Fatima: vatikanische Täuschungen, gewollte Ignoranz, apokalyptische Weltlage (Epilog, 2. Teil/​Schluß)

Das Desinteresse an den apokalyptischen Zeichen der Zeit


Am 29. August 1953 ereignete sich das Tränenwunder von Syrakus, das vielfach dokumentiert wurde, so auch in einem Film, aus dem das Bild entnommen ist. Weinte die Gottesmutter Maria Tränen über den Ungehorsam des Papstes und die Unterwanderung der Kirche?
Am 29. August 1953 ereignete sich das Tränenwunder von Syrakus, das vielfach dokumentiert wurde, so auch in einem Film, aus dem das Bild entnommen ist. Weinte die Gottesmutter Maria Tränen über den Ungehorsam des Papstes und die Unterwanderung der Kirche?

Die­ser Teil schließt unmit­tel­bar an den 1. Teil vom 15. Juni an.

Das Tränenwunder von Syrakus – Tränen über den Ungehorsam des Papstes und die Unterwanderung der Kirche

Im Spät­som­mer 1953 ver­goß in der Woh­nung des Ehe­paars Ange­lo und Anto­ni­na Ian­nu­so im sizi­lia­ni­schen Syra­kus eine Mari­en­sta­tue (in Form eines Gips­re­li­efs, das genau das in der Fati­ma­bot­schaft vom 13. Juni 1917 offen­bar­te dor­nen­um­schlos­se­ne Unbe­fleck­te Herz Mari­ens dar­stellt), mensch­li­che Trä­nen. Die Prü­fung ergab, daß ein Betrug aus­ge­schlos­sen wer­den muß.

Pius XII. stell­te öffent­lich die Fra­ge, ob die Men­schen die Bot­schaft der wei­nen­den Madon­na wohl ver­ste­hen wür­den. Nun, letzt­lich war die Bot­schaft an ihn, den Papst als Trä­ger der kirch­li­chen Voll­macht selbst, gerich­tet. Das schien er tra­gi­scher­wei­se nicht ver­stan­den zu haben. Denn er zöger­te mit der Erfül­lung des Auf­ge­tra­ge­nen: Wei­he Ruß­lands an das Unbe­fleck­te Herz und Ver­kün­di­gung der Sühnesamstage.

Sr. Lucia erhielt die Offen­ba­rung, daß das trotz der gewähr­ten Gna­den­hil­fen anhal­ten­de Zögern des Pap­stes im Him­mel miß­bil­ligt wird. Wir ste­hen hier vor einem Rät­sel. Höchst­wahr­schein­lich waren es mensch­li­che und poli­tisch-diplo­ma­ti­sche Rück­sich­ten, denen der Papst Wider­stand gegen den Auf­trag des Him­mels gestattete.

In genau jener Zeit trat dann ein, was Frè­re Michel in The Who­le Truth About Fati­ma als „alar­mie­ren­den Fort­schritt der Unter­wan­de­rung der Kir­che“ (alar­ming pro­gress of sub­ver­si­on in the Church) bezeich­ne­te:

Nun­ti­us Ange­lo Ron­cal­li, spä­ter Papst Johan­nes XXIII., reha­bi­li­tier­te Marc Sang­nier in einem Brief an des­sen Wit­we. Damit wur­de gleich­zei­tig die Ideo­lo­gie des von ihm gegrün­de­ten inter­kon­fes­sio­nel­len und huma­ni­sti­schen Sil­lon reha­bi­li­tiert, der von St. Pius X. in Not­re char­ge apo­sto­li­que (1910) ver­ur­teilt wor­den war. Papst Pius XII. wur­de allem Anschein nach nicht dar­über informiert.

