„Keine Macht im Himmel und auf der Erde“ — Kardinal Müller tut, was der Papst verweigert: Antwort auf die „Dubia“ zu Amoris laetitia

Kardinal Müller zu Amoris laetitia: "Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene ist unmöglich. Keine Macht im Himmel und auf der Erde, weder ein Engel noch ein Papst, kann das Ehesakrament ändern"
Kardinal Müller zu Amoris laetitia: "Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene ist unmöglich. Keine Macht im Himmel und auf der Erde, weder ein Engel noch ein Papst, kann das Ehesakrament ändern"

(Rom) Wäh­rend sich Papst Fran­zis­kus wei­ter­hin in Schwei­gen hüllt, ant­wor­te­te Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, der Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, auf die Dubia (Zwei­fel) von vier nam­haf­ten Kar­di­nä­len der Kir­che.

Die Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner hin­ter­leg­ten am 19. Sep­tem­ber 2016 im Vati­kan zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia vier Dubia mit fünf Fra­gen an Papst Fran­zis­kus. Nach­dem Fran­zis­kus auch nach zwei Mona­ten weder eine Ant­wort gab noch sonst eine direk­te Reak­ti­on zeig­te, mach­ten die vier Kar­di­nä­le in ihrer Not ihre Zwei­fel öffent­lich. Das war ein Stich ins Wes­pen­nest, denn seit­her muß­ten sie jede Art von unrühm­li­chen Angrif­fen und unge­recht­fer­tig­ter Kri­tik gegen ihre Per­son ertra­gen. Die eng­sten Mit­ar­bei­ter des päpst­li­chen Umfel­des ver­schwen­de­ten viel Zeit und Ener­gie damit, die vier Ein­brin­ger der Dubia öffent­lich abzu­kan­zeln und zu behaup­ten, daß der Papst weder ant­wor­ten müs­se noch sol­le noch brau­che, denn es sei ohne­hin alles bereits gesagt, wes­halb es wohl an den vier Kar­di­nä­len lie­gen müs­se, die nicht ver­ste­hen woll­ten.

Wäh­rend­des­sen schwieg Fran­zis­kus, obwohl die fünf Fra­gen so for­mu­liert sind, daß sie mit einem ein­fa­chen Ja oder Nein beant­wor­tet wer­den kön­nen, was den Papst natür­lich nicht dar­an hin­dert, aus­führ­li­cher dar­auf ein­zu­ge­hen. Inzwi­schen sind vier­ein­halb Mona­te ver­gan­gen, und der sonst ziem­lich red­se­li­ge Fran­zis­kus schweigt noch immer. Ein Papst, der aus nicht nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den kei­ne Ant­wort gibt, wenn er zu zen­tra­len Glau­bens­fra­gen um Aus­kunft und Klä­rung gebe­ten wird, wird zuneh­men­der als Last für die Kir­che emp­fun­den. Das Schwei­gen ermög­licht und för­dert einen Wild­wuchs an Spe­ku­la­tio­nen, der noch beklem­men­der ist und zeigt, wie groß die Ver­un­si­che­rung durch Amo­ris lae­ti­tia unter den Gläu­bi­gen bereits ist.

Glaubenspräfekt gab zu verstehen, daß ihm die Antwort nicht schwerfalle

Il Timone-Interview mit Kardinal Müller
Il Timo­ne-Inter­view mit Kar­di­nal Mül­ler

Die vier Kar­di­nä­le hat­ten ihre Dubia im Sep­tem­ber nicht nur dem Papst, son­dern auch Glau­bens­prä­fekt Mül­ler über­mit­telt. Die­ser gab im Herbst zu erken­nen, daß ihm eine Ant­wort — im Gegen­satz zu Fran­zis­kus — nicht schwer­fal­len wür­de, er aber ohne päpst­li­che Bewil­li­gung nicht ant­wor­ten kön­ne.

Nun hat der ehe­ma­li­ge Bischof von Regens­burg doch einen Ver­such unter­nom­men, jene „Klar­heit“ zu schaf­fen, die von den vier Kar­di­nä­len gefor­dert wird. Da der Glau­bens­prä­fekt nicht offi­zi­ell ant­wor­ten kann, wähl­te er einen inof­fi­zi­el­len Weg: Er gab dem Monats­ma­ga­zin Il Timo­ne ein Inter­view. Eine deli­ka­te Sache in einer Zeit, in der man von bestimm­ten Kir­chen­krei­sen schnell als „Papst-Geg­ner“ abge­stem­pelt wird. In dem Inter­view erwähnt der Glau­bens­prä­fekt die Dubia mit kei­nem Wort, ant­wor­tet aber genau und offen­sicht­lich mit Bedacht auf die Fra­gen der vier Kar­di­nä­le.

