Päpstliche Anpassung an das lutherische Gewissen ohne kirchliche Normierung

Amoris laetitia und das "sola coscienzia" - Die Antwort von Papst Franziskus auf die Frage von Eugenio Scalfari
Amoris laetitia und das "sola coscientia" - Die Antwort von Papst Franziskus auf die Frage von Eugenio Scalfari

Die deut­schen Bischö­fe haben das auto­no­me Gewis­sen als Zau­ber­mit­tel ent­deckt, mit dem wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne einen pasto­ra­len Pas­sa­gier­schein zur Kom­mu­ni­on bekom­men sol­len. Für den Papst ist die sub­jek­ti­ve Gewis­sens­über­zeu­gung der Tür­öff­ner für die gemein­sa­me Sache mit den Luthe­ra­nern — und sogar das Him­mel­reich für alle gewis­sens­kon­for­me Men­schen.

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

Erz­bi­schof Lud­wig Schick von Bam­berg erläu­ter­te kürz­lich das Papier der deut­schen Bischö­fe vom 2. Febru­ar zu Amo­ris lae­ti­tia (AL). Er sag­te laut der Tages­post vom 04. 02.:

Für Per­so­nen, die bei gül­ti­ger kirch­li­cher Ehe in einer zwei­ten Zivil­ehe leben, kön­ne es von Sei­ten der Kir­che eine aus­drück­li­che „Zulas­sung zur Beich­te oder zur Kom­mu­ni­on nicht geben“. Das ist gül­ti­ge kirch­li­che Leh­re, wie sie Papst Johan­nes-Paul II. in sei­ner Enzy­kli­ka Fami­lia­ris con­sor­tio 1994 bekräf­tigt hat. Schick kennt als aus­ge­bil­de­ter Kir­chen­recht­ler den Can. 915, nach dem Gläu­bi­ge vom Emp­fang der Kom­mu­ni­on aus­ge­schlos­sen sind, wenn sie „offen­kun­dig in einer schwe­ren Sün­de ver­har­ren“. Das trifft auf wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne zu. Damit bestä­tig­te der Bam­ber­ger Ober­hir­te, dass die Leh­re der Kir­che zu den Sakra­men­ten Ehe, Beich­te und Kom­mu­ni­on durch neue Lehr­schrei­ben nicht ange­ta­stet wird und wer­den darf.

Zugleich beton­te Schick, dass Katho­li­ken in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen schwe­rer Sün­de mit per­sön­lich ver­ant­wor­te­ter Gewis­sens­ent­schei­dung zu dem Ergeb­nis kom­men könn­ten, eben doch min­der­schul­dig und damit wür­dig zu sein für den Sakra­men­ten­emp­fang. Die­se „indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung“ hät­ten Kir­che und Gemein­de vor­be­halt­los zu respek­tie­ren und „anzu­neh­men“.

Gewissensentscheidung gegen kirchliche Lehre und Normen?

Die deutschen Bischöfe und Amoris laetitia
Die deut­schen Bischö­fe und Amo­ris lae­ti­tia

Doch wie kann der „rei­fe“ Gewis­sens­ent­scheid von Katho­li­ken gegen die gül­ti­ge Moral- und Sakra­men­ten­leh­re der Kir­che aus­fal­len? Soll etwa die Gewis­sens­bil­dung für auto­nom erklärt wer­den, also frei von Vor­ga­ben kirch­li­cher oder bibli­scher Leh­re? Oder wol­len gar „die Bischö­fe den Vor­rang der Gewis­sens­ent­schei­dung vor ent­ge­gen­ste­hen­den kirch­li­chen Geset­zen beto­nen“? Das jeden­falls behaup­tet der Theo­lo­ge und ehe­ma­li­ge Prie­ster Joa­chim Frank im Köl­ner Stadt-Anzei­ger vom 01. 02. 2017 zu der Erklä­rung der deut­schen Bischofs­kon­fe­renz.

Wenn die deut­schen Bischö­fe sol­che Gewis­sens­ent­schei­dun­gen für reif und rich­tig erklä­ren, die gegen Lehr­amt und Kir­chen­leh­re gerich­tet sind, dann sind sie offen­sicht­lich von dem klas­si­schen kirch­li­chen Gewis­sens­be­griff abge­rückt. Im Kate­chis­mus der Kath. Kir­che heißt es unter Nr. 1783: Wir Men­schen sind „stets ver­sucht, dem eige­nen Urteil den Vor­zug zu geben und die Leh­ren der kirch­li­chen Auto­ri­tät zurück­zu­wei­sen“. Gegen eine sol­che „falsch ver­stan­de­ne Gewis­sens­au­to­no­mie“ betont das Lehr­werk die not­wen­di­ge Gewis­sens­bil­dung. Katho­li­ken müss­ten sich dabei am ver­nunf­t­ein­sich­ti­gen Sit­ten­ge­setz ori­en­tie­ren sowie an den gött­li­chen Geset­zes in der Form bibli­scher Gebo­te und kirch­li­cher Leh­re. Das christ­li­che Gewis­sen muss auf mora­li­schem Grund­wis­sen auf­ge­baut sein, sonst wird es blind und irrig.

