Die „McCarrick-Boys“ im Gleichklang

Medienoffensive eines Netzwerks


Die Bergoglianer in den USA traten geballt an die Öffentlichkeit, um vor allem über Politik zu sprechen. Drei Kardinäle erhoben ihre Stimme gegen Donald Trump und für die Demokratische Partei. Von links: Kardinal Tobin (New Jersey), Kardinal McElroy (Washington) und Kardinal Cupich (Chicago).
Die Bergoglianer in den USA traten geballt an die Öffentlichkeit, um vor allem über Politik zu sprechen. Drei Kardinäle erhoben ihre Stimme gegen Donald Trump und für die Demokratische Partei. Von links: Kardinal Tobin (New Jersey), Kardinal McElroy (Washington) und Kardinal Cupich (Chicago).

Es schien nur eine Fra­ge der Zeit, bis die soge­nann­ten McCar­ri­ck-Boys auch medi­al geschlos­sen auf­tre­ten wür­den. Nach­dem sie bereits im Janu­ar mit einer demon­stra­tiv gemein­schaft­lich unter­zeich­ne­ten – und aus­drück­lich als „unge­wöhn­lich“ bezeich­ne­ten – Erklä­rung zur Mora­li­tät der US-Außen­po­li­tik her­vor­ge­tre­ten waren, folg­te nun der näch­ste Schritt: ein koor­di­nier­ter Auf­tritt im US-Fernsehen.

Im Pro­gramm 60 Minu­tes des US-Sen­ders CBS gaben drei der ein­fluß­reich­sten Kar­di­nä­le und Erz­bi­schö­fe der USA, Kar­di­nal Bla­se Cupich (Erz­bi­schof von Chi­ca­go), Kar­di­nal Joseph Tobin (Erz­bi­schof von New Jer­sey) und Kar­di­nal Robert McEl­roy (Erz­bi­schof von Washing­ton, erst­mals ein gemein­sa­mes Inter­view. The­ma waren nicht kirch­li­che Fra­gen, son­dern – wenig über­ra­schend – geo­po­li­ti­sche Kon­flik­te wie der Iran und die Migra­ti­on – sowie am Ran­de auch die Zukunft der katho­li­schen Kir­che. Daß gera­de die­se The­men gewählt wur­den, läßt unschwer erken­nen, wor­um es tat­säch­lich geht: um poli­ti­sche Positionierung. 

Die McCar­ri­ck-Boys bekräf­tig­ten ihre Unter­stüt­zung eines „offe­nen, dia­log­ori­en­tier­ten“ Kur­ses der Inklu­si­on, der Beglei­tung und Anpas­sung an gesell­schaft­li­che Rea­li­tä­ten. Sie beharr­ten dabei mit Nach­druck auf ihrer Legi­ti­ma­ti­on zu poli­ti­schen Fra­gen Stel­lung zu nehmen.

Ver­gleich­ba­res ist von füh­ren­den Ver­tre­tern der Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz hin­läng­lich bekannt und soll­te im Hin­ter­kopf behal­ten wer­den, wenn inner­kirch­lich aus­ge­rech­net tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Kräf­ten der Vor­wurf der „Ideo­lo­gie“ gemacht wird.

Ande­rer­seits exer­zier­te Papst Fran­zis­kus genau die­ses Modell vor. Alle drei Erz­bi­schö­fe wur­den von ihm ernannt und auch zu Kar­di­nä­len kreiert.

Ein Netzwerk mit Vorgeschichte

Der Begriff McCar­ri­ck-Boys ver­weist auf das Netz­werk von Kle­ri­kern, die dem ehe­ma­li­gen Kar­di­nal Theo­do­re McCar­ri­ck (1930–2025) nahe­stan­den und von ihm geför­dert wur­den. McCar­ri­ck selbst wur­de bekannt­lich 2018 wegen schwe­rer Miß­brauchs­vor­wür­fe als homo­se­xu­el­ler Päd­erast aus dem Kar­di­nals­stand ent­las­sen und 2019 lai­siert – ein bei­spiel­lo­ser Absturz für einen Mann, der jahr­zehn­te­lang als Strip­pen­zie­her im Hin­ter­grund wirk­te und im Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus der maß­geb­li­che Ein­flü­ste­rer bei Bischofs­er­nen­nun­gen in den USA war.

Daß nun aus­ge­rech­net Per­sön­lich­kei­ten aus die­sem Umfeld gemein­sam auf­tre­ten und sich als mora­li­sche Instanz zu glo­ba­len Fra­gen prä­sen­tie­ren, wirkt – vor­sich­tig for­mu­liert – befremd­lich. Oder weni­ger vor­sich­tig: Es offen­bart eine bemer­kens­wer­te Resi­stenz gegen­über der eige­nen Vergangenheit.

Zugleich ver­deut­licht es, wie sicher sich die McCar­ri­ck-Boys nach wie vor fühlen.

Die ent­schei­den­de Fra­ge bleibt bis heu­te unbe­ant­wor­tet: Wie konn­te ein Netz­werk ent­ste­hen, das über Jah­re hin­weg von den Ver­feh­lun­gen McCar­ri­cks ent­we­der nichts bemerkt haben will oder sie still­schwei­gend tolerierte?

Die McCar­ri­ck-Boys ste­hen inner­kirch­lich für eine homo­phi­le Hal­tung und für die poli­tisch lin­ken Posi­tio­nen der Demo­kra­ti­schen Par­tei in den USA.