Müller-Interview: „Die Wahrheit ist nicht verhandelbar“

Das Inter­view mit dem Titel: “Die Wahr­heit ist nicht ver­han­del­bar“ führ­ten Chef­re­dak­teur Ric­car­do Cascio­li und Loren­zo Ber­toc­chi. Der Glau­bens­prä­fekt „spart nicht mit Sei­ten­hie­ben gegen jene Bischö­fe, die, anstatt ihren Brü­dern Füh­rer zu sein, mit ihren ‚Sophis­men‘ Gefahr lau­fen, als „Blin­de Blin­de zu füh­ren“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Ein Aus­zug aus dem Inter­view.

Il Timo­ne: Kann es einen Wider­spruch zwi­schen der Leh­re und dem per­sön­li­chen Gewis­sen geben?

Kar­di­nal Mül­ler: Nein, das ist unmög­lich. Ein Bei­spiel: Man kann nicht sagen, daß es Umstän­de gibt, in denen ein Ehe­bruch kei­ne Tod­sün­de wäre. Für die katho­li­sche Leh­re ist ein Mit­ein­an­der von Tod­sün­de und recht­fer­ti­gen­der Gna­de unmög­lich. Um die­sen absur­den Wider­spruch zu über­win­den, hat Chri­stus für die Gläu­bi­gen das Sakra­ment der Buße und der Ver­söh­nung mit Gott und der Kir­che ein­ge­setzt.

„Ich empfehle allen, die zuviel reden …“

Il Timo­ne: Über die­se Fra­ge wird rund um die Debat­te über das nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia viel dis­ku­tiert.

Kar­di­nal Mül­ler: Amo­ris lae­ti­tia ist ein­deu­tig im Licht der gesam­ten Leh­re der Kir­che zu inter­pre­tie­ren. […] Es gefällt mir nicht, das ist nicht kor­rekt, daß vie­le Bischö­fe Amo­ris lae­ti­tia auf ihre eige­ne Wei­se inter­pre­tie­ren, so wie sie die Leh­re des Pap­stes ver­ste­hen. Das geht mit der katho­li­schen Glau­bens­leh­re nicht. Das Lehr­amt des Pap­stes wird nur durch ihn selbst oder durch die Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re inter­pre­tiert. Der Papst inter­pre­tiert die Bischö­fe, nicht die Bischö­fe den Papst. Das hie­ße ja, die Struk­tur der katho­li­schen Kir­che auf den Kopf zu stel­len. Allen jenen, die zuviel reden, emp­feh­le ich zuerst die Leh­re [der Kon­zi­le] über das Papst­tum und den Epi­sko­pat zu stu­die­ren. Der Bischof, als Leh­rer des Wor­tes, muß als erster gut gebil­det sein, um nicht in Gefahr zu gera­ten, als ein Blin­der ande­re Blin­de an der Hand zu füh­ren.

„Keine Macht im Himmel und auf der Erde kann das ändern“

Il Timo­ne: Das Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio des hei­li­gen Johan­nes Paul II. sieht vor, daß Paa­re von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen, die sich nicht tren­nen kön­nen, ent­halt­sam leben müs­sen, damit sie zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen sind. Hat das noch Gül­tig­keit?

Kar­di­nal Mül­ler: Natür­lich. Das kann gar nicht geän­dert wer­den, weil es nicht nur ein posi­ti­ves Gesetz von Johan­nes Paul II. ist, son­dern – wie er es aus­ge­drückt hat – ein kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment der christ­li­chen Moral­theo­lo­gie und der Sakra­men­ten­theo­lo­gie ist. Die Ver­wir­rung in die­sem Punkt betrifft auch die feh­len­de Aner­ken­nung der Enzy­kli­ka Veri­ta­tis sple­ndor mit der kla­ren Leh­re über das „intrin­se­ce malum“. […] Für uns ist die Ehe Aus­druck der Teil­ha­be an der Ein­heit zwi­schen Chri­stus dem Bräu­ti­gam mit Sei­ner Braut der Kir­che. Das ist nicht, wie eini­ge wäh­rend der Syn­ode gesagt haben, nur eine vage Ana­lo­gie. Nein! Das ist die Sub­stanz des Sakra­ments, und kei­ne Macht im Him­mel und auf der Erde, weder ein Engel noch ein Papst noch ein Kon­zil noch ein Gesetz der Bischö­fe hat die Voll­macht, es zu ändern.

„Aufgabe der Bischöfe ist es nicht, Verwirrung zu stiften“

Il Timo­ne: Wie kann das Cha­os durch die unter­schied­li­chen Inter­pre­ta­tio­nen besei­tigt wer­den, die die­ser Pas­sa­ge von Amo­ris lae­ti­tia gege­ben wer­den?

