Rückkehr ja – aber bitte ohne Kleinbeigeben! — Piusbruderschaft verdient mehr Rückendeckung in der öffentlichen Meinung

Kathedra Petri, Petersdom
Kathedra Petri, Petersdom

Gast­kom­men­tar von End­re A. Bár­d­os­sy*

Mit gemisch­ten Gefüh­len, um nicht zu sagen kon­ster­niert, las ich den Arti­kel von Mar­kus Büning vom 13. Febru­ar.

Er rühmt sich dar­in reich­lich mit Vor­schuß­lor­bee­ren, als er sich offen­bar all­zu selbst­be­wußt unter den „Star­ken“ ein­rei­hen und somit die mehr­heit­lich kon­ser­va­ti­ven Leser die­ses Blogs unter Beru­fung auf den Römer­brief als „Schwa­che“ dis­qua­li­fi­zie­ren möch­te. Wört­lich ver­stieg er sich dabei zu eini­gen Ent­glei­sun­gen:

„Eine ande­re Fra­ge ist hier, das sei zuge­ge­ben, ob die­ser Gestus [näm­lich der Koran­kuß von Papst Woj­ty­la] von den ‚Schwa­chen‘ (vgl. Röm 15,1) in der Kir­che so über­haupt ver­stan­den wer­den kann. Inso­fern kann ich auch den Unmut vie­ler Katho­li­ken über die­se miß­ver­ständ­li­che Geste nach­voll­zie­hen. Nur eines möch­te ich zu beden­ken geben: Auch hier kann man mit dem Her­zen ver­su­chen, das Gute zu sehen, das Johan­nes Paul II. sicher woll­te…“, aber abso­lut sicher ver­fehl­te! Glei­ches gilt von den skan­da­lö­sen Assi­si-Ren­dez­vous der chro­ni­schen, post­kon­zi­lia­ren Dia­log­sucht. Silen­ti­um ist oft Gold und Reden ist öfters nur ein Geschwätz. Es geht aber nicht um das Schwei­gen, son­dern um Stil­le, Ruhe, Gelas­sen­heit als Grund­la­gen der guten Tat.

Für den Autor bleibt es den­noch zu hof­fen, „daß die Pius­bru­der­schaft bei ihrem Rück­kehr­be­geh­ren die je ‚fäl­lig gewor­de­ne Hei­lig­keit‘, die Gott sei­ner Kir­che auch wäh­rend der Pha­se der [kata­stro­pha­len!] Kon­zils­re­form geschenkt hat, anneh­men kann. Nur dann kön­nen ihre Mit­glie­der wie­der voll­wer­ti­ge Glie­der der einen, hei­li­gen, katho­li­schen und apo­sto­li­schen Kir­che sein, gehört doch auch die in den Kon­zil­späp­sten kon­kret gewor­de­ne Hei­lig­keit zum Wesen der hei­li­gen [und oft genug unhei­li­gen!] Kir­che. Mir ist klar, daß gera­de vie­le Leser auf die­ser Sei­te über das zuvor Gesag­te die Nase rümp­fen wer­den. Aber wir müs­sen doch alle gemein­sam eines aus gan­zem Her­zen wol­len: die Ein­heit des mysti­schen Lei­bes Jesu Chri­sti, die Ein­heit der Kir­che. Und die­se ist auf Dau­er nur zu errei­chen, wenn bei­de Sei­ten hier ernst­haft auf­ein­an­der zuge­hen [um jeden Preis?!]. In die­sem Sin­ne ist eine Rück­kehr zu begrü­ßen, denn dann kön­nen die Pius­brü­der die Schät­ze, die sie in den letz­ten Jah­ren bewahrt haben, frucht­bar in die gan­ze Kir­che ein­brin­gen. Wenn nicht, dann bestün­de die Gefahr einer erneu­ten Abschot­tung unter dem ‚for­ma­len‘ Dach der Kir­che, die dem Gan­zen nicht zu Gute käme…“ – so lau­tet der Tenor bei Büning.

