Ein Bischof erhebt seine Stimme gegen die Krise der brasilianischen Kirche

Bischof Rifan fordert brasilianische Bischöfe auf, den Mißbrauch von Geldern für Abtreibungs- und Revolutionsorganisationen aufzuklären, den liturischen Mißbrauch zu beenden und sich vom Sozialismus zu distanzieren.
Bischof Rifan fordert brasilianische Bischöfe auf, den Mißbrauch von Geldern für Abtreibungs- und Revolutionsorganisationen aufzuklären, den liturgischen Mißbrauch zu beenden und sich vom Sozialismus zu distanzieren.

(Rio de Janei­ro) Bischof Fer­nand Are­as Rifan wand­te sich mit einem Offe­nen Brief an die Gläu­bi­gen und sei­ne Mit­brü­der im Bischofs­amt, um die Kir­che zu ver­tei­di­gen gegen Abir­run­gen und Miß­brauch. „Eine Kir­che, die Abtrei­bungs- und Homo-Orga­ni­sa­tio­nen finan­ziert, zwei ‚Bischö­fin­nen‘ als ‚Kon­ze­le­bran­ten‘ teil­neh­men läßt und kom­mu­ni­sten­freund­lich“, wie der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti das Schrei­ben zusam­men­faßt, ist eine Kir­che, die ori­en­tie­rungs­los her­um­irrt. Es sei daher nicht ver­wun­der­lich, daß sich die Kir­che im größ­ten latein­ame­ri­ka­ni­schen Land unter Druck befin­det und ihr in den ver­gan­ge­nen 35 Jah­ren die Gläu­bi­gen scha­ren­wei­se davon­ge­rannt sind, meist in Rich­tung Frei­kir­chen US-ame­ri­ka­ni­schen Zuschnitts.

Einziger Territorialbischof des überlieferten Ritus

Bischof Rifan ist Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor der Apo­sto­li­schen Per­so­nal­ad­mi­ni­stra­ti­on St. Johan­nes Maria Vian­ney. Er ist der welt­weit ein­zi­ge Ter­ri­to­ri­al­bi­schof im über­lie­fer­ten Ritus. Sei­ne Juris­dik­ti­on für die außer­or­dent­li­che Form des Römi­schen Ritus umfaßt das Gebiet des bra­si­lia­ni­schen Bis­tums Cam­pos.

Liturgischen Mißbrauch einstellen
Lit­ur­gi­schen Miß­brauch ein­stel­len

Nach erhitz­ten Pole­mi­ken, die in den ver­gan­ge­nen Tagen in Bra­si­li­en statt­fan­den, schrieb er einen Brief zur Ver­tei­di­gung der Bra­si­lia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, greift aber zugleich die Kri­tik von Gläu­bi­gen auf und for­dert sei­ne Mit­brü­der im Bischofs­amt auf, die Miß­stän­de abzu­stel­len. Er beklagt zunächst, an die Gläu­bi­gen gerich­tet, die Belei­di­gun­gen, die gegen die Bischö­fe erho­ben wur­den. Ein Video, das Miß­stän­de in der bra­si­lia­ni­schen Kir­che anklagt und die jüng­sten Pole­mi­ken aus­lö­ste, wur­de im Inter­net inner­halb kür­ze­ster Zeit mehr 400.000 Mal ange­klickt.

Im Video wird ein zwei­fel­haf­ter Ein­satz von Kir­chen­gel­dern und lit­ur­gi­scher Miß­brauch ange­klagt.

Bischof Rifan erin­nert an die Letzt­ver­ant­wor­tung eines jeden Bischofs für die ihm anver­trau­te Diö­ze­se in Erin­ne­rung. Die Bischofs­kon­fe­renz sei kein Ersatz dafür und hebe weder die Ver­ant­wor­tung noch die Voll­macht des Bischofs auf. Die Lei­tungs­ge­walt des Bischofs „ist eine gött­li­che Insti­tu­ti­on“, so Bischof Rifan. Die Bischofs­kon­fe­renz dage­gen sei nur eine „prak­ti­sche“ kirch­li­che Ein­rich­tung. Bischofs­kon­fe­ren­zen sei­en kein unver­zicht­ba­rer Teil der Kir­che, wie sie Jesus Chri­stus gewollt habe, die Bischö­fe aber schon.

