Metamorphose der Akademie für das Leben: Papst-Kritiker und Lebensrechtler raus — zweideutige Positionen rein

Vincenzo Paglia und Papst Franziskus Akademie für das Leben
Vincenzo Paglia und Papst Franziskus Akademie für das Leben

(Rom) Seit dem Hoch­fest Mariä Him­mel­fahrt liegt ein dunk­ler Schat­ten über der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben. Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster spricht von einer „Meta­mor­pho­se“. Durch die gestern ver­öf­fent­li­che Liste der neu­en Aka­de­mie­mit­glie­der wird der von Papst Fran­zis­kus ein­ge­lei­te­te Para­dig­men­wech­sel noch deut­li­cher und die Hal­tung der Kir­che zum Lebens­recht noch ver­zerr­ter.

Die Pon­ti­fi­cia Aca­de­mia pro Vita (PAV) wur­de am 11. Febru­ar 1994 von Papst Johan­nes Paul II. gegrün­det. Er hat­te das Wort von der „Kul­tur des Lebens“ geprägt, die er der Unkul­tur des Todes ent­ge­gen­stell­te. Die Idee zur Aka­de­mie war im Zusam­men­hang mit dem fran­zö­si­schen Kin­der­arzt und Gene­ti­ker Jérà´me Lejeu­ne ent­stan­den. Der bekann­te Lebens­schüt­zer war in sei­nen letz­ten Lebens­mo­na­ten Grün­dungs­prä­si­dent der Aka­de­mie.

Die Aka­de­mie soll­te auf intel­lek­tu­ell und wis­sen­schaft­lich höch­stem Niveau bei der For­mu­lie­rung der kirch­li­chen Posi­ti­on zu bio­ethi­schen Fra­gen hel­fen, so die Idee von Johan­nes Paul II. In ihnen erkann­te der pol­ni­sche Papst die ent­schei­den­den Her­aus­for­de­run­gen der Zeit. Eine Hal­tung, die von sei­nem Nach­fol­ger, Bene­dikt XVI., geteilt wur­de, der sie mit der For­mu­lie­rung der „nicht ver­han­del­ba­ren Prin­zi­pi­en“ mit Nach­druck bekräf­tig­te.

Päpstliche Akademie für das Leben
Päpst­li­che Aka­de­mie für das Leben

Die „nicht ver­han­del­ba­ren Prin­zi­pi­en“ (meist mit „nicht ver­han­del­ba­re Wer­te“ ins Deut­sche über­setzt) zie­hen eine Gren­ze, die nicht über­schrit­ten wer­den darf. Nicht weil sie der Mensch nicht über­schrei­ten könn­te, son­dern weil er sie nicht über­schrei­ten soll. Es ist die Gren­ze zum Unrecht, christ­lich for­mu­liert: zur Sün­de. Jede Grenz­über­schrei­tung hat schwer­wie­gen­de, destruk­ti­ve Aus­wir­kun­gen für das Leben eines Men­schen (Abtrei­bung tötet) und die gan­ze Mensch­heit.

In den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren war die katho­li­sche Kir­che der ein­zi­ge „Glo­bal Play­er“, der in den inter­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen kon­se­quent für das Leben ein­trat. Dar­aus ent­stand ein Dau­er­kon­flikt mit den domi­nan­ten Krei­sen, die eine mas­si­ve Bevöl­ke­rungs­re­du­zie­rung anstre­ben. Die­se Posi­ti­on wur­de vom Club of Rome for­mu­liert, der 1968 eigens dafür gegrün­det wur­de.

