Dieser Teil schließt direkt an den 2. Teil vom 10. März an.
Im Zusammenhang mit der Identität von Sr. Lucia dos Santos nach 1957 stellen wir uns eine Frage bezüglich eines schon seit Jahren thematisierten Briefwechsels:
Korrespondierte Kardinal Caffarra wirklich mit Sr. Lucia?
Einer der bereits verstorbenen Dubia-Kardinäle, Erzbischof Carlo Caffarra von Bologna, erzählte der Vatikankorrespondentin Diane Montagna im Jahr 2017, daß er (im Jahr 1983 oder 1984, dieser Bericht läßt das genaue Datum offen) auf eine Anfrage einen Brief von Sr. Lucia erhalten habe. Diese hätte ihm folgendes mitgeteilt:
„Pater, eine Zeit wird kommen, in der die Entscheidungsschlacht zwischen dem Reich Christi und dem des Satans über Ehe und Familie geführt wird. Und jene, die für das Wohl der Familie wirken, werden Verfolgung und Bedrängnis erfahren. Aber fürchten Sie sich nicht, denn Unsere Liebe Frau hat schon seinen Kopf zertreten“ (Übersetzung nach dem Englischen, gemäß Zitat in Aleteia.org).1
Es ist schwer glaubhaft, daß diese Mitteilung von Sr. Lucia von Fatima, also von der echten, gekommen sein soll. Denn die originale Fatima-Botschaft enthält keinerlei Aussagen zum Thema Ehe und Familie.
Die Botschaft verkündet die Verehrung des Unbefleckten Herzens der Gottesmutter und den Rosenkranz als letzte Heilmittel für die Welt. Sie ist eine Warnung vor dem ultimativen Unheil des Einzelnen. Weiters wird die Weihe Rußlands durch Papst und Weltepiskopat an ebendieses Herz und die Verkündigung der Sühnesamstage verlangt. Nichts davon wurde kirchenamtlich und ohne Ausflüchte umgesetzt. In dem Brief an Kardinal Caffarra kommt ebenfalls nichts davon vor. Obwohl das dritte Geheimnis im Jahr 1960 veröffentlicht hätte werden sollen, wird das von Sr. Lucia gegenüber dem Kardinal gar nicht erwähnt?
Das ist alles unglaubhaft.
Nun ist es bestimmt so, daß Ehe und Familie massiv durch die politischen Hintergrundmächte angegriffen werden. Das ist jetzt viel deutlicher als am Anfang der achtziger Jahre. Andererseits besteht der Auftrag Gottes an den Menschen in der Erlangung des Heils. Es kann auch unter schlechten familiären Umständen erreicht werden: Auch wer in einer zerbrochenen Familie oder unter schwierigen Verhältnissen aufwächst oder wer verlassen wurde oder geschieden ist, kann sein Heil wirken.
Unter dem in Fußnote 1 verlinkten Artikel sagte es eine Forumsteilnehmerin in ihrem Kommentar zum gegenständlichen Thema durchaus zutreffend:
„Gerade bei der Familie wurde die natürliche Familie nirgends so aufgebrochen wie in der Kirche! ‚Die den Willen des Vaters tun – die sind meine Geschwister!‘ sagte Jesus. Wenn Sie in die Geschichte der ersten Zusammenstellung von Menschen sehen, die Jesus tätigte, handelte es sich nicht um die Familie! Jesus berief 12 Männer, die teilweise verwandt, aber keine Familie waren. Es bestürzt mich, dass hier offenbar keiner das Wort Jesu kennt: ‚Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist mein nicht wert!‘ sagte der Herr. Und er sagte auch, er sei gekommen, das Schwert zu bringen – zwischen Vater und Sohn, Mutter und Tochter.“
Das ist sehr pointiert und einprägsam formuliert, vielleicht auch etwas brutal. Aber es stimmt natürlich.
Dem kritischen Beobachter scheint dieser angebliche Brief von Sr. Lucia daher eine Ablenkung vom Kern der Botschaft zu sein. Etwas an sich Richtiges zu sagen, um etwas anderes an dieser Stelle Gefordertes nicht zu sagen – so scheint wohl die Taktik zu sein. Denn die Rede vom Kampf des Teufels gegen Ehe und Familie ist – zumindest aus heutiger Sicht sieht es so aus – möglicherweise darauf gerichtet, gläubigen Katholiken, die grundsätzlich für die Fatima-Botschaft offen sind, den Kern genau dieser Botschaft vorzuenthalten.
