Option Benedikt — Eine Strategie für Christen im postchristlichen Staat

Option Benedikt von Rod Dreher: Eine Strategie für gläubige Christen in einem postchristlichen Staat.
Option Benedikt von Rod Dreher: Eine Strategie für Christen in einem postchristlichen Staat. Doch die Strategie mißfällt den Jesuiten in Rom.

„Opti­on Bene­dikt“, das Buch des US-Ame­ri­ka­ners Rod Dre­her („The Bene­dict Opti­on“), hat die Gren­zen der USA längst über­schrit­ten und weckt welt­wei­tes Inter­es­se. Dar­in geht es um die zen­tra­le Fra­ge, wie die Zukunft der Chri­sten in einer zuneh­mend ent­christ­lich­ten Welt aus­se­hen kann. Dre­her nennt sei­ne Opti­on „eine Stra­te­gie für Chri­sten in einem post­christ­li­chen Staat“.

Der Autor stellt der­zeit sein Buch in Frank­reich vor. Dem katho­li­schen Monats­ma­ga­zin Le Nef gab er aus die­sem Anlaß ein aus­führ­li­ches Inter­view. Grund für sei­nen Aus­flug nach Euro­pa ist das Erschei­nen der fran­zö­si­schen Aus­ga­be sei­nes Buches. Wei­te­re Über­set­zun­gen befin­den sich in Vor­be­rei­tung. Eine deut­sche Aus­ga­be ist wün­schens­wert und darf erhofft wer­den.

Kritik der römischen Jesuitenzeitschrift

Rod Dreher: Option Benedikt
Rod Dre­her: Opti­on Bene­dikt

Nun kam aber har­sche Kri­tik an Dre­hers Buch auf, und das nicht von jenen Kräf­ten, die für die Ent­christ­li­chung der christ­li­chen Staa­ten ver­ant­wort­lich sind, son­dern von der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà Cat­to­li­ca. Das läßt stau­nen. Dem Buch ist damit sicher noch mehr Auf­merk­sam­keit sicher. Was aber stört die römi­schen Jesui­ten an Dre­hers „Opti­on“? Immer­hin gehört der Mann, der auf dem Stuhl Petri sitzt, auch die­sem Orden an. Die Civil­tà Cat­to­li­ca ist unter ihrem Chef­re­dak­teur Anto­nio Spa­daro SJ direk­ter denn je, ein apo­lo­ge­ti­sches Sprach­rohr des regie­ren­den Pap­stes gewor­den.

Rod Dre­her ist übri­gens kein Katho­lik, oder bes­ser gesagt, er war Katho­lik. Heu­te gehört er der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che an. Sei­ner katho­li­schen Her­kunft, die sein Den­ken nicht ver­leug­nen kann, und auch nicht ver­leug­nen will, ist es geschul­det, daß sein Buch aber gera­de und in erster Linie unter Katho­li­ken das größ­te Inter­es­se fin­det. Um genau zu sein, pro­vo­zier­te Dre­hers Buch in katho­li­schen Krei­sen der USA eine hef­ti­ge Dis­kus­si­on, die teil­wei­se pole­mi­sche Züge trägt.

Grund dafür ist sei­ne Gegen­über­stel­lung des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus mit dem sei­nes Vor­gän­gers Bene­dikt XVI. Dre­her sieht die bei­den Pon­ti­fi­ka­te in einem offen­sicht­li­chen Wider­spruch zuein­an­der und bemüht sich, die­sen mit beson­de­rem Akzent auf­zu­zei­gen.

„Option Benedikt“ von Nursia

Benedikt von Nursia
Bene­dikt von Nur­sia

Mit der „Opti­on Bene­dikt“ ist aller­dings nicht der deut­sche Papst gemeint, der von 2005–2013 in der Nach­fol­ge des Apo­stels Petrus der Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden war. Die „Opti­on Bene­dikt“ bezieht sich auf den Mönchs­va­ter Bene­dikt, den Vater des abend­län­di­schen Mönch­tums. Der hei­li­ge Bene­dikt von Nur­sia leb­te von etwa 480 bis 547. Sei­ne Vater­schaft gilt aber nicht nur dem Ordens­we­sen der latei­ni­schen Kir­che. Er ist einer der Väter des Abend­lan­des, nicht zu ver­wech­seln mit den „Grün­der­vä­tern“ der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten ali­as EU.