Die­ser Kon­flikt ver­schärf­te sich beson­ders wäh­rend der Prä­si­dent­schaf­ten von Bill Clin­ton und Barack Oba­ma. Die durch Stich­wör­ter wie „Öko­lo­gie“, „öko­so­zia­les Gleich­ge­wicht“, „Kli­ma­wan­del“, „Nach­hal­tig­keit“ und „repro­duk­ti­ve Gesund­heit“ abge­steck­te, neo­mal­thu­sia­ni­sche Über­zeu­gung ist trans­na­tio­nal. Sie wird grenz­über­schrei­tend, beson­ders durch die EU, von mehr oder weni­ger allen Ideo­lo­gien und nicht-christ­li­chen Welt­an­schau­un­gen geteilt. Den Eli­ten der nicht-christ­lich gepräg­ten Kul­tur­krei­se der Welt feh­len zudem ent­schei­den­de Impul­se für das Ver­ständ­nis von der Hei­lig­keit des mensch­li­chen Lebens und ihrer Ver­tei­di­gung.

Unter Bene­dikt XVI. wur­den er und die katho­li­sche Kir­che wie­der­holt zur Ziel­schei­be hef­ti­ger Medi­en­kam­pa­gnen. Sie waren Aus­druck des Zorns der neo­mal­thu­sia­ni­schen Eli­ten auf die Kir­che, die sich der Ver­füg­bar­keit des Lebens in den Weg stell­te. Zweck der Angrif­fe war die Dis­kre­di­tie­rung der Kir­che und vor allem ihres Ober­haupts. Bene­dikt XVI. hat­te in sei­ner Antritts­re­de die Gläu­bi­gen auf­ge­ru­fen, für ihn zu beten, damit er „nicht vor den Wöl­fen“ flie­he.

Er wuß­te, was auf ihn zukam.

Papst Franziskus und der Paradigmenwechsel: Bio statt Leben

Am Ende mach­te er den Weg frei für Papst Fran­zis­kus, der von Anfang zur Lebens­rechts­fra­ge auf­fäl­lig schwieg. Vor ihm hat­ten schon zahl­rei­che Bischö­fe, Prie­ster und Lai­en geschwie­gen, vor allem in Euro­pa. Die Unru­he dar­über wur­de in der Kir­che so groß, daß Fran­zis­kus im Sep­tem­ber 2013 in sei­nem ersten Inter­view mit Pater Anto­nio Spa­daro, für die römi­sche Jesui­ten­zeit­schrift Civil­tà  Cat­to­li­ca, dazu Stel­lung nahm. Nicht etwa, um nach­zu­ho­len, was er im ersten Halb­jahr sei­nes Pon­ti­fi­kats unter­las­sen hat­te, son­dern um die­se Unter­las­sung zum Regie­rungs­pro­gramm zu erhe­ben. Man kön­ne „nicht stän­dig“ über The­men wie die Abtrei­bung spre­chen. Ein salopp hin­ge­wor­fe­ner Satz, ohne jede Begrün­dung oder Recht­fer­ti­gung, in einem Inter­view.

Der Damm­bruch war voll­zo­gen.

Die neo­mal­thu­sia­ni­schen Eli­ten hat­ten das Schwei­gen auf­merk­sam regi­striert und dem neu­en Papst unge­ahn­te Vor­schuß­lor­bee­ren gestreut. Wuß­ten sie bereits mehr als die Öffent­lich­keit? Mit dem Inter­view vom 19. Sep­tem­ber 2013 wuß­te auch die Öffent­lich­keit Bescheid. Fran­zis­kus erklär­te in Sachen Lebens­recht den Dau­er­kon­flikt mit den ton­an­ge­ben­den welt­li­chen Mäch­ten für been­det. Ein­sei­tig und ohne nähe­re Anga­ben. Ein­fach so. Ein Para­dig­men­wech­sel.