Pro-Staats­se­kre­tär Gio­van­ni Bat­ti­sta Mon­ti­ni, spä­ter Papst Paul VI., fiel dem Papst in den Rücken, indem er des­sen Enzy­kli­ka Huma­ni Gene­ris (1950) gegen den Neo­mo­der­nis­mus im Gespräch mit dem ein­fluß­rei­chen Phi­lo­so­phen und Lai­en­theo­lo­gen Jean Guit­ton (1901–1999) fak­tisch unter­lief. Mon­ti­ni knüpf­te zudem unau­to­ri­sier­te Kon­tak­te zum sta­li­ni­sti­schen Sowjet­re­gime, was dem Papst durch einen schwe­di­schen luthe­ri­schen Amts­trä­ger zuge­tra­gen wur­de. Der schwe­re Ver­trau­ens­bruch durch Mon­ti­ni erschüt­ter­te die Gesund­heit des Pap­stes so sehr, daß er sich dem Tod nahe glaub­te. Er zog auch einen Rück­tritt in Erwä­gung. Mon­ti­ni wur­de, ohne die Kar­di­nals­wür­de zu emp­fan­gen, nach Mai­land versetzt. –

Die dem gläu­bi­gen Volk oktroy­ier­te Hei­lig­spre­chung bei­der Nach­fol­ge­päp­ste von Pius XII. kann nur als lächer­li­che Absur­di­tät auf­grund unüber­wind­li­cher Ver­blen­dung oder aber bösen Wil­lens inter­pre­tiert werden. –

Wie Frè­re Michel berich­tet, war das Wun­der von Syra­kus für Kar­di­nal Erne­sto Ruf­fi­ni von Paler­mo und Erz­bi­schof Etto­re Bar­anzini von Syra­kus der Anlaß, die authen­ti­sche, inte­gra­le Bot­schaft von Fati­ma, auch die Süh­ne­sams­ta­ge, in Erin­ne­rung zu rufen.

Pius XII. dage­gen tat nichts der­glei­chen. Er woll­te nach Frè­re Michel die Fati­ma-feind­li­chen, „öku­me­ni­schen“ Kräf­te nicht beun­ru­hi­gen: Jesui­ten­ge­ne­ral Jean-Bap­tist Jans­sens, Pater Augu­stin Bea SJ (ab 1959 Kar­di­nal, ab 1962 Bischof), der unglück­li­cher­wei­se Beicht­va­ter des Pap­stes war, Msgr. Mon­ti­ni und Msgr. Ange­lo Dell’Acqua (ab 1958 Bischof, 1967 Kar­di­nal), die bezüg­lich Fati­ma der­sel­ben Mei­nung wie Fati­ma-Erz­feind Edouard Dha­nis SJ waren, der nach dem Tod von Pius gro­ße Kar­rie­re machen soll­te. Der Ver­fall des Jesui­ten­or­dens beginnt, wie man hier klar sieht, lan­ge vor dem unglück­li­chen Gene­ra­lat von Pater Arru­pe (1965–1981).

Im Jahr 1955 setz­te Pius die unnö­ti­ge und pro­ble­ma­ti­sche Reform der Kar­wo­chen- und Oster­nachts­lit­ur­gie um, die für heu­ti­ge Ver­hält­nis­se eher harm­los wirkt, aber dem Lit­ur­gie­re­for­mer und Frei­mau­rer, Laza­ri­sten­prie­ster, spä­ter Erz­bi­schof Anni­ba­le Bug­nini bereits Wirk­mög­lich­kei­ten sicher­te und die Kir­che, Hier­ar­chie und Gläu­bi­ge, an wei­te­re „Refor­men“ bis hin zum kom­plet­ten Umsturz von Lit­ur­gie und Kalen­der gewöh­nen sollte.

Mit ande­ren Wor­ten: Nach­dem Pius XII., der angeb­li­che „Papst von Fati­ma“, den Anord­nun­gen von Fati­ma, trotz genau­er Infor­ma­tio­nen durch die Visio­nä­rin und gna­den­haf­ter Unter­stüt­zung „von oben“, nicht nach­ge­kom­men war, ging es mit ihm berg­ab. Die sub­ver­si­ven Kräf­te waren schon seit gerau­mer Zeit tief in die vati­ka­ni­schen Struk­tu­ren eingegraben. –