Ohne Glaubenswissen trocknet das christliche Gewissen aus

Die Bischö­fe wün­schen zwar auch eine „Ver­tie­fung von Gewis­sens­bil­dung“. Aber an kei­ner Stel­le wei­sen sie auf die nor­mie­ren­de Ori­en­tie­rung am natür­li­chen Sit­ten­ge­setz und an den biblisch-kirch­li­chen Regeln hin. Sie erwar­ten Gewis­sens­an­for­de­run­gen „in höch­stem Maße“. Aber wie soll dass Gewis­sen wirk­sam wer­den, wenn zugleich das Wis­sen der Katho­li­ken an Glau­bens- und Moral­grund­sät­zen weit­ge­hend aus­ge­trock­net ist?

Schon vor knapp fünf Jahr­zehn­ten hat­te der Ber­li­ner Kar­di­nal Alfred Bengsch ein­ge­schätzt, dass das „soge­nann­te mün­di­ge Gewis­sen selbst bei vor­bild­li­chen Chri­sten immer noch eine Aus­nah­me­erschei­nung ist“. Seit­her ist der Glau­be wei­ter ver­dun­stet, der Grund­was­ser­spie­gel an Glau­bens­wis­sen abge­sackt (Bischof Alger­mis­sen) und die Kate­che­se weit­ge­hend aus­ge­fal­len. In die­ser Situa­ti­on ist das bischöf­li­che Insi­stie­ren auf indi­vi­du­el­len Gewis­sens­ent­schei­dun­gen in ein­deu­tig irre­gu­lär-sün­di­gen Situa­ti­on unver­ant­wort­lich. Die Bischö­fe wol­len prak­tisch sehen­den Auges die Ergeb­nis­se irri­ger Gewis­sens­ent­schei­dun­gen aner­ken­nen, die sie nach kirch­li­cher Leh­re nicht akzep­tie­ren kön­nen und dür­fen.

Autonomes Gewissen als bischöfliches Zauberwort…

Das Ehe­paar Nor­bert und Rena­te Mar­tin von der Inter­na­tio­na­le Schön­statt­be­we­gung stellt laut Tages­post vom 04. 02. 2017 fest: Die deut­schen Bischö­fe hät­ten sich bei der anste­hen­den Ehe- und Geschie­de­nen­pa­sto­ral „für die sub­jek­ti­ve Ent­schei­dung des Ein­zel­nen (auto­no­me Moral) ent­schie­den, was allen bis­he­ri­gen kirch­li­chen Doku­men­ten wider­spricht.“

Für den Mün­che­ner Pasto­ral­theo­lo­gen Andre­as Woll­bold wird das „Gewis­sen neu­er­dings als Zau­ber­wort“ gebraucht, um der „Ein­zel­fall­re­ge­lung eine höhe­re Wei­he zu ver­lei­hen“ (Die Tages­post 09. 02.). Dabei wür­den die kla­ren kirch­li­chen Wei­sun­gen zum sech­sten Gebot aus­ge­he­belt, wonach Ehe­bruch „stets und unter allen Umstän­den“ als Sün­de anzu­se­hen ist. Nach die­sem Grund­satz müss­te die Ent­schei­dung eines Ehe­paars in zivi­ler Zweite­he: „Wir ste­hen in Frie­den und Ver­söh­nung mit Gott und gehen zur Kom­mu­ni­on“ als irri­ger Gewis­sens­ent­scheid qua­li­fi­ziert wer­den.

Doch kla­re Wei­sun­gen in Über­ein­stim­mung mit der kirch­li­chen Leh­re sind nach dem Bischofs­wort nicht mehr erwünscht. Die deut­schen Ober­hir­ten haben sich auf die Respek­tie­rung jed­we­der Gewis­sens­ent­schei­dung der Gläu­bi­gen fest­ge­legt. Damit stel­len sie bis­he­ri­ge Grund­sät­ze zur Moral und Sakra­men­ten­ord­nung in Fra­ge.

Eine wei­te­re Fol­ge von der Fokus­sie­rung auf das Ein­zel­ge­wis­sen besteht dar­in, dass die Auf­ga­be der Prie­ster bei dem Pro­zess der Ein­zel­fall­klä­rung auf einen Hilfs­rol­le redu­ziert wird. Sie sol­len nur noch als Ent­schei­dungs­be­glei­ter fun­gie­ren. Die­se Zuschrei­bung ent­spricht in etwa der neu­esten Idee aus Baden-Würt­tem­berg, nach der die Leh­rer zu ‚Lern­be­glei­ter’ der Schü­ler degra­diert wer­den.