Bene­dikt von Nur­sia stand am Beginn die­ses Abend­lan­des, als das Römi­sche Reich in Trüm­mer sank und noch unklar war, was aus dem Cha­os her­vor­ge­hen wür­de. Durch gro­ße Gestal­ten wie ihm ent­stand eine unge­ahn­te, christ­li­che Kul­tur, die zur wirk­li­chen Zivi­li­sa­ti­on wur­de. Bene­dikt XVI. wid­me­te die­sem Vater des Abend­lan­des am 12. Sep­tem­ber 2008 am Col­lè­ge des Ber­nardins in Paris eine sei­ner denk­wür­di­gen, histo­ri­schen Reden.

Es ist die­se Zivi­li­sa­ti­on, die mit dem Begriff des Abend­lan­des mehr als nur eine geo­gra­phi­sche Ver­or­tung hat, die gera­de ver­spielt wird. Genau dar­um geht es in Dre­hers Buch.

Kritik aus Rom

„Es ver­wun­dert daher nicht, daß von Rom, von einem Papst wie Fran­zis­kus, der Ban­ner­trä­ger gegen­tei­li­ger Anschau­un­gen ist, das Buch The Bene­dict Opti­on auf den Index gesetzt wur­de, und die durch jenen orga­ni­schen Laut­spre­cher von Jor­ge Mario Ber­go­glio geschieht, die vom Jesui­ten Anto­nio Spa­daro gelei­te­te Civil­tà Cat­to­li­ca.“

So das Urteil des Vati­ka­ni­sten San­dro Magi­ster.

Jesuitenkritik
Jesui­ten­kri­tik

Bereits am 10. Okto­ber 2017, als Spa­daro an der Uni­ver­si­ty of Not­re Dame einen Vor­trag hielt, attackier­te er die „Opti­on Bene­dikt“. Der Jesu­it warf Dre­hers Buch vor, einem „Masa­da-Kom­plex“ zu erlie­gen. In der Festung Masa­da über dem Toten Meer hat­ten sich die letz­ten Auf­stän­di­schen, meh­re­re tau­send Juden, nach der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems im Jahr 70 nach Chri­stus vor den Römern ver­schanzt und Selbst­mord began­gen. Sei­ne Stra­te­gie bedeu­te einen Rück­zug aus der Welt, und damit das Ende des Chri­sten­tums. So die Kern­bot­schaft der Kri­tik.

Auch in der Civil­tà Cat­to­li­ca-Aus­ga­be vom 20. Janu­ar 2018 wur­de im sel­ben Ton scharf gegen das Buch geschos­sen. Der bel­gi­sche Jesu­it Andre­as Gon­cal­ves Lind rück­te Dre­her in die Nähe der Häre­sie. „Ohne natür­lich in die Häre­sie zu fal­len, läßt sich bei Dre­her das Echo der Stim­me des Dona­tus ver­neh­men.“ Dem US-Ame­ri­ka­ner wird der Häre­sie-Vor­wurf zwar erspart, die Stoß­rich­tung ist jedoch ein­deu­tig. Die „Opti­on Bene­dikt“, die Dre­her in sei­nem Buch auf­zeigt, kom­me — so das Ver­dikt des Jesui­ten — der dona­ti­sti­schen Häre­sie sehr nahe. Dona­tus, auf den die häre­ti­sche Abwei­chung vom Chri­sten­tum zurück­geht, war einer der bekann­te­sten Häre­ti­ker der Spät­an­ti­ke. Ihm trat kein Gerin­ge­rer als der hei­li­ge Augu­sti­nus ent­ge­gen.

Dre­her wider­spricht der Jesui­ten­kri­tik ener­gisch und leg­te eine aus­führ­li­che Erwi­de­rung aller von Gon­cal­ves Lind vor­ge­brach­ten Punk­ten vor. Auch im La Nef-Inter­view nahm er dazu Stel­lung.

