Der Vater hatte Asia Bibi verteidigt und wurde von Islamisten ermordet – Fatwa verhängt nun Todesurteil gegen Sohn: „Er hat ‚Frohe Weihnachten‘ gewünscht“

Bereits sein Vater wurde wegen Verteidigung der Christin Asia Bibi ermordet. Nun wurde von Islamisten auch gegen den Sohn eine Fatwa erlassen, mit der seine Ermordung gefordert wird. Er hatte vor wenigen Tagen "allen Frohe Weihnachten" gewünscht, sich mit Asia Bibi solidarisiert und das pakistanische Anti-Blasphemiegesetz als "unmenschlich" kritisiert. Seither muß er um sein Leben bangen. Shaan Taseer auf dem Bild 2015 bei einer Kundgebung für Asia Bibi und ein gerechtes Urteil gegen den Mörder seines Vaters.
Bereits sein Vater wurde wegen Verteidigung der Christin Asia Bibi ermordet. Nun wurde von Islamisten auch gegen den Sohn eine Fatwa erlassen. Er hat "allen Frohe Weihnachten" gewünscht und sich mit Asia Bibi solidarisiert. Seither muß er um sein Leben bangen. Bild: Shaan Taseer (Mitte) 2015 bei einer Kundgebung für Asia Bibi und zum Gedenken an seinen Vater.

(Islam­abad) Sein Vater, Sal­man Taseer, ein sun­ni­ti­scher Mus­lim, war Gou­ver­neur des Pun­jab. 2011 wur­de er von Dschi­ha­di­sten ermor­det, weil er Asia Bibi öffent­lich in Schutz genom­men und das paki­sta­ni­sche Anti-Blas­phe­mie­ge­setz kri­ti­siert hat­te. Nun befin­det sich sein Sohn, Shaan Taseer, sun­ni­ti­scher Mus­lim wie sein Vater, unter Blas­phe­mie-Ankla­ge und muß um sein Leben fürch­ten.

Im Juni 2009 wur­de die Katho­li­kin und fünf­fa­che Mut­ter Asia Bibi im Pun­jab unter dem Vor­wurf ver­haf­tet, Allah und Moham­med gelä­stert zu haben. In Itt­an­wa­li, dem Hei­mat­ort Asia Bibis leben nur zwei christ­li­che Fami­li­en.

Inzwi­schen befin­det sich Bibi seit sie­ben­ein­halb Jah­ren im Gefäng­nis. Im Novem­ber 2010 wur­de sie als erste Frau Paki­stans nach dem 1987 ein­ge­führ­ten Anti-Blas­phe­mie­ge­setz zum Schutz des Islams zum Tod durch den Strang ver­ur­teilt. Das Urteil wur­de noch nicht voll­streckt. Gegen das Urteil wur­de von der Fami­lie Beru­fung ein­ge­legt, die vom Ober­sten Gerichts­hof zur Behand­lung ange­nom­men wur­de. Eine Ent­schei­dung steht noch aus.

Wäh­rend es inter­na­tio­na­len Druck auf Paki­stan gibt, Asia Bibi frei­zu­las­sen, fürch­tet die paki­sta­ni­sche Regie­rung für die­sen Fall isla­mi­sti­sche Revol­ten und schwe­re inne­re Unru­hen. Der inter­na­tio­na­le Druck ist nicht beson­ders mas­siv, da Paki­stan ein west­li­cher Ver­bün­de­ter in der Regi­on ist, und die Gefahr einer Desta­bi­li­sie­rung des Lan­des mit mög­li­cher Macht­über­nah­me durch die Isla­mi­sten in den west­li­chen Regie­rungs­kanz­lei­en als eben­so rea­li­stisch wie uner­wünscht ein­ge­stuft wird.

Die Ermordung von Salman Taseer und Shahbaz Bhatti

Gou­ver­neur Sal­man Taseer wur­de am 4. Janu­ar 2011 wegen sei­ner Aus­sa­ge zum Fall Asia Bibi in Islam­abad von einem Ange­hö­ri­gen sei­ner Leib­wa­che ermor­det. Sein Mör­der, Malik Mum­taz Hus­sein Qadri, wird von den Isla­mi­sten als Volks­held gefei­ert. Sei­ne Pisto­le, mit der er Taseer erschoß, wur­de ver­gol­det.

Asia Bibi befindet sich seit siebeneinhalb Jahren im Gefängnis
Asia Bibi befin­det sich seit sie­ben­ein­halb Jah­ren im Gefäng­nis

Kurz nach ihm wur­de aus dem­sel­ben Grund ein wei­te­rer hoch­ran­gi­ger, paki­sta­ni­scher Poli­ti­ker, der Katho­lik und Bun­des­mi­ni­ster für die reli­giö­sen Min­der­hei­ten Shah­baz Bhat­ti, ermor­det. Auf dem Weg in sein Mini­ste­ri­um wur­de Bhat­ti von einem isla­mi­sti­schen Kom­man­do erschos­sen. Die Täter wur­den nicht gefaßt.

