Die argentinischen Bischöfe sind besorgt


Treffen der Spitze der Argentinischen Bischofskonferenz mit linken Gewerkschaftsführern: Wer sind die Bischöfe, wer die Gewerkschaftsführer?
Treffen der Spitze der Argentinischen Bischofskonferenz mit linken Gewerkschaftsführern: Wer sind die Bischöfe, wer die Gewerkschaftsführer?

Von Cami­nan­te Wanderer*

Die argen­ti­ni­schen Bischö­fe sind besorgt und ner­vös. Und sie haben allen Grund dazu, denn ihnen ent­glei­tet alles, und sie wis­sen nicht mehr ein noch aus. Der ein­zi­ge Draht, den sie in Rom noch haben, ist … Tucho Fernán­dez (man­che behaup­ten, er sei über­haupt der­je­ni­ge, der die Bischofs­kon­fe­renz steu­ert), eine Figur, die völ­lig an Anse­hen ver­lo­ren hat und deren Zukunft bereits vor­ge­zeich­net scheint. Sie kön­nen nicht mehr nach San­ta Mar­ta gehen, um sich dar­über zu bekla­gen, daß die­ser oder jener Prie­ster dies tue oder bestimm­te Ordens­leu­te jenes mach­ten, wie sie es häu­fig getan haben – in dem Wis­sen, daß ein kur­zer Tele­fon­an­ruf von Fran­zis­kus bei der rich­ti­gen Per­son die Ange­le­gen­heit regeln wür­de. Sie ste­hen allein da und ver­fü­gen über kei­ne Mit­tel, mit ihrer Ver­wai­sung umzu­ge­hen. Und sie haben die­se Mit­tel nicht, denn: Quod natu­ra non dat, mitra non prae­stat – was die Natur nicht gibt, kann die Mitra nicht verleihen.

Dies ist die logi­sche Fol­ge jener Poli­tik, die Berg­o­glio bei der Aus­wahl von Bischö­fen in ver­schie­de­nen Län­dern wie Argen­ti­ni­en, Spa­ni­en und Ita­li­en betrie­ben hat. Wie wir schon oft gesagt haben, lau­te­te das Kri­te­ri­um Mit­tel­mä­ßig­keit und Unter­wür­fig­keit; die per­sön­li­che Freund­schaft oder eine Lau­ne des Pon­ti­fex. Das jüng­ste Bei­spiel von Kar­di­nal Cri­stó­bal López Rome­ro, dem die Kar­di­nals­wür­de allein auf­grund sei­ner Freund­schaft mit dem Papst ver­lie­hen wur­de – der sei­ner­seits die Schwä­chen des Sale­sia­ners sehr gut kann­te –, ist bezeich­nend genug: Vor zehn Tagen wur­den gegen ihn fünf Beschwer­den wegen unan­ge­mes­se­nen sexu­el­len Ver­hal­tens gegen­über erwach­se­nen Frau­en bekannt.

Damit die­je­ni­gen, die „geprüf­te Infor­ma­tio­nen“ ver­lan­gen, nicht unge­dul­dig wer­den oder ihre Rund­schrei­ben her­vor­ho­len, wol­len wir eini­ge Fäl­le betrach­ten, die mei­ne Aus­sa­ge ver­an­schau­li­chen. Der sehr gut infor­mier­te römi­sche Prie­ster­blog Sile­re non pos­sum berich­te­te ver­gan­ge­ne Woche über das­sel­be Pro­blem in Ita­li­en, wo ein gro­ßer Teil der kirch­li­chen Struk­tur – ange­fan­gen beim Gene­ral­vi­ka­ri­at von Rom – Gefahr läuft, gelähmt zu wer­den, weil die Ver­ant­wort­li­chen unge­eig­ne­te Per­so­nen sind, die auf­grund per­sön­li­cher Sym­pa­thien oder gehei­mer Lau­nen ein­ge­setzt wur­den. Der Autor nennt als Bei­spiel Kar­di­nal Mar­cel­lo Semer­a­ro und das Dik­aste­ri­um, das er lei­tet (das Dik­aste­ri­um für die Selig- und Hei­lig­spre­chungs­pro­zes­se), das fak­tisch lahm­ge­legt sei.