Bannerträger des Schönen und des Guten

Magi­ster zitiert zwei Punk­te aus der Erwi­de­rung, die einen Bezug zu Bene­dikt XVI. haben.

La Nef: Dreher-Interview
La Nef: Dre­her-Inter­view

1.

„1969 wur­de von Joseph Ratz­in­ger die aktu­el­le Situa­ti­on vor­aus­ge­se­hen. Er sag­te vor­her, daß die Kir­che eine schmerz­li­che Pha­se der Buße durch­ma­chen wür­de, in der sie ihre Macht und ihre Pri­vi­le­gi­en ver­lie­ren wür­de; daß vie­le fal­len, aber die muti­gen Gläu­bi­gen aus­har­ren wür­den. Er schloß: ‚Wenn die Prü­fun­gen die­ser Peri­ode der Gesun­dung über­wun­den sein wer­den, wird die Kir­che, beschei­de­ner, aber geist­lich rei­cher, dar­aus grö­ßer und gestärk­ter her­vor­ge­hen‘. Und er füg­te hin­zu: ‚Dann wer­den die Men­schen die klei­ne Her­de der Gläu­bi­gen mit ande­ren Augen sehen. Sie wer­den sie als Hoff­nung von etwas sehen, das auch an sie gerich­tet ist, als eine Ant­wort, nach der sie ins­ge­heim immer gesucht hat­ten‘. Die Zukunft des Glau­bens im Westen wird von unse­rer Art und Wei­se abhän­gen, die­se Pro­phe­zei­ung zu leben.“

2.

„Immer Bene­dikt XVI. hat­te auch recht, wenn er sag­te, daß die bei­den stärk­sten Argu­men­te für die Kir­che die christ­li­che Kunst und die Hei­li­gen sind. Die Logik und die Ver­nunft haben ihren Platz, aber die Bekeh­rung erwächst vor allem aus der Begeg­nung mit der Schön­heit (der Kunst) und der Lie­be (den Hei­li­gen). Hal­ten wir also die Ban­ner des Schö­nen und des Guten hoch, um die­se ver­nunft­feind­li­che Welt zu bekeh­ren, denn sie wer­den sie siche­rer als alles ande­re zur Wahr­heit füh­ren. Das ist Gegen­stand des neu­en Buches, an dem ich gera­de arbei­te. Dar­in ana­ly­sie­re ich die­se Aus­sa­ge Bene­dikts XVI. im Licht der cha­rak­te­ri­stisch­sten Stel­le des Romans ‚Unter­wer­fung‘ von Houelle­becq: die geleb­te, mysti­sche Erfah­rung der Haupt­fi­gur, als er nach Roca­ma­dour pil­gert und vor der Jung­frau betet. Eine Fra­ge bewegt mich: Wie hät­te er sich vor­be­rei­ten müs­sen, um zu dem ‚Ja‘ zu sagen, was er dort emp­fand? Ich den­ke, daß Bene­dikt XVI. die Ant­wort dar­auf gege­ben hat, und ich will ver­su­chen, die­se zu erklä­ren.“

Die falschen Sorgen heutiger Kirchenvertreter

Mit der aus­führ­li­chen Replik The Dona­tist Opti­on ant­wor­te­te Dre­her am 18. Janu­ar auf die Kri­tik der Civil­tà Cat­to­li­ca. Eini­ge knap­pe Aus­zü­ge dar­aus.

Dre­her macht dem bel­gi­schen Jesui­ten Gon­cal­ves Lind den­sel­ben Vor­wurf, den er auch Papst Fran­zis­kus macht:

„Das Pro­blem ist, und das ist ein Pro­blem, das in den Aus­sa­gen von Papst Fran­zis­kus mehr­fach auf­ge­wor­fen wur­de: Gibt es stren­ge, ver­bit­ter­te und extre­me Katho­li­ken? Sicher. Fran­zis­kus und sei­ne Unter­stüt­zer haben aber die schreck­li­che und zutiefst unge­rech­te Ange­wohn­heit, jene Prie­ster und Lai­en als ‚streng‘ zu denun­zie­ren, die ein­fach nur den katho­li­sche Glau­ben beken­nen und ihn leben wol­len, wie er von der Kir­che immer ver­kün­det wur­de, und das in eini­gen Fäl­len auch in sei­nen über­lie­fer­ten lit­ur­gi­schen For­men.“

