Kapuziner-Tertiarinnen verlassen Nicaragua

Politischer Druck


Die ersten Kapuziner-Tertiarinnen, die 1992 nach Nicaragua kamen, in jenes Land, das sie nun wieder verlassen
Die ersten Kapuziner-Tertiarinnen, die 1992 nach Nicaragua kamen, in jenes Land, das sie nun wieder verlassen

Die Kon­gre­ga­ti­on der Her­ma­nas Ter­cia­ri­as Capuch­i­nas de la Sagra­da Fami­lia (Kapu­zi­ner-Ter­tia­rin­nen der Hei­li­gen Fami­lie) gab offi­zi­ell das Ende ihrer Prä­senz in Nica­ra­gua bekannt. Die Schwe­stern begrün­den die Ent­schei­dung in einer am 24. Janu­ar ver­öf­fent­lich­ten Pres­se­er­klä­rung damit, daß sie ihre pasto­ra­le Mis­si­on in dem mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Land erfüllt hät­ten. Die Gemein­schaft hat­te vor allem mit indi­ge­nen Gemein­den in Toto­gal­pa, im Nord­we­sten des Lan­des, gear­bei­tet. Unab­hän­gi­ge Beob­ach­ter sehen jedoch einen ande­ren Hin­ter­grund für den Abzug der Ordens­ge­mein­schaft aus Nica­ra­gua: Sie ver­mu­ten poli­ti­schen Druck durch das san­di­ni­sti­sche Regime von Dani­el Ortega.

„Die Zie­le, die uns hier­her geführt haben, sind erreicht. Des­halb haben wir ent­schie­den, unse­re pasto­ra­le Prä­senz zu been­den, in dem Ver­trau­en, daß das hier gesä­te geist­li­che Saat­gut in den Hän­den der Gemein­de wei­ter wach­sen wird“, heißt es in der Mit­tei­lung der Ordens­frau­en. Die Schwe­stern erklär­ten außer­dem, daß ihre Pres­se­er­klä­rung dazu die­ne, „Falsch­in­for­ma­tio­nen in den sozia­len Medi­en“ richtigzustellen.

Die Kapu­zi­ner-Ter­tia­rin­nen kamen 1992, kurz nach dem Ende der ersten Herr­schaft der San­di­ni­sten unter Dani­el Orte­ga, nach Nica­ra­gua. Gegrün­det wur­de die erste Nie­der­las­sung der Ordens­ge­mein­schaft im Land von Luz Socor­ro Jara­mil­lo, Con­sue­lo López, Danelia Rive­ra und Isa­bel Cor­tés. Sie kon­zen­trier­ten ihre Arbeit auf die indi­ge­nen Gemein­den von Toto­gal­pa im Depart­a­men­to Madriz. 2017 hat­te Rosa­rio Mur­il­lo, die nica­ra­gua­ni­sche Vize­prä­si­den­tin und Ehe­frau von Dik­ta­tor Dani­el Orte­ga, die Schwe­stern anläß­lich ihres 25jährigen Wir­kens im Land noch öffent­lich gelobt und ihre Arbeit anerkannt.

Politischer Druck als möglicher Grund

Die Anwäl­tin und Men­schen­rechts­ak­ti­vi­stin Mar­tha Patri­cia Moli­na, die Angrif­fe des Regimes auf die katho­li­sche Kir­che doku­men­tiert und des­halb selbst das Land ver­las­sen muß­te und im Exil lebt, äußer­te auf sozia­len Medi­en, daß die Schwe­stern vom Orte­ga-Regime unter Druck gesetzt wur­den. Die katho­li­sche Kir­che unter­liegt seit 2018 einem mas­si­ven repres­si­ven Regime durch die san­di­ni­sti­sche Regierung.

„Die katho­li­sche Gemein­schaft von Oco­tal und Umge­bung schweigt, aber alle ken­nen die Wahr­heit: stän­di­ge Über­wa­chung und Belä­sti­gung von Prie­stern und Ordens­frau­en durch die Natio­nal­po­li­zei und das Innen­mi­ni­ste­ri­um gehö­ren zum All­tag“, schrieb Moli­na in sozia­len Medien. 

Moli­na doku­men­tiert, wie Ordens­ge­mein­schaf­ten in Nica­ra­gua erpreßt bedroht und zu Schlie­ßun­gen gezwun­gen wer­den. Pro­jek­te, auch sozia­le Hilfs­pro­gram­me und Pasto­ral­ar­beit müß­ten ein­ge­stellt wer­den, um den For­de­run­gen der Behör­den zu entsprechen.

Moli­na kri­ti­siert, daß der Rück­zug der Schwe­stern aus Nica­ra­gua nicht aus eige­nem Wil­len erfol­ge: „Wenn man mit einer Bedro­hung kon­fron­tiert wird, ist jede Ant­wort, die den Aggres­sor zufrie­den­stellt, posi­tiv – es ist kein frei­wil­li­ger Schritt, son­dern eine Not­wen­dig­keit.“ Sie dank­te gleich­zei­tig den Schwe­stern für ihre jahr­zehn­te­lan­ge Arbeit und wies dar­auf hin, dass die Bewoh­ner von Toto­gal­pa nun ihre geist­li­che und sozia­le Unter­stüt­zung ver­lie­ren, da staat­li­che Struk­tu­ren die­se Bedürf­nis­se nicht abdecken können.

Die Kapu­zi­ner-Ter­tia­rin­nen sind nicht der erste Orden, der unter poli­ti­schem Druck der Sozia­li­sten das Land ver­las­sen müss­sen. Bereits 2022 ver­lie­ßen die Mis­sio­na­rin­nen der Näch­sten­lie­be Nica­ra­gua, und im Janu­ar 2025 folg­ten die Kla­ris­sin­nen. Gleich erging es den Kapu­zi­nern, den Tra­pi­stin­nen, den Kar­me­li­tin­nen des Hei­li­gen Her­zens Jesu, den Mer­ce­da­ri­ern und den Jesui­ten. Auch der Orden von Papst Leo XIV., die Augu­sti­ner, wur­den 2024 durch Ent­zug der Rechts­per­sön­lich­keit lahm­ge­legt und aus dem Land gedrängt. Die jüng­ste Ent­wick­lung zeigt die anhal­ten­den Span­nun­gen zwi­schen der katho­li­schen Kir­che und dem auto­ri­tä­ren sozia­li­sti­schen Regime von Dani­el Orte­ga und sei­ner Frau und Vize­prä­si­den­tin Rosa­rio Murillo.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Infobae/​HTC (Screen­shots)

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