Die „Knoten“ des Hirten Bergoglio — Neuer Dualismus: Seelsorge für Papst, Lehre für Glaubenspräfekten?

Papst Franziskus mit Kardinal Gerhard Müller
Papst Franziskus mit Kardinal Gerhard Müller

Wäh­rend der Papst seit sei­ner Wahl unter stän­di­ger Beob­ach­tung steht und die­se Auf­merk­sam­keit auf sei­ne ganz eige­ne Art und Wei­se nützt, ist sein Leben als Mario Jor­ge Ber­go­glio noch nicht so bekannt und teil­wei­se wenig beleuch­tet. Argen­ti­ni­en ist eben weit. Zudem muß ein Katho­lik nicht unbe­dingt das Vor­le­ben eines Pap­stes kennen.

Die Jahre als Ordensprovinzial und seine ordensinterne Ausgrenzung

Eine gan­ze Rei­he von Büchern sind erschie­nen und noch viel mehr wer­den fol­gen. Ihre Qua­li­tät ist unter­schied­lich. Eini­ge erhel­len ein­zel­ne Details. Dazu gehört etwa das Buch „Die Ber­go­glio-Liste“ (La lista di Ber­go­glio) des Jour­na­li­sten Nel­lo Sca­vo über die Ret­tung von Regime­geg­nern wäh­rend der Mili­tär­dik­ta­tur in Argen­ti­ni­en durch den dama­li­gen Jesuitenprovinzial.

Den­noch ist ins­ge­samt noch wenig über die sechs Jah­re bekannt, die Ber­go­glio 1973 bis 1979 Pro­vin­zi­al der argen­ti­ni­schen Pro­vinz sei­nes Ordens war. Dabei geht es auch um die wirk­li­chen Grün­de, die zu sei­ner Aus­gren­zung inner­halb der Pro­vinz und des Ordens führ­ten und schließ­lich zu sei­ner Straf­ver­set­zung in die tief­ste argen­ti­ni­sche Pro­vinz nach Cor­do­ba als Spi­ri­tu­al. Eine Äch­tung unter Jesui­ten, die erst durch Papst Johan­nes Paul II. durch­bro­chen wur­de, als er ihn 1992 zum Weih­bi­schof von Bue­nos Aires ernannte.

Studienaufenthalt in Deutschland von Ordensoberen angeordnet?

Eine offe­ne Fra­ge ist auch Ber­go­gli­os Deutsch­land-Auf­ent­halt im Jahr 1986. Offi­zi­ell heißt es in der Bio­gra­phie des Vati­kans, um sei­ne Dis­ser­ta­ti­on fer­tig­zu­stel­len und zu pro­mo­vie­ren. Dazu ist es aber nie gekom­men. Ber­go­gli­os Auf­ent­halt in Deutsch­land beschränk­te sich auf weni­ge Mona­te. Mit sei­ner Dis­ser­ta­ti­on scheint er sich in die­ser Zeit nicht wirk­lich befaßt zu haben.

Als er im März 1986 in Frank­furt am Main ankam, bestand die Absicht, wie von der Jesui­ten­hoch­schu­le Sankt Geor­gen bestä­tigt wird, eine Arbeit über den gro­ßen deut­schen Theo­lo­gen Roma­no Guar­di­ni zu ver­fas­sen. Von ihm hat­te der ehe­ma­li­ge Jesui­ten­pro­vin­zi­al, bei sei­ner Ankunft in Deutsch­land schon 49 Jah­re alt, vor allem zwei Schrif­ten gele­sen, in spa­ni­scher Über­set­zung. Eine war „Der Gegen­satz“, mit dem spa­ni­schen Titel Con­trast­eidad, die sich sehr kri­tisch mit Hegel und der mar­xi­sti­schen Dia­lek­tik auseinandersetzt.

Magi­ster äußert inzwi­schen die Ver­mu­tung, daß der gan­ze Deutsch­land-Auf­ent­halt weni­ger ein Wunsch Ber­go­gli­os war, als viel­mehr eine Anwei­sung sei­ner Obe­ren im Jesui­ten­or­den. Das erklärt auch, daß die Dis­ser­ta­ti­on nie über die Pla­nungs­pha­se hin­aus­kam und nach weni­gen Mona­ten abge­bro­chen wurde.