In der Erklärung Die Botschaft von Fatima des damaligen Glaubenspräfekten Kardinal Ratzinger, datiert mit 13. Mai 2000, veröffentlicht am 26. Juni 2000, wurde auf das Thema Angriff auf Ehe und Familie nicht Bezug genommen.
Warum also wurde gegenüber Kardinal Caffarra, einem „konservativen“ Kirchenmann, dieses Thema aufgebracht? Wer war die Verfasserin des Briefes an Kardinal Caffarra wirklich? –
Was wir in unseren Beiträgen zum Thema Fatima noch nicht aufgegriffen haben, ist eine ominöse Warnung der hl. Jacinta Marto an ihre Cousine Lucia:
Weitgehend unbekannt: eine frühe Warnung an Lucia dos Santos
Es wird berichtet, daß Jacinta Marto, mittlerweile heiliggesprochen, kurz vor ihrem Tod am 20. Februar 1920 zwei Warnungen der Muttergottes mit dem Auftrag zur Weiterleitung erhielt. Jacinta sprach mit Kanonikus Formigao darüber.2
Die zweite Warnung betrifft das Schicksal Portugals: Lissabon würde zu einem Abbild der Hölle werden, wenn keine ernsthafte Bekehrung passiert. Eine Revolution anarchistischen oder kommunistischen Charakters bereite sich bereits vor. Wie wir im Nachhinein wissen, hat diese Revolution mit den angekündigten Folgen von Bürgerkrieg und Verwüstung so nicht stattgefunden. Portugal wurde durch den Militärputsch von 1926 und das Wirken von Ministerpräsident Antonio de Oliveira Salazar im „Neuen Staat“ (Estado Novo) sogar eine lange Periode des Friedens (Bewahrung vor dem spanischen Bürgerkrieg und dem Weltkrieg) und bescheidenem Wohlstand zuteil. Es wird auch von blühendem kirchlichen Leben und vielen Berufungen nach der feierlichen Weihe Portugals an das Unbefleckte Herz Mariens durch den portugiesischen Episkopat im Jahr 1931 (Wiederholung im Jahr 1938) berichtet.3
Offensichtlich wurde das bedingungsweise prophezeite Desaster durch eine ausreichend große Zahl an sühneleistenden Gläubigen und damit eine mehr oder weniger kollektiv vollzogene Bekehrung Portugals abgewendet. Das kommunistische Putschregime 1974/75 wurde vom Volk hinweggefegt. Allerdings wurde Portugal, auch mit Hilfe der Kirche, sozialistisch, revolutionär und glaubenslos.4
Die erste Warnung jedoch betraf Jacintas Cousine Lucia. Jacinta teilte Kanonikus Formigao mit, daß Lucias Leben jetzt und später in Gefahr sei.
Konkreteres wird nicht berichtet. Diese Warnung ist ominös. Wer sollte der Seherin nach dem Leben trachten?
Diese Warnung legt einen Anschlag auf Sr. Lucia tatsächlich nahe.
Der Teufel und seine Handlanger haben, wie die Kirchengeschichte lehrt, eben eine gewisse Handlungsfreiheit.
Um also für diesen Teil der Serie eine Schlußfolgerung abzuleiten:
Ein Historiker wie etwa Dr. Michael Hesemann, der ohnehin schon eingearbeitet ist, sollte sich dieses Themas annehmen. Höchstwahrscheinlich wäre das mit gewissen Risiken behaftet, sicher für den eigenen Ruf, vielleicht aber auch für Leib und Leben. –
Im nächsten und letzten Teil wird auf das gigantische Täuschungsmanöver des Vatikans vom Juni 2000 und auf den Zustand Rußlands, von dem der Vatikan sagt, es sei 1984 auftragsgemäß geweiht worden, eingegangen.
*Wolfram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Pro-Lifer, seit 2011 mit der Problematik der vatikanoffiziellen Fatima-Darstellung vertraut.
Bild: MiL
1 Auf dieser Seite wurde bereits am 18. Juni 2015 die Übersetzung eines Interviews mit Kardinal Caffarra von 2008 veröffentlicht. Hier ist der unser Thema betreffende Auszug, man beachte das Erstaunen des Kardinals über den prompten Erhalt der Antwort, die er offenbar nicht erwartet hatte (Hervorhebung und Einschub in geschwungenen Klammern WS):
„Es gibt eine Prophezeiung von Schwester Lucia dos Santos, einem Seherkind von Fatima, deren Seligsprechungsverfahren am vergangenen 13. Februar [2008] eingeleitet wurde. Diese Prophezeiung betrifft ‚den Endkampf zwischen dem Herrn und dem Reich Satans‘. Und das Schlachtfeld dieses Endkampfes ist die Familie. Das Leben und die Familie. Nicht alle wissen, daß Sie von Johannes Paul II. beauftragt wurden, die Idee für ein Päpstliches Institut für Studien zu Ehe und Familie zu entwickeln und ein solches zu gründen, das heute dessen Namen trägt.