Mein Pro­test dage­gen gilt in erster Linie natür­lich der Vor­spie­ge­lung fal­scher Tat­sa­chen und Hal­tun­gen, aber dar­über hin­aus Rah­ner sel­ber, den der Autor als Anklä­ger in den Zeu­gen­stand ruft. Denn was soll „die je fäl­lig gewor­de­ne Hei­lig­keit“ hei­ßen? Nichts ande­res als eine Leer­for­mel des berüch­tigt-berühm­ten Jesui­ten Karl Rah­ner, daß man auch „so“ Christ sein kann, womit er einen rück­grat­lo­sen Rela­ti­vis­mus und eine halt­los-libe­ra­le Situa­ti­ons­ethik zu kaschie­ren ver­such­te.

Erzbischof Marcel Lefebvre mit Papst Pius XII
Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re mit Papst Pius XII,

Rah­ner war ein ein­ge­fleisch­ter Alt-Revo­lu­tio­när und ein frucht­ba­rer Evo­lu­tio­när uner­gründ­ba­rer Schach­tel­sät­ze, der mit sei­nem Nebel­sprü­hen gera­de des­halb in die Schicke­ria der Kon­zils­be­ra­ter paß­te, spe­zi­ell an der Sei­te des dama­li­gen roten Wie­ner Kar­di­nals Franz König. Neben dem damals noch unrei­fen, jün­ge­ren, 33jährigen Theo­lo­gen Joseph Ratz­in­ger (*1927). Rah­ner (1904–1984) war der Haupt­ver­ant­wort­li­che der Kon­zils­ka­ta­stro­phe im deut­schen Sprach­raum. Ratz­in­ger erreich­te den Zenit sei­nes theo­lo­gi­schen Höhen­flu­ges erst als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. Als grei­ser Papst erkann­te er die vom soge­nann­ten „pasto­ra­len“ Früh­ling des Zwei­ten Vati­can­ums gesä­te Miß­ern­te, die in einem stren­gen Win­ter ver­kam, lei­der ein wenig asyn­chron. Anstatt die histo­ri­sche Kol­lek­tiv- oder die per­sön­li­che Schuld mann­haft ein­zu­ge­ste­hen, such­te er die gra­vie­ren­den Unstim­mig­kei­ten mit der sophi­sti­schen Unter­schei­dung der „Her­me­neu­tik des Bru­ches“ und der „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ schön­zu­re­den. Auch heu­te schweigt er sich, man möch­te sagen, in fal­scher Demut aus. Sei­ne über­rei­che Weis­heit aus Geschich­te, Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie wur­de von sei­ner zau­dern­den Regie­rungs­kunst in den Schat­ten gestellt, um schließ­lich und end­lich schmach­voll abzu­dan­ken.

Ein pro­phe­tisch begna­de­ter unga­ri­scher Dich­ter schrieb ein­dring­li­che Wor­te in einem auf­rüt­teln­den Vers:

De böjt s jám­bor­ság néked mint a pél­va,
mert vét­ke­sek közt cin­kos aki néma…

Denn Fasten und Fröm­me­lei sind dem Herrn nur Spel­zen,
da Zustim­mung ist unter Schur­ken das Schwei­gen…

Mihá­ly Babits: Das Buch Jonas (1938)

Erzbischof Lefebvre mit Papst Johannes XXIII
Erz­bi­schof Lef­eb­v­re mit Papst Johan­nes XXIII.