Magi­ster ver­weist in die­sem Zusam­men­hang auch auf Ber­go­gli­os auto­bio­gra­phi­sches Inter­view­buch „El Jesui­ta“. Dar­in schil­dert der heu­ti­ge Papst, daß er sich, wann immer er in Deutsch­land ein Flug­zeug auf­stei­gen sah, vor­stell­te, selbst drin­nen zu sit­zen, um nach Argen­ti­ni­en zurückzukehren.

Das Gnadenbild Maria Knotenlöserin von Augsburg

Maria Knotenlöserin: Verehrung von Jorge Mario Bergoglio, dem heutigen Papst Franziskus nach Argentinien gebracht
Maria Kno­ten­lö­se­rin: Ver­eh­rung von Jor­ge Mario Ber­go­glio, dem heu­ti­gen Papst Fran­zis­kus nach Argen­ti­ni­en gebracht

Den Auf­ent­halt an Rhein und Main nütz­te der Argen­ti­ni­er, um die Jesui­ten­nie­der­las­sun­gen in Deutsch­land ein biß­chen ken­nen­zu­ler­nen. So kam er auch nach Augs­burg, wo es seit 1954 in St. Peter am Per­lach eine Jesui­ten­ge­mein­schaft gibt. In der dor­ti­gen Kir­che ent­deck­te Ber­go­glio das Gna­den­bild von Maria Kno­ten­lö­se­rin. Das barocke Bild von Johann Georg Mel­chi­or Schmidt­ner stammt aus dem Jahr 1700. Das Gna­den­bild zeigt die auf einer Mond­si­chel ste­hen­de Got­tes­mut­ter Maria mit Ster­nen­kranz, von Engeln umge­ben, vom Hei­li­gen Geist in Form einer Tau­be über­schwebt, wie sie die Kno­ten eines lan­gen Ban­des löst und zugleich mit dem Fuß den Kopf einer „ver­kno­te­ten“ Schlan­ge zer­tritt. Die Kno­ten stel­len die Pro­ble­me, Schwie­rig­kei­ten und Sün­den im Leben eines Men­schen dar. Und Maria ist jene, die Zuflucht und Hil­fe ist, wenn der Mensch mit sei­nen „Kno­ten“ im Leben nicht mehr wei­ter weiß.

Die Dar­stel­lung hat­te es dem Jesui­ten Ber­go­glio ange­tan. Als er bald dar­auf nach Argen­ti­ni­en zurück­keh­ren konn­te, nahm er eine grö­ße­re Anzahl von Kar­ten mit der Dar­stel­lung der Kno­ten­lö­se­rin von Augs­burg mit. Die Begeg­nung mit dem Gna­den­bild und der Anru­fung Mari­ens als Kno­ten­lö­se­rin scheint den von Heim­weh geplag­ten Ber­go­glio etwas mit Deutsch­land ver­söhnt und sei­nem Auf­ent­halt eine neue, uner­war­te­te Wen­dung gege­ben zu haben.

Die Dis­ser­ta­ti­on war schnell und nun end­gül­tig ver­ges­sen und auch Roma­no Guar­di­ni hin­ter­ließ, wie es scheint, kei­ne blei­ben­den Ein­drücke. Wie Magi­ster bereits vor kur­zem auf­merk­sam mach­te, erwähn­te ihn Papst Fran­zis­kus in sei­nem Civil­tà  Cat­to­li­ca-Inter­view nicht, als er über die Autoren sprach, die ihn geprägt haben und ihm beson­ders wich­tig sind. Auch sonst hat er Guar­di­ni noch nie genannt.

Die Verehrung der Knotenlöserin in Argentinien

Durch den Deutsch­land-Auf­ent­halt brach­te Ber­go­glio die Ver­eh­rung von Maria Kno­ten­lö­se­rin nach Argen­ti­ni­en. Als er bereits Weih­bi­schof von Bue­nos Aires war, gab er eine Kopie des Gna­den­bil­des von Per­lach in Auf­trag und schenk­te es einer Pfar­rei im Bar­rio de Agro­no­mia, einem Stadt­teil von Bue­nos Aires. Altes Jesui­ten­land, das dem Orden nach der Auf­he­bung im 18. Jahr­hun­dert von der Regie­rung genom­men wurde.