Im Zuge der Ver­öf­fent­li­chung der Öko-Enzy­kli­ka von Papst Fran­zis­kus – man beach­te den Zusam­men­hang – wur­den erst­mals Neo­mal­thu­sia­ner in den Vati­kan ein­ge­la­den, eini­ge als Refe­ren­ten, ande­re wur­den sogar zu Mit­glie­dern päpst­li­cher Aka­de­mien ernannt. Zuerst einer, Jef­frey Sachs, dann wei­te­re: Joa­chim Schell­nhu­ber, Paul R. Ehr­lich, John Bon­gaarts, Mathis Wacker­na­gel. Sicht­bar gemacht wur­de die­se „Aus­söh­nung“, „Kapi­tu­la­ti­on“ der Kir­che, „Anpas­sung“, „Anglei­chung“ durch UNO-Gene­ral­se­kre­tär Ban Ki-moon, der Ende April 2015 die Eröff­nungs­re­de zur Kli­ma-Kon­fe­renz im Vati­kan hielt.

Die Säuberung der Akademie für das Leben

Ein­rich­tun­gen des Hei­li­gen Stuhls, wie die Päpst­li­che Aka­de­mie für das Leben, muß­ten die­se neu­ge­won­ne­ne Ein­tracht stö­ren. Am 15. August 2016 ersetz­te Papst Fran­zis­kus den Vor­sit­zen­den der Aka­de­mie. Mit Kuri­en­erz­bi­schof Vin­cen­zo Paglia ernann­te er einen bereit­wil­li­gen Ver­trau­ten, um die Aka­de­mie auf (den neu­en) Kurs zu brin­gen. Zum 1. Janu­ar 2017 wur­de die Aka­de­mie fak­tisch annul­liert. Sämt­li­che Mit­glied­schaf­ten wur­den auf­ge­kün­digt. Von „Säu­be­run­gen“ war die Rede. Es gehe nicht nur dar­um, einen „Neu­start“ zu signa­li­sie­ren, son­dern unlieb­sa­me Mit­glie­der los­zu­wer­den. So die Mei­nung kri­ti­scher Beob­ach­ter und auch von ent­las­se­nen Aka­de­mie­mit­glie­dern. Anfang Juni erfolg­ten die ersten Neu­er­nen­nun­gen. Sie haben eini­ge Explo­si­ons­kraft und bestä­ti­gen kri­ti­schen Stim­men.

Gestern wur­de die Liste der neu­en Aka­de­mie­mit­glie­der offi­zi­ell ver­öf­fent­licht. Die Ernen­nun­gen erfol­gen aus­nahms­los durch den Papst. Noch nicht ernannt wur­de vom Papst der Aka­de­mie­rat, der dem Prä­si­den­ten Paglia in der Lei­tung der Aka­de­mie zur Sei­te ste­hen soll. Die Ernen­nung kor­re­spon­die­ren­der Mit­glie­der steht hin­ge­gen dem Aka­de­mie­prä­si­den­ten zu, der bis­her noch nicht Gebrauch davon mach­te.

Bis zum 31. Dezem­ber 2016 zähl­te die Aka­de­mie ins­ge­samt 132 Mit­glie­der. Nun sind es 45 plus fünf Ehren­mit­glie­der.

33 der Ernann­ten waren bereits Aka­de­mie­mit­glie­der, 17 sind neu.

Die Liste der Ernann­ten.

Spaemann, Seifert, Waldstein … raus

Die Zahl der „Gesäu­ber­ten“ ist dem­nach sehr lang, dar­un­ter renom­mier­te Wis­sen­schaft­ler und nam­haf­te Lebens­recht­ler. Gesäu­bert wur­de die Aka­de­mie vor allem von Mit­glie­dern, die es in der Ver­gan­gen­heit gewagt hat­ten, den päpst­li­chen Para­dig­men­wech­sel in Sachen Moral und Lebens­recht zu kri­ti­sie­ren, so der berühm­te Phi­lo­soph Robert Spa­e­mann, der Bri­te Luke Gor­mal­ly, die Öster­rei­cher Josef Sei­fert und Wolf­gang Wald­stein. Her­aus­ra­gen­de Gestal­ten der Ära von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI., die Garan­ten sind, wer­den still­schwei­gend abser­viert.