… Beichte und priesterliche Begleitung werden dadurch überflüssig

Letzt­lich wird die Prie­ster­be­glei­tung dadurch über­flüs­sig gemacht, wie man das in man­chen Pfar­rei­en und Bis­tü­mern Deutsch­lands schon prak­ti­ziert. Das Bischofs­wort wird dort als Bestä­ti­gung der ein­ge­spiel­ten Pra­xis inter­pre­tiert. In die­sem Sin­ne sag­te Kreis­de­chant Jür­gen Quan­te der West­deut­schen All­ge­mei­nen: „Die Men­schen (!) ent­schei­den nach ihrem Gewis­sen und sind dann selbst­ver­ständ­lich zur Kom­mu­ni­on ein­ge­la­den. Das hand­ha­ben im Kreis Reck­ling­hau­sen alle Geist­li­chen so. (…) Die Gewis­sens­ent­schei­dung habe Vor­rang, dafür brau­chen die Men­schen kei­nen Prie­ster, es sei denn, sie wün­schen ein Gespräch“ (WAZ vom 04.02.17).

Die­sen Mei­nungs­wech­sel, nach der die Ent­schei­dung jed­we­den Ein­zel­ge­wis­sens Vor­rang vor den Leh­ren der Kir­che habe, hat Papst Fran­zis­kus mit sei­nem nach­syn­oda­len Schrei­ben ein­ge­lei­tet. Auf Gewis­sens­bil­dung anhand kirch­li­cher Nor­men legt Fran­zis­kus kei­nen Wert. Im Gegen­teil. Im AL-Kapi­tel 37 for­dert er dazu auf, dem unge­bil­de­ten, nicht-nor­mier­ten, viel­fach irri­gen Gewis­sen der Gläu­bi­gen „inmit­ten ihrer oft­ma­li­gen Begren­zun­gen Raum zu geben“ – auch wenn dabei „alle (kirch­li­chen) Sche­ma­ta aus­ein­an­der­bre­chen“. Der Papst führt damit ein neu­es Para­dig­ma ein: Nicht mehr die kirch­lich-bibli­sche Norm soll das Gewis­sen bil­den, son­dern das auto­no­me, begrenz­te, krea­ti­ve Indi­vi­du­al­ge­wis­sen soll alle biblisch-kirch­li­chen Nor­mie­run­gen aus­ein­an­der­bre­chen kön­nen. Damit wird die Rele­vanz der kirch­li­chen Moral­re­geln prak­tisch auf­ge­ho­ben. Die biblisch-kirch­li­chen Gebo­te wer­den besten­falls zu Ange­bo­ten erklärt.

Franziskus hebt kirchliche Moralgrundsätze auf

Offi­zi­ell lässt der Papst ver­lau­ten, er habe in sei­nem nach­syn­oda­len Schrei­ben nur einen „barm­her­zi­gen“ Pas­sa­gier­schein für einen „pasto­ra­len“ Weg aus miss­li­chen Situa­tio­nen von Wie­der­ver­hei­ra­te­ten bei gül­ti­ger Erste­he wei­sen wol­len. Die dog­ma­ti­sche Leh­re blei­be unan­ge­ta­stet. Doch in Wirk­lich­keit hat er im Pro­zess die­ser Pasto­ral­be­grün­dung die kirch­li­che Moral- und Sakra­men­ten­leh­re sub­stan­ti­ell ver­än­dert – teils in Fuß­no­ten ver­steckt oder mit argu­men­ta­ti­ven Fuß­an­geln:
Nach Tho­mas von Aquin ist mit Hand­lun­gen wie Unzucht und Ehe­bruch die Schlech­tig­keit untrenn­bar ver­bun­den (intrin­se­ce malum). Des­halb gel­ten nach kirch­li­cher Leh­re die ent­spre­chen­den Ver­bo­te ohne Aus­nah­men. Sie kön­nen nicht durch Umstän­de oder gute Absich­ten exkul­piert oder gar in sub­jek­tiv sitt­li­che Akte ver­wan­delt wer­den.
Dage­gen behaup­tet Fran­zis­kus in den Kapi­teln 301ff, dass man doch eine lich­te Lücke in dem Zustand der schwe­ren Sün­de gefun­den habe – erst­mals seit 700 Jah­ren. Die angeb­lich ein­schlä­gi­gen Argu­men­te des Tho­mas von Aquin hat aller­dings der Frei­bur­ger Theo­lo­ge Hel­mut Hoping inzwi­schen zer­pflückt (vgl. FAZ vom 19. 11. 2016).

Die neue klei­ne Aus­nah­me-Unschulds­lücke im Sün­den­zu­stand bekommt in AL eine Rie­sen­be­deu­tung. Denn nun­mehr kann jede fort­ge­setz­te sexu­el­le Bezie­hung außer­halb einer sakra­men­ta­len Ehe als Ein­zel­fall nach der Lücken­theo­rie ange­se­hen wer­den. Dabei müs­se dann „unter­schie­den“ wer­den, ob und wie durch Umstän­de, Begrenzt­hei­ten und mil­dern­de Fak­to­ren die habi­tu­ell schwe­re Sün­de des Ehe­bruchs ein min­der­schwe­res Ver­ge­hen sei. Dann soll­ten auch die neu­en Syn­oden­sicht­wei­sen von Gra­dua­li­tät und Grau­stu­fen ange­wandt wer­den, nach denen in jeder sün­di­gen Nega­ti­vi­tät die Posi­ti­vi­tät der Bes­se­rung ent­hal­ten wäre.

