Antonio de Oliveira Salazar – vielverleumdeter katholischer Staatsmann in neuem Licht

Nation und autoritärer Staat – eine Buchbesprechung

Antonio de Oliveira Salazar (1889–1970), war von 1932 bis 1968 Ministerpräsident von Portugal.
Antonio de Oliveira Salazar (1889–1970), war von 1932 bis 1968 Ministerpräsident von Portugal.

Von Wolf­ram Schrems*

Mit größ­tem Inter­es­se nimmt man als poli­tisch und histo­risch inter­es­sier­ter Katho­lik eine klei­ne, fei­ne Neu­erschei­nung über einen der bedeu­tend­sten Por­tu­gie­sen aller Zei­ten zur Kennt­nis. Unter dem unspek­ta­ku­lä­ren Titel Natio­na­le Revo­lu­ti­on und auto­ri­tä­rer Staat, Drei Reden brach­te der Antai­os-Ver­lag im ver­gan­ge­nen Jahr anläß­lich des 50. Todes­ta­ges von Anto­nio de Oli­vei­ra Sala­zar ein dün­nes Bänd­chen mit drei Anspra­chen Sala­zars und einem aus­führ­li­chen Nach­wort her­aus. Das ist nun wirk­lich von gro­ßer Bedeutung.

Denn erstens ist es immer gut, der Wahr­heit die Ehre zu geben: Sala­zar hat in der „offi­zi­el­len“ Geschichts­schrei­bung des deut­schen Sprach­raums völ­lig zu Unrecht einen schlech­ten Ruf und wird nor­ma­ler­wei­se als „Faschist“ verunglimpft.

Zwei­tens wäre Sala­zar sozu­sa­gen das feh­len­de Puz­zle­teil in Michel Onfrays lesens­wer­ter Theo­rie der Dik­ta­tur, die vor kur­zem hier bespro­chen wur­de: Onfray ging ja vom Werk Geor­ge Orwells aus, das vor der bös­ar­ti­gen, tota­li­tä­ren, im Kern sata­ni­schen Dik­ta­tur warn­te. Onfray hat­te daher die­je­ni­ge ver­ant­wor­tungs­be­wuß­te und nicht selbst­zweck­haf­te Dik­ta­tur, die zugun­sten des Wohls aller ein­greift, um Schlim­me­res zu ver­hin­dern, zu wenig im Blick.

Und drit­tens ist Anto­nio de Oli­vei­ra Sala­zar der­je­ni­ge Staats­mann, der sich den Plä­nen der gött­li­chen Vor­se­hung zur Ver­fü­gung stell­te. Die gläu­bi­ge Sicht auf die Geschich­te erkennt in der Regie­rung Sala­zars den Segen, der aus den Ansät­zen zur Bekeh­rung des Lan­des im Gefol­ge der Erschei­nun­gen von Fati­ma 1917 und beson­ders aus der Wei­he Por­tu­gals an Unse­re Lie­be Frau von Fati­ma durch die Bischö­fe (1931 und 1938) erfloß: Por­tu­gal wur­de aus dem Welt­krieg gehal­ten, es wur­de zum Tran­sit­land für Flücht­lin­ge, unter ihnen vie­le Juden, nach dem Krieg wur­de es lan­ge vor dem Zugriff inter­na­tio­na­ler Mäch­te bewahrt.

Salazar: Katholik, Gelehrter, Staatsmann

Sala­zar wur­de am 28. April 1889 im nord­por­tu­gie­si­schen Dorf Vimiei­ro in ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen gebo­ren. Er woll­te zunächst Prie­ster wer­den, ver­ließ aber (gemäß einer Quel­le nach der Wei­he zum Sub­dia­kon) das Semi­nar und stu­dier­te mit bril­lan­ten Ergeb­nis­sen Jus, Öko­no­mie und Ver­wal­tung an der Tra­di­ti­ons­uni­ver­si­tät Coim­bra. Er wur­de Pro­fes­sor, Finanz­mi­ni­ster und spä­ter Regie­rungs­chef. Er grün­de­te den „Neu­en Staat“ (Estado Novo). Er leb­te eine „mön­chi­sche Beschei­den­heit“ (84) und opfer­te mög­li­ches fami­liä­res Lebens­glück einem „Leben in ein­sa­mer Pflicht­er­fül­lung“ (85).