Kardinal Caffarra: Ja. Am Beginn dieser Arbeit, die mir von Johannes Paul II. anvertraut wurde, schrieb ich an Schwester Lucia von Fatima. Das Schreiben ging über den Bischof, da es direkt nicht möglich war. {Warum eigentlich? Wer hat das verboten und warum? Warum sollte ausgerechnet die Empfängerin einer kirchlich anerkannten Botschaft der Muttergottes in Isolation leben?}
Unerklärlicherweise, da ich keine Antwort erwartete, sondern sie um ihr Gebet für das Projekt ersucht hatte, erhielt ich nur wenige Tage später einen langen, handgeschriebenen Brief von ihr, der heute im Archiv des Instituts aufbewahrt wird. Darin schrieb Sr. Lucia: Der Endkampf zwischen dem Herrn und dem Reich Satans wird über die Familie und die Ehe stattfinden. Haben Sie keine Angst, fügte sie hinzu, denn jeder, der für die Heiligkeit der Ehe und der Familie wirkt, wird immer und auf jede nur erdenkliche Weise bekämpft und angefeindet werden, weil das der entscheidende Punkt ist. Sie schloß mit dem Hinweis, daß die Gottesmutter dem Satan bereits den Kopf zertreten hat. Auch im Gespräch mit Johannes Paul II. konnte man wahrnehmen, daß er darin den neuralgischen Punkt sah, weil es sich um die tragende Säule der Schöpfung handelt, die Wahrheit über die Beziehung zwischen Mann und Frau und zwischen den Generationen. Wenn man Hand an diese tragende Säule legt, stürzt das ganze Gebäude ein. Genau das erleben wir jetzt, denn wir befinden uns genau an diesem Punkt und wissen es. Es bewegt mich innerlich sehr, wenn ich in den gesichertsten Biographien über Pater Pio lese, welche Aufmerksamkeit dieser Mann für die Heiligkeit der Ehe hatte, für die Heiligkeit der Eheleute, und das mehr als einmal auch mit der richtigen Strenge.“
2 Vgl. Mark Fellows, Fatima in Twilight, 2003, S. 40
3 Vgl. Frère Michel de la Sainte Trinité, The Whole Truth About Fatima, Vol. II, The Secret and the Church, Immaculate Heart Publications (1989?).
4 Der Leser Lino Reis schrieb in seinem Posting am 15. Juli 2021 unter der Besprechung der Publikation Oliveira Salazar, Nationale Revolution und autoritärer Staat – Drei Reden, Verlag Antaios, 2020 Schnellroda u. a. folgendes:
„Ich bin hocherfreut über das Auftauchen dieses Büchleins. Der unchristliche Geist hat nach dem ‚Ende‘ der Monarchie das Land ins Chaos und in den Ruin geführt, wenn wundert es? Heute wird der korrupte, weiterhin unchristliche Geist, der Portugal quält und beraubt, nur von Berlin und Brüssel künstlich am Leben gehalten. Über 120 Milliarden EUR soll Portugal bereits erhalten haben, seit 1986 (Eu-Beitritt). Heute ist Portugal eine seenlenlose Kolonie der totalitären, die Christenheit nicht nur hassenden, sondern aktiv verfolgenden, Brüsseler Bürokratie. […]
Salazar hinderte erfolgreich, solange er an der Macht war, daß der anti-christlichen Geist die Macht in Portugal an sich reißen konnte. Die bösen Linken waren chancenlos.
Salazar hat sich nie bereichert, hinterließ riesige Goldbestände, die siebtstärkste (7.) Währung der Welt. Die Haustüren konnten überall im Land offen gelassen werden und niemand stahl, tat er es doch, dann wurde dieser wirklich bestraft.
Nur falsch spielende anti-christliche Linke sehen in Salazar einen Diktator. Das gehört zur linken Kriegspropaganda, denn die Linken streben überall ohne Kompetenz, die Machtübernahme an. […]
Wahr, allein wahr, ist, Portugal ist seit Salazar verarmt, geistig. Und das ist die schlimmste Form von Armut.
[…] Die port. Presselandschaft ist heute ein bitteres Armutszeugnis und ein sicherer Beweis: Salazar war seinen Feinden weit, weit überlegen.“
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