Mei­ne auf­ge­brach­te Ent­geg­nung könn­te man mit zahl­rei­chen Bei­trä­gen aus der Feder bekann­ter Fach­leu­te erhär­ten, die in Katholisches.info in die­sem Sin­ne publi­zie­ren. Wer hier flei­ßig mit­liest, wie mei­ne Wenig­keit, der kann sich eine qua­li­fi­zier­te Mei­nung bil­den, wel­che Bünings Behaup­tun­gen dia­me­tral wider­spricht. Büning sel­ber dürf­te das geahnt haben, sonst hät­te er uns nicht so aus­fäl­lig ein „Nasen­rümp­fen“ unter­stellt, anstatt unse­re immer tra­gi­scher aus­ufern­den „Dubia“ ernst zu neh­men. Es geht uns schließ­lich nicht um Extra­va­gan­zen, son­dern um Glau­bens­wahr­hei­ten. Die ange­fach­te Dis­kus­si­on über die heik­len, bis dato auch streng­ge­hei­men Ver­hand­lun­gen der Pius­brü­der mit dem „alten Fuchs“ Ber­go­glio, brin­gen also vor­läu­fig nicht viel mehr als eine inhalts­ar­me Pole­mik.

Dem Ergeb­nis der Dis­kus­si­on sehe ich trotz­dem mit gro­ßem Inter­es­se ent­ge­gen. Ich hof­fe aber, daß Katholisches.info sich nicht zu einem Dis­kus­si­ons­fo­rum der sub­jek­ti­ven Mei­nun­gen ent­wickeln, son­dern sei­nen objek­ti­ven und sou­ve­rä­nen Anspruch bewah­ren möge, eine Hohe Schu­le der Katho­li­schen Leh­re zu sein, wor­an man sich mes­sen und inmit­ten einer chao­ti­schen Welt der Lügen- und Lücken­pres­se ver­trau­ens­voll hal­ten kann.

Wenn „Gott sei­ner Kir­che auch wäh­rend der Pha­se der Kon­zils­re­form Hei­lig­keit geschenkt haben soll­te“ – dann kämen als Kan­di­da­ten allen vor­an die Pius­brü­der in Betracht mit dem hel­den­haf­ten Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re (1905–1991) an der Spit­ze. Auf sei­nem Grab ist ein Plä­doy­er für das Jüng­ste Gericht ein­ge­mei­ßelt:

Tra­di­di quod et acce­pi
Ich habe über­lie­fert, was ich emp­fan­gen habe.
(1 Korin­ther­brief 15,3)

Sei­ne Sus­pen­si­on (1976) sechs Jah­re nach der lega­len Errich­tung der ersten soge­nann­ten Pia unio (1970), die Exkom­mu­ni­ka­ti­on (1988) und die Auf­he­bung der Kir­chen­stra­fen (2009) spre­chen für die unter­schied­li­che Qua­li­tät der durch­wegs unhei­lig agie­ren­den Päp­ste Mon­ti­ni, Woj­ty­la und Ratz­in­ger. Daß eine Sus­pen­si­on, Exkom­mu­ni­ka­ti­on oder Kano­ni­sa­ti­on kei­ne unfehl­ba­re, dog­ma­ti­sche Leh­rent­schei­dung dar­stellt, das müß­te eigent­lich jeder Katho­lik wis­sen kön­nen. Was Ber­go­glio mit der Pius­bru­der­schaft im Schil­de führt, wis­sen wir noch nicht. Wahr­schein­lich nichts Gutes!

*End­re A. Bár­d­os­sy war o. Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor in San Sal­va­dor de Jujuy, Argen­ti­ni­en, für Betriebswirtschafts­lehre und Lei­ter eines Semi­na­rio de Apli­cación Inter­di­sci­pli­na­ria im Depar­ta­men­to de Cien­ci­as Socio-Econó­mi­cas an der Uni­ver­sidad Nacio­nal de Cuyo in Men­do­za. Zuletzt leg­te er bei Katholisches.info die deut­sche Über­set­zung des Auf­sat­zes „Die mar­xi­sti­sche Ver­mitt­lung des christ­li­chen Glau­bens“ von Arturo Sosa Abas­cal (1978), dem neu­en Jesui­ten­ge­ne­ral vor.