Und die­ses Pro­blem wie­der­holt sich in vie­len Behör­den und Diö­ze­sen, sowohl inner­halb als auch außer­halb der Leo­ni­schen Mau­ern des Vati­kans. Die lebens­lan­ge Natur des Bischofs­am­tes, ver­bun­den mit der Tat­sa­che, daß vie­le die­ser Män­ner in rela­tiv jun­gem Alter zu Bischö­fen oder Kar­di­nä­len ernannt wur­den, macht es sehr schwie­rig, sie aus ihren Ämtern zu ent­fer­nen, ohne anschlie­ßend eine neue Auf­ga­be für sie suchen zu müs­sen. Und häu­fig liegt genau dar­in das Pro­blem: Man weiß nicht, wohin man sie ver­set­zen soll, ohne das Risi­ko ein­zu­ge­hen, daß sie wei­ter­hin Scha­den anrichten.

Betrach­ten wir einen kon­kre­ten Fall: den von Kar­di­nal Mau­ro Gam­bet­ti, Erz­prie­ster der Peters­ba­si­li­ka. Er war ein Fran­zis­ka­ner und Kustos der Basi­li­ka von Assi­si. Am 3. Okto­ber 2020 besuch­te Papst Fran­zis­kus die­se Basi­li­ka, traf dort den Kustos und ver­kün­de­te über­ra­schen­der­wei­se zwei Wochen spä­ter, am 20. Okto­ber, ein außer­or­dent­li­ches Kon­si­sto­ri­um, bei dem er Gam­bet­ti zum Kar­di­nal erhob: vom Ordens­bru­der zum Kardinal.

Unmit­tel­bar danach ernann­te er ihn zum Erz­prie­ster der Vatikan­ba­si­li­ka. Wel­che Grün­de gab es für die­se Wahl? Sie sind leicht zu erra­ten: eine Ver­liebt­heit, eine plötz­li­che und unver­ständ­li­che Schwärmerei.

Wie zu erwar­ten war, tra­ten die Pro­ble­me sofort zuta­ge: Kon­flik­te mit den Kano­ni­kern und den Mit­ar­bei­tern der Dom­bau­hüt­te von Sankt Peter; die Ernen­nung von Freun­den und Ver­wand­ten; abwe­gi­ge Initia­ti­ven wie etwa der Bau eines Luxus­re­stau­rants auf der Ter­ras­se der Basi­li­ka und ande­res mehr.

Er war es bei­spiels­wei­se, der ver­lang­te, daß die Kano­ni­ker auf­hö­ren soll­ten, das Stun­den­ge­bet auf Latein zu sin­gen, und es statt­des­sen auf ita­lie­nisch tun soll­ten. Er war es auch, der pri­va­te Mes­sen an den Sei­ten­al­tä­ren der Basi­li­ka ver­bot und alle aus­wär­ti­gen Prie­ster zwang, am Kathe­dr­aal­tar zu konzelebrieren.

Nun berich­tet Niwa Lim­bu, Vati­ka­nist von AdVa­ti­ca­num und stets sehr gut infor­miert, in einem gestern ver­öf­fent­lich­ten Arti­kel, daß Gam­bet­ti in die Erz­diö­ze­se Chie­ti ver­setzt wer­den soll, die zwar ein Metro­po­li­tan­sitz ist, aber nie­mals ein Kar­di­nals­sitz war. Es han­delt sich ein­deu­tig um eine Herabstufung.

[Tucho Fernán­dez soll­te dies zur Kennt­nis neh­men und lie­ber schwei­gen; man sieht, daß Leo kei­ne Angst hat, durch­zu­grei­fen, und daß er am Ende als Erz­bi­schof von Sal­ta lan­den könn­te, wie man­che schon vor eini­ger Zeit ver­mu­tet haben.]