Im Ergeb­nis scheint die ange­sag­te gewis­sen­haf­te Unter­schei­dung im Ein­zel­fall wie ein „Zau­ber­wort“ (A. Woll­bold) zu wir­ken, indem Schlech­tes in gra­du­ell Bes­se­res ver­wan­delt wird: Auch die im Ehe­bruch Ver­har­ren­den könn­ten in der Gna­de Got­tes leben, lie­ben und wach­sen. Das Leben in einer zivi­len Zweite­he wird gera­de­zu sitt­lich idea­li­siert mit den Wen­dun­gen „erwie­se­ne Treue, groß­her­zi­ge Hin­ga­be, christ­li­ches Enga­ge­ment“ (AL 298). Mora­lisch wird in die­sem Fall die zivi­le Zweite­he als gleich­wer­tig mit der sakra­men­ta­len Erste­he ver­mit­telt. War­um soll­ten sol­che von Fran­zis­kus sitt­lich geadel­te zivil Wie­der­ver­hei­ra­te­te auch nur den Anflug von schlech­tem Gewis­sen haben wegen des bestehen­den Ehe­ban­des aus der kirch­lich-sakra­men­ta­len Ehe?

Nach­dem auf die­se Wei­se sub­stan­ti­el­le Ele­men­te der kirch­li­chen Ehe- und Moral­leh­re auf der Strecke geblie­ben sind, tut sich der Papst schwer, die zwei­te Kar­di­nals­fra­ge der bekann­te fünf Dubia zu beant­wor­ten: Sind die lehr­amt­li­chen Aus­sa­gen in der Enzy­kli­ka Veri­ta­tis Sple­ndor von Papst Johan­nes Paul II., der die oben ange­zeig­te Leh­re des Tho­mas von Aquin dar­legt, noch gül­tig? Das selbst­ver­ständ­lich zu erwar­ten­de Ja des Pap­stes hät­te zur Fol­ge, dass Amo­ris lae­ti­tia wie bis­her alle päpst­li­chen Lehr­schrei­ben im Sin­ne der kirch­li­chen Lehr­kon­ti­nui­tät zu inter­pre­tie­ren (und zu kor­ri­gie­ren) sind, wie das Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler tut. Doch Fran­zis­kus schweigt – und lässt sei­ne Kar­di­nä­le die illu­sio­nä­re For­mel von der unver­än­der­ten Leh­re ver­brei­ten. Unter dem Schlei­er die­ser fal­schen Behaup­tung wird von Prie­stern und Bischö­fen eine ver­än­der­te Kir­chen- und Sakra­men­ten­leh­re prak­ti­ziert.

Aushöhlung der kirchlichen Lehre zur Gewissensbildung

Das päpst­li­che Abwei­chen und Auf­wei­chen der kirch­li­chen (Ehe-) Leh­re wird flan­kiert durch die Aus­höh­lung der klas­si­schen Leh­re zur christ­li­chen Gewis­sens­bil­dung, wie oben schon auf­ge­zeigt. Ein wei­te­rer Beleg für die Auf­he­bung der Gewis­sens­leh­re fin­det sich in AL 305 als Zitat aus einem Doku­ment der Inter­na­tio­na­len Theo­lo­gi­schen Kom­mis­si­on von 2009. Danach soll das natür­li­che Sit­ten­ge­setz nicht ver­stan­den wer­den als eine bestehen­de Gesamt­heit von Regeln, die dem sitt­li­chen Sub­jekt vor­aus­lie­gen, „son­dern es ist eine objek­ti­ve Inspi­ra­ti­ons­quel­le für ein höchst per­so­na­les Vor­ge­hen der Ent­schei­dungs­fin­dung“, also eher ein Ange­bot für das Sub­jekt.

Das oben erwähn­te Kon­strukt der Unschulds­lücke im Zustand der schwe­ren Sün­de und die dar­aus ver­all­ge­mei­ner­te Ein­zel­fall-Unter­schei­dung ist der Ort, an dem nun die höchst sub­jek­ti­ve Ent­schei­dungs­fin­dung des Ein­zel-Gewis­sens statt­fin­den soll. Wenn aber die Gläu­bi­gen mora­li­sche Gewis­sens-Rich­ter in eige­ner Sache sind, wer­den sie gern das Ange­bot anneh­men, sich von schwe­rer Schuld selbst zu exkul­pie­ren. Die Beich­te wird damit über­flüs­sig, der gefühl­ten Selbst­ein­la­dung zur Kom­mu­ni­on steht nichts mehr im Wege.

Auf die­sen Kom­plex bezieht sich die fünf­te Fra­ge der Dubia. Papst Johan­nes Paul II. hat­te in der oben genann­ten Enzy­kli­ka die freie, sub­jek­ti­ve, auto­no­me Ent­schei­dungs­fin­dung als „krea­ti­ven Rol­le des Gewis­sens“ lehr­amt­lich ver­ur­teilt. Sol­len die Gläu­bi­gen die­se auf Schrift und Tra­di­ti­on gegrün­de­te Leh­re wei­ter­hin für gül­tig hal­ten – fra­gen die vier Kar­di­nä­le.