Ein klei­ner Unfall, der schwe­re­re Kom­pli­ka­tio­nen nach sich zog, mach­te ihn im Jahr 1968 amts­un­fä­hig. Er starb am 27. Juli 1970.1

In Por­tu­gal steht er bei vie­len in hohem Ansehen:

„Als der staat­li­che por­tu­gie­si­sche Fern­seh­sen­der RTP Anfang des Jah­res 2007 einen Wett­be­werb durch­führ­te, bei dem die Zuschau­er über den größ­ten Por­tu­gie­sen abstim­men konn­ten, wur­de Sala­zar mit 41 Pro­zent der Stim­men Sie­ger“ (96).

Damit zu den „drei Reden“:

  1. Staat und Revolution“

Sala­zar hielt am 28. Mai 1930 zum vier­ten Jah­res­tag der Erhe­bung der Armee eine Anspra­che unter dem Titel Staat und Revo­lu­ti­on. Er stell­te fest, daß davor jah­re­lan­ges Cha­os in Poli­tik und Wirt­schaft geherrscht hat­te, „Spe­ku­la­ti­on und Aben­teu­er“, „schrankenlose[r] Wucher“ und „Schma­rot­zer­tum“ (13). Sala­zar ver­tei­digt das Ein­grei­fen des Mili­tärs mit ein­leuch­ten­den Gründen:

„Die Dik­ta­tur hob Rech­te auf, wel­che die Nati­on in Wirk­lich­keit gar nicht mehr aus­üb­te, brach­te die einen zum Schwei­gen, gewähr­lei­ste­te allen Ruhe und Sicher­heit und schuf so die Vor­aus­set­zung für eine frucht­ba­re Arbeit der Regie­rung“ (14).

Sala­zar spricht deut­lich aus, daß zeit­ge­nös­si­sche Regie­run­gen ihren Völ­kern nicht sagen, auf wel­chen welt­an­schau­li­chen Grund­la­gen die­se ihre Poli­tik machen. 1910 hat­te sich in Lis­sa­bon eine frei­mau­re­ri­sche Cli­que an die Macht geputscht, seit­dem war alles „Frei­heit“ und „Repu­blik“ und „Gleich­heit“. Was aber genau bedeu­te­te das? Da wir vor kur­zem in Öster­reich auch eine angeb­lich neu­tra­le Exper­ten­re­gie­rung („nur ver­wal­ten, nicht gestal­ten“) hat­ten, zitie­ren wir Sala­zar zum The­ma ideo­lo­gi­sche Grund­la­gen des Regierens:

„Äußer­lich erscheint sie [die Ver­wal­tung] nur als Betrieb, dahin­ter aber steht bei der wah­ren Ver­wal­tung immer eine Auf­fas­sung vom Staat und sei­ner Bestim­mung, von der Regie­rung und ihren Gren­zen, vom Recht, vom Reich­tum und sei­nem Wert für die Gemein­schaft, das heißt eine wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Welt­an­schau­ung. Wehe der Regie­rung oder bes­ser: wehe dem Volk, des­sen Regie­rung nicht in der Lage ist zu sagen, in wel­chem Gei­ste sie das Volk führt“ (23). (Her­vor­he­bung WS)

Sala­zar ist sich der Ver­ant­wor­tung bewußt, mit der Macht behut­sam und im Sin­ne des Gemein­wohls umzu­ge­hen (25).