Kar­di­nal Mül­ler: Ich lege allen nahe, nach­zu­den­ken, indem zuerst die Leh­re der Kir­che stu­diert wird, aus­ge­hend vom Wort Got­tes in der Hei­li­gen Schrift, das zur Ehe sehr klar ist. Ich wür­de auch raten, sich auf kei­ne Kasu­istik ein­zu­las­sen, die leicht Miß­ver­ständ­nis­se erzeu­gen kann, vor allem das, daß auch das Ehe­band erlö­schen wür­de, wenn die Lie­be stirbt. Das sind Sophis­men: Das Wort Got­tes ist sehr klar, und die Kir­che akzep­tiert es nicht, die Ehe zu säku­la­ri­sie­ren. Die Auf­ga­be der Prie­ster und Bischö­fe ist es nicht, Ver­wir­rung zu stif­ten, son­dern Klar­heit zu schaf­fen. Man kann sich nicht nur auf klei­ne Stel­len in Amo­ris lae­ti­tia bezie­hen, son­dern muß alles in sei­ner Gesamt­heit lesen mit dem Zweck, das Evan­ge­li­um der Ehe und der Fami­lie für die Men­schen anzie­hen­der zu machen. Nicht Amo­ris lae­ti­tia hat eine Inter­pre­ta­ti­ons-Ver­wir­rung pro­vo­ziert, son­dern eini­ge ver­wirr­te Inter­pre­ten. Alle müs­sen wir die Leh­re Chri­sti und Sei­ner Kir­che ver­ste­hen und akzep­tie­ren und zugleich bereit sein, den ande­ren dabei zu hel­fen, sie zu ver­ste­hen und auch in schwie­ri­gen Situa­tio­nen in die Pra­xis umzu­set­zen.

Es bleibt das Problem, daß Franziskus schweigt und die „blinden Führer“ unterstützt

Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster schreibt dazu: „Soweit Kar­di­nal Mül­ler, der unter die von ihm ins Visier genom­me­nen ‚ver­wirr­ten Inter­pre­ten‘ von Amo­ris lae­ti­tia zwangs­läu­fig auch die argen­ti­ni­schen Bischö­fe der Regi­on Bue­nos Aires mit­ein­be­zo­gen haben muß. Denen schrieb Fran­zis­kus aller­dings mit vol­ler Zustim­mung: ‚Das Geschrie­be­ne ist sehr gut und gibt den Sinn des VIII. Kapi­tels von Amo­ris lae­ti­tia genau wie­der. Das ist die ein­zig mög­li­che Inter­pre­ta­ti­on …“

Zu den „ver­wirr­ten Inter­pre­ten“ ist nach den Aus­füh­run­gen von Kar­di­nal Mül­ler auch Erz­bi­schof Bru­no For­te zu nen­nen, der auf päpst­li­che Wunsch hin Son­der­se­kre­tär bei­der Bischofs­syn­oden über die Fami­lie war. Der Papst-Ver­trau­te For­te gilt als Autor der umstrit­te­nen Pas­sa­gen zur Homo­se­xua­li­tät im Schluß­be­richt der ersten Syn­ode von 2014. Die Tages­zei­tung Il Sole 24 Ore ver­öf­fent­lich­te am 29. Janu­ar ein Inter­view mit For­te, in dem er Amo­ris lae­ti­tia ganz auf der Inter­pre­ta­ti­ons­li­nie von Kar­di­nal Schön­born dar­leg­te, die Papst Fran­zis­kus eben­falls als „authen­tisch“ bezeich­net hat­te.

Weni­ge Stun­den nach­dem das Inter­view von Kar­di­nal Mül­ler erschie­nen war, ver­öf­fent­lich­ten zudem die deut­schen Bischö­fe ihre Richt­li­ni­en zur Umset­zung von Amo­ris lae­ti­tia. Die­se lie­gen nicht auf der Linie von Kar­di­nal Mül­ler, son­dern auf der ent­ge­gen­ge­setz­ten Linie der Kir­chen­pro­vin­zen Bue­nos Aires und Mal­ta, die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen in „Ein­zel­fäl­len“ die Zulas­sung zu den Sakra­men­ten erlaubt.

Vertreter des „unmöglichen Widerspruchs“ berufen sich auf Papst Franziskus

Kar­di­nal Mül­ler hat recht, daß es kei­ne Auto­ri­tät gibt, die Voll­macht hät­te, das Ehe­sa­kra­ment zu ändern. Das gilt um so mehr, solan­ge Papst Fran­zis­kus nichts Gegen­tei­li­ges erklärt, was Aus­gangs­punkt für einen unge­heu­ren Kon­flikt in der Kir­che sein wür­de. Wenn das Schwei­gen des Pap­stes zu den Dubia der vier Kar­di­nä­le den­noch nicht die Linie von Kar­di­nal Mül­ler stärkt, dann aus dem ein­fa­chen Grund, daß die­ses Schwei­gen jenen Kräf­ten in der Kir­che in die Hand spielt, die „Gefahr lau­fen, Blin­de zu sein, die ande­re Blin­de füh­ren“, wie es der Glau­bens­prä­fekt for­mu­lier­te. Das Schwei­gen von Fran­zis­kus fas­sen die­se Kräf­te als päpst­li­che Auf­for­de­rung zum Han­deln im Wider­spruch zur kirch­li­chen Leh­re und Pra­xis auf. Dabei füh­len sie sich den Rücken durch Fran­zis­kus gestärkt. Das Ergeb­nis leg­ten die Bischö­fe von Mal­ta vor, die ihre „Kri­te­ri­en“, mit denen sie wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zum Kom­mu­nion­emp­fang ein­la­den, unter Beru­fung auf Papst Fran­zis­kus und Amo­ris lae­ti­tia vor­leg­ten.