Ver­schie­de­ne Publi­ka­tio­nen sehen in der neu­en Leh­re von der Letzt­ent­schei­dung des ein­zel­nen Gewis­sens ein Modell, nach dem auch ande­re lehr­mä­ßig strit­ti­ge Fra­gen gelöst wer­den könn­ten. So erwar­tet die Kir­chen­zei­tung des Bis­tum Lim­burgs eine ent­spre­chen­de Dis­kus­si­on zu unver­hei­ra­te­ten und homo­se­xu­el­len Paa­ren (Der Sonn­tag vom 05. 02. 2016). Der Frei­bur­ger Theo­lo­gie­pro­fes­sor Hel­mut Hoping schreibt in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen vom 07. 12. 2016:  „Für libe­ra­le Bischö­fe und Theo­lo­gen ist die Fra­ge der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen ein Tür­öff­ner zur Revi­si­on der katho­li­schen Sexu­al­mo­ral ins­ge­samt.“

Übri­gens gibt es zu die­ser Ver­la­ge­rung der mora­li­schen Urteils­fin­dung vom fach­theo­lo­gi­schen Prie­ster auf das lai­en­haft-begrenz­te Gewis­sen der Gläu­bi­gen eine ähn­li­che Rege­lung im welt­li­chen Recht. Im Para­graph 218a wird einer Schwan­ge­ren in den ersten drei Mona­ten nach ergeb­nis­of­fe­ner Bera­tung die Gewis­sens­ent­schei­dung über Leben und Tod ihres unge­bo­re­nen Kin­des über­tra­gen. Beim Ent­schluss zur Kinds­tö­tung respek­tiert der Staat den „rechts­wid­ri­gen“ Gewis­sens­ent­scheid, indem er nach Voll­zug auf die vor­ge­schrie­ben Stra­fe ver­zich­tet.

Der Papst als verkappter Protestant?

Ham­burgs luthe­ri­sche Lai­en-Bischö­fin Ker­stin Fehr emp­fin­det zu Papst Fran­zis­kus eine gewis­se Nähe. Seit er die Gewis­sens­ent­schei­dung des Ein­zel­nen zur Letzt­norm gemacht habe, „scheint er mir ein ver­kapp­ter Pro­te­stant“ zu sein. Ein Leser der Tages­post vom 09. 02. hält es für „ein Geschenk der deut­schen Bischö­fe an Luther im Gedenk­jahr“, wenn in deren Bischofs­wort die Letzt­ent­schei­dung eines Gläu­bi­gen über die kirch­li­che Moral- und Sakra­men­ten­leh­re gestellt wird. Katho­li­ken in einer zivi­len Zweite­he bei bestehen­dem sakra­men­ta­len Ehe­band kön­nen nun­mehr in Anleh­nung an Luther sagen: „Hier gehe ich (zur Kom­mu­ni­on). Ich kann nicht anders!“

Mit ähn­li­chen Wor­ten hat­te der Papst eine Pro­te­stan­tin ermun­tert, zur katho­li­schen Kom­mu­ni­on „vor­an­zu­ge­hen“.

Am 15. Novem­ber 2015 hielt Fran­zis­kus in der luthe­ri­schen Gemein­de in Rom eine pro­gram­ma­ti­sche Rede. Auf die Fra­ge der pro­te­stan­ti­schen Gemein­de­rä­tin, ob und wann sie mit ihrem katho­li­schen Mann gemein­sam zur katho­li­schen Kom­mu­ni­on gehen könn­te, ant­wor­te­te der Papst in ver­blüf­fen­der Ana­lo­gie zu sei­nen nach­syn­oda­len Wei­sun­gen bezüg­lich der Kom­mu­ni­on von wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen:

Dialektisches Ja zur Kirchen-Lehre und Nein durch subjektiven Gewissensentscheid

  1. Es ste­he nicht in sei­ner Zustän­dig­keit als Papst, nach den Leh­ren der Kir­che eine offi­zi­el­le Erlaub­nis zur Inter­kom­mu­ni­on zu geben. Aber das kön­ne er schon sagen: „Das Leben ist grö­ßer als die (dok­tri­nä­ren) Erklä­run­gen und Inter­pre­ta­tio­nen“ (der katho­li­schen Leh­re).
  2. Des­halb müss­te er auf die kon­kre­te Fra­ge – „ehr­lich mit sich selbst“ – ant­wor­ten: „Seht selbst!“ Nehmt auf die gemein­sa­me Tau­fe Bezug und „zieht dar­aus die Kon­se­quen­zen. Sprecht mit dem Herrn und geht vor­an!“

Mit die­ser frei vor­ge­tra­ge­nen, aber offen­sicht­lich vor­be­rei­te­ten Rede über­trug Fran­zis­kus sei­ne aus­ge­höhl­te Kir­chen- und Gewis­sens­leh­re auf öku­me­ni­sche The­men. Vie­le waren damals ver­wirrt durch das Nein und Ja des Pap­stes. Doch Fran­zis­kus wand­te hier das glei­che dia­lek­ti­sche Argu­men­ta­ti­ons­sche­ma an wie bei Amo­ris lae­ti­tia:

  • Offi­zi­ell wür­de die Leh­re der Kir­che nicht ange­ta­stet – in die­sem Fall das Ver­bot der Inter­kom­mu­ni­on. Denn die Erlaub­nis an Luthe­ra­nern, an der kirch­li­chen Kom­mu­ni­on teil­zu­neh­men, kann wegen der Lehr-Unter­schie­de nicht erteilt wer­den. Zugleich wird eben­die­se kirch­li­che Dok­trin für irrele­vant erklärt.
  • Was sich für den Papst als Inha­ber der Lehr­amts ver­bie­tet, das erlaub­te sich Fran­zis­kus in einer per­sön­li­chen Ent­schei­dung zu sagen: „Seht selbst und geht vor­an“ (zur katho­li­schen Kom­mu­ni­on). Frei von kirch­lich-dok­tri­nä­ren Erklä­run­gen sah er sich in sei­nem „ehr­li­chen“ Gewis­sen ermäch­tigt, die Pro­te­stan­tin und ihren katho­li­schen Mann eben­falls zu einer sub­jek­ti­ven Ent­schei­dung zu ermu­ti­gen: Urteilt bei der Fra­ge der Inter­kom­mu­ni­on nach eurem Gewis­sen!

Päpstliche Annäherung an den protestantischen Gewissensbegriff ohne Kirche…

Das Signal an die Öffent­lich­keit, das Papst Fran­zis­kus bei der katho­lisch-luthe­ri­schen Begeg­nung in Rom aus­sand­te, war deut­lich: In öku­me­ni­schen Fra­gen ist das Ein­zel­ge­wis­sen der Chri­sten letzt­ent­schei­dend – gege­be­nen­falls auch gegen die Leh­re der Kir­che. In die­sem Fall wur­de auch an ein pro­te­stan­ti­sches Ein­zel­ge­wis­sen die Ermäch­ti­gung gege­ben, ent­ge­gen der kirch­li­chen Sakra­men­ten­leh­re zu ent­schei­den.

Der luthe­ri­sche Pastor Jens-Mar­tin Kru­se von der römi­schen Gemein­de fühl­te sich in sei­ner pro­te­stan­ti­schen Glau­bens­leh­re bestärkt. Laut Dom­ra­dio vom 16. 11. 2015 sag­te er: Der Papst habe sehr deut­lich gemacht: „Jeder ein­zel­ne Christ ste­he in einer Ver­ant­wor­tung vor Gott und sei­nem Gewis­sen.“ In die­ser For­mu­lie­rung der Gott­un­mit­tel­bar­keit kommt gut zum Aus­druck, dass für ein luthe­ri­sches Gewis­sen Kir­che, kirch­li­che Leh­re und Nor­men irrele­vant sind. Die­ser Mei­nung hat sich Papst Fran­zis­kus offen­sicht­lich ange­nä­hert, wenn er dar­auf drängt: Im kon­kre­ten Leben soll­te man sich bei sei­ner Gewis­sens­ent­schei­dung nicht durch ent­ge­gen­ste­hen­de kirch­li­che Leh­ren beir­ren las­sen.

… ist nicht zu stoppen

Zwei Tage nach dem Papst­be­such in der Luther-Gemein­de fand Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, der beauf­trag­te Glau­bens­wäch­ter der katho­li­schen Kir­che, deut­li­che Wor­te zu der päpst­li­chen Ver­un­kla­rung kirch­li­cher Leh­ren: Der Glau­be sei kei­ne Fra­ge der per­sön­li­chen Mei­nung. Mit die­ser Anspie­lung auf Fran­zis­kus’ Bemer­kung von sei­ner per­sön­lich-ehr­li­chen Ansicht zur Inter­kom­mu­ni­on ver­band Mül­ler die For­de­rung, die „Pro­te­stan­ti­sie­rung“ der katho­li­schen Kir­che zu stop­pen.

Aber der Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ist schon seit län­ge­rem kalt­ge­stellt — wie fast die gesam­te Kurie, seit der Papst die Kuri­en­kar­di­nä­le als büro­kra­tie-kran­ke Mon­ster beschimpft hat­te. In sei­ner Resi­denz San­ta Mar­ta hat Fran­zis­kus sich mit einer Art gefäl­li­gen Gegen­ku­rie umge­ben, dar­un­ter der Kron­rat der C9-Kar­di­nä­le, die Jesui­ten um Pater Anto­nio Spa­daro und sein Lieb­lings­kar­di­nal Wal­ter Kas­per.