Dre­her wei­ter:

„Für mei­ne Recher­chen zur ‚Opti­on Bene­dikt‘ bin ich viel in den USA und im Aus­land gereist und habe Vor­trä­ge gehal­ten. Dabei habe ich wie­der­holt die­sel­be Bot­schaft gehört, egal wo ich mich befun­den habe: Die jun­gen Erwach­se­nen, die sich noch als Chri­sten sehen, wis­sen wenig oder nichts über den christ­li­chen Glau­ben, sei es, was den Inhalt betrifft, sei es, wie er im täg­li­chen Leben prak­ti­ziert wer­den soll. Der Glau­be, den sie noch haben, ist nor­ma­ler­wei­se völ­lig emo­tio­nal.
Wenn ich also Kir­chen­ver­tre­ter wie Pater Spa­daro höre, die allen sagen, völ­lig unbe­sorgt zu sein, daß alles bestens sei, daß die Sor­gen von Chri­sten wie mir ‚kei­nen Bezug zur Wirk­lich­keit haben’, dann empört mich das. Das ist ein Ver­such, die Gläu­bi­gen ein­zu­schlä­fern.  Das ist eine ego­isti­sche Lüge. Und es ist eine Lüge, die vie­len Men­schen ihre See­le kosten wird.“

Den Jesui­ten Lind, so Dre­her, besor­ge aber nicht das schwin­den­de Glaubenswissen,ihn  besor­ge nicht ein bloß emo­tio­na­ler, ober­fläch­li­cher Glau­be, und ihn besor­ge auch nicht die Gefahr, daß vie­le ihr See­len­heil ver­lie­ren könn­ten.

„P. Lind ist über die ‚stren­gen‘ Katho­li­ken besorgt, die den ortho­do­xen, katho­li­schen Glau­ben prak­ti­zie­ren und ihre Kin­der als gläu­bi­ge und treue Katho­li­ken erzie­hen wol­len.“

Der Kapitulation widerstehen

Drehers Replik
Dre­hers Replik

Ihm sei, so Dre­her, eine „pes­si­mi­sti­sche“ Sicht vor­ge­wor­fen wor­den. „Ja, ich habe eine pes­si­mi­sti­sche Ein­stel­lung gegen­über den heu­ti­gen Gesell­schaf­ten. Wie könn­te ein ortho­do­xer Christ, der auf­merk­sam ist, nicht pes­si­mi­stisch sein? […] Natür­lich bin ich für eine offe­ne Zusam­men­ar­beit mit jenen Kräf­ten, die unse­re gegen­kul­tu­rel­le Hal­tung gegen­über der Welt tei­len. Ich habe aber kein Inter­es­se an den geschei­ter­ten, assi­mi­la­to­ri­schen Ideen der moder­nen Jesui­ten. Das mag viel­leicht 1968 ver­nünf­tig geklun­gen haben, aber wir ken­nen die Früch­te, die die­ser Ansatz her­vor­ge­bracht hat: den Kol­laps.“

„Ich ver­traue dar­auf, daß Katho­li­ken, die ihren Glau­ben über die­se spe­zi­el­le Apo­ka­lyp­se hin­aus leben und den Glau­ben ihren Kin­dern und den Kin­dern ihrer Kin­der wei­ter­ge­ben wol­len, mit mir und ande­ren Chri­sten guten Wil­lens ver­su­chen wer­den, einen neu­en Weg aus den Rui­nen des heu­ti­gen Chri­sten­tums zu fin­den. Es wird für vie­le ein Schock sein, aber es gibt in der katho­li­schen Kir­che Tra­di­tio­nen aus der Zeit vor 1965, die den Katho­li­ken – und allen Chri­sten – heu­te etwas zu sagen haben. Das ist die Haupt­aus­sa­ge der ‚Opti­on Bene­dikt‘. Mein eige­ner Ansatz ist zwei­fel­los feh­ler­haft, und ich begrü­ße, daß man mich kor­ri­giert. Aber ich zie­he es vor, etwas Ern­stes zu ver­su­chen, um durch from­me Stra­te­gien der Kapi­tu­la­ti­on zu wider­ste­hen.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: theamericanconservative.com/La Nef/Wikicommons/Civiltà Cat­to­li­ca (Screen­shots)