Johannes XXIII. – Beginn der „Fatima-Zeit“ im Jahr 1960

Ein Pro­dukt der Sub­ver­si­on war zwei­fel­los Ange­lo Ron­cal­li. In jun­gen Jah­ren wur­de er von sei­nem Bischof Gia­co­mo Radi­ni-Tede­schi von Ber­ga­mo, einem „pro­gres­si­ven“ Kir­chen­mann, geför­dert. Die­ser wie­der­um war ein Pro­te­gé von Kar­di­nal Maria­no Ram­pol­la, der nach Mark Fel­lows beim Kon­kla­ve 1903 schon die mei­sten Stim­men auf sich ver­ei­nigt hat­te und nur auf­grund des Vetos von Kai­ser Franz Joseph von der Wahl aus­ge­schlos­sen wur­de. Kar­di­nal Ram­pol­la wur­de von Msgr. Ernest Jouin der Mit­glied­schaft in einer okkul­ten Ver­ei­ni­gung (Ordo Templi Ori­en­tis, OTO) bezich­tigt. Wäh­rend das natur­ge­mäß kaum zu bewei­sen ist und von Ram­pol­la auch geleug­net wur­de, so galt Ram­pol­la doch als sehr „pro­gres­siv“, was natür­lich kein gutes Zei­chen ist.

Auch Ange­lo Ron­cal­li, Pro­fes­sor für Patri­stik, wur­de schon 1914, als er Leh­rer am Semi­nar in Ber­ga­mo war, des Moder­nis­mus beschuldigt.

Als Kar­di­nal­pa­tri­arch von Vene­dig besuch­te er zwar Fati­ma, als Papst ver­hin­der­te er aber die für 1960 ange­ord­ne­te Ver­öf­fent­li­chung des Drit­ten Geheim­nis­ses, säte Zwei­fel am Wahr­heits­ge­halt der Bot­schaft, klag­te bei der Eröff­nung des fata­len Kon­zils am 11. Okto­ber 1962 über „Unglücks­pro­phe­ten“ und sabo­tier­te gleich­sam die Fati­ma­bot­schaft. Nach­dem die­se Din­ge im Jahr 1960 began­nen (8. Febru­ar: anony­me, ganz offen­sicht­lich vom Vati­kan in Auf­trag gege­be­ne Pres­se­aus­sendung der por­tu­gie­si­schen Agen­tur A. N. I.), wird man sie wohl als begin­nen­de Erfül­lung der Pro­phe­zei­ung im Drit­ten Geheim­nis ver­ste­hen müssen.

Paul VI. – Scheitern der Illusionen

Bei der fei­er­li­chen Abschluß­ze­re­mo­nie der drit­ten Ses­si­on des Zwei­ten Vati­can­ums im Jahr 1964 „erneu­er­te“, nach ande­ren Berich­ten „erwähn­te“, Paul VI. die Wei­he der Welt an das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens durch Pius XII. vom 31. Okto­ber 1942. Er kün­dig­te auch die Ent­sen­dung eines Son­der­de­le­ga­ten nach Fati­ma an. Die­ser über­mit­tel­te am 13. Mai 1965 eine gol­de­ne Rose an das Hei­lig­tum in Fati­ma. Gemäß der Auf­schrift soll­te die gan­ze Kir­che der Sor­ge Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma anver­traut werden.

Zum fünf­zig­sten Jah­res­tag der ersten Erschei­nung, am 13. Mai 1967, begab sich Papst Paul nach Fati­ma. Mark Fel­lows bestrei­tet in Fati­ma in Twilight, daß der Papst eine Wall­fahrt im eigent­li­chen Sinn gemacht hät­te, denn er habe letzt­lich nicht wirk­lich an Fati­ma geglaubt. Paul VI. habe die Gele­gen­heit genützt, um die hun­dert­tau­sen­den Pil­ger in den Rubri­ken des neu­en, huma­ni­sti­schen Glau­bens zu unter­wei­sen. Den Zita­ten nach zu schlie­ßen, muß die­se Unter­wei­sung gera­de­zu schau­der­haft gewe­sen sein. –

Damals ereig­ne­te sich bekannt­lich der erste öffent­li­che Auf­tritt einer völ­lig anders aus­se­hen­den und sich anders beneh­men­den „Sr. Lucia“, als sie bis dahin bekannt gewe­sen war (wie man in Zei­ten ohne Inter­net und bei noch gerin­ger Ver­brei­tung des Fern­se­hens eben „bekannt“ gewe­sen sein konnte).