Der Bischof ermahnt die Lai­en, auch in der Pole­mik der Wahr­heit und der Lie­be ver­pflich­tet zu sein. Das ver­lan­ge auch, dem Bischofs­amt den nöti­gen Respekt zu zol­len.

Gläubige sind Abirrungen und liturgischen Mißbrauch leid

Zelebration von Bischof Rifan in seiner Kathedrale
Zele­bra­ti­on von Bischof Rifan in sei­ner Kathe­dra­le

Dann legt Bischof Rifan selbst den Fin­ger in die Wun­de einer Ankla­ge gegen Abir­run­gen und Miß­brauch, die er für berech­tigt hält.

„Ist es nicht so, daß die Gläu­bi­gen es viel­leicht leid sind, gewis­se lit­ur­gi­schen Erfin­dun­gen und Abir­run­gen von der Glau­bens­leh­re zu ertra­gen? Geschieht nicht viel­leicht das, was der hei­li­ge Johan­nes Paul II. in sei­ner Enzy­kli­ka Eccle­sia de Eucha­ri­stia, der letz­ten Enzy­kli­ka sei­nes Pon­ti­fi­kats beschreibt?“

Der Bischof zitiert aus der Enzy­kli­ka. Die voll­stän­di­gen Stel­len lau­ten:

„Es gibt Orte, an denen der Kult der eucha­ri­sti­schen Anbe­tung fast völ­lig auf­ge­ge­ben wur­de. In dem einen oder ande­ren Bereich der Kir­che kom­men Miß­bräu­che hin­zu, die zur Schmä­le­rung des rech­ten Glau­bens und der katho­li­schen Leh­re über die­ses wun­der­ba­re Sakra­ment bei­tra­gen. Bis­wei­len wird ein stark ver­kür­zen­des Ver­ständ­nis des eucha­ri­sti­schen Myste­ri­ums sicht­bar. Es wird sei­nes Opfer­cha­rak­ters beraubt und in einer Wei­se voll­zo­gen, als ob es den Sinn und den Wert einer brü­der­li­chen Mahl­ge­mein­schaft nicht über­stei­gen wür­de. Dar­über hin­aus wird manch­mal die Not­wen­dig­keit des Amtsprie­ster­tums, das in der apo­sto­li­schen Suk­zes­si­on grün­det, ver­dun­kelt, und die Sakra­men­ta­li­tät der Eucha­ri­stie allein auf die Wirk­sam­keit in der Ver­kün­di­gung redu­ziert. Von da aus gibt es hier und da öku­me­ni­sche Initia­ti­ven, die zwar gut gemeint sind, aber zu eucha­ri­sti­schen Prak­ti­ken ver­lei­ten, die der Dis­zi­plin wider­spre­chen, mit der die Kir­che ihren Glau­ben zum Aus­druck bringt. Wie soll­te man nicht über all dies tie­fen Schmerz emp­fin­den? Die Eucha­ri­stie ist ein zu gro­ßes Gut, um Zwei­deu­tig­kei­ten und Ver­kür­zun­gen zu dul­den.“

Und wei­ter:

„Aus dem Gesag­ten wird die gro­ße Ver­ant­wor­tung vor allem der Prie­ster ver­ständ­lich, denen es zukommt, der Eucha­ri­stie­fei­er in per­so­na Chri­sti vor­zu­ste­hen. Sie sichern ein Zeug­nis und einen Gemein­schafts­dienst nicht nur für die unmit­tel­bar an der Fei­er teil­neh­men­de Gemein­de, son­dern auch für die Gesamt­kir­che, die mit der Eucha­ri­stie immer in Bezie­hung steht. Lei­der ist zu bekla­gen, daß es — vor allem seit den Jah­ren der nach­kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie­re­form — infol­ge einer falsch ver­stan­de­nen Auf­fas­sung von Krea­ti­vi­tät und Anpas­sung nicht an Miß­bräu­chen gefehlt hat, die Lei­den für vie­le ver­ur­sacht haben. Ins­be­son­de­re in eini­gen Gebie­ten hat eine gewis­se Gegen­be­we­gung zum »For­ma­lis­mus« man­che dazu ver­lei­tet, die von der gro­ßen lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on der Kir­che und von ihrem Lehr­amt gewähl­ten »For­men« für nicht ver­bind­lich zu erach­ten und nicht auto­ri­sier­te und oft völ­lig unpas­sen­de Neue­run­gen ein­zu­füh­ren.
Ich ver­spü­re des­halb die Pflicht, einen inni­gen Appell aus­zu­spre­chen, daß die lit­ur­gi­schen Nor­men in der Eucha­ri­stie­fei­er mit gro­ßer Treue befolgt wer­den. Sie sind ein kon­kre­ter Aus­druck der authen­ti­schen Kirch­lich­keit der Eucha­ri­stie; das ist ihr tief­ster Sinn. Die Lit­ur­gie ist nie­mals Pri­vat­be­sitz von irgend jeman­dem, weder vom Zele­bran­ten noch von der Gemein­de, in der die Myste­ri­en gefei­ert wer­den. Der Apo­stel Pau­lus muß­te schar­fe Wor­te an die Gemein­de von Korinth rich­ten wegen der schwer­wie­gen­den Män­gel in ihren Eucha­ri­stie­fei­ern, die zu Spal­tun­gen (skís­ma­ta) und Frak­ti­ons­bil­dun­gen (hai­rés­eis) geführt hat­ten (vgl. 1 Kor 11, 17–34). Auch in unse­rer Zeit muß der Gehor­sam gegen­über den lit­ur­gi­schen Nor­men wie­der­ent­deckt und als Spie­gel und Zeug­nis der einen und uni­ver­sa­len Kir­che, die in jeder Eucha­ri­stie­fei­er gegen­wär­tig wird, geschätzt wer­den.“

„Die Heiden sind eingedrungen“ – kommunistischer Irrweg

Bischof Rifan wen­det sich schließ­lich an die ande­ren Bischö­fe:

„Füh­len unse­re Lai­en gar die Not­wen­dig­keit, wie die Juden aus­zu­ru­fen: ‚O Gott, in dein Eigen­tum sind Hei­den ein­ge­drun­gen und haben dei­nen hei­li­gen Tem­pel ent­weiht‘?“

Keinem der Bischöfe fielen die beiden "Konzelebrantinnen" auf?
Kei­nem der Bischö­fe fie­len die bei­den „Kon­ze­le­bran­tin­nen“ auf?

Er kri­ti­siert das Vor­ge­hen eines bra­si­lia­ni­schen Erz­bi­schofs, der zwei „Bischö­fin­nen“ bei der Mes­se „kon­ze­le­brie­ren“ ließ. Der Vor­fall erreig­ne­te sich im ver­gan­ge­nen Febru­ar in Mam­pi­tu­ba im Bis­tum Oso­rio (Bun­des­staat Rio Gran­de do Sul). Die Mes­se zele­brier­te der Orts­bi­schof  Jai­me Pedro Kohl. Zudem kon­ze­le­brier­ten meh­re­re Bischö­fe der Umge­bung, dar­un­ter Erz­bi­schof Jac­in­to Berg­mann von Pelotas, Bischof José Mario Stroeher und ande­re mehr. Bei den bei­den Frau­en in Albe und Sto­la soll es sich laut Fra­tres in unum um pro­te­stan­ti­sche Pasto­rin­nen gehan­delt haben (das Video).

Das ist „unse­ren Gläu­bi­gen ein Ärger­nis“, so Bischof Rifan.

Eben­so stellt er an sei­ne Mit­brü­der die Fra­ge, war­um man in den Lesun­gen den Gen­der-Sprech zuläßt, „der eine Ideo­lo­gie ver­mit­telt“, die mit dem Glau­ben nicht ver­ein­bar ist.

„Alle sind ein­ge­la­den und bei unse­ren Tref­fen will­kom­men. War­um las­sen wir es aber zu, daß Per­so­nen mit einer sozia­li­sti­schen, ja sogar kom­mu­ni­sti­schen Gesin­nung, Mit­glie­der von Links­par­tei­en, Haupt­fi­gu­ren bei unse­ren kirch­li­chen Ver­samm­lun­gen sind, um uns die Wirk­lich­keit zu erklä­ren?“

Anschließend spendeten die „Bischöfinnen“ den Segen.
Anschlie­ßend spen­de­ten die „Bischö­fin­nen“ den Segen.

