„Sizilianischer Weg zu Amoris laetitia“ — Franziskus und der schnelle Umbau eines Episkopats

Erzbischof Corrado Lorefice, von Papst Franziskus ernannter Primas von Sizilien. Innerhalb von vier Jahren ernannte Franziskus acht von achtzehn Bischöfen und kreierte einen neunten zum Kardinal.
Erzbischof Corrado Lorefice, von Papst Franziskus ernannter Primas von Sizilien. Innerhalb von vier Jahren ernannte Franziskus acht von achtzehn Bischöfen und kreierte einen neunten zum Kardinal.

(Rom) Die „größ­te Ver­wir­rung“ (Kar­di­nal Car­lo Caf­farra) brei­tet sich wei­ter aus uns spal­tet die Kir­che zuneh­mend in zwei geo­gra­phi­sche Räu­me. Wäh­rend die Bischö­fe Polens an der bis­he­ri­gen Ehe- und Moral­leh­re fest­hal­ten, und daher ihre Pra­xis nicht ändern, gaben die Bischö­fe Sizi­li­ens bekannt, daß die Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne mög­lich sei.

Sizilianische Öffnung der Türen

Amoris laetitia: pastorale Richtlinien der Bischöfe Siziliens
Amo­ris lae­ti­tia: pasto­ra­le Richt­li­ni­en der Bischö­fe Sizi­li­ens

Der Kon­flikt rund um die Umset­zung des VIII. Kapi­tels des umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia geht wei­ter. Damit wach­sen die Wider­sprü­che in der Kir­che. Papst Fran­zis­kus schrieb zwei­deu­ti­ge Pas­sa­gen in das Schrei­ben und wei­gert sich die Stel­len zu klä­ren. Wäh­rend­des­sen legen die ihm nahe­ste­hen­den Bischö­fe die zwei­deu­ti­gen Stel­len im offe­nen Wider­spruch zur bis­he­ri­gen Leh­re und Pra­xis der Kir­che aus.

Polens Bischö­fe haben ihre pasto­ra­len Richt­li­ni­en zu Amo­ris lae­ti­tia noch nicht vor­ge­legt, doch alles, was bis­her bekannt­ge­ge­ben wur­de, deu­tet auf eine Bekräf­ti­gung der über­lie­fer­ten Ehe­leh­re und Pra­xis hin. Die Pol­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz wird ihre Stel­lung­nah­me im Zuge ihrer Herbst­voll­ver­samm­lung im Okto­ber vor­le­gen.

Ganz anders sehen das die Bischö­fe von Sizi­li­en. Die Sizi­lia­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz erklär­te fak­tisch, daß die Türen für den Ehe­bruch offen sind. Offi­zi­ell lau­tet die Aus­sa­ge, daß auch wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen sei­en — „in bestimm­ten Fäl­len“. Am 14. Juni titel­te die Tages­zei­tung La Repubbli­ca (die ein­zi­ge, die Papst Fran­zis­kus laut eige­nen Anga­ben regel­mä­ßig liest):

„Paler­mo: Die sizi­lia­ni­schen Bischö­fe öff­nen der Kom­mu­ni­on für die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen.“

Die regio­na­le Inter­net-Zei­tung Paler­mo Today mel­de­te gestern:

„Auf dem Weg zur Kom­mu­ni­on auch für die Geschie­de­nen: Sizi­lia­ni­sche Kir­che vor einer Wen­de.“

Die Bischö­fe Sizi­li­ens haben die Erklä­rung „Der sizi­lia­ni­sche Weg zu Amo­ris lae­ti­tia“ ver­öf­fent­licht und ihre „Pasto­ra­le Richt­li­ni­en“ in gedruck­ter Form vor­ge­legt.

Siziliens Bischöfe „öffnen de facto“

Paler­mo Today berich­te­te:

„Die Bischö­fe der 18 sizi­lia­ni­schen Diö­ze­sen öff­nen sich de fac­to der Kom­mu­ni­on für die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen.“

Der Beschrei­bung „de fac­to“ betont den Bruch zwi­schen Leh­re und Pra­xis.

