1,5 Millionen Peruaner demonstrieren gegen Gender-Ideologie an den Schulen — Verzerrte Demokratie

Anti-Gender-Kundgebung in Lima am vergangenen Samstag.
Anti-Gender-Kundgebung in Lima am vergangenen Samstag.

(Lima) Peru wehrt sich gegen den staat­li­chen Zwang zur Gen­der-Ideo­lo­gie an Schu­len. Nach Mona­ten des Wider­stan­des auf allen Ebe­nen, von Kund­ge­bun­gen vor dem Par­la­ment bis zu Debat­ten im Par­la­ment, von Zei­tungs­ar­ti­keln und Fern­seh­dis­kus­sio­nen bis zu Unter­schrif­ten­samm­lun­gen, gin­gen am 4. März andert­halb Mil­lio­nen Perua­ner auf die Stra­ße.

Die gigan­ti­sche Volks­be­we­gung wur­de von der Bewe­gung #Con­mis­hi­jos­no­te­me­tas (Hän­de weg von mei­nen Kin­dern) initi­iert. In zahl­rei­chen perua­ni­schen Städ­ten wur­den Groß­kund­ge­bun­gen abge­hal­ten. In der Haupt­stadt Lima fand die größ­te Kund­ge­bung statt.

Die perua­ni­sche Regie­rung will ab dem kom­men­den Schul­jahr den gesam­ten Lehr­plan an den öffent­li­chen Schu­len im Sin­ne der Gen­der-Theo­rie umge­stal­ten mit Aus­wir­kun­gen auf die Kin­der ab dem zar­te­sten Alter. Kar­di­nal Cipria­ni Thor­ne spricht von einer „ideo­lo­gi­schen Kolo­nia­li­sie­rung“. Die Orga­ni­sa­to­ren bezeich­ne­ten den gen­der-kon­for­men Lehr­plan als „ideo­lo­gi­sche Gehirn­wä­sche für die neu­en Genera­tio­nen“. Der Lehr­plan stel­le einen schwer­wie­gen­den Angriff auf das Eltern­recht dar, denen der Vor­rang in der Erzie­hung der Kin­der zukommt.

Der Marsch für das Lima von Lima. Der Angriff auf das Leben ist die ander Seite derselben Medaille
Der Marsch für das Lima von Lima. Der Angriff auf das Leben ist die ande­re Sei­te der­sel­ben Medail­le

Staats­prä­si­dent von Peru ist seit Juli 2016 Pedro Pablo Kuc­zyn­ski Godard. Der Sohn eines deut­schen Juden und einer Schwei­zer Pro­te­stan­tin ist Katho­lik. Der Regis­seur Jean-Luc Godard ist sein Vet­ter. Peru ist eine semi­prä­si­dia­le Repu­blik. Der Staats­prä­si­dent ernennt die Regie­rung. Das Par­la­ment kann die Regie­rung durch Miß­trau­ens­vo­tum stür­zen. Das ist bis­her aller­dings noch nicht gesche­hen. Im Par­la­ment ver­fügt Kuc­zynskis Par­tei nur über 20 von 150 Sit­zen. Die abso­lu­te Mehr­heit hält die Par­tei von Kei­ko Fuji­mo­ri, die Kuc­zyn­ski in der Stich­wahl knapp unter­le­gen ist. Fuji­mo­ri ist die Toch­ter des ehe­ma­li­gen perua­ni­schen Staats­prä­si­den­ten Alber­to Fuji­mo­ri. Die perua­ni­sche Lin­ke unter­stütz­te in der Stich­wahl Kuc­zyn­ski als „klei­ne­res Übel“ gegen Fuji­mo­ri.

Kuc­zyn­ski ist eine schil­lern­de Figur. Der Invest­ment­ban­ker, der Anfang der 80er Jah­re erst­mals Mini­ster wur­de, nahm 1988 an der Bil­der­ber­ger-Kon­fe­renz in Tirol teil. Nach sei­ner Wahl zum Prä­si­den­ten weih­te er Peru dem Her­zen Jesu und dem Her­zen Mari­ens. Die von inter­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen, dar­un­ter meh­re­re UNO-Agen­tu­ren, betrie­be­ne Gen­der-Agen­da setzt er ohne Zögern um. Der Wil­len sei­nes Vol­kes und die Über­zeu­gun­gen der über­gro­ßen Mehr­heit der Perua­ner schei­nen ihn dabei nicht zu küm­mern.

Bea­triz Mejia, die Spre­che­rin von #Con­mis­hi­jos­no­te­me­tas for­der­te Kuc­zyn­ski auf, einen Schritt zurück zu machen und dem Volk nicht etwas auf­zu­zwin­gen was es weder will noch braucht.

Mas­siv ver­tre­ten bei der Mas­sen­kund­ge­bung gegen die Gen­der-Ideo­lo­gie war die Hier­ar­chie der katho­li­schen Kir­che. Ange­führt wur­de sie von Kar­di­nal Cipria­ni Thor­ne, dem Erz­bi­schof von Lima und Pri­mas von Peru. Bei der Kund­ge­bung wur­de bereits der näch­ste Ter­min ange­kün­digt: der Marsch für das Leben am kom­men­den 25. März. Das Lebens­recht ist die ande­re gro­ße Front, an der von inter­na­tio­na­ler Sei­te ange­grif­fen wird.

Auf der Kund­ge­bung in Lima wur­de mas­si­ve Kri­tik an den Mas­sen­me­di­en geübt, die dem Volks­pro­test gegen die Gen­der-Ideo­lo­gie kaum Raum bie­ten oder die­sen  her­un­ter­spie­len und lächer­lich machen. Die­se Vor­ge­hens­wei­se der Medi­en folgt einem Dreh­buch, das bereits ähn­li­che Volks­be­we­gun­gen in ande­ren Län­dern erlebt haben: von Manif pour tous in Frank­reich über den Fami­ly Day in Ita­li­en bis zur Demo für alle in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

„Die Zivil­ge­sell­schaft Perus erweist sich als gesund und kampf­be­reit. Wird die poli­ti­sche Macht bereit sein, auf die Bür­ger zu hören?“ Die­se Fra­ge von Noti­zie Pro Vita for­mu­lier­te zugleich eine Ankla­ge gegen die herr­schen­de Ver­zer­rung der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie, wie sie nicht nur in Peru erkenn­bar ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Il Timone/InfoVaticana