Die Kongregation der Hermanas Terciarias Capuchinas de la Sagrada Familia (Kapuziner-Tertiarinnen der Heiligen Familie) gab offiziell das Ende ihrer Präsenz in Nicaragua bekannt. Die Schwestern begründen die Entscheidung in einer am 24. Januar veröffentlichten Presseerklärung damit, daß sie ihre pastorale Mission in dem mittelamerikanischen Land erfüllt hätten. Die Gemeinschaft hatte vor allem mit indigenen Gemeinden in Totogalpa, im Nordwesten des Landes, gearbeitet. Unabhängige Beobachter sehen jedoch einen anderen Hintergrund für den Abzug der Ordensgemeinschaft aus Nicaragua: Sie vermuten politischen Druck durch das sandinistische Regime von Daniel Ortega.
„Die Ziele, die uns hierher geführt haben, sind erreicht. Deshalb haben wir entschieden, unsere pastorale Präsenz zu beenden, in dem Vertrauen, daß das hier gesäte geistliche Saatgut in den Händen der Gemeinde weiter wachsen wird“, heißt es in der Mitteilung der Ordensfrauen. Die Schwestern erklärten außerdem, daß ihre Presseerklärung dazu diene, „Falschinformationen in den sozialen Medien“ richtigzustellen.
Die Kapuziner-Tertiarinnen kamen 1992, kurz nach dem Ende der ersten Herrschaft der Sandinisten unter Daniel Ortega, nach Nicaragua. Gegründet wurde die erste Niederlassung der Ordensgemeinschaft im Land von Luz Socorro Jaramillo, Consuelo López, Danelia Rivera und Isabel Cortés. Sie konzentrierten ihre Arbeit auf die indigenen Gemeinden von Totogalpa im Departamento Madriz. 2017 hatte Rosario Murillo, die nicaraguanische Vizepräsidentin und Ehefrau von Diktator Daniel Ortega, die Schwestern anläßlich ihres 25jährigen Wirkens im Land noch öffentlich gelobt und ihre Arbeit anerkannt.
Politischer Druck als möglicher Grund
Die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Martha Patricia Molina, die Angriffe des Regimes auf die katholische Kirche dokumentiert und deshalb selbst das Land verlassen mußte und im Exil lebt, äußerte auf sozialen Medien, daß die Schwestern vom Ortega-Regime unter Druck gesetzt wurden. Die katholische Kirche unterliegt seit 2018 einem massiven repressiven Regime durch die sandinistische Regierung.
„Die katholische Gemeinschaft von Ocotal und Umgebung schweigt, aber alle kennen die Wahrheit: ständige Überwachung und Belästigung von Priestern und Ordensfrauen durch die Nationalpolizei und das Innenministerium gehören zum Alltag“, schrieb Molina in sozialen Medien.
Molina dokumentiert, wie Ordensgemeinschaften in Nicaragua erpreßt bedroht und zu Schließungen gezwungen werden. Projekte, auch soziale Hilfsprogramme und Pastoralarbeit müßten eingestellt werden, um den Forderungen der Behörden zu entsprechen.
Molina kritisiert, daß der Rückzug der Schwestern aus Nicaragua nicht aus eigenem Willen erfolge: „Wenn man mit einer Bedrohung konfrontiert wird, ist jede Antwort, die den Aggressor zufriedenstellt, positiv – es ist kein freiwilliger Schritt, sondern eine Notwendigkeit.“ Sie dankte gleichzeitig den Schwestern für ihre jahrzehntelange Arbeit und wies darauf hin, dass die Bewohner von Totogalpa nun ihre geistliche und soziale Unterstützung verlieren, da staatliche Strukturen diese Bedürfnisse nicht abdecken können.
Die Kapuziner-Tertiarinnen sind nicht der erste Orden, der unter politischem Druck der Sozialisten das Land verlassen müsssen. Bereits 2022 verließen die Missionarinnen der Nächstenliebe Nicaragua, und im Januar 2025 folgten die Klarissinnen. Gleich erging es den Kapuzinern, den Trapistinnen, den Karmelitinnen des Heiligen Herzens Jesu, den Mercedariern und den Jesuiten. Auch der Orden von Papst Leo XIV., die Augustiner, wurden 2024 durch Entzug der Rechtspersönlichkeit lahmgelegt und aus dem Land gedrängt. Die jüngste Entwicklung zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen der katholischen Kirche und dem autoritären sozialistischen Regime von Daniel Ortega und seiner Frau und Vizepräsidentin Rosario Murillo.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Infobae/HTC (Screenshots)
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