Nicht bestä­tigt wur­den auch bekann­te Ver­tre­ter der Lebens­rechts­be­we­gung wie die Gua­te­mal­te­kin Maria Mer­ce­des Arzú de Wil­son und die Vene­zo­la­ne­rin Chri­sti­ne De Mar­cel­lus Voll­mer. Sie gehör­ten zu den ersten Mit­glie­dern, die Papst Johan­nes Paul II. an die Aka­de­mie beru­fen hat­te.

Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster macht zudem auf­merk­sam, daß auch bekann­te Namen aus dem öst­li­chen Mit­tel­eu­ro­pa ver­schwun­den sind: der Pole Andrzej Szo­stek und der Ukrai­ner Mie­c­zys­law Grze­gock. Sie sind in der Schu­le der „Kul­tur des Lebens“ von Johan­nes Paul II. auf­ge­wach­sen und die­ser auch unter Fran­zis­kus treu geblie­ben. Eine Hal­tung, die vom der­zei­ti­gen Inha­ber der Cathe­dra Petri nicht hono­riert wird.

Ersetzt wur­de auch Eti­en­ne Kabo­re durch einen ande­ren Ver­tre­ter aus Bur­ki­na Faso. Kabo­re ver­tritt zu Ehe, Fami­lie, Sexua­li­tät vor­be­halt­los die Hal­tung der Kir­che Afri­kas, die sich bei der Dop­pel­syn­ode über die Fami­lie ener­gisch den päpst­li­chen Plä­nen in den Weg stell­te.

Die Liste der Ent­fern­ten lie­ße sich lan­ge fort­set­zen. Genannt sei nur noch der US-Gynä­ko­lo­ge Tho­mas Wil­liam Hil­gers, ein treu­er Ver­tei­di­ger der Enzy­kli­ken Huma­nae vitae und Donum vitae.

„Wahr­schein­lich wur­de er des­halb ent­fernt mit Blick auf eine Revi­si­on der kirch­li­chen Posi­tio­nen zu die­sen The­men, über die im Vati­kan immer lau­ter gemun­kelt wird“, so Magi­ster.

„Kultur des Lebens“ auf den Ehrenplatz verbannt

Die Ehren­mit­glie­der sind ein „Tri­but an die Ver­gan­gen­heit“, so der Vati­ka­nist, aber eben nur ein Ehren­platz. Das gilt für Kar­di­nal Caf­farra, einen der Unter­zeich­ner der Dubia (Zwei­fel) zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia, die ehe­ma­li­gen Aka­de­mie­prä­si­den­ten und die Ehe­frau von Grün­dungs­prä­si­dent Jérô­me Lejeu­ne.

Unter den Bestä­tig­ten sind Kar­di­nal Eijk von Utrecht und Erz­bi­schof Fisher von Syd­ney. Bei­de „kon­ser­va­tiv“, aber fach­lich so qua­li­fi­ziert, daß ihr Aus­schluß — da hoch­ran­gi­ge Kir­chen­ver­tre­ter — gera­de­zu unmög­lich gewe­sen wäre. Doch die Grund­ten­denz geht in eine ande­re Rich­tung. Das wird durch eini­ge Ernann­te deut­lich, die vor dem 31. Dezem­ber 2016 nur kor­re­spon­die­ren­de Mit­glie­der waren und nun zu ordent­li­chen Mit­glie­dern beför­dert wur­den. Sie pas­sen „zum neu­en Kurs von Msgr. Paglia“, so Magi­ster. Dazu gehö­ren der kana­di­sche Bischof Noël Simard, der argen­ti­ni­sche Bischof Alber­to Ger­man Bocha­tey sowie der Mexi­ka­ner Rodri­go Guer­ra López und die Japa­ne­rin Ets­uko Aki­ba.