Den Klar­stel­lun­gen durch Kar­di­nal Mül­ler im Inter­view mit Il Timo­ne kommt eine beson­de­re Bedeu­tung zu, weil sie Klar­heit schaf­fen. Das durch Amo­ris lae­ti­tia ent­stan­de­ne Pro­blem lösen sie nicht. Und will man dem Papst nicht unter­stel­len, er wüß­te nicht, was er tut, dann muß man – was sei­ne Inten­ti­on angeht – wohl oder übel zur Kennt­nis neh­men, daß er genau jenen „unmög­li­chen Wider­spruch“ (Kar­di­nal Mül­ler) will und för­dert, den die Bischö­fe von Bue­nos Aires, Mal­ta und Deutsch­land ver­tre­ten und damit gro­ße Ver­wir­rung in das gläu­bi­ge Volk tra­gen.

Erz­bi­schof Bru­no For­te war es, der am 2. Mai 2016 im Stadt­thea­ter von Vas­to Amo­ris lae­ti­tia prä­sen­tier­te und dabei eine bezeich­nen­de und bis heu­te unwi­der­spro­che­ne Ent­hül­lung zum Ablauf der Bischofs­syn­ode und zu den Inhal­ten des Schluß­be­richts und des nach­syn­oda­len Schrei­bens mach­te. Papst Fran­zis­kus habe ihm für die For­mu­lie­rung des Schluß­be­richts zur Kom­mu­ni­on für die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen fol­gen­den Auf­trag erteilt:

„Wenn wir aus­drück­lich von Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne spre­chen, wer weiß, was die uns dann für ein Casi­no [einen Wir­bel] machen. Wir reden des­halb nicht direkt davon. Mach es so, daß die Prä­mis­sen gege­ben sind, die Schluß­fol­ge­run­gen zie­he dann ich.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Il Timo­ne

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19 Kommentare

  1. Sei­ne Emi­nenz Kar­di­nal Mül­ler hat das Unmög­li­che ver­sucht, aber es blei­ben soz. wei­ße Stel­len oder Rest-Dubia. Er selbst hat aber mit die­sen Aus­sa­gen klar­ge­stellt, daß er die Leh­ren der Kir­che ver­tei­digt, was vor weni­gen Wochen etwas frag­lich war.
    In jedem Fal­le aber liegt der Ball jetzt ein­deu­tig bei Papst Fran­zis­kus. Er kann die Äuße­run­gen sei­nes Glau­bens­prä­fek­ten nicht igno­rie­ren und ein „Wei­ter so“ wird nicht mehr lan­ge gehen. Des­halb blei­ben für ihn 2 Mög­lich­kei­ten: end­lich die umstrit­te­nen Stel­len in AL zu „deleten“/entfernen oder sich einen ande­ren Glau­bens­prä­fek­ten zu suchen, was aber gleich­zu­set­zen wäre mit einem Ein­ge­ständ­nis, daß AL häre­ti­sche Tei­le ent­hält.

  2. „Miß­ver­ständ­nis­se …, vor allem das, daß auch das Ehe­band erlö­schen wür­de, wenn die Lie­be stirbt.“ Das ist genau jenes unsäg­li­che Reden vom „Schei­tern“ einer Ehe. Jenes angeb­li­che „Schei­tern“ ist aber eben gera­de nichts Schick­sal­haf­tes, son­dern die Ent­schei­dung der Ehe­part­ner, nicht mehr zu hof­fen.

  3. Papst Fran­zis­kus weiß, was er tut, und es kann kei­nen auch nur halb­wegs auf­merk­sa­men Beob­ach­ter über­ra­schen. Er tut, was er schon als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires tat, und er tut, was er weni­ge Woche nach sei­ner Erhe­bung auf den Stuhl Petri tat: am Oster­mon­tag griff er zum Tele­fon­hö­rer und riet einer in irre­gu­lä­rer Ehe leben­den Lands­män­nin, sich die hl. Kom­mu­ni­on, die ihr in der eige­nen Pfar­rei ver­wei­gert wur­de, in einer Nach­bar­pfar­rei rei­chen zu las­sen. Es gibt Prie­ster, die sind päpst­li­cher als der Papst, sag­te der Papst damals. Die Ansich­ten Jor­ge Ber­go­gli­os konn­ten den Kon­kla­ve-Teil­neh­mern, die ihn wähl­ten, nicht ver­bor­gen sein — wozu gäbe es sonst Per­so­nal­ak­ten?

