­ten chaldä­isch-katho­li­schen Kir­che. Am 5. Febru­ar wur­de er, zusam­men mit wei­te­ren 19 chaldäi­schen Bischö­fen der gan­zen Welt, von Papst Fran­zis­kus emp­fan­gen. Zwei Tage danach gab er auf Ein­la­dung des katho­li­schen Hilfs­wer­kes Kir­che in Not eine Pres­se­kon­fe­renz. Bei die­ser sag­te er:

„Die Welt­kir­che hat sehr gehol­fen, und Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin hat uns zuge­si­chert, an alle west­li­chen Bischofs­kon­fe­ren­zen appel­liert zu haben, damit sie Chri­sten im Irak und in Syri­en hel­fen. Und tat­säch­lich haben uns vie­le gehol­fen.
Was aber die Regie­run­gen betrifft, hat uns nur Ungarn, das kein rei­ches Land ist, gehol­fen. Wenn jeder west­li­che Staat ein oder zwei Mil­lio­nen Euro geben wür­de, könn­ten wir alles restau­rie­ren: die nie­der­ge­brann­ten Häu­ser und Schu­len wür­den wie­der­auf­ge­baut und die Men­schen wür­den zurück­keh­ren.“

Das Blut der Märtyrer

Das Blut der Märtyrer - Kirche in Not-Initiative, um gegen die Christenverfolgung zu sensibilisieren.
Das Blut der Mär­ty­rer — Kir­che in Not-Initia­ti­ve, um gegen die Chri­sten­ver­fol­gung zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Der Patri­arch stell­te zusam­men mit Kir­che in Not die dies­jäh­ri­ge Initia­ti­ve vor, um die Welt­öf­fent­lich­keit auf das Schick­sal der ver­folg­ten Chri­sten auf­merk­sam zu machen. Dazu wird das Kolos­se­um in Rom, ein Ort des früh­christ­li­chen Mar­ty­ri­ums, rot erleuch­tet, um auf das Mar­ty­ri­um hin­zu­wei­sen, das heu­te Chri­sten in erlei­den.

2016 wur­de auf Initia­ti­ve von Kir­che in Not zum sel­ben Zweck die berühm­te Fon­ta­na di Tre­vi in Rom in rotes Licht getaucht. 2017 erstrahl­te die über Paris thro­nen­de Basi­li­ka Sac­re Coeur auf dem Mont­mart­re in der roten Far­be des Mär­tyrer­blu­tes.

„Ungarn will die christlichen Fundamente Europas verteidigen“

Am 9. Dezem­ber 2017 wur­de die Herz-Jesu-Kir­che von Tolen­ti­no nach ihrer Restau­rie­rung wie­der­eröff­net. Dazu war Ungarns Mini­ster für Human­res­sour­cen, Zoltán Balog, zu des­sen Zustän­dig­keits­be­reich auch Sozia­les und Kul­tur gehö­ren, in die mit­tel­ita­lie­ni­sche Stadt gekom­men. Beglei­tet wur­de er vom Staats­se­kre­tär für Kir­chen, natio­na­le Min­der­hei­ten und zivi­le Ange­le­gen­hei­ten, Miklós Sol­tész, und den unga­ri­schen Bot­schaf­tern beim Hei­li­gen Stuhl, Edu­ard von Habs­burg-Loth­rin­gen, und in Ita­li­en, Adam Zoltán Kovács.