In der Pfar­rei begann das Bild der Maria „desa­ta­nu­dos“ immer mehr Gläu­bi­ge anzu­zie­hen. Inner­halb weni­ger Jah­re eta­blier­te sich eine Wall­fahrt zum Gna­den­bild aus ganz Bue­nos Aires und auch von wei­ter her, die an jedem 8. Tag des Monats stattfindet.

„Nie fühl­te ich mich mehr als Instru­ment in der Hand Got­tes als jenes Mal“, ver­trau­te Ber­go­glio Pater Fer­nan­do Albis­tur, einem Mit­bru­der im Jesui­ten­or­den an, der sein Schü­ler war. Pater Albis­tur unter­rich­tet heu­te Bibli­sche Theo­lo­gie am Cole­gio Maxi­mo von San Miguel in Bue­nos Aires. Er gehört zu den 20 Freun­den Ber­go­gli­os, zehn Jesui­ten und zehn Lai­en, die Ale­jan­dro Ber­m๭dez befrag­te und deren Inter­views er als Buch mit dem Titel „Pope Fran­cis. Our Bro­ther, Our Friend“ im Ver­lag Igna­ti­us Press in den USA veröffentlichte.

Im sel­ben Buch fin­det sich auch ein Inter­view mit Pater Juan Car­los Scan­no­ne, dem renom­mier­te­sten argen­ti­ni­schen Theo­lo­gen, der bereits den jun­gen Ber­go­glio unter­rich­te­te. Pater Scan­no­ne meint, daß anhand von Maria Kno­ten­lö­se­rin das pasto­ra­le Pro­fil von Papst Fran­zis­kus und sei­ne Beto­nung des „Vol­kes“ bes­ser ver­ständ­lich wer­de. Laut Pater Scan­no­ne ist Ber­go­glio ein Ver­tre­ter der „Volks­theo­lo­gie“, die auch als „Argen­ti­ni­sche Schu­le“ der Befrei­ungs­theo­lo­gie bekannt ist, aller­dings nichts mit der mar­xi­sti­schen Haupt­strö­mung der Befrei­ungs­theo­lo­gie zu tun hat.

Bergoglio war nicht Theologe und noch weniger Akademiker — De Lubac und de Certeau

„Ber­go­glio war nicht ein Theo­lo­ge und noch weni­ger ein Aka­de­mi­ker“, so Magi­ster. Zu sei­nen bevor­zug­ten Theo­lo­gen zählt der heu­ti­ge Papst Hen­ri De Lub­ac und Michel de Cer­teau, bei­de Jesui­ten, wenn auch von ganz unter­schied­li­cher Schwer­punkt­set­zung. De Lub­ac war ein Ver­tre­ter der Nou­vel­le théo­lo­gie, den die Ent­wick­lung der Nach­kon­zils­zeit aller­dings zu einem gewis­sen Umden­ken ver­an­laß­te. Papst Johan­nes Paul II. mach­te ihn im hohen Alter zur Wür­di­gung sei­nes Lebens­wer­kes zum Kar­di­nal. An de Certreau schei­nen Ber­go­glio vor allem sozio­lo­gi­sche Stu­di­en inter­es­siert zu haben. Zitiert hat er bis­her nur De Lub­ac und von die­sem eigent­lich nur ein Werk, „Betrach­tun­gen über die Kir­che“ (deut­sche Aus­ga­be, Sty­ria Ver­lag 1954), und dar­aus eigent­lich nur eine Stel­le, jene über die „Welt­lich­keit“ der Kir­che, so Magister.

„Auch als Papst ist er also vor allem ein Mann der Tat, der pasto­ra­len Akti­on“, so der Vati­ka­nist. Wer ihn aus der Nähe kennt, wie die 20 von Ale­jan­dro Ber­m๭dez Inter­view­ten bekräf­tigt ein­hel­lig, daß Jor­ge Mario Ber­go­glio Füh­rungs­qua­li­tä­ten besitzt, was im ver­gan­gen Som­mer Kar­di­nal Timo­thy Dolan in Fra­ge stell­te, vor allem aber eine beson­de­re Geschick­lich­keit des Kal­küls. „Kei­ne sei­ner Gesten, kei­nes sei­ner Wor­te ist dem Zufall über­las­sen“, so Magi­ster. „Sei­ne Prio­ri­tät gilt der Seel­sor­ge. Sei­ne Pre­dig­ten sind bewußt die­sem Pro­fil ange­paßt. Er wen­det sich vor allem an die ein­fa­chen Men­schen, an die Glau­bens­schwa­chen, die Sün­der und die Fern­ste­hen­den. Nicht als Gesamt­heit, son­dern so, als spre­che er zu jedem einzeln.“

