Das Ende spektakulärer Gesten an den Rändern

Gründonnerstagsliturgie wieder in der Lateranbasilika


Fußwaschung am Gründonnerstag durch Benedikt XVI.
Fußwaschung am Gründonnerstag durch Benedikt XVI.

Die erste Kar­wo­che des neu­en Pon­ti­fi­kats von Papst Leo XIV. setzt ein Zei­chen – lit­ur­gisch, kirch­lich und nicht zuletzt sym­bo­lisch. Wäh­rend in den ver­gan­ge­nen drei­zehn Jah­ren eine syste­ma­ti­sche Ver­la­ge­rung der zen­tra­len Grün­don­ners­tags­ri­ten an Orte außer­halb der klas­si­schen Sakral­räu­me statt­fand, kehrt der neue Papst zu einer sicht­ba­ren, öffent­lich ver­or­te­ten Zele­bra­ti­on der Lit­ur­gie zurück.

Am heu­ti­gen Grün­don­ners­tag wird Papst Leo XIV. in der Mes­se in Coe­na Domi­ni in der Late­ran­ba­si­li­ka zwölf Prie­stern die Füße waschen – elf von ihnen wur­den erst im ver­gan­ge­nen Jahr geweiht. Damit knüpft er bewußt an eine älte­re lit­ur­gi­sche Pra­xis an, die das sakra­men­ta­le Prie­ster­tum und des­sen inne­re Ver­bin­dung zur Ein­set­zung der Eucha­ri­stie beim Letz­ten Abend­mahl hervorhebt.

Auf­fäl­lig ist dabei nicht nur, wer aus­ge­wählt wur­de, son­dern auch, wer es nicht wur­de. Anders als unter Papst Fran­zis­kus wird die Fuß­wa­schung weder an Gefan­ge­nen noch an Migran­ten oder ande­ren gesell­schaft­li­chen Rand­grup­pen voll­zo­gen. Eben­so­we­nig wird er Frau­en, Lai­en oder gar Ange­hö­ri­gen ande­rer Reli­gio­nen die Füße waschen, was der Tra­di­ti­on völ­lig fremd ist, und allein der Extra­va­ganz sei­nes Vor­gän­gers Fran­zis­kus geschul­det war. Die lit­ur­gi­sche Hand­lung erhält damit wie­der einen klar umris­se­nen inner­kirch­li­chen Bezug und ver­zich­tet auf jene Aus­wei­tun­gen, die in der Ver­gan­gen­heit viel­fach als pro­vo­kan­te Zei­chen für Irri­ta­tio­nen gesorgt haben.

Vor allem aber tritt ein wei­te­rer Aspekt her­vor: Die Lit­ur­gie ver­schwin­det nach drei­zehn Jah­ren erst­mals nicht mehr hin­ter Mau­ern – zumeist Gefäng­nis­mau­ern. Sie wird nicht in abge­schirm­te exklu­si­ve Räu­me ver­legt, in die sie der „inklu­si­ve“ argen­ti­ni­sche Papst ver­bannt hat­te. Sie wird nicht mehr der Öffent­lich­keit ent­zo­gen, kon­kret der Diö­ze­se des Pap­stes, son­dern wird erst­mals seit 2012 wir­der in der Kathe­dra­le des Bischofs von Rom statt­fin­den, sicht­bar und zugäng­lich. Mit die­ser Ent­schei­dung wird die Grün­don­ners­tags­lit­ur­gie selbst wie­der aus ihrer berg­o­glia­ni­schen Unsicht­bar­keit her­aus­ge­führt und in den Mit­tel­punkt des kirch­li­chen Lebens gerückt.

Die Wahl des Ortes und der Teil­neh­mer unter­streicht das Ende ideo­lo­gi­sche Rang­grup­pen­ver­zer­run­gen und damit vor allem eine Rück­be­sin­nung auf die sakra­men­ta­le Dimen­si­on des Prie­ster­tums und die lit­ur­gi­sche Eigen­lo­gik der Fei­er. Die Fuß­wa­schung erscheint weni­ger als sozi­al-sym­bo­li­scher, ideo­lo­gi­sier­ter Akt denn als inte­gra­ler Bestand­teil der kirch­li­chen Aus­drucks­form seit zwei­tau­send Jahren.

Auch die wei­te­ren Fei­er­lich­kei­ten der Kar­wo­che fol­gen die­ser Linie. Am Mor­gen des Grün­don­ners­tags fei­er­te Leo XIV. im Peters­dom die Chri­sam­mes­se, bei der er die hei­li­gen Öle weih­te, und die Prie­ster ihre Ver­spre­chen erneuerten. 

Am Kar­frei­tag wird der Papst an der Lit­ur­gie vom Lei­den und Ster­ben Chri­sti teil­neh­men und das Hei­li­ge Kreuz ver­eh­ren. Am Abend schließ­lich wird er den Kreuz­weg im Kolos­se­um lei­ten – jenem Ort, der wie kaum ein ande­rer für das Zeug­nis des Bekennt­nis­ses und des Mar­ty­ri­ums der frü­hen Chri­sten steht. Bemer­kens­wert ist dabei, daß Papst Leo XIV. das Kreuz per­sön­lich durch alle Sta­tio­nen tra­gen wird.

Die Oster­nacht im Peters­dom sowie die fei­er­li­che Oster­mes­se mit dem Segen Urbi et Orbi wer­den die­se erste Kar­wo­che des neu­en Pon­ti­fi­kats beschließen.

So bestä­tigt sich ein Stil, der weni­ger auf spek­ta­ku­lä­re Gesten an den Rän­dern setzt, son­dern auf die sicht­ba­re Fei­er der Lit­ur­gie im Her­zen der Kir­che – nicht ver­bor­gen, nicht aus­ge­la­gert, nicht unsicht­bar gemacht, son­dern in ihrer gan­zen Öffent­lich­keit und theo­lo­gi­schen Dichte.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

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