  1. Die Neu­ord­nung der Wirtschaft“

In einer Rund­funk­re­de vom 16. März 1933, drei Tage vor der Volks­ab­stim­mung über die neue Ver­fas­sung, sprach Sala­zar die Wür­de der Arbeit an. Wirt­schaft hat den Men­schen zu die­nen, das Kapi­tal ist nicht Selbstzweck:

„Es exi­stiert in der Tat im heu­ti­gen Gemein­we­sen eine Kri­se, die viel schwe­rer ist als die der Wäh­rung, der Wech­sel­kur­se, des Kre­dits, der Prei­se, der Finanz, viel schwe­rer, weil sie allen zugrun­de liegt: ich mei­ne die Kri­se des wirt­schaft­li­chen Den­kens, oder bes­ser die Kri­se unse­rer Wirt­schafts­auf­fas­sung. Wir haben den Begriff des Ver­mö­gens ver­fälscht. Wir haben ihn los­ge­löst von sei­nem eigent­li­chen Sinn, dem näm­lich, dem Men­schen ein wür­di­ges Leben zu ermög­li­chen. […] Wir haben den Begriff der Arbeit ver­fälscht und den der Per­son des Arbei­ters, wir haben sei­ne Men­schen­wür­de außer acht gelas­sen“ (29f).

Fami­lie und Patri­ar­chat sind Quell der Sta­bi­li­tät und ent­spre­chen den Bedürf­nis­sen und Anlie­gen des Men­schen. Sala­zar rich­tet sich hier mehr oder weni­ger aus­drück­lich gegen das Mani­fest der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei, das bekannt­lich Pri­vat­ei­gen­tum und Erbrecht abge­schafft sehen möchte.

So zu den­ken ist heu­te ver­bo­ten, denn es herrscht in Kir­che und Staa­ten­welt die Ideo­lo­gie des Pro­gres­si­vis­mus. Aber Sala­zar ließ sich von die­sem Schlag­wort nicht täu­schen und kon­tert schlagfertig:

„[N]icht jedes Fort­schrei­ten bedeu­tet Fort­schritt, und Rück­stän­dig­keit kann besa­gen, daß man sich nicht zu weit von den Grund­la­gen einer ratio­nel­len Wirt­schaft ent­fernt hat“ (48f).

Für unse­re heu­ti­ge Zeit, in der die euro­päi­schen Staats­män­ner und die Brüs­se­ler Büro­kra­tie fast aus­schließ­lich aus ver­blen­de­ten Ideo­lo­gen bestehen, ist die Weis­heit eines Den­kers in der Poli­tik wohl zu beachten:

Wir sind ent­schlos­sen, die werk­tä­ti­ge Bevöl­ke­rung von ihren fal­schen Pro­phe­ten zu befrei­en und mit der Tat zu zei­gen, daß kei­ne wirt­schaft­li­che Fra­ge uns trennt, son­dern im Grun­de – wie ich eben gezeigt habe, damit sich die Augen öff­nen – eine ande­re Lebens­auf­fas­sung, eine ande­re Auf­fas­sung von der Zivi­li­sa­ti­on. Wir müs­sen uns ent­schei­den, ob wir gewillt sind, das Unver­gäng­li­che, Ewi­ge, Ein­ma­li­ge unse­res lusi­ta­ni­schen, latei­ni­schen und christ­li­chen Erbes unein­ge­denk sei­nes Wer­tes an eine bar­ba­ri­sche Zeit zu ver­ra­ten, oder nicht“ (49f). (Her­vor­he­bung WS)

Anspra­che Sala­zars vom Präsidentenpalast
  1. Die Errun­gen­schaf­ten der natio­na­len Revo­lu­ti­on

In einer Rede am 26. Mai 1936 in Bra­ga sprach Sala­zar anläß­lich der Zehn­jah­res­fei­er der natio­na­len Erhe­bung in einer Kund­ge­bung für das Heer. Man­che For­mu­lie­rung wird uns heu­te befremden.

Dem katho­li­schen Staats­mann Sala­zar ist die Auf­lö­sung des Glau­bens und der Gewiß­hei­ten durch den Libe­ra­lis­mus ein Greu­el und ent­spre­chend äußert er sich. Sala­zar instru­men­ta­li­siert nicht den Glau­ben für die Poli­tik und er läßt der Kir­che vol­le orga­ni­sa­to­ri­sche Frei­heit. Sein Anlie­gen ist, daß der Mensch und das Gemein­we­sen in der Wahr­heit gründen.