Die Bischö­fe zitie­ren dabei den neu­en Kurs von Papst Fran­zis­kus, wenn sie schrei­ben:

„Wir kön­nen uns nicht eine ein­zi­ge Norm für jede Situa­ti­on erwar­ten.“

Es sei viel­mehr eine „Unter­schei­dung der ver­schie­de­nen Situa­tio­nen“ not­wen­dig. Vor allem die Prie­ster hät­ten die Auf­ga­be, die inter­es­sier­ten Per­so­nen auf dem Weg der Unter­schei­dung zu beglei­ten gemäß der Leh­re der Kir­che und den Hin­wei­sen des Bischofs. Paler­mo Today wört­lich:

 „Inner­halb die­ses Kon­tex­tes der Beglei­tung und der Unter­schei­dung betont der Papst, daß ‚man nicht sagen kann, daß alle jene, die sich in irgend­ei­ner soge­nann­ten «irre­gu­lä­ren» Situa­ti­on befin­den, im Zustand der Tod­sün­de leben.“

Schneller Umbau

Die Sizi­lia­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz setzt sich aus 18 Bischö­fen zusam­men: fünf Erz­bi­schö­fe, von denen vier Metro­po­li­ten sind, und drei­zehn Bischö­fe. Fast die Hälf­te von ihnen (acht von acht­zehn), dar­un­ter zwei von vier Metro­po­li­ten , wur­den von Papst Fran­zis­kus ernannt. Dazu zählt der wich­tig­ste Bischofs­sitz, der des Erz­bi­schofs von Paler­mo. Mit Msgr. Cor­ra­do Lore­fice ernann­te Fran­zis­kus einen „Prie­ster aus der Peri­phe­rie“.

Fran­zis­kus konn­te aber bereits im „alten“ Epis­ko­pat, das er von sei­nen Vor­gän­gern über­nahm, auf Sym­pa­thi­san­ten zäh­len. Dazu gehört ein wei­te­rer Metro­po­lit, der Erz­bi­schof von Agri­gent. In sei­nem Juris­disk­ti­ons­be­reich liegt die Insel Lam­pe­du­sa, die Fran­zis­kus zum Syn­onym für die unein­ge­schränk­te Ein­wan­de­rung nach Euro­pa mach­te.

Msgr. Fran­ces­co Mon­te­ne­gro, wur­de nicht von Fran­zis­kus ernannt, von die­sem aber in den Kar­di­nals­rang erho­ben. Der Kar­di­nal, der 2013 im Zuge des päpst­li­chen Lam­pe­du­sa-Besu­ches ins Ram­pen­licht trat, gilt als ver­läß­li­cher Ver­tre­ter von Papst Ber­go­glio auf der Insel.

In päpst­li­chen Sym­pa­thi­en steht auch der eben­falls nicht von ihm ernann­te Bischof von Marz­a­ra del Val­lo, Msgr. Dome­ni­co Moga­vero. Bischof Moga­vero  erlang­te über Ita­li­en hin­aus­rei­chen­de Bekannt­heit, als er 2009 den dama­li­gen Mini­ster­prä­si­den­ten Sil­vio Ber­lus­co­ni „wegen sei­nes Lebens­wan­dels“ zum Rück­tritt auf­for­der­te.

Vier Jah­re nach Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats steht die Mehr­heit des sizi­lia­ni­schen Epis­ko­pats so deut­lich hin­ter Papst Fran­zis­kus, daß es zum Bruch mit der kirch­li­chen Leh­re und Pra­xis bereit ist. Das Bei­spiel der Mit­tel­meer­in­sel zeigt, wie schnell in einem ver­hält­nis­mä­ßig kur­zen Zeit­raum durch Neu­ernen­nun­gen ein gan­zer Epis­ko­pat umge­baut wer­den kann.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Paler­mo Today/Conferenza Epi­scopal Sici­lia­na (Screen­shots)




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1 Kommentar

  1. Das ist erst der Anfang . Das ver­dan­ken wir AL. Wir wer­den in den näch­sten Jah­ren noch vie­le böse Über­ra­schun­gen erle­ben. Ich bin mir sehr sicher, dass das SP von Papst Bene­dikt zurück­ge­nom­men wird. Der über­lie­fer­te Ritus passt nicht zur katho­li­schen Kir­che wie Papst F. sie haben möch­te. Die Pius­bru­der­schaft weiß war­um sie lie­ber drau­ßen bleibt. Die Eccle­sia Dei Gemein­schaf­ten wer­den gedul­det. Das alles kann sich rasch ändern. Das ist eine sehr pes­si­mi­sti­sche Ein­schät­zung der Fak­ten­la­ge. Die Pius­brü­der kön­nen außer­halb der Kir­che vom Papst nicht kon­trol­liert wer­den . Für den Vati­kan irgend­wie ärger­lich .

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