Die Mit­glied­schaft von Carl A. Ander­son, Supre­me Knight der Kolum­bus­rit­ter, und von Jean-Marie Le Mené sieht Magi­ster mehr „finan­zi­el­len“ Aspek­ten geschul­det, da bei­de gewich­ti­ge Geld­ge­ber sind.

Unter den 17 Neu­ernann­ten sind drei Nicht-Chri­sten: ein japa­ni­scher Nobel­preis­trä­ger, Shinya Yama­nak, ein tune­si­scher Mus­lim, Moha­med Had­dad, und ein israe­li­scher Jude, Avra­ham Stein­berg. Stein­berg wur­de von Paglia dem Ober­rab­bi­ner von Rom, Ric­car­do Di Seg­ni, vor­ge­zo­gen, der Arzt und Bio­ethi­ker sowie stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Natio­na­len Bio­ethik­ra­tes von Ita­li­en ist. War­um Stein­berg und nicht Di Seg­ni? Weil Di Seg­ni „kon­ser­va­ti­ve­re Posi­tio­nen“ ver­tritt und sich auch schon „aus­drück­lich kri­tisch zu Papst Fran­zis­kus“ geäu­ßert hat­te.

Bedenkliche Neuzugänge

Zu den bedenk­li­chen Neu­zu­gän­gen gehört Nigel Big­gar, Pro­fes­sor der Moral- und Pasto­ral­theo­lo­gie sowie Direk­tor des McDo­nald Cen­ter for Theo­lo­gy, Ethics and Public Life an der Uni­ver­si­tät Oxford  in Eng­land. Der Theo­lo­ge ist ein Ver­tre­ter der Fri­sten­lö­sung. Bis zur 18. Schwan­ger­schafts­wo­che, wenn das unge­bo­re­ne Kind bereits mehr als vier Mona­te alt ist, hält Bigg­gar Abtrei­bung für akzep­ta­bel.

Zu den Neu­zu­gän­gen gehört auch Ange­lo Ves­co­vi, der – so Magi­ster – in wis­sen­schaft­li­chen Krei­sen „umstrit­ten“ ist, aber zu den Ver­trau­ten Pagli­as gehört. Als Bischof von Ter­ni half ihm Paglia ein Zen­trum für Stamm­zel­len­for­schung auf­zu­bau­en und ver­schaff­te ihm dann die Stel­le des Wis­sen­schaft­li­chen Direk­tors im Kran­ken­haus in San Gio­van­ni Roton­do, das vom hl. Pater Pio von Piet­rel­ci­na gegrün­det wor­den war.

Beson­ders bedenk­lich ist die Ernen­nung des Moral­theo­lo­gen Mau­ri­zio Chi­odi, der sich in der Ver­gan­gen­heit aus­ge­spro­chen kri­tisch zu Huma­nae vitae, Donum vitae und Evan­ge­li­um vitae geäu­ßert hat­te. Ent­spre­chen­de „Pro­ble­me“ hat Chi­odi auch mit der Enzy­kli­ka Veri­ta­tis sple­ndor. Kei­ne Pro­ble­me scheint er hin­ge­gen mit dem neu­en Kurs der „Unter­schei­dung“ (Ein­zel­fall statt all­ge­mein­gül­ti­ge Regel) von Papst Fran­zis­kus zu haben. Chi­odi ver­tritt abwei­chen­de Posi­tio­nen zu Ver­hü­tung, IVF, Homo­se­xua­li­tät, Eutha­na­sie, Gen­de­ris­mus. Sei­ne Posi­tio­nen wei­chen jeden­falls von der bis­he­ri­gen Leh­re der Kir­che ab, an der ja flei­ßig Hand ange­legt wird.