10 Kommentare

  1. Offen­bar müs­sen Lai­en das Heft in die Hand neh­men, um den Glau­ben zu bewah­ren.

    Ich habe aber kein Inter­es­se an den geschei­ter­ten, assi­mi­la­to­ri­schen Ideen der moder­nen Jesui­ten. Das mag viel­leicht 1968 ver­nünf­tig geklun­gen haben, aber wir ken­nen die Früch­te, die die­ser Ansatz her­vor­ge­bracht hat: den Kol­laps.“

    Dem ist wenig hin­zu­zu­fü­gen. Jedes Unter­neh­men müss­te dies anhand der Zah­len und durch­ge­führ­ten Mass­nah­men erken­nen, selbst ohne Bei­stand des Hl. Gei­stes.

  2. Dass die hier von San­dro Magi­ster zitier­te Aus­sa­ge Papst Bene­dikts XVI. über die zukünf­ti­ge Kir­che mit einer Visi­on der sel. Anna Katha­ri­na Emme­rick kor­re­spon­diert, dürf­te kein Zufall sein. Am 13. Mai 1820 (sic!) erkann­te die begna­de­te Sehe­rin aus West­fa­len zu glei­cher Zeit zwei Päp­ste und zwei Kir­chen neben- bzw. gegen­ein­an­der: die wah­re Kir­che mit nur noch weni­gen ver­blie­be­nen treu­en Gläu­bi­gen und eine dunk­le Kir­che mit enor­mem Zulauf.

  3. Daß jemand, der von der Kir­che in eine schis­ma­ti­sche Kir­che abfällt, Katho­li­ken brauch­ba­re Rat­schlä­ge für ihr Welt­ver­hal­ten geben kann, ist zwar mög­lich. Aber allei­ne das Fak­tum der Tren­nung von der Kir­che läßt die Rat­schlä­ge unglaub­haft erschei­nen. So gut kann das Buch dann gar nicht sein.

    Auch unter eng­lisch-spra­chi­gen Pro-Lifern wur­de, wenn ich mich recht erin­ne­re, das Buch schon kri­ti­siert (ich glau­be, auf Lifesitenews.com oder Onepeterfive.com).

    Das Zurück­zie­hen ist sicher kei­ne gute Idee. Charles A. Cou­lom­be berich­tet in sei­nem hoch­in­ter­es­san­ten Puri­tans‘ Empi­re, daß eine abge­schie­de­ne katho­li­sche Gemein­schaft von Fami­li­en in den USA (eine Art katho­li­scher Kom­mu­ne) die zwei­te Genera­ti­on nicht mehr erleb­te. Denn die Mis­si­on nach außen gehört nun ein­mal zum katho­li­schen Leben (also das jetzt von den heu­ti­gen Jesui­ten und dem Jesui­ten­papst so ver­fem­te „Pro­se­ly­ten­ma­chen“). Nach­dem das nicht gemacht wur­de, ver­lor sich das Inter­es­se der jun­gen Genera­ti­on und die Grup­pe löste sich auf.

    Von daher scheint mir Dre­her — nach mei­nem äußerst unvoll­kom­me­nen Kennt­nis­stand des Inhalts der Bücher, aber eben wegen sei­nes Abfalls zu den Schis­ma­ti­kern — kei­ne emp­feh­lens­wer­te Opti­on zu sein, unab­hän­gig davon, ob und in wel­chem Punkt genau sei­ne Kri­ti­ker ihrer­seits recht haben oder nicht.