Bild: Wikicommons/et nunc/fsspx.org  (Screen­shots)

12 Kommentare

  1. Den Koran-Kuss des hei­li­gen Johan­nes-Paul II. deu­te ich als pol­ni­schen Über­schwang ange­sichts eines Geschen­kes. Und doch: Die gan­ze Dis­kus­si­on ist obso­let ange­sichts der Tat­sa­che, dass die „real exi­stie­ren­de Kir­che“ das 2. Vati­ka­num links über­holt hat; aus­ge­rech­net von der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Kon­zil­streue zu for­dern, ist pha­ri­sä­isch. Des­halb im Grund­satz Dan­ke für den Arti­kel von Herrn Prof. Bar­d­os­sy!

    • Das mit dem „pol­ni­schen Über­schwang“ hal­te ich doch für reich­lich kon­stru­iert. Ein papst muss wis­sen, was er tut. FSSPX ist bes­ser nicht so blau­äu­gig. Unter Fran­zis­kus wird eh nichts gesche­hen.

  2. An sich ein guter Kom­men­tar. Nur ist hin­zu­wei­sen, dass die Exkom­mu­ni­ka­ti­on bei den uner­laub­ten Bischofs­wei­hen als Tat­stra­fe nach begon­ne­ner Tat selbst ein­tritt und nicht als Spruch­stra­fe. Was mich stört, ist der Ton, mit dem man über die Päp­ste spricht. Man spricht hier von: „durch­wegs unhei­lig agie­ren­den Päp­sten.…“ Ja gab es denn über­haupt durch­wegs hei­lig agie­ren­de Päp­ste? Gibt es eine Garan­tie, dass nur ein hei­lig agie­ren­der Mann Päp­ste wer­den kann oder muss. Ver­ges­sen wir nicht, dass der von Chri­stus, als Haupt der Kir­che fun­gie­ren­der, erster Papst Petrus war. Ein Mensch, dem auf­ge­tra­gen wur­de, die Hl. Kir­che sei­nes Herrn irdisch zu lei­ten. Ein Mensch, der am Vor­abend des Pascha, eben den Herrn geleug­net. O welch Gna­de! Nein, anstatt, dass er einen Johan­nes, keusch und rein wie er war, beruft, nimmt er einen, von dem mei­nen könn­te, dass er gar nicht ins Pro­fil passt. Eben gera­de in die­sem Moment, wo man meint, dass ein Papst Feh­ler begeht, soll­te man doch viel­mehr auf die Knie fal­len, Gott dan­ken, dass er auch in so einem schlech­ten Augen­blick, sei­ne Hl. Kir­che durch den Hl. Geist lei­tet. Nach­dem man das tat, soll man auch für den Papst beten, damit er im Glau­ben gestärkt wer­de. Natür­lich leben wir in einer Kri­sen­zeit, aber eine Zeit der Kri­se, ist auch eine Zeit der Rei­ni­gung.

  3. Mei­ne Ant­wort als Leser:
    Nach den Kata­stro­phen der bei­den Welt­krie­ge konn­te es nicht lan­ge ein „wei­ter so“ in der Kir­che geben, denn die bis­he­ri­gen Wege waren nicht mehr aus­rei­chend. Des­we­gen wohl berief Papst Johan­nes XXIII. ein Kon­zil ein, um eben Aus­we­ge aus einer zuneh­mend schwie­ri­gen Situa­ti­on für die Kir­che zu fin­den. Die Kir­che befand sich bzgl. der „Welt“ in der Defen­si­ve- bis Papst JP II. die „Sache“ dreh­te: die „Welt“, auch Geg­ner, zoll­ten ihm Respekt bei sei­nem Hin­über­schei­den.
    Da war und ist vie­les rich­tig an den Kon­zils­tex­ten und man­ches nicht und bedürf­te einer Kor­rek­tur- wie Weih­bi­schof Schnei­der das schon mal auf Kath. Info aus­füh­ren konn­te. Es ging beim Kon­zil doch beson­ders auch um die Stel­lung der Kir­che zur „Moder­ne“ und wie mit den Her­aus­for­de­run­gen umzu­ge­hen wäre. Offen­bar konn­ten und kön­nen man­che nicht tren­nen zwi­schen Bewah­rung des Glau­bens einer­seits und sach­li­cher Über­prü­fung der „Din­ge der Welt, ihrem Den­ken“ im Lich­te die­ses Glau­bens ande­rer­seits. Ein posi­ti­ves Ergeb­nis der neu­en Her­an­ge­hens­wei­se war bspw. die Enzy­kli­ka Huma­nae Vitae von Papst Paul VI. Und die­sen Weg der Ver­christ­li­chung der Welt beschrit­ten auch sei­ne bei­den Nach­fol­ger trotz gro­ßen Wider­stan­des von inner­halb und außer­halb der Kir­che. Papst Fran­zis­kus hat das abge­bro­chen, sich offen­bar der Welt, ihrem Den­ken über­eig­net, und die Pius­bru­der­schaft schüt­tet doch das Kind mit dem Bade aus, bleibt, obwohl die hl. Mes­se bewah­rend, im „alten“ Den­ken stecken und löst damit die Pro­ble­me für den Chri­sten der Moder­ne nicht.