Por­tu­gal war seit dem 15. Jahr­hun­dert eine bedeu­ten­de See­macht, die Kolo­nien errich­te­te und das Evan­ge­li­um vie­len Völ­kern brach­te. Der geschichts­be­wuß­te Por­tu­gie­se weiß das und kon­tra­stiert das mit zeit­ge­nös­si­schen Pseu­do­evan­ge­li­sten, gemeint sind wohl die USA und die Sowjetunion:

„Man hat dies dem por­tu­gie­si­schen Volk tief eigen­tüm­li­che, dabei ver­gei­stig­te und selbst­lo­se umfas­sen­de Stre­ben in die Wei­te als Beru­fung und Sen­dung bezeich­net. Jeden­falls hat es nichts zu tun mit jener frag­wür­di­gen inter­na­tio­na­len Mensch­heits­be­glückung unse­rer Tage, die da will, daß frem­de Gren­zen nie­der­ge­ris­sen wer­den, damit sich auf Kosten ande­rer die eige­ne Macht ver­grö­ße­re“ (57).

Nüchternheit der Politik als Gegenmittel zu pseudomessianischen Utopien

Das Kreuz und Fati­ma im Estado Novo

Gott, Vater­land, Auto­ri­tät, Fami­lie, Arbeit, das sind die Grund­pfei­ler des Estado Novo. Die­ser wur­de von vie­len als „lang­wei­lig“ bezeich­net. Denn es ist ein „schlan­ker“ Staat, ein Staat, der nicht – wie Kom­mu­ni­sten und Faschi­sten es tun – tota­li­tär in das Leben der Bür­ger ein­greift. Schril­le, hyste­ri­sche Mas­sen­kund­ge­bun­gen wie bei Sta­lin und Hit­ler gab es nicht. Sala­zar war ein trocke­ner Typ, öffent­lich­keits­scheu und beschei­den. Sei­ne Reden, wie man an den hier gebrach­ten Bei­spie­len sieht, waren oft anspruchs­vol­le Erör­te­run­gen. Er las sie ohne rhe­to­ri­schen Auf­wand vom Blatt ab. Sala­zar war kein Volks­tri­bun, kein Uto­pist, kein Rat­ten­fän­ger.2

Sala­zars Staat war nüch­tern. Das Leben muß so und anders bewäl­tigt wer­den. Kei­ne Uto­pie kann die Prü­fun­gen des Lebens ver­hin­dern. Dar­um ist es ange­mes­sen, nüch­tern, rein und gläu­big zu sein. Sala­zar sagt es bei­na­he poetisch:

„Das Leben ist hart, vol­ler Unbill, Bedräng­nis, Ent­beh­rung, Unge­rech­tig­keit, die, scheint es, nie­mand behe­ben kann. Doch traut ist das Heim, und ein höhe­rer Glanz kommt in das Dasein: da ist die alte Kir­che mit ihrem Platz, und alle haben von dem Ihren, mit Gaben und Arbeit, dazu bei­getra­gen; da ist auch der Fried­hof. Hier wie dort ein wah­res Arbei­ten im Schwei­ße des Ange­sichts, die Sor­ge um das Täg­li­che, das Erbe des Bluts, die inne­re Ver­pflich­tung. Und klar erhe­ben sich die­se For­de­run­gen: nach Arbeit, nach Boden, nach rei­nem Fami­li­en­le­ben, nach inne­rer Gewiß­heit“ (62).

Nachwort von Erik Lehnert

Ein wert­vol­les Nach­wort des pro­mo­vier­ten Phi­lo­so­phen und wis­sen­schaft­li­chen Lei­ters des Insti­tuts für Staats­po­li­tik (IfS) Erik Leh­nert erklärt die histo­ri­schen Zusam­men­hän­ge und die Rezep­ti­on Sala­zars in Deutsch­land, etwa durch Franz Josef Strauß (eine län­ge­re Ver­si­on fin­det man hier).3

Leh­nert macht klar, daß Sala­zar trotz anfäng­li­cher Begei­ste­rung für Mus­so­li­ni (eine Begei­ste­rung übri­gens, die er mit so man­chem Staats­mann dies­seits und jen­seits des Atlan­tiks teil­te) des­sen paga­nen Cäsa­ris­mus schließ­lich ablehn­te. Faschi­sten­füh­rer Fran­cis­co Rolão Pre­to muß­te 1935 das Land verlassen (!).