Das Pon­ti­fi­kat Pauls VI. wuchs sich zum Desa­ster aus. Es ende­te nach fünf­zehn Jah­ren inner­kirch­li­cher Ver­wir­rung. Die Ermor­dung von Aldo Moro, einem engen Freund des Pap­stes, durch die kom­mu­ni­sti­schen Roten Bri­ga­den (die ihrer­seits höchst­wahr­schein­lich eine Krea­ti­on ganz ande­rer Kräf­te gewe­sen sein dürf­ten) löste bei Papst Mon­ti­ni einen regel­rech­ten gesund­heit­li­chen Zusam­men­bruch aus. Die päpst­li­chen Illu­sio­nen über die con­di­tio huma­na zer­schell­ten an der Realität.

Ver­kün­di­gung, Kate­che­se und Lit­ur­gie lagen 1978 in Trümmern.

Auch wenn der Papst Fati­ma irgend­wie mehr oder weni­ger expli­zit „aner­kann­te“, so nütz­te es ihm und der Kir­che nichts. Die Halb­her­zig­keit gegen­über der Fati­ma-Bot­schaft erwies sich offen­sicht­lich als Fluch.

Von Johannes Paul I. bis in die Gegenwart – motus in fine velocior

Johan­nes Paul I. zeig­te vor sei­ner Wahl zum Papst eine spe­zi­el­le Andacht zu Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma und lei­te­te als Kar­di­nal­pa­tri­arch von Vene­dig (Amts­über­nah­me im Jahr 1969) eine Pil­ger­fahrt dort­hin. Es wird berich­tet, daß er Sr. Lucia traf und offen­bar sehr beein­druckt war. Nach Mark Fel­lows habe er danach zum Rosen­kranz­ge­bet gemahnt, um die „Apo­sta­sie“ abzu­wen­den. (Da aus dem Bericht auf fati​ma​.org nicht her­vor­geht, wann genau Albi­no Lucia­ni bei Sr. Lucia war, bleibt die Iden­ti­tät der betref­fen­den Sr. Lucia zunächst rätselhaft.)

Johan­nes Paul II. hat mehr­fach sei­ne Zustim­mung zu Fati­ma demon­striert. Er war 1982, 1991 und 2000, als er Jac­in­ta und Fran­cis­co Mar­to selig­sprach, in Fatima. –

Sein Wei­he­akt vom 25. März 1984 nann­te Ruß­land gar nicht, der Wel­tepi­sko­pat war nicht ein­ge­bun­den, die Süh­ne­sams­ta­ge wur­den nicht amt­lich verkündet.

Die Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vom 26. Juni 2000 mit dem irre­füh­ren­den Titel Die Bot­schaft von Fati­ma, die hier schon oft erwähnt wur­de, muß als Tief­punkt der jün­ge­ren Papst­ge­schich­te gelten.

Zum trau­ri­gen The­ma Papst Bene­dikt XVI. und Fati­ma wur­de hier bereits eine drei­tei­li­ge Serie ver­kün­det, sodaß wir das nicht näher aus­füh­ren müssen. –

Papst Fran­zis­kus setz­te zwar am 25. März 2022 einen Wei­he­akt, in dem „Ruß­land und die Ukrai­ne“ dem Unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens geweiht wur­den, der aber eben­falls defi­zi­tär war. Auch das wur­de hier bereits dargestellt.

Wie ein­gangs im 1. Teil erwähnt, tätig­te Berg­o­glio am 13. Sep­tem­ber 2024 in Sin­ga­pur die unge­heu­er­li­che Aus­sa­ge, daß alle Reli­gio­nen ein Weg zu Gott wären. Es kommt einem die Apo­ka­lyp­se in den Sinn, frei paraphrasiert:

Er sieht aus wie ein Lamm und redet wie ein Drache.

Berg­o­glio hin­ter­ließ Cha­os und Ver­wir­rung. Offen­bar wur­de den Auf­for­de­run­gen von Fati­ma nicht gehorcht. –

Am 11. Okto­ber 2025 war die ori­gi­na­le Fati­ma-Sta­tue nach Rom gebracht wor­den. Am Peters­platz hat Papst Leo XIV. am Ende der Mes­se zur Hei­lig-Jahr-Fei­er der maria­ni­schen Spi­ri­tua­li­tät die Welt und die gesam­te Mensch­heit dem Unbe­fleck­ten Her­zen Mari­as anemp­foh­len. Der Text des Gebe­tes ist eher unspe­zi­fisch. Von einer Wei­he Ruß­lands war kei­ne Rede, von den Süh­ne­sams­ta­gen auch nicht.