    • In Zei­ten wo es selbst der Papst mit der katho­li­schen Glau­bens­leh­re nicht mehr so genau nimmt, ist es für die Prie­ster nicht schwer, „päpst­li­cher als der Papst“ zu sein. Was im Übri­gen nur eine bil­li­ge Phra­se von Moder­ni­sten ist und sug­ge­rie­ren soll, der Papst wis­se schon was er tue und wäre unfehl­bar. Soviel zu „päpst­li­cher als der Papst“.

  4. Es tut mir leid, aber mir ist es nicht gege­ben, die­ses Inter­view als Ant­wort auf die Fra­gen zu begrei­fen, die die Kar­di­nä­le um Kar­di­nal Bur­ke gestellt haben. — Eine Ant­wort ist auch nicht mög­lich, denn die Bezeich­nung „der ande­re Ehe­part­ner“ in Amo­ris Lae­ti­tia ist mit der Leh­re der Kir­che nicht in Über­ein­stim­mung zu brin­gen.

  5. Noch zur Ergän­zung:
    Wür­de Kar­di­nal Mül­ler offen sagen, daß AL die Leh­re ändert, hät­te er qua­si ver­lo­ren und hät­te nichts erreicht. Dort oben wird wohl anders gefoch­ten als bei nor­ma­len Leu­ten. So aber berei­tet er den­je­ni­gen, die AL zur Ände­rung der Pra­xis benut­zen, eine Men­ge Kopf­weh.
    Kar­di­nal Mül­ler wirft kei­ne „Dubia“ auf, son­dern sagt offen, daß AL an der Leh­re nichts ändert. Damit setzt er eine Weg­mar­ke für jetzt und die Zukunft.
    Wenn der Papst Kar­di­nal Mülller‚s Wor­te demen­tie­ren oder kor­ri­gie­ren wür­de, dann wür­de er sich zur Häre­sie beken­nen. Und wenn er sie nicht kor­ri­giert, sind etli­che Bischö­fe- wie auch die deut­schen- im Unrecht.

    • Das zu sagen, soll nicht hei­ßen, daß die 4 Kar­di­nä­le nicht den­noch auf den Dubia und kla­ren Ant­wor­ten dar­auf behar­ren sol­len.
      Kar­di­nal Mül­ler macht hohe Kir­chen­po­li­tik, aber die 4 Kar­di­nä­le haben das Recht und die Pflicht, von Papst Fran­zis­kus Ant­wor­ten auf die Dubia zu bekom­men und das im Inter­es­se aller Gläu­bi­gen. Es kann so nicht mehr lan­ge wei­ter­ge­hen. Ohne die Dubia wären Kar­di­nal Müller‚s eige­ne, soz. halb­of­fi­zi­el­len Ein­las­sun­gen so sicher­lich nicht zustan­de gekom­men.

  6. Kard. Ger­hard Mül­ler erin­nert mich in die­sen Mona­ten immer mehr an Lamo­ral Graf von Egmont (und wenn man möch­te, auch an den gra­fen von Hoor­ne):
    in den Pro­te­sten der Nie­der­lan­den zu dem spa­ni­schen Bewind unter König Phil­ipp II sag­ten bei­de Her­ren zu Wil­helm, Prin­zen von Ora­ni­en, wenn die­ser sich ver­ab­schie­de­te vom Hofe um den Kampf aus­wärts auf­zu­neh­men: „Lebe wohl, Prinz ohne Land“; wor­auf Ora­ni­en ripo­stier­te: „Lebt wohl, Grä­fe ohne Kopf!“.
    Bei­de Her­ren wur­den ent­haup­tet, noch schlim­mer: ihre Fami­li­en ver­folgt, drang­sa­liert und der Besitz unter Seque­ster gestellt.
    Mut ist eine sel­te­ne Tugend in der Kir­che; und vie­le Hir­ten han­tie­ren lie­ber den Knüp­pel um Unter­ge­be­ne zu ver­dre­schen, als daß sie tap­fer („franc“, frei­mü­tig) spre­chen und han­deln.

    Eine Frau, eine Bene­dik­ti­ne­rin, Soeur Fran­coi­se Emma­nu­el v.d. Abbaye de Venière (Fr), hat eine wun­der­schö­ne Post­kar­te gemalt mit einer klei­nen Non­ne auf einem lang­haa­ri­gen brau­nen Zie­gen­bock rei­tend, um in Galopp über einen Abgrund zu sprin­gen um ein ver­irr­tes Schaf zu ret­ten:
    „Wag es!- Denn das Mög­li­che ist immer…ein sehr klei­ner Schritt nach dem Unmög­li­chen“.
    Es ist kein Wun­der, daß bei dem kläg­li­chen Ver­sa­gen so vie­ler hohen Her­ren, gera­de eine ein­fa­che Reli­giö­se das Wich­tig­ste sagt.