Lieber Seelsorge statt Glaubenslehre

In Argen­ti­ni­en wird dem Kar­di­nal Ber­go­glio beschei­nigt, in der Glau­bens­leh­re durch und durch ortho­dox zu sein. Den­noch rührt er die umstrit­te­nen The­men, in denen die kirch­li­che Leh­re auf Wider­stand stößt, die hei­ßen The­men der aktu­el­len Aus­ein­an­der­set­zung nicht ger­ne an. Im Civil­tà  Cat­to­li­ca-Inter­view war er kurz ange­bun­den und sag­te nur: „Im übri­gen kennt man ja die Ansich­ten der Kir­che, und ich bin ein Sohn der Kir­che.“ Er scheint in der Leh­re eine Behin­de­rung sei­ner seel­sor­ge­ri­schen Auf­ga­be zu sehen.

Seel­sor­ge ohne Glau­bens­leh­re? Eine schwer vor­stell­ba­re Grat­wan­de­rung gera­de für einen Papst, des­sen Auf­ga­be die Seel­sor­ge ist, mehr noch aber die Bewah­rung des Glau­bens und sei­ne Ver­kün­di­gung. Die zitier­te Ant­wort in der Civil­tà  Cat­to­li­ca mag sich für Per­so­nen der hin­te­ren Rei­hen eig­nen. Eig­net sie sich aber für einen Papst?

Die Ein­mi­schung in poli­ti­sche Fra­gen über­läßt er den Bischö­fen. Die Dar­le­gung der Glau­bens­leh­re über­läßt er eben­so lie­ber ande­ren. „Sich sel­ber behält er den barm­her­zi­gen Stil eines See­len­hir­ten vor“, so Magister.

Bewahrung der Glaubenslehre liegt in der Hand von Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller

Wem aber kann ein Papst die Dar­le­gung der Glau­bens­leh­re über­las­sen? Da blie­be nur noch der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, dem in die­sem Pon­ti­fi­kat mehr denn je die sprich­wört­li­che Rol­le eines ober­sten Glau­bens­wäch­ters ganz real zuzu­fal­len scheint. Kuri­en­erz­bi­schof Ger­hard Lud­wig Mül­ler, noch von Papst Bene­dikt XVI. beru­fen, aber von Papst Fran­zis­kus im August bestä­tigt, scheint die­se Situa­ti­on erkannt zu haben und nimmt die Her­aus­for­de­rung an. Am 23. Okto­ber ließ er sei­ne aus­führ­li­che Stel­lung­nah­me zur Fra­ge der Unauf­lös­lich­keit der Ehe vom Juni in allen ver­schie­de­nen Sprach­aus­ga­ben des Osser­va­to­re Roma­no ver­öf­fent­li­chen. Dar­in bekräf­tig­te er die katho­li­sche Leh­re des Ehe­sa­kra­ments und ver­warf vor allem deut­sche Bestre­bun­gen einer „Locke­rung“. Eine Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner sei eben­so unmög­lich wie die Über­nah­me der ortho­do­xen Pra­xis einer Zweit­ehe in Form eines Bußaktes.

Magi­ster ist der Über­zeu­gung, daß der Schritt mit Papst Fran­zis­kus abge­spro­chen ist. Der Papst war es gera­de, der durch eini­ge Äuße­run­gen die Dis­kus­si­on über eine Ände­rung der kirch­li­chen Leh­re und Pra­xis ange­heizt hatte.

Glaubenspräfekt Müller korrigierte „Mißverständnisse“ zu Wiederverheirateten und Gewissen

Soll­te Kuri­en­erz­bi­schof Mül­ler auch in Eigen­re­gie gehan­delt haben, dürf­te die Rich­tung durch­aus der päpst­li­chen Inten­ti­on ent­spre­chen. Dem Glau­bens­prä­fek­ten fiel es sei­ner Stel­lung­nah­me auch zu, wei­te­re „Miß­ver­ständ­nis­se“ um eini­ge For­mu­lie­run­gen von Papst Fran­zis­kus rund um „Barm­her­zig­keit“ und „Gewis­sen“ zu korrigieren.