Wei­te­re Aka­de­mie­mit­glie­der ver­tre­ten zurück­hal­ten­de­re Posi­tio­nen als Chi­odi, signa­li­sie­ren aber Bereit­schaft, sich dem Kurs­wech­sel zumin­dest nicht in den Weg zu stel­len (Fran­ces­co D’Agostino, Adria­no Pes­si­na, John Haas). Haas ist ein „Freund von Kar­di­nal Kevin Far­rell“, den Papst Fran­zis­kus in den Kar­di­nal­s­rang erhob und zum Prä­fek­ten des neu­en Dikaste­ri­ums für Lai­en, Fami­lie und Leben ernann­te. Magi­ster zählt auch àngel Rodrà­guez Luño zu die­ser Grup­pe. Der Moral­theo­lo­ge lehrt an der römi­schen Uni­ver­si­tät des Opus Dei und ist Con­sul­tor der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. „Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler hört sehr auf ihn“, so Magi­ster.

Der einzige Deutsche

Man­fred Lütz, der ein­zi­ge Deut­sche unter den Aka­de­mie­mit­glie­dern, steht seit Anfang 2013 im Ver­dacht, in einem Zusam­men­hang mit der Köl­ner Kehrt­wen­de in Sachen „Pil­le danach“ zu ste­hen. Der Lebens­recht­ler Gün­ther Annen schrieb damals:

„Oder hat­te der Kar­di­nal einen Bera­ter, wohl­mög­lich den Best­sel­ler­au­tor und ärzt­li­chen Direk­tor am katho­li­schen Ale­xia­ner Kran­ken­haus in Köln-Porz, Herrn Man­fred Lütz? In Köl­ner Krei­sen mun­kelt man, er habe Kar­di­nal Meis­ner den Rat erteilt, sich bei sei­ner Ent­schei­dung auf neue­ste wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en der FIA­PAC-Prä­si­den­tin zu stüt­zen, die eine abtrei­ben­de Wir­kung der ‚Pil­le danach‘ leug­net.“

Kar­di­nal Joa­chim Meis­ner hat­te in einem vor­geb­li­chen Ver­ge­wal­ti­gungs­fall, aus dem ein Streit um die „Pil­le danach“ an katho­li­schen Kran­ken­häu­sern wur­de, eine Kehrt­wen­de voll­zo­gen und das Prä­pa­rat für unbe­denk­lich erklärt. Pikan­ter­wei­se stütz­te er sich dabei auf „neue­ste, wis­sen­schaft­li­che For­schungs­er­geb­nis­se“, die aus­ge­rech­net von der Prä­si­den­tin des Inter­na­tio­na­len Ver­eins der Abtrei­bungs­ärz­te FIAPAC (Inter­na­tio­nal Fede­ra­ti­on of Pro­fes­sio­nal Abor­ti­on and Con­tracep­ti­on Asso­cia­tes) stamm­ten. Hin­ter den Kulis­sen soll die grü­ne Gesund­heits­mi­ni­ste­rin bereits mit dem Dre­hen am Geld­hahn gedroht haben.

Magisters Resümee

„Mit einer so gestal­te­ten Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben wird die Oppo­si­ti­on, die sich noch an Lejeu­ne, Sgreccia, Caf­farra, Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. ori­en­tiert, kein leich­tes Leben haben.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Radio Vaticana/PAV (Screen­shot)

4 Kommentare

  1. Es ist unrecht, erst recht auf­grund von blo­ßen Gerüch­ten, Dr. Man­fred Lütz als Mit-Ver­ur­sa­cher des deutsch-katho­li­schen Ein­knickens im The­ma „Pil­le-danach“ zu brand­mar­ken. Fakt ist, dass er sich öffent­lich zu dem The­ma nicht geäu­ßert hat; zu ver­mu­ten ist, dass er sich als Psych­ia­ter fach­lich nicht in der Lage sah, sei­nen gynä­ko­lo­gi­schen Chef­arzt-Kol­le­gen zu wider­spre­chen.

