Ergänzend zu den folgenden Gedanken wäre darauf hinzuweisen, daß auch der Umstand, daß zwei Tage nach Abschluß des bevorstehenden Kardinalskonsistoriums die Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. stattfinden werden, keinen geeigneten Rahmen bietet, um die Liturgiefrage mit der gebotenen Ruhe und Sachlichkeit zu erörtern. Vielmehr bestünde die Gefahr, daß die Debatte im Kardinalskollegium von übermäßiger Polemik überschattet wird und sich die Gegner des überlieferten Ritus in Verbarrikadierung und Frontenbildung zurückziehen.
Von Caminante Wanderer*
Als die Nachricht bekannt wurde, dachte ich daran, einen Beitrag zu schreiben und darin festzustellen, daß dies unter den gegebenen Umständen das Beste sei, was geschehen konnte. Aus Zeitmangel oder vielleicht aus Bequemlichkeit tat ich es nicht. Nun aber hat Nico Spuntoni [La Nuova Bussola Quotidiana] dies getan, und ich muß sagen, daß ich ihm voll und ganz zustimme.
Die internationale Lage, Magnifica humanitas und die Synode. Dies sind die „Aufgaben“, die Leo XIV. den Kardinälen im Hinblick auf das außerordentliche Konsistorium vom 26., 27. und 29. Juni übertragen hat. In einem von Messainlatino veröffentlichten Schreiben hat der Dekan des Heiligen Kollegiums, Kardinal Giovanni Battista Re, den Kardinälen eine „angemessene Vorbereitung auf die Versammlung“ empfohlen.
Damit ergibt sich gegenüber dem ersten Konsistorium im Januar eine Änderung des Programms. Damals hatte die Mehrheit der Kardinäle dafür gestimmt, über „Synode und Synodalität“ sowie über „Evangelisierung und Mission in der Kirche im Lichte von Evangelii gaudium“ zu beraten und die Diskussion über Praedicate Evangelium und die Liturgie auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Es versteht sich von selbst, daß letzteres Thema weiterhin zu den umstrittensten unter den Fachleuten gehört, da es auch die Frage einschließt, welche Haltung gegenüber der tridentinischen Messe einzunehmen sei.
Die Befürworter einer Linie der Toleranz gegenüber dem überlieferten Ritus haben jedoch wenig Anlaß zur Klage. Beim letzten Konsistorium hat nämlich die Entscheidung der Kardinalsmehrheit, nicht über die Liturgie zu sprechen, allen die Lektüre des Beitrags von Kardinal Arthur Roche erspart. Darin wagte es der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Benedikt XVI. und dessen Motu proprio Summorum Pontificum die Autorität abzusprechen. Er erklärte, man könne nicht „zu jener rituellen Form zurückkehren, deren Reform die Konzilsväter cum Petro et sub Petro für notwendig hielten, indem sie unter der Führung des Heiligen Geistes und gemäß ihrem Gewissen als Hirten jene Grundsätze billigten, aus denen die Reform hervorging“. Roche berief sich dabei auf das höchst umstrittene Dokument Traditionis custodes, von dem Papst Franziskus sagte, er habe es verfaßt, „damit die Kirche in der Vielfalt der Sprachen ein einziges und identisches Gebet erheben kann, das ihre Einheit zum Ausdruck bringt“.
Leo XIV. widerlegte diese Auffassung bereits wenige Monate später in seinem Schreiben an die französischen Bischöfe, in dem er ihnen empfahl, „konkrete Lösungen zu finden, die eine großzügige Einbeziehung jener ermöglichen, die aufrichtig am Vetus Ordo festhalten, gemäß den vom Zweiten Vatikanischen Konzil für die Liturgie festgelegten Richtlinien“. Auch wenn die Linie der Toleranz gegenüber der außerordentlichen Form des römischen Ritus im Heiligen Kollegium mittlerweile wahrscheinlich die Mehrheit gewonnen hat, hätte es zweifellos nicht geholfen, eine Debatte auf der Grundlage eines derart ablehnenden Textes wie jenem von Roche zu beginnen.
Und wenn die Liturgie weiterhin zu den Themen der Konsistoriumssitzungen gehört hätte, wäre die Einführung vermutlich auch diesmal dem britischen Kardinal übertragen worden. So ist es also besser. Kardinaldekan Re schrieb seinen Mitbrüdern im Hinblick auf das Konsistorium, daß „der Beitrag jedes Kardinals um so fruchtbarer ist, je mehr er aus dem lebendigen Kontakt mit dem Volk Gottes, mit dessen Hoffnungen, Fragen und auch Mühen hervorgeht“. Ein Rat, der Kardinal Roche gut anstünde, falls er sich entschließen sollte, den Hoffnungen, Fragen und Schwierigkeiten der mehr als 20 000 jungen Gläubigen, die der tridentinischen Messe verbunden sind und zu Pfingsten die Wallfahrt von Paris nach Chartres belebten, Aufmerksamkeit zu schenken.
Dies wäre ein Beweis jener „neuen Weise, einander zu betrachten, mit größerem Verständnis für die jeweiligen Empfindungen“, zu der Leo XIV. in seinem Schreiben an die französischen Bischöfe aufgerufen hat.
*Caminante Wanderer ist ein argentinischer Philosoph und Blogger.
Übersetzung/Einleitung: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
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