Die selektive Erinnerung

Beson­ders auf­schluß­reich ist, daß sich unter den McCar­ri­ck-Boys, die zu bischöf­li­chen Wür­den auf­stie­gen, sich auch sol­che befin­den, die einst „unter dem­sel­ben Dach“ wie McCar­ri­ck leb­ten – ohne angeb­lich „irgend­et­was Unge­wöhn­li­ches“ bemerkt zu haben. Eine Aus­sa­ge, die ange­sichts der spä­ter offen­ge­leg­ten syste­ma­ti­schen Über­grif­fe schwer glaub­wür­dig erscheint.

Man könn­te von einem typi­schen Muster insti­tu­tio­nel­ler Amne­sie spre­chen. Was nicht ins eige­ne Nar­ra­tiv paßt, wird aus­ge­blen­det. Ver­ant­wor­tung wird dif­fus, Erin­ne­rung selek­tiv. Doch wie gesagt: Fran­zis­kus ließ McCar­ri­ck nach direk­ten Anschul­di­gun­gen durch die New York Times fal­len, för­der­te aber die McCar­ri­ck-Boys umso inten­si­ver. Sie wur­den zum Rück­grat des berg­o­glia­ni­schen Umbaus der US-Bischofskonferenz.

Medienstrategie statt Aufarbeitung

Der Auf­tritt bei 60 Minu­tes ist weni­ger als jour­na­li­sti­sches Ereig­nis zu wer­ten, son­dern als Teil einer stra­te­gi­schen Medi­en­of­fen­si­ve. Man prä­sen­tiert sich geschlos­sen, abge­stimmt und dia­log­be­reit – ein Bild, das Sta­bi­li­tät und mora­li­sche Auto­ri­tät sug­ge­rie­ren soll. In Wirk­lich­keit tre­ten die drei Kar­di­nä­le als poli­ti­sche Akteu­re auf, wobei sie im aktu­el­len Kon­text der US-Innen­po­li­tik – wenig über­ra­schend – wie ein ver­län­ger­ter Arm der Demo­kra­ten wir­ken.

Doch genau die­se Insze­nie­rung wirft Fra­gen auf. War­um die­ser Gleich­klang? War­um jetzt? Und war­um zu The­men, die zwar poli­tisch bri­sant sind, aber wenig mit kirch­li­chen Fra­gen und noch weni­ger mit den inner­kirch­li­chen Kri­sen zu tun haben.

Der Auf­tritt der McCar­ri­ck-Boys rich­te­te sich pri­mär gegen US-Prä­si­dent Donald Trump, da die Demo­kra­ti­sche Par­tei Blut geleckt hat und mit Blick auf die im Novem­ber statt­fin­den­den Zwi­schen­wah­len sich Chan­cen aus­malt, Trump zu schwä­chen und sei­ne Macht einzuschränken.

Die­se funk­tio­na­le Kon­ne­xi­tät hoher kirch­li­cher Amts­trä­ger zu poli­ti­schen, ja kon­kret sogar par­tei­po­li­ti­schen Rich­tun­gen wird von nicht weni­gen katho­li­schen Kri­ti­kern als fatal beurteilt.

Verbindungen im Hintergrund

Im aus­ge­strahl­ten Bei­trag kamen wei­te­re Stim­men aus dem Umfeld die­ser Grup­pie­rung zu Wort, dar­un­ter Pater Manu­el Doran­tes, der heu­te eine lei­ten­de Funk­ti­on im berg­o­glia­ni­schen Pro­jekt Bor­go Lau­da­to si’ in Castel Gan­dol­fo inne­hat. Die Seg­nung eines Eis­blocks in Castel Gan­dol­fo durch Papst Leo XIV. stand eben­falls im Zusam­men­hang mit der Papst-Fran­zis­kus-Enzy­kli­ka Lau­da­to si‘. Doran­tes kirch­li­che Her­kunft aus Chi­ca­go – einer Diö­ze­se, die seit 2014 zum Macht­zen­trum des pro­gres­si­ven kir­chen­po­li­ti­schen Lagers wur­de – ist dabei kein unwe­sent­li­cher Kontext.

Die­se per­so­nel­len Ver­flech­tun­gen ver­deut­li­chen: Es han­delt sich nicht um zufäl­li­ge Über­ein­stim­mun­gen, son­dern um ein gewach­se­nes Netz­werk mit kla­rer Ausrichtung.

Der gemein­sa­me Auf­tritt der „McCar­ri­ck-Boys“ mar­kiert die Fort­set­zung eines bereits aus der berg­o­glia­ni­schen Ära ver­trau­ten Musters: Kir­chen­ver­tre­ter las­sen sich für poli­ti­sche Inter­es­sen pro­gres­si­ver Par­tei­en instru­men­ta­li­sie­ren und schei­nen dar­aus ihre Exi­stenz­be­rech­ti­gung zu bezie­hen. Einen eigen­stän­di­gen, gar reli­giö­sen Zweck schei­nen die­se pro­gres­si­ven poli­ti­schen Freun­de in Kir­che und Bischö­fen nicht zu erkennen. 

Das schafft nicht nur unge­sun­de Abhän­gig­kei­ten. Es wer­den ideo­lo­gi­sche Grab­kämp­fe ris­kiert, die die Kir­che spal­ten kön­nen, so wie die Kir­che ins­ge­samt durch enge poli­ti­sche Ver­strickun­gen Scha­den nimmt. Die Geschich­te kennt aus­rei­chend Bei­spie­le dafür.

Im kon­kre­ten Fall gibt es noch eine beson­de­re Bri­sanz. Wer die Welt beleh­ren will, soll­te zuvor im eige­nen Haus auf­ge­räumt haben.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: You­tube (Screen­shot)

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