Nach dem bemer­kens­wer­ten Arti­kel von Edgar Bel­trán in The Pil­lar wird der­je­ni­ge, der Gam­bet­ti wahr­schein­lich nach­fol­gen wird, Kar­di­nal Rolan­das Mak­rick­as sein, der Erz­prie­ster von San­ta Maria Mag­gio­re. Das wäre eine sehr gute Nachricht.

Mon­si­gno­re Miche­le Di Tol­ve, Rek­tor des Semi­nars der Diö­ze­se Rom, der sich dage­gen sträub­te, sei­nen Posten auf­zu­ge­ben, wur­de schließ­lich gezwun­gen, den Bischofs­sitz einer klei­nen und abge­le­ge­nen Diö­ze­se anzu­neh­men. Dies geschah sogar, obwohl bei Erz­bi­schof Edgar Peña Par­ra, dem Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in Ita­li­en, meh­re­re Schrei­ben von Diö­ze­sen ein­ge­gan­gen waren, die instän­dig dar­um baten, ihn nicht dort­hin zu ernen­nen, und für den Fall sei­ner Ent­sen­dung als Bischof Wider­stand ange­kün­digt hatten.

Das­sel­be geschieht der­zeit mit Rena­to Taran­tel­li, dem Vize­ger­en­ten des Gene­ral­vi­ka­ri­ats von Rom. Da es kei­ne bes­se­re Lösung gab, sah sich Papst Leo gezwun­gen, sei­ne Befug­nis­se ein­zu­schrän­ken und das Amt eines „Mode­ra­tors“ zu schaf­fen; mit ande­ren Wor­ten: Er hat ihn fak­tisch unschäd­lich gemacht. Dies ist der Fall bei vie­len ande­ren von Fran­zis­kus ernann­ten Bischö­fen, die häu­fig noch in sehr jun­gem Alter ein­ge­setzt wur­den und bei denen man heu­te nicht weiß, wohin man sie ver­set­zen kann, ohne ande­re kirch­li­che Gemein­schaf­ten schwer­wie­gen­den Fol­gen auszusetzen.

Die Situa­ti­on in Argen­ti­ni­en ist die­sel­be – nur in ver­stärk­ter Form. Die Unfä­hig­keit der Bischö­fe ist ver­blüf­fend; die Unge­schick­lich­keit ihrer Ent­schei­dun­gen läßt sich kaum erklä­ren. Sehen wir uns eini­ge jün­ge­re Bei­spie­le an.

Ange­sichts der völ­li­gen Bedeu­tungs­lo­sig­keit der Kir­che im öffent­li­chen Leben des Lan­des hat­te der Vor­sit­zen­de der Bischofs­kon­fe­renz, Mon­si­gno­re Mar­ce­lo Colom­bo, kei­ne bes­se­re Idee, um die­se Lage zu behe­ben, als eine Gesprächs­run­de mit poli­ti­schen Akteu­ren zu orga­ni­sie­ren. Natür­lich weiß jeder ver­nünf­ti­ge Mensch, daß aus sol­chen Gesprächs­run­den besten­falls ein gemein­sa­mes Pho­to hervorgeht.

Noch erstaun­li­cher ist jedoch, daß er sich ent­schied, sich mit den Gewerk­schafts­füh­rern der CGT und der CTA zu tref­fen und mit ihnen für die Pres­se zu posie­ren – jenen Ver­bän­den also, die über das schlech­te­ste öffent­li­che Anse­hen ver­fü­gen.1 Die Nach­richt blieb erwar­tungs­ge­mäß völ­lig unbe­ach­tet, denn nie­mand inter­es­siert sich dafür, was die Bischö­fe tun, schon gar nicht, wenn sie es gemein­sam mit einer der kor­rup­te­sten Grup­pie­run­gen im poli­ti­schen Umfeld des Lan­des tun.