    • Der Zie­gen­bock scheint mir in die­ser Kari­ka­tur aber nicht das geeig­ne­te Reit­tier für eine Ret­tung zu sein, ist er doch in der theol. Sym­bo­lik sehr nega­tiv besetzt. Eine Non­ne auf einem Esel rei­tend wür­de mir dabei per­sön­lich bes­ser gefal­len. Aber die Geschmäcker sind ver­schie­den.

      • Geehr­te @Pia,
        Auch bei streng­ster Beob­ach­tung kann ich bei die­sem Bild etwas Anstößiges/Verdächtiges fin­den.
        Es ist kei­ne Kari­ka­tur, son­dern eine stil­voll gemal­te Post­kar­te in rei­nen Farb­tö­nen:
        eine freund­lich lächeln­de Son­ne, eine Schaf­her­de auf einer Berg­wei­de, ein Fels­spalt, ein ver­lo­re­nes Schäf­chen getrennt auf der ande­en Sei­te des Abgrunds;
        und dann die jun­ge hüb­sche Schwe­ster in Habit auf einer beden­ken­vol­le und augen­weiß­zei­gen­de lang­haa­ri­gen Zie­ge Tog­gen­bur­ger Art; ein sehr humo­ri­sti­sches Bild.
        Es ist übri­gens eine Zie­ge, kein Bock, wie von mir irr­tüm­lich geschrie­ben (das abge­bil­de­te euter ist wie immer bei Toggenburger(inne)n schlecht zu sehen, und Hörer und einen Bart haben die alle.
        Etwas Mil­de soll­ten Sie trotz­dem bei Zie­gen und Böcken wal­ten las­sen:
        es war die klas­si­sche Anti­ke, die Zeus von Zie­gen­milch ernäh­ren ließ und Pan mit Bocks­at­tri­bu­ten aus­stat­te­te;
        und das Mit­tel­al­ter, daß der stren­ge inten­si­ve Geruch der Böcke, der wech­sel­haf­te („kapri­ziö­se“) Cha­rak­ter und der star­ke Geschlechts­trieb der Böcke mit dem Teu­fel asso­zie­ren ließ.
        Ver­ges­sen soll­ten Sie jedoch nicht, daß es auch Geschöp­fe des Herrn sind, und daß Zie­gen auch dort vor­kom­men und über­le­ben, wo ande­re Haus­tie­re nicht über­le­ben kön­nen, und daß sie, als „Kuh des klei­nen Man­nes“ unend­lich vie­le Men­schen vom Hun­ger und Krank­heit und auch Tod geret­tet haben.
        In armen und schwie­ri­gen Zei­ten für Deutsch­land schrieb ein land­wirt­schaft­li­cher Autor (Scha­per 1934): „Die Zie­ge ist der Son­nen­schein der Werk­tä­ti­gen“.
        Esel sind übri­gens auch sehr net­te Tie­re.
        Es war auch das Reit­tier der Köni­ge Isra­els.
        Nu: eher lang­sam und wenig sprung­haft (Hl. Anto­ni­us von Padua). Inso­weit paßt die Tog­gen­bur­ger Zie­ge gut zu der fran­zö­si­schen „Schwe­ster Robu­sta“ 🙂

        • Nun, wenn es sich dabei um eine Zie­ge und kei­nen Bock han­delt, dann ist ja alles in bester Ord­nung! Man muss folg­lich schon über etwas Insi­der­wis­sen ver­fü­gen, um das Bild rich­tig inter­pre­tie­ren zu kön­nen. Des­halb dan­ke für Ihre nähe­ren Aus­füh­run­gen, die mich sehr amü­siert haben. Man merkt, dass bei Ihnen die Künst­ler­see­le mit­schwingt!

  7. … sieht das die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz anders als Kar­di­nal Mül­ler. Wun­dert mich, dass dar­über hier noch nichts zu lesen ist.

    • Sie soll­ten, wenn Sie etwas unchrist­li­ches gut­hei­ßen, nicht „Gott sei Dank schrei­ben“. Das ist Got­tes­lä­ste­rung. Des­halb wur­den die­se Wor­te ent­fernt.

      Wie Sie unschwer im Titel die­ses Online­ma­ga­zin lesen kön­nen, heißt es Katho­li­sches, nicht Häre­ti­sches. Nicht alles was deut­sche Bischö­fe ent­ge­gen der katho­li­sche Leh­re ver­öf­fent­li­chen und unter­neh­men wird von uns auto­ma­tisch the­ma­ti­siert. Was von dem jüng­sten von Ihnen ange­spro­che­nen Ärger­nis zu hal­ten ist haben wir hier the­ma­ti­siert:

      https://www.katholisches.info/2017/01/31/katholiken-schreiben-bischoefen-von-malta-offenen-brief-ihr-habt-erlaubt-dass-christus-nochmals-gekreuzigt-wird/

      Die Ehe ist ein Sar­kra­ment und es gilt: „Bis der Tod Euch schei­det“!