    • War­um ist das „alte“ Den­ken falsch? Was soll man dar­an ändern? Eine Ände­rung und Anpas­sung an die Moder­ne ist gera­de das Pro­blem und führt zu Ver­fäl­schun­gen und Ent­fer­nung, vor allem in der Ehr­furcht gegen­über den Sakra­men­ten und Gott selbst.

      Nicht die Kir­che mit ihrem „alten Den­ken“ muss sich anpas­sen, son­dern der moder­ne Christ muss zurück­keh­ren. Das sind auch die gra­vie­ren­de Pro­ble­me der Öku­me­ne und der Umgang mit anders Gläu­bi­gen.

    • Eine Kau­sa­li­tät zwi­schen den Welt­krie­gen und der Kir­che sehe ich nun wirk­lich nicht. Auch nach dem Zwei­ten Vati­ka­num gab es Krie­ge, wobei auch Chri­sten betei­ligt waren.

      • Haben Sie mal die Bot­schaf­ten der Mut­ter­got­tes von Fati­ma gele­sen? Maria selbst spricht von einer ver­sa­gen­den Kir­che, ver­sa­gen­den Chri­sten und dem auf die­se Wei­se mit-ver­schul­de­ten Auf­kom­men der bei­den Welt­krie­ge, indi­rekt auch der KZ‚s und allem son­sti­gen Unheil. Wo der Glau­be und die Lie­be nicht mehr da sind- ganz kon­kret im jewei­li­gen Leben, kommt mit Sicher­heit das Unglück- frü­her oder spä­ter.

  4. Nach meh­re­ren Arti­keln die sich mit der Situa­ti­on der FSSPX beschäf­ti­gen und den „otima­len“ Bedin­gun­gen fra­ge ich mich immer wie­der, ob es bei der FSSPX nur um ein recht­li­ches Pro­blem gehen soll oder ob es bei den Autoren auch jeman­den gibt der ein­mal über das rein recht­li­che The­ma hin­aus­blickt?

    Gibt es jemand der sich ein­mal die Fra­ge stellt was heu­te wäre, wenn nicht ein M.Lefebvre ohne Ach­tung auf sein Anse­hen und sei­ne Kar­rie­re die Tra­di­ti­on der hl. Kir­che ver­tei­digt hät­te gegen den kon­zen­trier­ten Pro­ste­stan­tis­mus der sich im 2. Vati­ka­num gezeigt hat und der heu­te noch stär­ker anhält?