Von Papst Leo XIV. ist ein Frie­dens­ap­pell am 13. Mai die­ses Jah­res bekannt, in dem er Fati­ma und das Unbe­fleck­te Herz erwähnt, es dabei aber bewen­den läßt.

Unter Papst Leo gehen Glau­bens­ab­fall, Ent­christ­li­chung der Völ­ker und Ver­wir­rung inner­halb der Kir­che immer schnel­ler wei­ter: Motus in fine velo­ci­or – gegen Ende wird die Bewe­gung immer schneller. –

Alle die­se Vor­gän­ge zei­gen, daß die Päp­ste auch nach der offi­zi­el­len Aner­ken­nung im Jahr 1930 Fati­ma auf ver­schie­de­ne Wei­se wei­ter­hin aner­kannt und geför­dert haben. Aber es blieb letzt­lich Lip­pen­be­kennt­nis – und Unge­hor­sam: Denn gera­de die­je­ni­gen Dog­men des Glau­bens, die Fati­ma in Erin­ne­rung geru­fen hat, wur­den sei­tens der Hier­ar­chie angegriffen.

Dogmatische Zurücksetzung Unserer Lieben Frau und des Papsttums

Frè­re Michel de la Sain­te Tri­ni­té schrieb in Die gan­ze Wahr­heit von Fati­ma (nach der engl. Über­set­zung) Ende der 1980er Jah­re, daß das Drit­te Geheim­nis nach allem, was man erschlie­ßen kann und was auch Fati­ma-Histo­ri­ker Pater Alon­so zusam­men­ge­tra­gen hat, den Ver­lust des Glau­bens in der Hier­ar­chie behan­deln muß. Dar­um hat­te die Mut­ter­got­tes von Fati­ma die Ver­öf­fent­li­chung des Geheim­nis­ses frü­he­stens für das Jahr 1960 ange­ord­net, weil es „kla­rer“ sein würde.

Tat­säch­lich führt eine Linie vom irrea­len, gera­de­zu trun­ke­nen, ja eupho­ri­schen Welt­op­ti­mis­mus Johan­nes‘ XXIII. am Ende der 1950er Jah­re über die Tex­te des II. Vati­ka­nums mit ihren sorg­fäl­tig pla­zier­ten Zeit­bom­ben bis zum Offen­bar­wer­den der Apo­sta­sie bei Berg­o­glio in Singapur.

Die bei­den Eck­punk­te der Fati­ma-Bot­schaft, die Mitt­ler­rol­le Mari­ens und die Voll­macht des Pap­stes, sind in der „syn­oda­len“ Kir­che prak­tisch bedeu­tungs­los geworden:

Die Rol­le Unse­rer Lie­ben Frau als Mitt­le­rin aller Gna­den wur­de her­ab­ge­setzt. Am Kon­zil wei­ger­te man sich, ihr die zuste­hen­den Titel zu ver­lei­hen. Das Sche­ma über Maria wur­de ver­wor­fen und ledig­lich ein Kapi­tel in der Kir­chen­kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um angehängt.

Auch die unent­behr­li­che Rol­le des Pap­stes wur­de zurück­ge­setzt. Nach den Plä­nen Got­tes soll­te es der Papst sein, in des­sen Hand die Aus­füh­rung des Plans lag. Bene­dikt XV. hat­te um einen Weg, den Frie­den zu erlan­gen, gebe­tet. Ihm und sei­nen Nach­fol­gern wur­den in Fati­ma dazu Mit­tel an die Hand gege­ben, nicht als unver­bind­li­ches Ange­bot, son­dern als Auftrag.

Was dar­aus her­vor­geht: Der Hei­li­ge Vater ist nicht ein Pri­mus inter pares oder der Vor­sit­zen­de einer Fir­ma, son­dern der Inha­ber der ple­na pote­stas. Wie wir alle wis­sen, wur­de am Kon­zil die Rol­le des Pap­stes rela­ti­viert, viel­leicht weni­ger durch die Tex­te selbst (sie­he die Nota praevia expli­ca­ti­va Pauls VI. zum drit­ten Kapi­tel von Lumen gen­ti­um), als durch die fata­le Bot­schaft, die gesen­det wur­de, näm­lich, daß man über das Wesen des Papst­tums dis­ku­tie­ren könne.