Damit zeich­net sich eine Dop­pel­spit­ze ab, eines pasto­ral han­deln­den Pap­stes und einer die Ortho­do­xie gewis­ser­ma­ßen allein wah­ren­den Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, die auch die Auf­ga­be hat, einen „spon­ta­nen“ Papst nach­träg­lich „zu kor­ri­gie­ren“. Wobei das Wort „spon­tan“ nicht wört­lich zu neh­men ist, son­dern mehr für „Spiel­raum“ steht.

Die „Arbeits­tei­lung“ zwi­schen Papst Fran­zis­kus und Glau­bens­prä­fekt Mül­ler ist nicht unpro­ble­ma­tisch. Sie ver­langt, daß der Kuri­en­erz­bi­schof ganz sei­ner Ver­ant­wor­tung bewußt, über sich selbst hin­aus­wach­sen muß und uner­bitt­lich mit sich selbst es in Kauf neh­men muß, was der Papst nicht in Kauf neh­men möch­te, näm­lich not­falls der Buh­mann zu wer­den. Nicht nur der Kir­chen­geg­ner, son­dern auch man­cher kirch­li­cher Krei­se. Eine Auf­ga­be, die Erz­bi­schof Mül­ler durch­aus zuge­traut wer­den darf.

Kann der Glaubenspräfekt mit päpstlicher Kommunikationsstrategie mithalten?

Nicht unbe­denk­lich ist aber vor allem die Außen­kom­mu­ni­ka­ti­on. Beim kon­kre­ten The­ma der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen wur­de die „Öff­nung“ des Pap­stes von den Medi­en sofort als „Sen­sa­ti­on“ um die Welt getra­gen mit allem damit ver­bun­de­nen Wecken von Wün­schen, Begehr­lich­kei­ten und For­de­run­gen. Die „kor­ri­gie­ren­de“ und die katho­li­sche Leh­re bekräf­ti­gen­de Stel­lung­nah­me von Erz­bi­schof Mül­ler wur­de von der welt­li­chen Pres­se, die nun mal für die brei­te Mei­nungs­bil­dung ent­schei­dend ist, nicht wahr­ge­nom­men. Wahr­ge­nom­men wur­de sie von den katho­li­schen Medi­en, wenn auch nicht allen. Das Bei­spiel zeigt eine völ­lig unglei­che Mög­lich­keit, Inhal­te zu kom­mu­ni­zie­ren. Besteht nicht die Gefahr, daß die unum­stöß­li­che Glau­bens­leh­re gegen­über einer pasto­ra­len „Prio­ri­tät“ ins Hin­ter­tref­fen gelangt. Weit mehr noch, als sie es ohne­hin schon in der kirch­li­chen Pra­xis vie­ler Pfar­rei­en und Diö­ze­sen ist?

Eine Fra­ge, auf die der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster nicht ein­geht. Er ist jedoch über­zeugt, daß sich die­ser Dua­lis­mus Papst — Glau­bens­prä­fekt, wie er zum aktu­el­len The­ma der Zulas­sung von wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen zur Kom­mu­ni­on vor­ex­er­ziert wur­de, in Zukunft zu ande­ren The­men wie­der­ho­len wird.

Kann damit der Kno­ten gelöst wer­den, der die­ses Pon­ti­fi­kat bela­stet? Näm­lich die offen­sicht­li­che Abkehr von Papst Fran­zis­kus von der „anthro­po­lo­gi­schen Her­aus­for­de­rung“, der sich Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. so inten­siv gestellt hatten.

Papst Fran­zis­kus erwähn­te aus­drück­lich Maria als Kno­ten­lö­se­rin am 12. Okto­ber auf dem Peters­platz, am Vor­abend zum Mari­en­tag des Jahrs des Glau­bens, für den eigent­lich die Wei­he der Welt an das unbe­fleck­te Herz Mari­ens ange­kün­digt war. Die Kno­ten­lö­se­rin wird der Papst und wird die Kir­che wohl noch drin­gend brauchen.

Text: Set­ti­mo Cielo/Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons/Diözese Regensburg

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