    Glau­ben Sie das es heu­te ein Motu Pro­prio geben wür­de, wenn EM Lefebrve nicht gewe­sen wäre? Bit­ten Sie doch ein­mal einen Prie­ster oder Bischof der FSSPX um ein Inter­view zu die­sen Fra­gen. Sie wer­den fest­stel­len müs­sen, das es die­sen nicht in erster Linie um „Rechts­si­cher­heit“ geht son­dern um etwas gänz­lich ande­res. Die viel­ge­lob­te FSSP ist in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung nach ihrer Aner­ken­nung in der Ver­sen­kung ver­schwun­den — der Stein des Ansto­sses wur­de glatt­ge­schlif­fen und stört nicht mehr. Der Stein der Imma­ku­la­ta-Fran­zis­ka­ner wur­de auch abge­schlif­fen, noch bevor er rich­ti­ge Kan­ten bekom­men hat. Und so geht es unter dem Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus wei­ter — immer wei­ter.

    • Wenn es der wah­ren Kir­che Jesu Chri­sti noch ein­mal gelin­gen soll­te, den Ungeist des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils, der, nach einer kur­zen Ver­schnauf­pau­se unter Bene­dikt XVI., gera­de wie­der fröh­li­che Urständ fei­ert, abzu­schüt­teln, dann wird, des­sen bin ich mir sicher, Exzel­lenz Lef­eb­v­re zu den Hei­li­gen und Mar­ty­rern der katho­li­schen Kir­che gezählt und von einem rechtgläubigen/rechtmäßigen Papst zur Ehre der Altä­re erho­ben wer­den.

  5. Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re ist einer der größ­ten Bischö­fe der römisch katho­li­schen Kir­che. Weil er ihren über­lie­fer­ten Glau­ben ver­tei­digt hat mit gan­zer See­le, mit gan­zem Her­zen, mit all sei­ner Kraft.
    Doch er hat den Glau­ben nicht nur ver­tei­digt, er hat ihn immer wie­der in Vor­le­sun­gen, Pre­dig­ten, Vor­trä­gen auf sei­nen wesent­li­chen Kern zurück­ge­führt. Der schon vor dem II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil oft über­schat­tet war von Fröm­mig­keits­for­men, die den Blick auf die zen­tra­len Glau­bens­wahr­hei­ten eher ver­dun­kel­ten als erhell­ten.
    Papst Pius X., Erz­bi­schof Lef­eb­v­re — ob ihr Andenken bewahrt und gelebt oder ver­ges­sen wird ist eine Über­le­bens­fra­ge der katho­li­schen Kir­che. Nicht mehr und nicht weni­ger.

  6. Ein sehr guter Arti­kel von Herrn End­re Bár­to­s­sy.
    Nur bei dem Titel- wie so oft das Schwie­rig­ste des Tex­tes- möch­te ich eine kri­ti­sche Bemer­kung geben:
    man muß und kann nicht „zurück­keh­ren“, wenn man nie­mals „weg“ war.
    Mon­sei­gneur EB Lef­eb­v­re und die FSSPX waren immer katho­lisch, und wohl total römisch-katho­lisch.
    Ich kann mich noch sehr gut erin­nern, wie vor 20–25 Jah­ren in dama­li­gen deut­schen „Qualitäts„zeitungen die tra­di­tio­na­li­sti­sche Bewe­gung recht inten­siv beschrie­ben wur­de, inklu­siv die Reak­tio­nen des dama­li­gen Vati­kans;
    es wur­de dabei fest­ge­hal­ten, daß aus der katho­li­schen Kir­che wohl sehr viel ande­re luthe­ri­sche, cal­vi­ni­sti­sche, alt­christ­li­che, angli­ka­ni­sche, hus­si­ti­sche und kim­ban­gu­isti­sche Grup­pen und Sek­ten und Deno­mi­na­tio­nen ent­stan­den sind;
    aber daß mit der Fra­ter­ni­tas Sacer­dot. St. Pius X jetzt zum ersten­mal etwas genu­in katho­lisch, und wohl römisch-katho­lisch vor­lag.
    Die lang gefürch­te­te und des­halb stark bekämpf­te Dicho­to­mie fällt inzwi­schen weg:
    Ber­go­glio hat die Sakra­men­ten pul­ve­ri­siert und rela­ti­viert, das Amt im pero­ni­sti­schen Stil ver­ge­wal­tigt und das bis­he­ri­ge Kir­chen­ver­ständ­nis durch etwas Neu­es, Ande­res ersetzt.
    51 Jah­re nach dem Ende des 2. Vati­ka­ni­schem Kon­sils ver­dampft die post­va­ti­ka­ni­sche Kir­che und läßt einen irren Sozi­al­klub zurück.
    Anfang der Jah­ren ’60, bei einer von lan­gem geplan­ten Umwäl­zung der Kir­che und Hilf- und Rat­lo­sig­keit von vie­len edlen und seriö­sen Hir­ten, war vie­les unklar.
    Beson­ders schlimm war das plötz­li­che Ster­ben des theo­lo­gi­schen Bera­ters von EB Msgr. Lef­eb­v­re, P. Bar­to OP.
    Bei den dama­li­gen schwie­ri­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­ken und Infor­ma­ti­ons­quel­len, eine feind­lich gesinn­te schrift­li­che Pres­se und tota­lem Boy­cott durch das Fern­se­hen, ist es ein Wun­der, daß die FSSPX sich so tap­fer und wacker schla­gen konn­te.
    Die pasto­ra­le Arbeit und Hil­fe steht im Vor­der­grund.
    Aber gera­de in den letz­ten Jah­ren haben sich die tra­di­ti­ons­freund­li­che theo­lo­gi­sche Stu­di­en her­vor­ra­gend ent­wickelt (ich nen­ne hier nur die Domi­ni­ka­ner von Avril­lé); und beson­ders inter­es­sant: sehr vie­le weib­li­che Gemein­schaf­ten und Orden haben hier sehr Viel und Groß­ar­ti­ges gelei­stet.
    http://www.dici.org und http://www.laportelatine.org zei­gen da sehr viel.

