Es schien nur eine Frage der Zeit, bis die sogenannten McCarrick-Boys auch medial geschlossen auftreten würden. Nachdem sie bereits im Januar mit einer demonstrativ gemeinschaftlich unterzeichneten – und ausdrücklich als „ungewöhnlich“ bezeichneten – Erklärung zur Moralität der US-Außenpolitik hervorgetreten waren, folgte nun der nächste Schritt: ein koordinierter Auftritt im US-Fernsehen.
Im Programm 60 Minutes des US-Senders CBS gaben drei der einflußreichsten Kardinäle und Erzbischöfe der USA, Kardinal Blase Cupich (Erzbischof von Chicago), Kardinal Joseph Tobin (Erzbischof von New Jersey) und Kardinal Robert McElroy (Erzbischof von Washington, erstmals ein gemeinsames Interview. Thema waren nicht kirchliche Fragen, sondern – wenig überraschend – geopolitische Konflikte wie der Iran und die Migration – sowie am Rande auch die Zukunft der katholischen Kirche. Daß gerade diese Themen gewählt wurden, läßt unschwer erkennen, worum es tatsächlich geht: um politische Positionierung.
Die McCarrick-Boys bekräftigten ihre Unterstützung eines „offenen, dialogorientierten“ Kurses der Inklusion, der Begleitung und Anpassung an gesellschaftliche Realitäten. Sie beharrten dabei mit Nachdruck auf ihrer Legitimation zu politischen Fragen Stellung zu nehmen.
Vergleichbares ist von führenden Vertretern der Deutsche Bischofskonferenz hinlänglich bekannt und sollte im Hinterkopf behalten werden, wenn innerkirchlich ausgerechnet traditionsverbundenen Kräften der Vorwurf der „Ideologie“ gemacht wird.
Andererseits exerzierte Papst Franziskus genau dieses Modell vor. Alle drei Erzbischöfe wurden von ihm ernannt und auch zu Kardinälen kreiert.
Ein Netzwerk mit Vorgeschichte
Der Begriff McCarrick-Boys verweist auf das Netzwerk von Klerikern, die dem ehemaligen Kardinal Theodore McCarrick (1930–2025) nahestanden und von ihm gefördert wurden. McCarrick selbst wurde bekanntlich 2018 wegen schwerer Mißbrauchsvorwürfe als homosexueller Päderast aus dem Kardinalsstand entlassen und 2019 laisiert – ein beispielloser Absturz für einen Mann, der jahrzehntelang als Strippenzieher im Hintergrund wirkte und im Pontifikat von Franziskus der maßgebliche Einflüsterer bei Bischofsernennungen in den USA war.
Daß nun ausgerechnet Persönlichkeiten aus diesem Umfeld gemeinsam auftreten und sich als moralische Instanz zu globalen Fragen präsentieren, wirkt – vorsichtig formuliert – befremdlich. Oder weniger vorsichtig: Es offenbart eine bemerkenswerte Resistenz gegenüber der eigenen Vergangenheit.
Zugleich verdeutlicht es, wie sicher sich die McCarrick-Boys nach wie vor fühlen.
Die entscheidende Frage bleibt bis heute unbeantwortet: Wie konnte ein Netzwerk entstehen, das über Jahre hinweg von den Verfehlungen McCarricks entweder nichts bemerkt haben will oder sie stillschweigend tolerierte?
Die McCarrick-Boys stehen innerkirchlich für eine homophile Haltung und für die politisch linken Positionen der Demokratischen Partei in den USA.
Die selektive Erinnerung
Besonders aufschlußreich ist, daß sich unter den McCarrick-Boys, die zu bischöflichen Würden aufstiegen, sich auch solche befinden, die einst „unter demselben Dach“ wie McCarrick lebten – ohne angeblich „irgendetwas Ungewöhnliches“ bemerkt zu haben. Eine Aussage, die angesichts der später offengelegten systematischen Übergriffe schwer glaubwürdig erscheint.
Man könnte von einem typischen Muster institutioneller Amnesie sprechen. Was nicht ins eigene Narrativ paßt, wird ausgeblendet. Verantwortung wird diffus, Erinnerung selektiv. Doch wie gesagt: Franziskus ließ McCarrick nach direkten Anschuldigungen durch die New York Times fallen, förderte aber die McCarrick-Boys umso intensiver. Sie wurden zum Rückgrat des bergoglianischen Umbaus der US-Bischofskonferenz.
Medienstrategie statt Aufarbeitung
Der Auftritt bei 60 Minutes ist weniger als journalistisches Ereignis zu werten, sondern als Teil einer strategischen Medienoffensive. Man präsentiert sich geschlossen, abgestimmt und dialogbereit – ein Bild, das Stabilität und moralische Autorität suggerieren soll. In Wirklichkeit treten die drei Kardinäle als politische Akteure auf, wobei sie im aktuellen Kontext der US-Innenpolitik – wenig überraschend – wie ein verlängerter Arm der Demokraten wirken.
Doch genau diese Inszenierung wirft Fragen auf. Warum dieser Gleichklang? Warum jetzt? Und warum zu Themen, die zwar politisch brisant sind, aber wenig mit kirchlichen Fragen und noch weniger mit den innerkirchlichen Krisen zu tun haben.
Der Auftritt der McCarrick-Boys richtete sich primär gegen US-Präsident Donald Trump, da die Demokratische Partei Blut geleckt hat und mit Blick auf die im November stattfindenden Zwischenwahlen sich Chancen ausmalt, Trump zu schwächen und seine Macht einzuschränken.
Diese funktionale Konnexität hoher kirchlicher Amtsträger zu politischen, ja konkret sogar parteipolitischen Richtungen wird von nicht wenigen katholischen Kritikern als fatal beurteilt.
Verbindungen im Hintergrund
Im ausgestrahlten Beitrag kamen weitere Stimmen aus dem Umfeld dieser Gruppierung zu Wort, darunter Pater Manuel Dorantes, der heute eine leitende Funktion im bergoglianischen Projekt Borgo Laudato si’ in Castel Gandolfo innehat. Die Segnung eines Eisblocks in Castel Gandolfo durch Papst Leo XIV. stand ebenfalls im Zusammenhang mit der Papst-Franziskus-Enzyklika Laudato si‘. Dorantes kirchliche Herkunft aus Chicago – einer Diözese, die seit 2014 zum Machtzentrum des progressiven kirchenpolitischen Lagers wurde – ist dabei kein unwesentlicher Kontext.
Diese personellen Verflechtungen verdeutlichen: Es handelt sich nicht um zufällige Übereinstimmungen, sondern um ein gewachsenes Netzwerk mit klarer Ausrichtung.
Der gemeinsame Auftritt der „McCarrick-Boys“ markiert die Fortsetzung eines bereits aus der bergoglianischen Ära vertrauten Musters: Kirchenvertreter lassen sich für politische Interessen progressiver Parteien instrumentalisieren und scheinen daraus ihre Existenzberechtigung zu beziehen. Einen eigenständigen, gar religiösen Zweck scheinen diese progressiven politischen Freunde in Kirche und Bischöfen nicht zu erkennen.
Das schafft nicht nur ungesunde Abhängigkeiten. Es werden ideologische Grabkämpfe riskiert, die die Kirche spalten können, so wie die Kirche insgesamt durch enge politische Verstrickungen Schaden nimmt. Die Geschichte kennt ausreichend Beispiele dafür.
Im konkreten Fall gibt es noch eine besondere Brisanz. Wer die Welt belehren will, sollte zuvor im eigenen Haus aufgeräumt haben.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Youtube (Screenshot)
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