Päpstliche Entleerung des Gewissens führt zu moralischem und religiösem Relativismus

Die Auf­wei­chung, wenn nicht Abschaf­fung des christ­li­chen Gewis­sens betreibt der Papst schon län­ger. Das geschieht in einem schlei­chen­den Pro­zess der nor­ma­ti­ven Ent­lee­rung des Gewis­sens: Zuerst wird die Bil­dung und Bin­dung des Gewis­sens an die klas­si­schen kirch­li­chen Moral­grund­sät­ze gekappt, dann der Bezug zu allen ande­ren Kir­chen­re­geln wie etwa der Sakra­men­ten­ord­nung. Schließ­lich wird auch die Bin­dung des Gewis­sens an das natür­li­che Sit­ten­ge­setz zur Dis­po­si­ti­on gestellt (sie­he oben). Nach Pau­lus (Röm 2,15) ist aber den Nicht-Chri­sten das uni­ver­sa­le Gesetz des Natur­rechts „in ihr Herz ein­ge­schrie­ben“. Von die­ser ethi­schen Bin­dung gebe „ihr Gewis­sen Zeug­nis“.

Der athe­istisch-kir­chen­feind­li­che Jour­na­list Euge­nio Scal­f­a­ri hat­te im Herbst 2013 an Fran­zis­kus die Fra­ge gestellt, ob Gott auch jenen die Sün­den ver­gibt, die nicht glau­ben und auch nicht den Glau­ben suchen. Dar­auf ant­wor­te­te Fran­zis­kus mit einem sola con­sci­en­tia: Bei „Gehor­sam gegen­über dem eige­nen Gewis­sen“ kön­ne man der gren­zen­lo­sen Barm­her­zig­keit Got­tes heils­ge­wiss sein. „Die Sün­de exi­stiert für den, der kei­nen Glau­ben hat, wenn man gegen das Gewis­sen han­delt.“ ((Dazu auch der Arti­kel von Euge­nio Scal­f­a­ri vom 01.11.2015 in La Repubbli­ca über einen Tele­fon­an­ruf von Papst Fran­zis­kus vom 28.10.2015. Soeben war die zwei­te Bischofs­syn­ode über die Fami­lie zu Ende gegan­gen. Scal­f­a­ri zitier­te zur Fra­ge, ob wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne künf­tig zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen sein wer­den, den Papst mit den Wor­ten: „Das ist das wesent­li­che Ergeb­nis, […] am Ende […], wer­den alle Geschie­de­nen, die es wün­schen, zuge­las­sen wer­den.“ Die Aus­sa­ge wur­de vom Vati­kan nicht demen­tiert.))

Wie ist das Gewis­sen von Athe­isten und Ungläu­bi­gen zu ver­ste­hen? Es ist offen­sicht­lich nicht durch die christ­li­chen Prin­zi­pi­en bestimmt. Auch von der Nor­mie­rung durch das Natur­recht oder Sit­ten­ge­setz sprach der Papst nicht. Damit steht das „eige­ne Gewis­sen“ anschei­nend für belie­bi­ge Über­zeu­gun­gen, auch für athe­isti­sche Welt­an­schau­un­gen des Ein­zel­nen. Trotz­dem wäre das Han­deln von Ungläu­bi­gen im Ein­klang mit ihren Gewis­sens Über­zeu­gun­gen nach Fran­zis­kus das Kri­te­ri­um für Got­tes barm­her­zi­ge Zunei­gung, Gewis­sens­dis­so­nanz dage­gen Sün­de. Somit wäre das gewis­sens­kon­for­me Han­deln „ehr­lich zu sich selbst“ — das ein­zi­ge und letz­te Kri­te­ri­um für gut oder böse.

Aus die­sen Prä­mis­sen folgt als Pro­be aufs Exem­pel:
Bei der Annah­me, dass der ungläu­bi­ge SS-Chef Hein­rich Himm­ler in vol­ler Über­ein­stim­mung mit sei­nem natio­nal­so­zia­li­sti­schen Welt­an­schau­ungs-Gewis­sen han­del­te, wären sei­ne Aktio­nen eben­so der gren­zen­lo­sen Barm­her­zig­keit Got­tes gewiss wie die von Pater Maxi­mi­li­an Kol­be, der von sei­nem christ­li­chen Gewis­sen gelei­tet wur­de. Ähn­li­che Gegen­über­stel­lun­gen lie­ßen sich auch für kom­mu­ni­sti­sche Dik­ta­to­ren auf­stel­len. Die bei­den mus­li­mi­schen Ter­ro­ri­sten, die in einer Kir­che nahe Rou­en mit Allah u akbar-Rufen einem zele­brie­ren­den Prie­ster die Keh­le durch­schnit­ten, waren ver­mut­lich auch im Ein­klang mit ihrem aus Koran­stel­len gebil­de­ten isla­mi­schen Gewis­sen.

Eine wei­te­re Fol­ge­über­le­gung:
Wenn jedem Mensch gleich wel­chen Glau­bens oder Unglau­bens allein wegen sei­ner Gewis­sen­streue Sün­den­ver­ge­bung und damit Got­tes Erlö­sung zuteil­wür­de, dann aller­dings ist jede christ­li­che Mis­si­on über­flüs­sig. Der jet­zi­ge Papst hat mehr­fach katho­li­sche Mis­sio­nie­rung als „Pro­se­ly­ten­ma­chen“ beschimpft. Nun weiß man war­um.