Johan­nes Paul II. for­der­te spä­ter in sei­ner Enzy­kli­ka Ut unum sint (1995) selbst dazu auf, über eine Neu­ge­stal­tung des Papst­tums nachzudenken.

Mit ande­ren Wor­ten: Der in Fati­ma offen­bar­te Frie­dens- und Heils­plan Got­tes, der auf beson­de­re Wei­se Maria und dem hl. Vater ent­schei­den­de Bedeu­tung bei­mißt, wur­de von der kirch­li­chen Hier­ar­chie de fac­to zurückgewiesen.

Wie ein­gangs im 1. Teil gesagt: Papst Bene­dikt XV. hat­te zu einem groß­an­ge­leg­ten Frie­dens­ge­bet in der gan­zen Welt auf­ge­ru­fen, um den Welt­krieg zu been­den. Es will schei­nen, daß die Offen­ba­rung von Fati­ma die Gebets­er­hö­rung war – aller­dings mit Bedin­gun­gen. Die­se wur­den nicht erfüllt. Das Resul­tat sehen wir jetzt.

Lei­der inter­es­siert es kaum jeman­den. Das erklärt die rät­sel­haf­ten Stel­len in der End­zeit­re­de Jesu: Die Zeit­ge­nos­sen Noahs wur­den von der Flut über­rascht, weil sie sich für eine sach­ge­mä­ße Situa­ti­ons­ana­ly­se offen­bar nicht inter­es­siert hat­ten („sie erkann­ten nicht“: Mt 24, 39). Ana­log wird es der letz­ten Gene­ra­ti­on gehen. Die Bewoh­ner Sodoms wer­den eben­falls von Feu­er und Schwe­fel über­rascht, weil sie ihr eige­nes Trei­ben nicht als sünd­haft erkann­ten (Lk 17, 28ff).

Es ist sträf­li­che Dummheit.

Erin­nert uns das nicht dar­über hin­aus an den lei­den­den Got­tes­knecht? „Durch Haft und Gericht wur­de er dahin­ge­rafft, /​ doch wen küm­mer­te sein Geschick?“ (Jes 53, 8)

Wen küm­mert heu­te das Geschick der ver­folg­ten Kirche?

Das Des­in­ter­es­se an den apo­ka­lyp­ti­schen Zei­chen der Zeit ist Aus­fluß der Dumm­heit, der stul­ti­tia (Mk 7, 22). Es ist sei­ner­seits Zei­chen der Zeit.

Resümee: Heil und Unheil

Wir erin­nern uns an die Visi­on der Höl­le, die am 13. Juli 1917 den Seh­erkin­dern gezeigt wur­de. Unse­re Lie­be Frau ord­ne­te die Zuflucht zu Ihrem Makel­lo­sen Her­zen und das Rosen­kranz­ge­bet an. „Wenn mei­ne Wün­sche befolgt wer­den, wer­den vie­le See­len geret­tet“, hieß es. Man wagt es kaum aus­zu­spre­chen: Da die Wün­sche der Mut­ter­got­tes von Fati­ma nicht befolgt wur­den, müs­sen vie­le See­len wohl ver­lo­ren­ge­gan­gen sein.

In den vati­kan­of­fi­zi­el­len Stel­lung­nah­men zu Fati­ma kommt die Escha­to­lo­gie so gut wie nicht vor, von der so unbe­que­men War­nung vor der Höl­le ganz zu schwei­gen. Aber das ewi­ge Schick­sal ist nun ein­mal die wich­tig­ste Fra­ge unse­res Lebens.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro Lifer, stellt mit Ent­set­zen fest, daß die apo­ka­lyp­ti­schen Zustän­de in Kir­che und Welt von den aller­mei­sten Zeit­ge­nos­sen gar nicht als sol­che wahr­ge­nom­men werden.

Bild: lacri​me​da​mo​re​.it/​Y​o​u​t​ube (You­tube)