  7. Der Bei­trag von E. A. Bár­d­os­sy hat mei­ne beson­de­re Auf­merk­sam­keit erregt. Auf­grund der heu­ti­gen ziem­lich kon­fu­sen Situa­ti­on in der katho­li­schen Kir­che erken­ne ich Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re immer deut­li­cher als hei­lig­mä­ßi­ge Gestalt. Ich habe ihn bis­her vor­der­grün­dig eher als „unge­hor­sam“ dem Papst­amt gegen­über wahr­ge­nom­men. Doch ich sehe: er war bestimmt kein Rebell, kein Schis­ma­ti­ker und schon gar kein Häre­ti­ker, son­dern aus heu­ti­ger Sicht ein wah­rer Pro­phet. Was zur Zeit in der gesam­ten katho­li­schen Welt für heil­lo­ses Durch­ein­an­der sorgt, hat zwei­fels­frei sei­nen Ursprung in bestimm­ten Kon­zils­aus­sa­gen. Wenn man sich die Zah­len der unmit­tel­bar nach dem Kon­zil auf­ge­ge­be­nen Prie­ster-und Ordens­be­ru­fe ansieht, kann man fest­stel­len, dass da schon eine Ent­wick­lung ihren Anfang nahm, die sich vor allem in der west­li­chen Kir­che mit kon­ti­nu­ier­lich abneh­men­den Beru­fun­gen Rich­tung null fort­setzt, vom all­ge­mei­nen Glau­bens­schwund erst gar nicht zu reden. Ein Blick auf die Nie­der­lan­de mag genü­gen. Erst der „revo­lu­tio­nä­re“ hol­län­di­sche Kate­chis­mus, jetzt eine Nach­richt (KNA vom 8.12.2016): „Von rund 6000 Got­tes­häu­sern wer­de min­de­stens ein Drit­tel in den kom­men­den 15 Jah­ren sei­ne reli­giö­se Funk­ti­on ver­lie­ren“, also 2000 allein im klei­nen Hol­land. Die Pius­bru­der­schaft könn­te tat­säch­lich zum Ret­ter der einen hei­li­gen katho­li­schen und apo­sto­li­schen Kir­che wer­den. Mit Got­tes und Mari­ens Hil­fe!

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