Nach Leh­nert muß aller­dings auch zuge­ge­ben wer­den, daß Ende der 50er Jah­re Por­tu­gal arm geblie­ben war. Das führ­te tra­gi­scher­wei­se zu Kri­tik der Kir­chen­hier­ar­chie an Sala­zar, der dann die Bischö­fe zur Loya­li­tät auf­rief und den Initia­tor der Kri­tik, den Bischof von Por­to, des Lan­des ver­wies (89f).

Äußerst tra­gisch ist auch, daß die „Nel­ken­re­vo­lu­ti­on“ vier Jah­re nach dem Tod Sala­zars von lin­ken Mili­tärs mit Unter­stüt­zung der Kir­che durch­ge­führt wur­de (95).4

Sala­zar hat­te zwar per ver­fas­sungs­ge­mä­ßem Nach­fol­ge­me­cha­nis­mus für die Zeit nach sei­nem Tod vor­ge­sorgt, aber eine sehr lan­ge Regie­rungs­zeit ver­hin­dert natür­lich die Eta­blie­rung eines geeig­ne­ten und vom Volk akzep­tier­ten Nach­fol­gers. Juri­sten­de­kan Mar­ce­lo Caeta­no mei­ster­te die Auf­ga­be nicht, den kom­mu­ni­sti­schen Ter­ror in den Über­see­ge­bie­ten wirk­sam zu bekämp­fen.5

Ob die Restau­ra­ti­on der Mon­ar­chie gut und sinn­voll gewe­sen wäre, bleibt Spe­ku­la­ti­on. In Spa­ni­en hat die­se den reli­giö­sen und kul­tu­rel­len Ver­fall nicht verhindert.

Begräb­nis von Anto­nio Oli­vei­ra Sala­zar am 30. Juli 1970 in sei­nem Geburts­ort Vimieiro.

Resümee

Die aus­ge­wähl­ten Reden ent­hal­ten Per­len poli­tisch-phi­lo­so­phi­scher Ver­stän­dig­keit und lau­te­rer, gläu­bi­ger Gesin­nung eines der bedeu­tend­sten euro­päi­schen Staa­ten­len­ker im 20. Jahr­hun­dert. Die Publi­ka­ti­on läßt ihn nach Jahr­zehn­ten der Ver­leum­dung in neu­em Licht und sozu­sa­gen reha­bi­li­tiert erscheinen.

Zu bean­stan­den ist ledig­lich ein win­zi­ges Detail: Leh­nert zitiert Fried­rich Sieburg, der 1937 schrieb, daß Sala­zar die Men­schen „nicht liebt“ (82). Sieburg meint wohl, wie aus dem Zusam­men­hang her­vor­geht, daß sich Sala­zar kei­ne Gefühls­aus­brü­che und kei­ne Anbie­de­rung erlaub­te. Daß er sei­nem Volk nicht wohl­wol­lend geson­nen gewe­sen sein soll, wäre jedoch eine absur­de Mei­nung, die ja durch Leben und Bot­schaft Sala­zars wider­legt ist. –

Dem Ver­lag ist zu die­ser wich­ti­gen Publi­ka­ti­on zu gra­tu­lie­ren. Er pro­du­zier­te – wis­sent­lich oder nicht – eine gera­de für poli­tisch und histo­risch inter­es­sier­te Katho­li­ken wich­ti­ge Schrift, ein leicht mit­zu­füh­ren­des Vade­me­cum, das man auch ger­ne ver­schenkt.6

Der Kir­chen­hier­ar­chie wird man emp­feh­len kön­nen, die offen­bar rein poli­tisch moti­vier­te Selig­spre­chung Robert Schu­mans abzu­sa­gen und dafür Anto­nio de Oli­vei­ra Sala­zar seligzusprechen.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro Lifer, Kri­ti­ker der „offi­zi­el­len“ Geschichts­schrei­bung und Geschichts­deu­tung im deut­schen Sprachraum.