Danach folg­ten Tref­fen mit Abge­ord­ne­ten und Bür­ger­mei­stern, die eben­falls kei­ne ande­re media­le Reso­nanz fan­den als die Eigen­wer­bung der AICA, der Nach­rich­ten­agen­tur des Epi­sko­pats. Dort heißt es zu unse­rer Erleichterung:

„Die Tref­fen fan­den in einem Kli­ma der Herz­lich­keit und Offen­heit statt, mit dem Ziel, Begeg­nung und Ver­ständ­nis zwi­schen den ver­schie­de­nen gesell­schaft­li­chen Akteu­ren zu för­dern. In die­sem Sin­ne soll­ten Räu­me des Aus­tauschs gefe­stigt wer­den, die es ermög­li­chen, Brücken zu bau­en und ange­sichts der gegen­wär­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen For­men der Zusam­men­ar­beit zu schaffen.“

Es ist gera­de­zu erstaun­lich fest­zu­stel­len, daß es in der heu­ti­gen Zeit noch jeman­den gibt, der eine sol­che Flos­kel­pro­sa ver­faßt. Es klingt wie ein Absatz aus irgend­ei­ner Pro­vinz­zei­tung der 1980er Jah­re oder aus einer kosten­lo­sen KI-Ver­si­on. Es sind lose Wor­te, die in den Wind gespro­chen wer­den – von ver­gäng­li­cher und nutz­lo­ser Exi­stenz, genau wie jene der Bischö­fe, die sie aus­spre­chen und niederschreiben.

Ein wei­te­res Bei­spiel: In der Pre­digt beim Te Deum, das am ver­gan­ge­nen 9. Juli, dem argen­ti­ni­schen Unab­hän­gig­keits­tag, in Anwe­sen­heit des Staats­prä­si­den­ten und der höch­sten Regie­rungs­ver­tre­ter gefei­ert wur­de, hielt der Erz­bi­schof von Bue­nos Aires – wie zu erwar­ten war – eine poli­ti­sche Anspra­che. Nie­mand kann ernst­haft anneh­men, daß Mon­si­gno­re Gar­cía Cuer­va in der Lage wäre, sich zu grö­ße­ren Höhen auf­zu­schwin­gen; wir erwar­ten von ihm nicht, daß er ein hei­li­ger Ambro­si­us gegen­über Theo­dosi­us ist, ein Theo­dulf von Orlé­ans gegen­über Karl dem Gro­ßen oder ein hei­li­ger Tho­mas Becket gegen­über Hein­rich II.

Nein – wir wären mit sehr viel weni­ger zufrie­den. Doch es fällt schwer zu akzep­tie­ren, daß der bedeu­tend­ste Bischof des Lan­des, auch wenn er kein Kar­di­nal ist, auf ein Zitat von Lio­nel Mes­si (!) zurück­grei­fen muß, um wenig­stens kurz­fri­stig das Inter­es­se der Pres­se zu gewin­nen und sei­ne abge­dro­sche­nen und gehalt­lo­sen Gedan­ken vorzutragen.

Dies ist das Niveau der Bischö­fe, die die Kir­che in Argen­ti­ni­en füh­ren. Nie­mand kann sich daher wun­dern, daß geschieht, was geschieht.

Und was geschieht, läßt sich anhand von Sta­ti­sti­ken mes­sen, die nach wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen erho­ben wur­den – die jüng­ste davon wur­de erst vor weni­gen Wochen ver­öf­fent­licht. Dar­aus geht her­vor, daß sich in unse­rem Land nur noch 57,7 % der Ein­woh­ner als katho­lisch bezeich­nen. Im Jah­re 1960 lag die­ser Anteil noch bei 90 %.

Was ist in der Zwi­schen­zeit gesche­hen? Die „Früh­lings­er­fah­rung“ des Kon­zils hat alles hin­weg­ge­fegt, das wis­sen wir. Aber auch der Wir­bel­sturm Fran­zis­kus hat sei­ne Spu­ren hinterlassen.