      „Was aber Gott ver­bun­den hat, das darf der Mensch nicht tren­nen.“ (Mk 10,9) Unter Beru­fung auf den ursprüng­li­chen Wil­len des Schöp­fers hob Jesus damit die Dul­dung der Ehe­schei­dung im Alten Bund auf.

      Wer dem­nach als soge­nann­ter Wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner (Wie kann ein Ver­hei­ra­te­ter, ein Wie­der­ver­hei­ra­te­ter sein?) die Kom­mu­ni­on emp­fängt, han­delt schwer sünd­haft:

      Wann emp­fängt man die hei­li­ge Kom­mu­ni­on unwür­dig? Man emp­fängt die hei­li­ge Kom­mu­ni­on unwür­dig, wenn man wis­sent­lich mit einer Tod­sün­de kom­mu­ni­ziert.

      Wer unwür­dig kom­mu­ni­ziert, begeht eine sehr schwe­re Sün­de, einen Got­tes­raub. Er tut, als ob er den Hei­land lie­be, aber die Lie­be ist nicht in ihm. Damit wird sei­ne Kom­mu­ni­on zu einer schreck­li­chen Lüge vor Gott und den Men­schen. Er bekommt kei­ne Kom­mu­ni­ongna­den. (Bas­ler Kate­chis­mus, 1947).

      Statt, daß die deut­schen Bischö­fe See­len ret­ten, for­dern sie die soge­nann­ten Wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen nicht nur auf in der Tod­sün­de wei­ter­zu­le­ben, son­dern die näch­ste Tod­sün­de (Got­tes­raub) zu prak­ti­zie­ren.

      Beten wir für unse­ren Papst: https://www.katholisches.info/gebete/gebet-fur-den-heiligen-vater/ und für unse­ren Bischof:

      https://www.katholisches.info/gebete/gebet-fur-unseren-bischof/

    • Die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz über­schätzt ihre Bedeu­tung in der Welt­kir­che. — Und die Deut­schen habe ganz all­ge­mein Ten­denz, sich zu wich­tig zu neh­men. Typisch ist es doch auch, dass sie unter Öku­me­ne nahe­zu aus­schließ­lich die Öku­me­ne zwi­schen der Katho­li­schen Kir­che und der EKD ver­ste­hen.

    • @Corniela Holt­mann
      Ich den­ke nicht, dass die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz ihre Bedeu­tung über­schätzt. Die Deut­schen sind mit ihren Theo­lo­gen und Phi­lo­so­phen seit Jahr­zehn­ten, wenn nicht Jahr­hun­der­ten, ganz zuvor­derst im Angriff auf die katho­li­sche Kir­che (von Luther noch ganz zu schwei­gen).
      Die Instal­la­ti­on eines libe­ra­len Pap­stes wur­de von deut­schen Bischö­fen über meh­re­re Jahr­zehn­te geplant und führ­te nach dem Schei­tern in der Kon­kla­ve 2005 im Jahr 2013 zum Erfolg.

      • @ Pace
        Ich hat­te an die vie­len wirk­lich Gläu­bi­gen gedacht, die vie­len Chri­sten in aller Welt, die vol­ler Ent­set­zen die Ent­wick­lun­gen in Rom betrach­ten. Die habe ich als die „Welt­kir­che“ begrif­fen, und auf deren Den­ken haben die deut­schen Bischö­fe eben kei­nen Ein­fluss.

        Uner­träg­lich ist, dass sie eben Ein­fluss auf die Füh­rungs­ebe­ne der Kir­che haben. Und da haben Sie ganz recht: Hier ist ihr Ein­fluss erschreckend groß. Wie furcht­bar muss es für Kar­di­nä­le wie Bur­ke, wie Sarah und vie­le groß­ar­ti­ge ande­re sein, hilf­los das Trei­ben von Kas­per, Leh­mann und Schön­born mit­an­se­hen zu müs­sen.

        • @ Pace und Cor­ne­lia Holt­mann, Es gibt, was die Bedeu­tung angeht unter­schied­li­che Recep­tio­nen. Theo­lo­gisch, da gebe ich Ihnen sehr geehr­te Frau Holt­mann recht, über­schätzt sich die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz total. Schmerz­lich muss ich beken­nen, dass ich zur Ansicht gelangt bin, dass ein gro­ßer Teil der deut­schen Bischö­fe im Zustand der Hae­re­sie sind. Aber sie wis­sen nicht, was sie tun. So groß ist die Ver­wir­rung. Die jüng­ste Stel­lung­nah­me zu A.L. ist ein aktu­el­ler Beweis für mei­ne Befürch­tung der Hae­re­sie.
          Mate­ri­ell sieht die Beur­tei­lung ganz anders aus. Durch die deut­sche Kir­chen­steu­er und die Spen­den­freu­dig­keit der Rest­gläu­bi­gen kön­nen die deut­schen Bischö­fe in der Welt­kir­che viel Geld ver­tei­len und sich eine Repu­ta­ti­on ver­schaf­fen, die ihnen theo­lo­gisch nie zukom­men wür­de.

