Gambetti vor dem Abgang aus St. Peter

Tritt er die Nachfolge von Msgr. Bruno Forte in Chieti-Vasto an?

Papst Leo XIV. mit Kardinal Mauro Gambetti, Erzpriester des Petersdoms
Papst Leo XIV. mit Kardinal Mauro Gambetti, Erzpriester des Petersdoms

Kar­di­nal Mau­ro Gam­bet­ti OFMConv steht offen­bar unmit­tel­bar vor dem Abschied vom Peters­dom. Seit Mona­ten kur­sie­ren Gerüch­te über sei­ne Ablö­sung als Erz­prie­ster der Vatikan­ba­si­li­ka. Nun ver­dich­ten sich die Hin­wei­se. Als neu­es Ziel wird die süi­ta­lie­ni­sche Erz­diö­ze­se Chie­ti-Vas­to genannt.

Der Vati­ka­nist Fran­ces­co Capoz­za von der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung Il Tem­po mel­de­te gestern auf X, die Ent­fer­nung Gam­bettis als Erz­prie­ster von St. Peter sei nur noch eine Fra­ge von Stun­den. Gerüch­te sind schon seit Mona­ten im Umlauf, daß Gam­bet­ti, ehe­ma­li­ger Kustos des Sacro Con­ven­to, wie der Mino­ri­ten­or­den sein Mut­ter­klo­ster in Assi­si nennt, neu­er Erz­bi­schof von Chie­ti-Vas­to in den Abbruz­zen wer­den soll. Mög­lich sei dar­über hin­aus, so nun Capoz­za, eine Ver­bin­dung mit dem Bis­tum Lan­cia­no in per­so­na epis­co­pi. In Ita­li­en, dem Land mit den mei­sten Diö­ze­sen welt­weit, wird schon län­ger eine Diö­ze­san­re­form ange­strebt, die in einer ersten Etap­pe Per­so­nal­unio­nen vor­sieht für Bis­tü­mer, die in einem zwei­ten Schritt zusam­men­ge­schlos­sen wer­den sol­len. Was den Zeit­punkt der offi­zi­el­len Bekannt­ga­be betrifft, gibt es unter­schied­li­che Infor­ma­tio­nen: Die Rede ist von Don­ners­tag oder Samstag.

Noch ist die Mel­dung nicht offi­zi­ell bestä­tigt. In der aktu­el­len offi­zi­el­len Bio­gra­phie des Hei­li­gen Stuhls wird Kar­di­nal Gam­bet­ti wei­ter­hin als Erz­prie­ster der Peters­ba­si­li­ka, Gene­ral­vi­kar des Pap­stes für den Staat der Vati­kan­stadt und Vor­sit­zen­der der Dom­bau­hüt­te geführt.

Vom Franziskus-Vertrauten zum Bischof von Chieti-Vasto?

Gam­bettis Auf­stieg war unge­wöhn­lich steil. Der am 27. Okto­ber 1965 gebo­re­ne Ordens­mann der Fran­zis­ka­ner-Kon­ven­tua­len, also Mino­ri­ten, wur­de von Papst Fran­zis­kus von Assi­si nach Rom beru­fen und am 28. Novem­ber 2020 zum Kar­di­nal kre­iert. Weni­ge Mona­te spä­ter, am 20. Febru­ar 2021, ernann­te ihn Fran­zis­kus zum Erz­prie­ster von St. Peter, zum Gene­ral­vi­kar für die Vati­kan­stadt und zum Prä­si­den­ten der Dombauhütte.

Der Ernen­nungt gin­gen tief­grei­fen­de Umbrü­che in der Haus­ord­nung des Peters­doms vor­aus, die das vati­ka­ni­sche Staats­se­kre­ta­ri­at in der Zeit der kur­zen Vakanz des Erz­prie­ster­am­tes durch­setz­te. Die regel­mä­ßi­gen Zele­bra­tio­nen im Novus Ordo wur­den auf weni­ge redu­ziert und am Mor­gen kon­zen­triert mit der Ver­pflich­tung zur Kon­ze­le­bra­ti­on. Der über­lie­fer­te Ritus wur­de zugleich aus dem Peters­dom ver­bannt und exklu­siv in die Vati­ka­ni­schen Grot­ten ver­scho­ben. Seit­her gab es nur eine Aus­nah­me von die­ser Rege­lung, als Papst Leo XIV. im Vor­jahr Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke erlaub­te im Rah­men der inter­na­tio­na­len Wall­fahrt der Tra­di­ti­on Ad Petri Sedem, am Cathe­dra-Altar des Peters­do­mes zu zele­brie­ren. Da die­se Erlaub­nis für die dies­jäh­ri­ge Wall­fahrt nicht mehr erteilt wur­de, han­del­te es sich 2025 um einen Gun­st­er­weis ad per­so­nam, mög­li­cher­wei­se ein per­sön­li­cher Dank des Pap­stes für die Unter­stüt­zung im Konklave.