Bild: Wikicommons/MiL


1 Auf deutsch fin­det man im Inter­net wenig Hilf­rei­ches über Sala­zar. Emp­foh­len sei eine por­tu­gie­si­sche Doku­men­ta­ti­on, bei der sich per Unter­ti­tel­funk­ti­on eng­li­sche Unter­ti­tel ein­blen­den las­sen. Ein Aus­zug aus einer Rede mit eng­li­schen Unter­ti­teln fin­det sich hier. Eine bio­gra­phi­sche Abhand­lung, eben­falls auf eng­lisch, hier.

2 Freund und Feind erken­nen an, daß die Repres­si­on sehr mode­rat war und in eini­ger Här­te nur Kom­mu­ni­sten traf (also Men­schen, die aus frei­en Stücken eine Ideo­lo­gie und ein System ver­tre­ten, das schon lan­ge vor Beginn des II. Welt­krie­ges Mil­lio­nen Tote zu ver­ant­wor­ten hat und nach dem Krieg halb Euro­pa und Asi­en terrorisierte).

3 „Sala­zar schweb­te als Gegen­mo­dell ein sozia­ler Stän­de­staat vor, der auf der natür­li­chen Glie­de­rung der Gemein­schaft beru­hend von der Fami­lie über Stand und Beruf bis zum kul­tu­rel­len Milieu rei­che. Der Staat soll­te damit von der über­mä­ßi­gen Anzahl an Rege­lungs­auf­ga­ben ent­la­stet wer­den. Vor allem aber wur­de ein Aus­gleich zwi­schen den Pri­vat- und den Kol­lek­ti­v­in­ter­es­sen ange­strebt. […] Selbst Kri­ti­ker des auto­ri­tä­ren Regimes zoll­ten die­sem Gedan­ken (und sogar sei­ner Umset­zung!) Respekt“ (80).

4 Die nach­kon­zi­lia­re Kir­che erwies sich als undank­bar und ver­blen­det. Die „Irr­tü­mer Ruß­lands“ waren bis in die Hier­ar­chie vor­ge­drun­gen. Por­tu­gal blieb zwar vom Kom­mu­nis­mus ver­schont (Mark Fel­lows schreibt in Fati­ma in Twi­light, daß eine unge­heu­re Wel­le des Wider­stan­des im Volk und eine Rosen­kranz-Kam­pa­gne die am 25. April 1974 zur Macht gekom­me­nen Kom­mu­ni­sten im Novem­ber 1975 zur Abdan­kung zwan­gen), öff­ne­te sich aber dem Wahn des „moder­nen“ Europas.

5 Die Kolo­ni­al­krie­ge koste­ten 8000 Sol­da­ten das Leben und ver­schlan­gen Unsum­men. Zudem waren die „moder­nen“ Staa­ten und die Kir­chen­füh­rung der Kolo­ni­al­macht Por­tu­gal nicht mehr gewo­gen. Man sah offen­bar lie­ber, wie die afri­ka­ni­schen Staa­ten zu sowje­ti­schen oder ame­ri­ka­ni­schen Kolo­nien wurden.

6 Antai­os ist ein säku­la­rer Ver­lag, der – was auch immer das heißt – als „rechts“ gilt. Es wird hier dem katho­li­schen Leser­pu­bli­kum nicht unbe­se­hen pau­schal emp­foh­len, was dort ver­öf­fent­licht wird. Vie­le Publi­ka­tio­nen, gera­de der Kapla­ken-Rei­he, liest man aber mit Gewinn. Auch hier gilt, alles zu prü­fen und das Gute zu behalten.