Ich erin­ne­re dar­an, daß sich vie­le Geist­li­che Hoff­nun­gen mach­ten, als Berg­o­glio auf den Stuhl Petri gewählt wur­de: Sie glaub­ten, dies wer­de eine Wie­der­ge­burt des katho­li­schen Lebens in Argen­ti­ni­en bedeu­ten. Die kal­ten und grau­sa­men Zah­len zei­gen jedoch, daß wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats – in nur zwölf Jah­ren – der Anteil der Katho­li­ken um 15 % zurück­ge­gan­gen ist; das bedeu­tet: 6.600.000 Katho­li­ken weniger.

Und das sind kei­ne blo­ßen Ver­mu­tun­gen von mir; es han­delt sich um geprüf­te Infor­ma­tio­nen – genau jene Art von Infor­ma­tio­nen, nach denen die Bischö­fe verlangen.

Noch schlim­mer: Die­se Kir­che der jugend­li­chen Unrei­fe und der Albern­hei­ten hat als Ergeb­nis her­vor­ge­bracht, daß sich nur noch 44 % der Jugend­li­chen zwi­schen 16 und 29 Jah­ren als katho­lisch betrach­ten. Ein wahr­haft über­wäl­ti­gen­der Erfolg der pro­gres­si­ven Jugend­pa­sto­ral des argen­ti­ni­schen Episkopats!

[Wenn ein Leser die­ses Blogs aus Lapri­da in der Pro­vinz Bue­nos Aires und der Diö­ze­se Azul stammt, wür­de er ein Werk der Näch­sten­lie­be tun, wenn er Pater Rafa­el Díaz, den Pfar­rer von San Joa­quín und San­ta Ana, auf die­se Sta­ti­sti­ken auf­merk­sam machen wür­de, damit er sich nicht län­ger die Mühe macht, in sei­nen Sonn­tags­mes­sen den Clown eines Sieb­zi­ger­jah­re-Idols zu spie­len: Es bringt nichts, und jene Kin­der, von denen er glaubt, sie zu unter­hal­ten, wer­den die Kir­che ver­las­sen, sobald sie in die Puber­tät kom­men, weil sie sie als zu wenig ernst­haft emp­fin­den werden.]

Wer­fen wir einen genaue­ren Blick dar­auf. Am lan­gen Wochen­en­de des 25. Mai orga­ni­sier­te die Argen­ti­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz in Cór­do­ba ein natio­na­les Tref­fen jun­ger Mis­sio­na­re; das heißt, sie ver­such­te, Jugend­li­che zusam­men­zu­brin­gen, die in den ver­schie­de­nen Pfarr­grup­pen des Lan­des aktiv sind. Und die Bischö­fe selbst waren unmit­tel­bar dar­an betei­ligt. Bei die­sem Tref­fen waren mehr als zehn Bischö­fe und meh­re­re Dut­zend Prie­ster anwesend.

Nun gut: Nach Anga­ben der Orga­ni­sa­to­ren gelang es, 2.000 Jugend­li­che zu ver­sam­meln; rea­li­sti­sche­re Schät­zun­gen aus katho­li­schen Krei­sen in Cór­do­ba spre­chen von 1.600.

Um das Aus­maß der Kata­stro­phe zu ermes­sen – die Bischö­fe erklär­ten sich mit der Betei­li­gung sehr zufrie­den –, genügt ein Blick auf die Zahl der Jugend­li­chen, die jedes Jahr an der Wall­fahrt Nue­stra Seño­ra de la Cri­sti­andad nach Luján teil­neh­men. Die­se wird ohne jeg­li­chen kirch­li­chen Appa­rat, ohne ter­ri­to­ria­le Orga­ni­sa­ti­on, ohne eige­ne finan­zi­el­le Mit­tel und ange­sichts einer deut­li­chen Ableh­nung durch die Bischö­fe und eines gro­ßen Teil des Kle­rus – bemer­kens­wer­ter­wei­se – auch noch durch die FSSPX organisiert.

Und den­noch ver­sam­mel­te die­se tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Wall­fahrt im ver­gan­ge­nen Jahr 2.200 Jugend­li­che. Wie wol­len unse­re Hir­ten die­ses Phä­no­men erklären?