2021 erhielt jeden­falls der damals erst 55jähriger und inter­na­tio­nal kaum bekann­ter Ordens­mann Gam­bet­ti eine der sicht­bar­sten und ein­fluß­reich­sten Auf­ga­ben inner­halb des Vatikans.

Gera­de sei­ne Amts­füh­rung in St. Peter war jedoch wie­der­holt Gegen­stand von Kri­tik. Katho​li​sches​.info berich­te­te unter ande­rem über die Ein­schrän­kun­gen der Ein­zelz­ele­bra­tio­nen und des über­lie­fer­ten Ritus, die Gam­bet­ti kon­se­quent durch­setz­te, über Ver­än­de­run­gen beim Chor­ge­bet des Dom­ka­pi­tels sowie über das umstrit­te­ne gastro­no­mi­sche Pro­jekt auf der Ter­ras­se der Petersbasilika.

Auch Gam­bettis Hal­tung zur lit­ur­gi­schen Fra­ge wur­de mehr­fach the­ma­ti­siert. Im Sep­tem­ber 2025 erklär­te er gegen­über dem Catho­lic Herald, zur Zukunft des über­lie­fer­ten Ritus sol­le man bes­ser nichts sagen; man müs­se auf eine Ent­schei­dung des Pap­stes warten.

Chieti-Vasto ist bereits vakant in Sicht

Bemer­kens­wert ist, daß die Gerüch­te über Gam­bettis Ver­set­zung mit dem bevor­ste­hen­den Wech­sel in Chie­ti-Vas­to zusammentreffen.

Der bis­he­ri­ge Erz­bi­schof Bru­no For­te erklär­te gestern bei der Fei­er des Stadt­pa­trons von Vas­to, des Erz­engels Micha­el, sein Nach­fol­ger wer­de „in den näch­sten Tagen“ bekannt­ge­ge­ben. Der 77jährige For­te steht seit 2004 an der Spit­ze der Erz­diö­ze­se; eine Ver­län­ge­rung sei­ner Amts­zeit war unter Papst Fran­zis­kus erfolgt.

Bru­no For­te gehör­te zu den ita­lie­ni­schen Bischö­fen, die sich der von Bene­dikt XVI. ange­ord­ne­ten Ände­rung der in die Volks­spra­chen über­set­zen Wand­lungs­wor­te pro mul­tis von „für alle“ in „für vie­le“ widersetzten. 

Fran­zis­kus ernann­te ihn zum Son­der­se­kre­tär für die Fami­li­en­syn­ode und zum Redak­ti­ons­lei­ter für die Abfas­sung des Syn­oden­schluß­be­richts. Als Fran­zis­kus Kri­ti­ker sei­nes umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia als „Heuch­ler“ und „Schein­hei­li­ge“ beschimpf­te, sekun­dier­te ihm For­te flei­ßig. Der Erz­bi­schof erzähl­te zudem eine für das berg­o­glia­ni­sche Pon­ti­fi­kat bezeich­nen­de Epi­so­de.