Fran­zis­kus bemüht sich nicht nur um den „Geruch der Scha­fe“, son­dern er pflegt auch freund­li­chen Kon­takt mit Wöl­fen (um im Bild zu blei­ben). Gele­gent­lich bringt er ihnen ein Stück katho­li­sche Iden­ti­tät als Gast­ge­schenk mit.

Text: Hubert Hecker
Bild: MiL (Screen­shot)




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4 Kommentare

  1. Der Wahn­sinn ist offen­sicht­lich. Für mich ist die Fra­ge nur noch: Wie kann das alles noch gestoppt wer­den?

  2. Die­se Spek­ta­kel sind Sün­den gegen den hei­li­gen Geist:

    - Ver­mes­sent­lich auf Got­tes Barm­her­zig­keit sün­di­gen. D. h. allein auf Got­tes Barm­her­zig­keit trau­en, ohne Scheu und Furcht vor der Gerech­tig­keit Sün­den bege­hen.

    - In der Unbuß­fer­tig­keit vor­sätz­lich ver­har­ren. D. h. man bleibt in der Sün­de vor­sätz­lich.

    Davon sind nicht nur die Per­so­nen betrof­fen, die ihr „Gewis­sen“ prü­fen, son­dern auch alle, die es unter­stüt­zen. Dazu kommt noch die Schwe­re ande­re zur Sün­de zu ver­füh­ren sogar zu über­re­den.

    Mei­ne lie­ben geschätz­ten Geist­li­chen, macht da nicht mit, egal was pas­siert.

    Lösung kann nur durch Got­tes Hil­fe kom­men, beten wir vie­le Rosen­krän­ze dafür.

  3. Jemand schrieb im Zusam­men­hang mit der Ver­öf­fent­li­chung der Leit­li­ni­en der DBK zu AL von Blin­den, die Blin­de füh­ren. Man kann für die­se Kir­chen­füh­rer nur hof­fen, dass sie blind sind, ideo­lo­gisch geblen­det vom Wunsch nach öku­me­ni­scher Ein­heit auf nied­rig­stem Niveau, vom Wunsch, die Kir­chen­steu­er­zah­ler bei der Stan­ge zu hal­ten, vom Wunsch, die­se Kir­che in eine ver­meint­li­che Moder­ne zu füh­ren. Denn was sie in Wahr­heit tun, ist teuf­lisch: sie brin­gen mit­tels einer klei­nen Fuß­no­te in AL nicht nur das gesam­te Lehr­ge­bäu­de und damit die Katho­li­sche Kir­che als sol­che zum Ein­sturz, son­dern viel­mehr das gesam­te Sit­ten­ge­setz, auf dem die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on bis gestern noch beruh­te. Denn mit dem auto­no­men Gewis­sen als Letzt­in­stanz lässt sich im Grun­de alles recht­fer­ti­gen, nicht nur der Kom­mu­ni­ongang von Ehe­bre­chern, son­dern auch das Töten auf Ver­lan­gen, das Lügen, das Steh­len, jed­we­der Mord, jed­we­de Per­ver­si­on kann mit der Behaup­tung, man habe sich mora­lisch nichts vor­zu­wer­fen und han­de­le sub­jek­tiv im Ein­klang mit sei­nem Gewis­sen, gerecht­fer­tigt wer­den. Im Grun­de ste­hen wir mit Amo­ris lae­ti­tia am Abgrund, nicht nur was das katho­li­sche, son­dern auch was das natür­li­che Sit­ten­ge­setz anbe­langt und die, die unse­re Zivi­li­sa­ti­on ins Cha­os stür­zen, weil das auto­no­me Gewis­sen nicht nur das kirch­li­che, son­dern auch das staat­li­che Gesetz aus­he­belt, sind in der Tat ent­we­der Blin­de oder, wenn sie es im vol­lem Wis­sen tun, mit dem Teu­fel im Bun­de. Wie es auch sei, in jedem Fal­le klingt es nach­ge­ra­de wie Hohn, wenn Kar­di­nal Mül­ler Ber­go­glio als „höch­ste mao­ra­li­sche Auto­ri­tät der Welt“ lob­preist, denn er ist gera­de dabei, die­se Moral zu zer­stö­ren.
    http://www.kath.net/news/58555

  4. Den Kin­dern bringt man bei: „Ver­spro­chen ist ver­spro­chen und wird auch nicht gebro­chen!“
    Wenn der Papst und vie­le Wür­den­trä­ger das anders sehen, ver­kün­den sie nicht mehr das Evan­ge­li­um und das Wort Got­tes! Sie ste­hen nicht mehr in der Tra­di­ti­on der Kir­chen und sind auch nicht mehr auf dem Fun­da­ment der Apo­stel!
    Man kann sie nicht mehr ernst neh­men!
    Beim Tod und beim per­sön­li­chen Gericht bei Chri­stus gilt nicht die Aus­re­de: „Wir muss­ten uns an die moder­ne Kir­che und damit die Wor­te Chri­sti aus Barm­her­zig­keit der Zeit anpas­sen!“

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