Die Erklä­rung ist ein­fach – aber das Pro­blem besteht dar­in, daß sie es nie­mals zuge­ben wer­den. Sie wür­den lie­ber ster­ben, als anzu­er­ken­nen, daß ihr Reli­gi­ons­an­ge­bot ein völ­li­ger Miß­er­folg ist und daß es heu­te die klas­si­sche­ren oder tra­di­tio­nel­le­ren Ange­bo­te sind, die jun­ge Men­schen und auch nicht mehr ganz jun­ge Men­schen anziehen.

Man muß sich nur ein­mal in Semi­na­ren und Novi­zia­ten umse­hen. Wel­che sind bes­ser besucht? Aus­nahms­los die klassischeren.

Ich möch­te nur ein ein­zi­ges Bei­spiel nen­nen: Die Klei­nen Arbei­te­rin­nen der Hei­lig­sten Her­zen sind eine klei­ne Ordens­ge­mein­schaft ita­lie­ni­schen Ursprungs, die sich dem länd­li­chen Apo­sto­lat wid­met. Ihre authen­ti­sche Beschei­den­heit zeigt sich sogar auf der äußerst ein­fa­chen und ärm­li­chen Inter­net­sei­te, mit der sie vor­ge­stellt werden.

In Argen­ti­ni­en sind sie an einem schwie­ri­gen Ort nur sehr unauf­fäl­lig prä­sent: im Cha­co. Sie sind kei­nes­wegs tra­di­tio­na­li­stisch. Tat­säch­lich bin ich durch ein in den ver­gan­ge­nen Tagen viral gegan­ge­nes Video auf sie auf­merk­sam gewor­den, in dem sie die argen­ti­ni­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft mit reli­giö­sen Gesän­gen anfeuern.

Ich habe ein wenig recher­chiert und fest­ge­stellt, daß sie klas­sisch geprägt sind: Sie tra­gen wirk­lich ein Ordens­ge­wand, mit Hau­ben, die ihr gesam­tes Haar bedecken; sie füh­ren ein Leben der Fröm­mig­keit und des katho­li­schen apo­sto­li­schen Dien­stes – nicht bloß ein sozio­lo­gi­sches Engagement.

Und sie haben Beru­fun­gen – in unse­rem Land eben­so wie welt­weit. Und sie haben eine beträcht­li­che Zahl ganz nor­ma­ler jun­ger Frau­en, die sich danach seh­nen, sich Gott hin­zu­ge­ben und das Evan­ge­li­um bekannt zu machen.

Die­se Rea­li­tät – daß sich die klas­si­sche­ren und tra­di­tio­nel­le­ren Ordens­ge­mein­schaf­ten, Semi­na­re und Lai­en­grup­pen fül­len, wäh­rend sich die übri­gen lee­ren – ver­setzt die Bischö­fe in Schrecken. Und sie sind zu allem bereit, um sie zu leug­nen; in Argen­ti­ni­en waren wir Zeu­gen von Ver­fol­gun­gen und Grau­sam­kei­ten, die sich kaum in Wor­te fas­sen lassen.

Vor eini­gen Wochen erhiel­ten die katho­li­schen Schu­len der Erz­diö­ze­se Bue­nos Aires eine merk­wür­di­ge Umfra­ge, die bis ins klein­ste Detail über ihre Kaplä­ne Aus­kunft ver­lang­te. Als man die Bil­dungs-Vika­ri­ats­stel­le wegen die­ser unge­wöhn­li­chen Maß­nah­me befrag­te, erklär­te man dort, im Erz­bi­schöf­li­chen Ordi­na­ri­at sei Alarm aus­ge­löst wor­den, nach­dem bekannt gewor­den war, daß in irgend­ei­ner der zahl­rei­chen Ordens­schu­len ein Prie­ster die Mes­se „mit dem Rücken zum Volk und auf Latein“ zele­briert habe – aller Wahr­schein­lich­keit nach han­del­te es sich dabei um den Novus Ordo. Dies ist voll­kom­men erlaubt und bedarf kei­ner Geneh­mi­gung durch irgendjemanden.