Am 3. Mai 2016 erzähl­te For­te im Stadt­thea­ter von Vas­to eine bis dahin unbe­kann­te Schlüs­sel­epi­so­de der zwei­ten Bischofs­syn­ode, die sich hin­ter den Kulis­sen abspiel­te. Als Fran­zis­kus ihm den Auf­trag zur Abfas­sung des Schluß­be­richts erteil­te, ver­lang­te er von ihm, „nicht direkt“ über die Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zu spre­chen, denn „wer weiß“, so Fran­zis­kus, was die Ver­tei­di­ger de über­lie­fer­ten Moral­leh­re der Kir­che „uns dann für einen casi­no“ machen, also einen Wir­bel erzeu­gen und Wider­stand lei­sten. „Wir reden des­halb nicht direkt davon. Mach es so, daß die Prä­mis­sen gege­ben sind, die Schluß­fol­ge­run­gen zie­he dann ich“, so Fran­zis­kus wört­lich in der Wie­der­ga­be sei­nes Ver­trau­ten For­te. Das sei „typisch für einen Jesui­ten“, füg­te For­te eben­so scherz­haft wie begei­stert hin­zu, denn die päpst­li­che Anwei­sung sei Aus­druck einer Weis­heit, um an das gewünsch­te Ziel, näm­lich „um zu Amo­ris lae­ti­tia zu gelan­gen“ mit sei­nen umstrit­te­nen Pas­sa­gen, die die Kir­che seit­her belasten.

So wird es auch ver­ständ­lich, war­um Bru­no For­te sich im Jahr 2017 mit beson­de­rem Nach­druck her­vor­tat, um die vier Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner, anzu­grei­fen, die sich mit Dubia (Zwei­fel) zu Amo­ris lae­ti­tia an Papst Fran­zis­kus gewandt hatten.

For­te war es auch, der sich für eine restrik­ti­ve Aus­le­gung von Sum­morum Pon­ti­fi­cum stark mach­te, um die Aus­brei­tung des über­lie­fer­ten Ritus zurückzudrängen.

For­te war es auch, der in sei­ner Erz­diö­ze­se Chie­ti-Vas­to rechts­wid­rig ein Ver­bot der Mund­kom­mu­ni­on erließ. Unter dem Vor­wand der Coro­na-Pseu­do­pan­de­mie ord­ne­te For­te 2020 an, daß der Kom­mu­nion­emp­fang aus­schließ­lich auf die Hand erfol­gen dür­fe; eben­so ord­ne­te er an, alle Weih­was­ser­becken in sei­ner Diö­ze­se zu ent­lee­ren. Wäh­rend seit Ostern 2024 Weih­was­ser wie­der erlaubt ist, beharrt der Erz­bi­schof bis heu­te auf der Hand­kom­mu­ni­on. In sei­ner Oster­pre­digt 2025 empör­te sich For­te öffent­lich, daß eini­ge Gläu­bi­ge die Kom­mu­ni­on nicht auf die Hand emp­fan­gen woll­ten und schärf­te ein, daß die Kom­mu­ni­on in sei­ner Erz­diö­ze­se auf die Hand emp­fan­gen wer­de. Die Kir­che habe die Kom­mu­ni­on „immer in die Hand genom­men“, nur „in eini­gen dunk­len Jahr­hun­der­ten“, sei die anders gewe­sen. An die­sem per­sön­li­chen Feld­zug For­tes gegen die Mund­kom­mu­ni­on hat sich bis heu­te nichts geändert.

Ein bemerkenswerter Wechsel

Bereits im Juli war berich­tet wor­den, Gam­bet­ti kön­ne von St. Peter nach Chie­ti-Vas­to ver­setzt werden. 

Soll­te die Per­so­na­lie bestä­tigt wer­den, wäre der Wech­sel auf­fäl­lig: Vom Erz­prie­ster der bedeu­tend­sten Basi­li­ka der katho­li­schen Chri­sten­heit wür­de Gam­bet­ti, immer­hin Pur­pur­trä­ger, an die Spit­ze einer ita­lie­ni­schen Erz­diö­ze­se wech­seln. Impli­zit scheint damit auch Bru­no For­tes Kurs eine Auf­wer­tung zu erfahren.

Im Vati­kan sind man­che jeden­falls der Mei­nung, daß Kar­di­nal Gam­bet­ti der geeig­ne­te Nach­fol­ger für Erz­bi­schof For­te sei.

Mit sei­nen bis­he­ri­gen Bischofs­er­nen­nun­gen zeig­te Leo XIV. kei­ne gute Hand, oder anders aus­ge­drückt: Er setzt die Linie sei­nes Vor­gän­gers fort, Kir­chen­män­ner des pro­gres­si­ven Spek­trums an die Spit­zen der Diö­ze­sen zu setzen.

Am Don­ners­tag oder Sams­tag wird man mehr wissen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shot)

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