    Ich bin mir übri­gens völ­lig im Kla­ren dar­über, daß die rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che auf jun­ge tra­di­ti­ons­ori­en­tier­te Katho­li­ken eine gewis­se Anzie­hungs­kraft aus­üben muß. Die Lösung kann und darf aber nicht der Gang ins Schis­ma sein! Die ROK ist zudem von ihren Wur­zeln her extra anti-katho­lisch.
    Kei­ne gute Idee!

    Ruß­land soll ja nach dem Plan des Him­mels katho­lisch wer­den!

  4. Sehr geehr­ter Herr Schrems,vieles von Ihnen habe ich mit gro­ßer Aner­ken­nung gele­sen. Aber die Schwie­rig­keit mit Ihrem obi­gen Arti­kel beginnt mit dem ersten Satz, den ich mit mei­nem Ver­hält­nis mit der aktu­el­len katho­li­schen Kir­che in Bezug set­ze. Sie schreiben:„Dass jemand, der von der Kir­che in eine schis­ma­ti­sche Kir­che abfällt, Katho­li­ken brauch­ba­re Rat­schlä­ge für ihr Welt­ver­hal­ten geben kann, ist zwar mög­lich. Aber allei­ne das Fak­tum der Tren­nung von der Kir­che läßt die Rat­schlä­ge unglaub­haft erschei­nen.“ An die­ser Stel­le muss ich beken­nen. dass ich heu­te unter dem Ober­be­griff
    „Katho­li­sche Kir­che“ zwei recht unter­schied­li­che Kir­che sehe. Die eine Kir­che, wel­che in der Tra­di­ti­on der Kir­che, der Dog­men und der Lithur­gie ver­an­kert ist, aber eine Min­der­zahl der Katho­li­ken reprä­sen­tiert. Die wur­de von Erz­bi­schof DR.Dr. Dyba als die Kir­che Jesu Chri­sti beschrie­ben. Die zwei­te Kir­che reprä­sen­tiert die Mehr­heit. Die Leh­re ist ver­wan­del­bar. Ihre Reprä­sen­tan­ten rekla­mie­ren nicht die Wahr­heit, son­dern die Bin­dung des Men­schen an die Lebens­wirk­lich­keit anstel­le der Wahr­heit. Sie spre­chen von urmen­sch­li­chen Bedürf­nis­sen und negie­ren, dass dar­un­ter die Sün­de ver­stan­den wer­den muss, die Miß­ach­tung der Gebo­te Got­tes. Letz­te­re Kir­che ver­tritt heu­te im Volk und unter den theo­lo­gi­schen Reprä­sen­tan­ten die Mehr­heit. Zwi­schen bei­den Kir­chen gibt es eine Grenz­li­nie oder den Rubi­kon. Ich glau­be, dass die­ser Rubi­kon aktu­ell über­schrit­ten wird und wir akti­ve Zeu­gen des Schis­mas sind. Es ist falsch die­ses zwar mit Beden­ken zur Kennt­nis zu neh­men frei nach dem Mot­to „Es darf aber nicht sein“ und nicht davon zu reden. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­ste­he ich jun­ge Katho­li­ken, wel­che die rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che als anzie­hend fin­den. Sie stel­len die Grund­la­gen Ihres Glau­bens nicht in Fra­ge.

    • @Hans. — Der ver­meint­li­che Zulauf zu einer gegen­wär­tig von Papst Ber­go­glio et al. domi­nier­ten Kir­che dürf­te teil­wei­se auch einer ver­fälsch­ten Wahr­neh­mung zuzu­schrei­ben sein. Trotz­dem haben Sie schon irgend­wie recht. Die­ser Teil der Kir­che prä­sen­tiert der­zeit in der Tat eine mit Hil­fe der Medi­en geschickt mani­pu­lier­te Mehr­heit — Fran­zis­kus, der volks­na­he und beschei­de­ne Papst.