Das Pro­blem ist nicht das Latein und auch nicht die über­lie­fer­te Mes­se. Das Pro­blem ist, daß sie wis­sen: Wenn sich die­se „Neue­run­gen“ erst ein­mal in den Schu­len und Pfar­rei­en von Bue­nos Aires aus­zu­brei­ten begin­nen, wer­den sie nicht mehr auf­zu­hal­ten sein.

Und als ob die­se gesam­te Lage für die Bischö­fe nicht bereits kom­pli­ziert genug wäre, wird Papst Leo XIV. im Novem­ber in unser Land rei­sen, wie wir vor zwei Mona­ten ange­kün­digt haben. Es wird erwar­tet, daß er am 9. Novem­ber in Bue­nos Aires sein und auch Cór­do­ba besu­chen wird.

Meh­re­re Bischö­fe haben ihre Ver­trau­ten bereits wis­sen las­sen, daß es sich bei ihm um einen Mann der Insti­tu­tio­nen hand­le und daß daher alles sehr geord­net und sorg­fäl­tig ablau­fen wer­de. Sie wer­den also nicht die lit­ur­gi­schen und popu­li­sti­schen „Kar­ne­vals­ver­an­stal­tun­gen“ abhal­ten kön­nen, an die sie gewöhnt sind.

Und sie zit­tern, denn die apo­sto­li­sche Rei­se könn­te ein Miß­er­folg wer­den, wie es die Rei­se von Fran­zis­kus nach Chi­le war.

Sie wer­den ver­su­chen, die Reden und Gesten auf sozia­le Fra­gen aus­zu­rich­ten, und mit Hil­fe der Pres­se dafür sor­gen wol­len, daß die Rei­se mög­lichst zu einer schar­fen Kri­tik an der Regie­rung von Javier Milei wird. Die ent­schei­den­de Fra­ge ist jedoch, ob Papst Leo ihnen die­sen Gefal­len tun wird.

Er ist sich dar­über im kla­ren, daß sei­ne Rei­se eine apo­sto­li­sche Rei­se ist, also dar­auf aus­ge­rich­tet, sei­ne Brü­der im Glau­ben zu stär­ken. Das Pro­blem ist natür­lich, daß der Glau­be sei­ner bischöf­li­chen Brü­der mehr als frag­wür­dig ist.

Falls der oben erwähn­te Arti­kel von The Pil­lar mit sei­nen Pro­gno­sen recht behält, wer­den wir nach dem Som­mer wich­ti­ge Ver­än­de­run­gen in der Römi­schen Kurie sehen. Soll­te Msgr. Erik Var­den2 dort eine hoch­ran­gi­ge Posi­ti­on erhal­ten – man­che spe­ku­lie­ren sogar, er kön­ne der neue Prä­fekt des Dik­aste­ri­ums für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung wer­den –, wäre dies ein äußerst deut­li­ches Zei­chen für die neue Rich­tung, in die der Wind weht.

Und unse­re argen­ti­ni­schen Bischö­fe wer­den sich – ob frei­wil­lig oder unter Druck – damit aus­ein­an­der­set­zen müssen.

*Cami­nan­te Wan­de­rer ist argen­ti­ni­scher Phi­lo­soph und Blogger.

Übersetzung/​Fußnoten: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Clarín/​Caminante Wanderer

  1. Bei­de Gewerk­schafts­bün­de sind links­ori­en­tiert, die CGT aus dem Jahr 1930 ist pero­ni­stisch aus­ge­rich­tet, die CTA wur­de 1992 als radi­ka­le lin­ke Alter­na­ti­ve zur pero­ni­sti­schen CGT gegrün­det und sam­melt das hete­ro­do­xe, nicht-pero­ni­sti­sche lin­ke Spek­trum. ↩︎
  2. Msgr. Erik Var­den ist ein nor­we­gi­scher Trap­pist und im Bischofs­rang Prä­lat der Prä­la­tur Trond­heim und seit 2023 auch sede vacan­te Prä­lat von Trom­sø. ↩︎

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