In sei­ner Anspra­che sag­te Mini­ster Balog:

„Was wir getan haben, hat auch eine sym­bo­li­sche Bot­schaft. Wenn näm­lich das geo­lo­gi­sche Erd­be­ben die Fun­da­men­te und die Mau­ern der Gebäu­de und der Kir­chen erschüt­tern, gibt es heu­te in Euro­pa auch ein Erd­be­ben, das droht, das Gebäu­de der euro­päi­schen Iden­ti­tät, die christ­li­che Kul­tur zu erschüt­tern.
Ungarn will dem nicht taten­los zuse­hen, son­dern die christ­li­chen Fun­da­men­te Euro­pas ver­tei­di­gen. Wenn wir auch kein rei­ches Land sind, hat Ungarn doch inzwi­schen ein Niveau der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung erreicht, das es uns ermög­licht, ande­ren zu hel­fen.“

Mini­ster Balog ist cal­vi­ni­sti­scher Pastor. Cal­vi­nist ist auch Ungarns Mini­ster­prä­si­dent Vik­tor Orbán. Von ihm ver­las Staats­se­kre­tär Sol­tész eine Gruß­bot­schaft. Dar­in gra­tu­lier­te die­ser den Ein­woh­nern Tolen­ti­nos für die gelei­ste­te Arbeit:

„Nach der ver­hee­ren­den Zer­stö­rung habt ihr uns allen ein Vor­bild der Beharr­lich­keit gege­ben, indem ihr in einem Jahr die Mau­ern der Kir­che restau­riert habt, sodaß ihr im alten, aber erneu­er­ten Gebäu­de das Gebet fort­set­zen könnt, das eure Vor­fah­ren begon­nen haben.“

„Werden die Zukunft bestehen, wenn wir uns nicht von unseren christlichen Wurzeln entfernen“

Der Wie­der­auf­bau wur­de von der ört­li­chen Herz-Jesu-Bru­der­schaft des über­lie­fer­ten Ritus vor­an­ge­bracht.

Im März 2017 hat­te im Rah­men eines Rom-Besu­ches auch Ungarns Außen­mi­ni­ster Peter Szi­j­jar­to Tolen­ti­no besucht und sich über die Restau­rie­rungs­ar­bei­ten infor­mie­ren las­sen.

„Es war ergrei­fend den jun­gen Mini­ster zu sehen, der die wegen Ein­sturz­ge­fahr gesperr­te Kir­che betrat und vor dem Aller­hei­lig­sten eine Knie­beu­ge mach­te, das im Taber­na­kel auf­be­wahrt wird, so wie es an den Tagen der Erd­be­ben am 26. und am 30. August 2016 der Fall war,“ so Andrea Cor­ra­do­ri, der Pri­or der Bru­der­schaft.

Staats­se­kre­tär Sol­tész und Außen­mi­ni­ster Szi­j­jar­to sind Katho­li­ken.

Nach dem Kir­chen­be­such, von einem Fern­seh­sen­der inter­viewt, sag­te der Außen­mi­ni­ster damals:

 „Ungarn kann die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft bestehen, wenn es sich nicht von sei­nen christ­li­chen Wur­zeln ent­fernt. Aus die­sem Grund sehen wir uns beson­ders in der Ver­ant­wor­tung, den christ­li­chen Gemein­schaf­ten auf der Welt zu hel­fen. Daher haben wir auch nicht zwei­mal über­legt, als das Ansu­chen aus Tolen­ti­no kam: Wir muß­ten hel­fen!“

Bei sei­nem Besuch erkun­dig­te sich der unga­ri­sche Außen­mi­ni­ster, „in wie vie­len Kir­chen Ita­li­ens ad ori­en­tem zele­briert“ wird.

„Nur die Ungarn haben uns gehol­fen“, ist ein von in Not gera­te­nen oder ver­folg­ten Chri­sten mit Dank­bar­keit gespro­che­ner Satz. Er ist zugleich aber auch eine Ankla­ge gegen ande­re Regie­run­gen. Die das Chri­sten­tum für die Staats­rä­son ihrer Län­der nicht mehr ernst neh­men, und damit jene „Fun­da­men­te und Mau­ern“ unter­gra­ben hel­fen, die „das Gebäu­de der euro­päi­schen Iden­ti­tät“ tra­gen.

Text: Mes­sa in Latino/Giuseppe Nar­di
Bild: MiL/Diocesi Mace­ra­ta (Screen­shot)

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