          • @ Hans
            Das haben Sie sehr tref­fend dar­ge­legt. Ob sie nicht wis­sen, was Sie tun? — Ich weiß es nicht, denn die Häre­sie ist für jeden mit Hän­den zu grei­fen. Ich den­ke, dass die Bischö­fe und Kar­di­nä­le ihren Glau­ben zum Teil schon ver­lo­ren haben. Als her­aus­ra­gen­de Theo­lo­gen kön­nen sie auch kei­ne Aner­ken­nung erfah­ren. Und da muss der bil­li­ge Bei­fall der Welt für kur­ze Zeit das Gefühl der Lee­re und der Min­der­wer­tig­keit fül­len. Und die­ser Tat­sa­che sind sich eini­ge Bischöfe/Kardinäle schon bewusst.

          • Unse­re Bischö­fe sind noch immer der Mei­nung, dass die theo­lo­gi­sche Basis aller ihrer Kir­chen­re­form­plä­ne, wie sie in der Ful­da­er Herbst­kon­fe­renz 2010 beschlos­sen wor­den sind, rich­tig ist, und damit auch alle Ablei­tun­gen Kar­di­nal Kas­pers, auf die man sich unter jesui­ti­scher Regie auf der Hil­des­hei­mer Früh­jahrs­kon­fe­renz 2015 ein­ge­las­sen hat­te. Man ist bis heu­te nicht bereit, sich mit dem Gedan­ken ver­traut zu machen, dass die theo­lo­gi­sche Grund­la­ge Kar­di­nal Kas­pers für alle sei­ne Rela­ti­vie­run­gen der Leh­re der Kir­che, der ursprüng­lich pro­te­stan­ti­schen Kon­sens über die Spät­da­tie­rung der Evan­ge­li­en und wei­te­rer 16 Schrif­ten des Neu­en Testa­ments, falsch sein könn­te. Dem ist aber so, und damit sind alle wei­ter­rei­chen­den Annah­men und Ablei­tun­gen Kar­di­nal Kas­pers aus der libe­ra­len Theo­lo­gie und ihrer unsäg­li­chen Leben-Jesu-For­schung, mit der er Papst Fran­zis­kus im Vor­feld der Fami­li­en­syn­oden für sich gewon­nen hat­te, falsch.
            Seit Jahr­zehn­ten behaup­ten die histo­risch-kri­ti­schen Spät­da­tie­rer, dass erst nach der Tem­pel­zer­stö­rung zwi­schen 70 und 100 münd­lich umher­ir­ren­des, dabei bereits ver­än­der­tes Jesus­ma­te­ri­al von unbe­kann­ten Ver­fas­sern zu unbe­kann­ten Zei­ten unter fal­schen Namen in unbe­kann­ten Gemein­den, unab­hän­gig von­ein­an­der gesam­melt, geord­net, erwei­tert, zum Teil aus dem Alten Testa­ment her­aus­ge­spon­nen, mytho­lo­gisch über­formt, an den Zeit­geist ange­passt und end­lich zu vier Evan­ge­li­en ver­schrif­tet wor­den ist, in Gesell­schaft mit wei­te­ren 16 Schrif­ten eben­so unbe­kann­ter Her­kunft, alles geschrie­ben von Gemein­de­theo­lo­gen, die nie­mand gese­hen und gekannt hat und die unre­flek­tiert von Juden und Hei­den, wie­der spur­los im Dun­kel der Geschich­te ver­schwun­den sind.
            Berech­net man aber die mathe­ma­ti­sche Wahr­schein­lich­keit des gleich­zei­ti­gen Ein­tref­fens all die­ser Fak­to­ren zwi­schen den Jah­ren 70 und 100, so erhält man einen Wert von 1:1000000000 (in Wor­ten: eins zu 1 Mil­li­ar­de). Das heißt: Wenn die Spät­da­tie­rung der Evan­ge­li­en nach der mathe­ma­ti­schen Wahr­schein­lich­keit nur zu einem Mil­li­ard­stel rich­tig sein kann, muss die histo­risch-kri­ti­sche Hypo­the­se von der Spät­da­tie­rung nach mensch­li­chem Ermes­sen falsch sein und damit alles, was aus ihr abge­lei­tet wird.
            Damit bleibt rich­tig, dass die von Jesus Chri­stus geof­fen­bar­te und in den Evan­ge­li­en apo­sto­lisch bezeug­te Wahr­heit Got­tes in mensch­li­cher Spra­che, gesi­chert im geist­ge­lei­te­ten Lehr­amt der Kir­che, nicht aus jeder­zeit rela­ti­vier­ba­ren Wor­ten von Men­schen besteht, son­dern für die römisch-katho­li­sche Kir­che als Wort Got­tes nach wie vor unre­la­ti­vier­ba­re Ver­bind­lich­keit besitzt – auch für die katho­li­schen Bischö­fe in Deutsch­land.

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