    Tat­säch­lich muss man viel­mehr den damals invol­vier­ten Frau­en­ärz­ten ankrei­den, dass sie der Falsch­in­for­ma­ti­on ihres eige­nen Berufs­ver­ban­des und der Deut­schen Gesell­schaft für Gynä­ko­lo­gi­sche Endo­kri­no­lo­gie und Fort­pflan­zungs­me­di­zin (DGGEF), einem von der Anti­kon­zep­ti­ons-Indu­strie gespon­sor­tem Ver­ein, auf­ge­ses­sen sind, oder gar ver­mu­ten, dass sie gar dar­an betei­ligt waren. Vgl. die Pres­se­er­klä­rung vom 24.1.13 (http://www.bvf.de/fach_info.php?r=2&m=0&s=0&artid=420) sowie das Update vom 5.2.13 (http://www.bvf.de/pdf/fachinfo/130205_final_EC_update_18_5.2.2013%5B1%5D.pdf).

    Die dama­li­ge Gesund­heits­mi­ni­ste­rin von Nord­rhein-West­fa­len hat­te nicht nur hin­ter den Kulis­sen, son­dern am 23.1. öffent­lich mit einer Ein­schrän­kung der Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung gedroht (https://www.derwesten.de/politik/steffens-erhoeht-den-druck-auf-kirche-bei-pille-danach-id7514614.html). Dem­nach kam die Falsch­in­for­ma­ti­on des Berufs­ver­ban­des der Frau­en­ärz­te dem Eigen­in­ter­es­se der gynä­ko­lo­gi­schen Chef­ärz­te der katho­li­schen Kran­ken­häu­ser in NRW zumin­dest sehr gele­gen.

    Katholisches.info hat­te im Arti­kel vom 5.2.13 schon auf die eigen­ar­ti­ge plötz­li­che Sin­nes­än­de­rung des Berufs­ver­ban­des hin­ge­wie­sen (https://www.katholisches.info/2013/02/frauenarzte-berufsverbande-andern-studie-um-kardinal-meisner-auf-kurs-zu-halten/). Ich hat­te dann am 8. Febru­ar auf mei­nem Blog dar­ge­legt, dass die zur Begrün­dung her­an­ge­zo­ge­ne Stu­die von Gemzell-Dani­els­son genau das Gegen­teil der Behaup­tung im soge­nann­ten „Update“ aus­sagt (http://b‑logos.de/?p=1089).

    Die­je­ni­ge Insti­tu­ti­on, die am 13.2.13 die bis heu­te unüber­bo­ten klar­ste wis­sen­schaft­lich und mora­lisch kor­rek­te Stel­lung­nah­me zum The­ma von sich gab, war das Wie­ner Insti­tut für Medi­zi­ni­sche Anthro­po­lo­gie und Bio­ethik (IMABE) (http://www.imabe.org/index.php?id=1860), wie auch schon auf dem Katholisches.info-Artikel vom 14.2.13 berich­tet wur­de. Lei­der hat­te dies kei­ne Kor­rek­tu­ren auf kir­chen­amt­li­cher Sei­te mehr zur Fol­ge.

    • Für was soll­te man eigent­lich eine Pil­le-danach ein­neh­men, wenn nicht zur Abtrei­bung?! Sonst könn­te man ja auch locker ohne Pil­le (danach) aus­kom­men. Bei etwas logi­schem Nach­den­ken, hät­te das Kar­di­nal Meis­ner ein­leuch­ten müs­sen — allein der Druck auf ihn und das kath. Kran­ken­haus war zu gewal­tig — dem hielt er nicht stand, obwohl er nichts zu ver­lie­ren gehabt hät­te — so kurz vor sei­nem Ruhe­stand!

  2. Kar­di­nal Eijk von Utrecht ist sehr gut und kon­ser­va­tiv. Er ist sel­ber Art­zt. Ich bin Hol­la­en­de­rin, so er ist mein Kar­di­nal. Ich ver­traue ihn als Lebens­schuet­zer.

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