      Doch in Wahr­heit ist die Zahl der Got­tes­dienst­be­su­cher seit dem Ber­go­glio-Pon­ti­fi­kat in vie­len unse­rer Pfar­rei­en wei­ter­hin und mitt­ler­wei­le sogar eher noch ver­stärkt im Sink­flug. Und eine Zunah­me an geist­li­chen Beru­fun­gen ist, wenig­stens in den deut­schen Gefil­den die­ser „Teil­kir­che“, nicht in Sicht (und offen­sicht­lich nicht ein­mal in Ber­go­gli­os Orden, den Jesui­ten welt­weit). Und den­noch wird die wah­re Kir­che, die der Glau­bens­treu­en, so mei­ne feste Über­zeu­gung, am Ende über die dunk­le Kir­che tri­um­phie­ren. Es sieht sogar danach aus, als wür­de sie punk­tu­ell bereits zuneh­men­de Auf­merk­sam­keit fin­den.

    • @Hans
      Dan­ke für Ihre Rück­mel­dung.
      Ich glau­be nicht, daß sich unse­re Ana­ly­se sehr unter­schei­det. Ich rate nur zur Vor­sicht vor schis­ma­ti­schen Ten­den­zen. Denn die­se haben auch kei­nen Bestand.

      Daß gro­ße Tei­le der Kir­che, des Appa­rats, des Kar­di­nalats, des Kle­rus u. s. w. der­zeit vom Feind kon­trol­liert sind, bestrei­te ich nicht. Aber es ist eben die Kir­che.

  5. @Aquilinus. — In dem wesent­li­che Punk­te pflich­te ich Ihnen voll ump­fäng­lich bei: „Und den­noch wird die wah­re Kir­che, die der Glau­bens­treu­en, so mei­ne feste Über­zeu­gung, am Ende über die dunk­le Kir­che tri­um­phie­ren.“ Die Fra­ge lau­tet: Aber wann? Die Fest­stel­lung, dass es heu­te schon zwei Kir­chen gibt, eine gro­ße mit der Mehr­heit des kirch­li­chen Gran­den an der Spit­ze und immer offen für Neue­run­gen und eine klei­ne, wel­che die Wahr­heit sucht und des­we­gen mit der 2000 jäh­ri­gen Tra­di­ti­on ver­bun­den ist, sorgt für gro­ße Unsi­cher­heit bei den Anhän­gern der moder­ni­sti­schen Kir­che. Sagen Sie , dass Sie die Bana­li­tät der Argu­men­ta­ti­on der moder­nen Kir­che kei­nen Glau­ben mehr schen­ken kön­nen, Dies sei Selbst­ver­rat. Bei die­sem Gespräch soll­ten Sie nur Ihre Posi­ti­on klar dar­stel­len, ohne dem Ande­ren gegen­über den Ein­druck zu hin­ter­las­sen: Sie woll­ten ihn über­zeu­gen. Die­ses ver­un­si­chert sicht­bar und am Ende des Gesprä­ches haben Sie für Ihre Posi­ti­on Punk­te gesam­melt.

    • @Hans. — Mer­ci beau­coup. — Zu Ihre Fra­ge „Aber wann?“ hier der Ver­such einer Ant­wort: Sicher bald. Viel­leicht schon mor­gen. — Aber das bestimmt allein Gott, sonst nie­mand. Dazu noch ein Hin­weis auf 2 Petrus 3,8: „Das eine aber, lie­be Brü­der, dürft ihr nicht über­se­hen: dass beim Herrn ein Tag wie tau­send Jah­re und tau­send Jah­re wie ein Tag sind.“
      Wie lan­ge also ist Jesus seit Sei­ner glor­rei­chen Him­mel­fahrt in Sei­nem mensch­li­chen Leib nicht sicht­bar? Nach die­ser gött­li­chen Rech­nung sind es zwei Tage. Und wann wird er als Rich­ter wie­der­kom­men? Nun, mit pro­phe­ti­schen Gaben hat mich der Schöp­fer nicht aus­ge­stat­tet. Ich selbst kann nur beob­ach­ten, regi­strie­ren, und ver­su­chen, das Beob­ach­te­te irgend­wie ein­zu­ord­nen. Was dabei zu beach­ten ist, sagt Jesus in Sei­nen drei­fach wie­der­ge­ge­be­nen Gerichts­re­den zum Ende der Zei­ten, nach­zu­le­sen bei Mat­thä­us 24–25, Mar­kus 13 und Lukas 21,5–36. Noch­mals: Mer­ci beau­coup.

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