Bhat­ti war das ein­zi­ge christ­li­che Regie­rungs­mit­glied Paki­stans. Er hat­te eini­ge Mona­te vor sei­ner Ermor­dung ein „gei­sti­ges Testa­ment“ ver­faßt. Dar­in äußer­te er eine Vor­ah­nung, wegen sei­nes christ­li­chen Glau­bens getö­tet zu wer­den. Eine für ihn errich­te­te Gedenk­stät­te wur­de im März 2013, kurz nach sei­nem zwei­ten Todes­tag, von Isla­mi­sten geschän­det.

Nun steht Sal­man Taseers Sohn, Shaan Taseer, wegen des­sel­ben berüch­tig­ten Geset­zes vor Gericht. Sei­ne Schuld? Er wünsch­te vor kur­zem „allen Fro­he Weih­nach­ten“.

Laut Anzei­ge der Poli­zei sei am 30. Dezem­ber vor einer Poli­zei­sta­ti­on im Pun­jab ein USB-Stick gefun­den wor­den. Dar­auf ist ein Video gespei­chert, das Shaan Taseer zeigt, wie er sich „über ein Reli­gi­ons­ge­setz lustig macht“, gemeint ist das Anti-Blas­phe­mie­ge­setz. Es ist nicht bekannt, wer das Video auf­ge­nom­men und wer den USB-Stick der Poli­zei zuge­spielt hat. Shaan Taseer wur­de von der Poli­zei zur Anzei­ge gebracht.

Wie aber hat sich Taseer „über ein Reli­gi­ons­ge­setz lustig gemacht“? Der jun­ge Mann wünscht auf dem Video „allen Fro­he Weih­nach­ten“ und bringt sei­ne Soli­da­ri­tät mit Asia Bibi zum Aus­druck. Das Anti-Blas­phe­mie­ge­setz bezeich­net er dabei als „unmensch­lich“. Nun muß er sich selbst wegen die­ses „unmensch­li­chen“ Geset­zes vor Gericht ver­ant­wor­ten.

Fatwa einer Islamistengruppe

Gedenken an den ermordeten Salman Taseer
Geden­ken an den ermor­de­ten Sal­man Taseer

Die Isla­mi­sten­grup­pe Teh­reek Laba­ik Ya Raso­ol Allah erließ inzwi­schen eine Fat­wa, mit der Shaan Taseer wegen sei­ner Aus­sa­gen für todes­wür­dig erklärt und zu sei­ner Ermor­dung auf­ge­for­dert wur­de. „Er hat mit sei­ner Läste­rung Allahs und des Pro­phe­ten alle Gren­zen über­schrit­ten“, heißt es in der Fat­wa.

Taseer ver­öf­fent­lich­te das gegen ihn aus­ge­spro­che­ne isla­mi­sche Todes­ur­teil und die gegen ihn gerich­te­te Anzei­ge der Poli­zei auf Face­book mit den Wor­ten: „Sie sagen ihren Anhän­gern, einen zwei­ten Mum­taz Qadri vor­zu­be­rei­ten“. Mum­taz Qadri ist der Mör­der von Taseers Vater. Er wur­de vor kur­zem durch den Strang hin­ge­rich­tet, wäh­rend ihn die Isla­mi­sten als ihren „Hel­den“ fei­ern.

Der­zeit hält sich Shaan Taseer sicher­heits­hal­ber im Aus­land auf. Sein Auf­ent­halts­ort wird geheim­ge­hal­ten.

„Sie haben mei­ne Ermor­dung gefor­dert. Das ist kein Scherz. Und das alles wegen Weih­nachts­glück­wün­schen. Dan­ke, Poli­zei des Pun­jab, und Fro­he Weih­nach­ten auch dir.“

Taseers Sor­gen sind durch­aus begrün­det. Wozu die Isla­mi­sten imstan­de sind, muß­te er durch den Ver­lust sei­nes Vaters haut­nah erle­ben. Eine Ankla­ge wegen Blas­phe­mie kommt in Paki­stan einem fak­ti­schen Todes­ur­teil gleich. Die Isla­mi­sten war­ten nicht auf die Rich­ter. Ange­klag­te wer­den meist noch vor dem Pro­zeß, auf dem Weg ins Gericht oder im Gerichts­saal ermor­det, wie der paki­sta­ni­sche Men­schen­rechts­ak­ti­vist Jibran Nasir erklärt:

„Der Blas­phe­mie ange­klagt zu wer­den, ist, als wür­de man einem eine Ziel­schei­be auf den Rücken malen: Die­se Fana­ti­ker kön­nen Leu­te bewe­gen, dich über­all zu fin­den.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asianews/PakistanTV (Screen­shots)

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