Es sei rich­tig, daß man „einen schran­ken­lo­sen, wil­den Kapi­ta­lis­mus bekämp­fen müs­se, aber das kön­ne nur auf der Grund­la­ge gesche­hen, daß das kirch­li­che Lehr­amt die Bekämp­fung des Sozia­lis­mus for­de­re.

„Reli­giö­ser Sozia­lis­mus, christ­li­cher Sozia­lis­mus, das sind wider­sprüch­li­che Begrif­fe. Nie­mand kann zugleich ein guter Katho­lik und wirk­lich Sozia­list sein“

Dabei erin­nert Bischof Rifan an die Enzy­kli­ka Qud­ra­ge­si­mo Anno von Papst Pius XI.

„Wir müs­sen klipp und klar sagen, daß wir der Sozi­al­leh­re der Kir­che treu sind, und des­halb neh­men wir zu sozia­len und poli­ti­schen Fra­gen Stel­lung. Aber wir haben uns an kein poli­ti­sches System zu bin­den. Eben­so­we­nig kann die Kir­che die Land­be­set­zung för­dern oder unter­stüt­zen.“

„Müssen Gläubigen klare Antworten geben“

Kirchenkrise
Gebets- und Fast­tag für die Bischö­fe und gegen den Mar­xis­mus

Und nicht zuletzt sei Klar­heit zu schaf­fen zu den Vor­wür­fen, daß Gel­der, die für die Cam­p­an­ha da Fra­terni­dade((Offi­zi­ell Cole­ta Nacio­nal da Soli­da­riedade genannt.)) (Kam­pa­gne der Brü­der­lich­keit) gesam­melt wur­den, an Orga­ni­sa­tio­nen geflos­sen sind, die Abtrei­bung und revo­lu­tio­nä­re Bewe­gun­gen för­dern. Am ver­gan­ge­nen 19. Febru­ar hat­te die katho­li­sche, bra­si­lia­ni­sche Sei­te Para­cli­tus ent­hüllt, daß mit dem Geld NGOs wie Abong geför­dert wer­den, auf deren Inter­net­sei­te klar und deut­lich zu lesen ist, daß sie sich für die „Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung“, für „die Aner­ken­nung der Homo-Ehe“ und für „sexu­el­le Frei­heit“ enga­giert. Wei­te­re Emp­fän­ger des Gel­des, bei­spiels­wei­se die Funda­ção Gru­po Esquel Bra­sil koope­riert für bestimm­te Pro­jekt mit Abong. „Zumin­dest ein teil der in den Kir­chen gesam­mel­ten Gel­der flie­ßen an Orga­ni­sa­tio­nen, die direkt oder indi­rekt die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der för­dern“, so Para­cli­tus. Kri­ti­siert wird auch die Finan­zie­rung über Umwe­ge des Movi­men­to dos Tra­bal­ha­do­res Rurais Sem Ter­ra (MST), einer nicht gewalt­lo­sen, mar­xi­stisch-befrei­ungs­theo­lo­gi­schen Land­lo­sen­be­we­gung, die eine Land­um­vere­tei­lung for­dert und Land­be­set­zun­gen durch­führt.

Para­cli­tus ver­öf­fent­lich­te die Adres­sen der Apo­sto­li­schen Nun­tia­tur und der Bischofs­kon­fe­renz und rief dazu auf, gegen den Miß­brauch vor­zu­ge­hen.

Als Fol­ge rie­fe katho­li­sche Orga­ni­sa­tio­nen für de 2. März zu einem Gebets- und Fast­tag auf „für die Hei­li­gung der bra­si­lia­ni­schen Bischö­fe und das Ende des Mar­xis­mus in der Kir­che“.

„Wir müs­sen den Gläu­bi­gen dazu kla­re Ant­wor­ten geben.“

Und soll­te es Feh­ler gege­ben haben, dann hät­ten die Bischö­fe sicher­zu­stel­len, so Bischof Rifan, daß dies durch grö­ße­re Acht­sam­keit und Auf­sicht in Zukunft nicht mehr der Fall sein wer­de.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Paraclitus/MiL/Frates in unum