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1 Kommentar

  1. Ich bin hoch­er­freut über das Auf­tau­chen die­ses Büch­leins. Der unchrist­li­che Geist hat nach dem „Ende“ der Mon­ar­chie das Land ins Cha­os und in den Ruin geführt, wenn wun­dert es? Heu­te wird der kor­rup­te, wei­ter­hin unchrist­li­che Geist, der Por­tu­gal quält und beraubt, nur von Ber­lin und Brüs­sel künst­lich am Leben gehal­ten. Über 120 Mil­li­ar­den EUR soll Por­tu­gal bereits erhal­ten haben, seit 1986 (Eu-Bei­tritt). Heu­te ist Por­tu­gal eine seen­len­lo­se Kolo­nie der tota­li­tä­ren, die Chri­sten­heit nicht nur has­sen­den, son­dern aktiv ver­fol­gen­den, Brüs­se­ler Büro­kra­tie. Alles Geld dien­te nur dazu, die men­schen­ver­ach­ten­den, zutiefst kor­rup­ten, inkom­pe­ten­ten Lin­ken an der Macht zu hal­ten. Die Pres­se wur­de vor 1974 von lin­ken skru­pel­lo­sen Lüg­nern unter­wan­dert und labert bis heu­te nur Müll, beschützt also größ­ten­teils das kor­rup­te Regime. Was wir heu­te seit eini­gen Jah­ren in Deutsch­land ertra­gen müs­sen, ist dort gang und gäbe. 

    Sala­zar hin­ge­gen, ein vor­züg­li­cher Finanz­ex­per­te, Lehr­kör­per, wur­de zwei­mal von den Mili­tärs um Rat und Hil­fe gebe­ten. Das erste Mal lehn­te Sala­zar ab, weil man sich noch wei­ger­te, ihm die nöti­gen Rechts­mit­tel an die Hand zu geben. Da das Cha­os der unchrist­li­chen Gei­ster immer schlim­mer wur­de, trat man zwei Jah­re spä­ter wie­der an ihn her­an. Dies­mal stat­te­te das Mili­tär Sala­zar mit allen Macht­be­fug­nis­sen aus und Sala­zar hielt Wort. Er brach­te alls wie­der ins Lot. 

    Sala­zar hin­der­te erfolg­reich, solan­ge er an der Macht war, daß der anti-christ­li­chen Geist die Macht in Por­tu­gal an sich rei­ßen konn­te. Die bösen Lin­ken waren chancenlos. 

    Sala­zar hat sich nie berei­chert, hin­ter­ließ rie­si­ge Gold­be­stän­de, die siebt­stärk­ste (7.) Wäh­rung der Welt. Die Haus­tü­ren konn­ten über­all im Land offen gelas­sen wer­den und nie­mand stahl, tat er es doch, dann wur­de die­ser wirk­lich bestraft. 

    Nur falsch spie­len­de anti-christ­li­che Lin­ke sehen in Sala­zar einen Dik­ta­tor. Das gehört zur lin­ken Kriegs­pro­pa­gan­da, denn die Lin­ken stre­ben über­all ohne Kom­pe­tenz, die Mach­über­nah­me an. Das Resul­tat ist heu­te klar zu erken­nen. Und die mei­sten hier soll­ten wis­sen, gelernt haben, Lin­ke lie­ben ech­te Dik­ta­to­ren. Was alle Lin­ken jedoch has­sen, ist christ­li­ches Den­ken. Denn die­ses ist deren größ­ter Feind.

    Heu­te wer­den in Por­tu­gal die Opfer ten­den­zi­ell bestraft und Ver­bre­chern die Füße geküßt. Es ist der dum­me, men­schen­ver­ach­ten­de Einheitsbrei.

    Wahr, allein wahr, ist, Por­tu­gal ist seit Sala­zar ver­armt, gei­stig. Und das ist die schlimm­ste Form von Armut. 

    Por­tu­gal feh­len heu­te nicht nur vie­le Sala­zars, die Geg­ner ver­hin­dern erfolg­reich, daß die­se über­haupt so weit kom­men dür­fen. Ein Land wel­ches erha­be­ne christ­li­che Wer­te ver­folgt, ist vom tota­len Bank­rott nicht weit ent­fernt. Wer heu­te genau hin­schaut, sieht das, sehr genau. Nur die lin­ke Lügen­pres­se kann oder will das nicht erken­nen. Statt­des­sen wird man wei­ter fürs Belü­gen der Leser­schaft bezahlt. Die port. Pres­se­land­schaft ist heu­te ein bit­te­res Armuts­zeug­nis und ein siche­rer Beweis: Sala­zar war sei­nen Fein­den weit, weit überlegen.

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