Spanien – 80 Jahre Initiative patriotischer Generäle zur Verteidigung von Kirche und Vaterland

Kommunistisch-anarchistische Kämpfer der "Internationalen Brigaden" rissen die Gräber von Ordensfrauen auf und warfen sie zum "Sieg" auf die Straße
Kommunistisch-anarchistische Kämpfer der "Internationalen Brigaden" rissen die Gräber von Ordensfrauen auf und warfen sie zum "Sieg" auf die Straße

Von Wolf­ram Schrems*

Am Kar­me­li­ter­markt im 2. Wie­ner Gemein­de­be­zirk gibt es ein Gedenk­re­li­ef für einen gewis­sen Alfred Och­s­horn und eini­ge klei­ne­re Tafeln (im For­mat der soge­nann­ten „Stol­per­stei­ne“) für ande­re Leu­te, die in Spa­ni­en „gegen den Faschis­mus kämpf­ten“. Da sich der Beginn des Spa­ni­schen Bür­ger­kriegs, der 17. Juli 1936, bald zum acht­zig­sten Mal jährt, sei hier auf des­sen heu­te im Bewußt­sein der Öffent­lich­keit so gut wie nicht prä­sen­ten Haupt­aspekt ver­wie­sen: die Aggres­si­on von Kom­mu­ni­sten und Anar­chi­sten gegen Kir­che und Katho­li­ken und die Ermor­dung von etwa 7000 katho­li­schen Prie­stern und Ordens­leu­ten, dar­un­ter drei­zehn Bischö­fe. Die­se Aggres­si­on begann lan­ge vor 1936 und war der Anlaß zur Erhe­bung der Gene­rä­le.

Achtzig Jahre Erhebung der Generäle angesichts der Pogrome an Katholiken und der kommunistischen Drohung

Am 17. Juli 1936 erho­ben sich nach län­ge­rem Zögern Gene­rä­le der spa­ni­schen Armee gegen die „Volksfront“-Regierung. Die­ser war die Kon­trol­le über das Land längst ent­glit­ten. Spa­ni­en war nach der erzwun­ge­nen Abdan­kung von König Alfons XIII. im April 1931 und der Aus­ru­fung der Repu­blik insta­bil gewor­den. In weni­gen Jah­ren gab es meh­re­re Regie­rungs­wech­sel, zuletzt im Febru­ar 1936 mit dem Wahl­sieg der von lin­ken und libe­ra­len Kräf­ten domi­nier­ten „Volks­front“. Der Vor­wurf von Wahl­ma­ni­pu­la­tio­nen stand dabei im Raum.

Stra­ßen­schlach­ten und poli­ti­sche Mor­de waren an der Tages­ord­nung. Die Sowjet­uni­on, die das Zaren­reich in prä­ze­denz­lo­sen Ter­ror gestürzt hat­te, nahm Spa­ni­en als Revo­lu­ti­ons­ge­biet ins Visier. Man konn­te sich ohne bewuß­te Über­an­stren­gung der Phan­ta­sie vor­stel­len, wohin die Unter­stüt­zung Sta­lins für die spa­ni­schen Kom­mu­ni­sten füh­ren muß­te.

Die Feind­se­lig­kei­ten hat­ten, wie gesagt, einen kul­tur­kämp­fe­ri­schen, ja aus­ge­spro­chen reli­giö­sen Hin­ter­grund. Sie waren gegen die Katho­li­sche Kir­che gerich­tet. Revo­lu­tio­nä­re Krei­se bezeich­ne­ten die Kir­che als „rück­stän­dig“ und bezich­tig­ten sie der „Unter­drückung“ der Men­schen.

Mit wel­chem Recht? Und was heißt genau „Unter­drückung“, wenn Volk und Hier­ar­chie den­sel­ben Glau­ben haben? Die­ser Glau­be mach­te Spa­ni­en zu dem, was es war.

Terror gegen die Katholiken und die Katholische Kirche – in Spanien nichts Neues

Es war erst die Zeit von etwa zwei Men­schen­le­ben ver­gan­gen, seit Spa­ni­en sich erfolg­reich gegen den Ter­ror Napo­le­ons gewehrt hat­te. Auch die­ser hat­te eine aus­drück­lich anti­christ­li­che Stoß­rich­tung.

2014 bei Burgos freigelegtes Massengrab mit Opfern des republikanischen Terrors
2014 bei Bur­gos frei­ge­leg­tes Mas­sen­grab mit Opfern des repu­bli­ka­ni­schen Ter­rors

Er rich­te­te sich in jako­bi­ni­scher Tra­di­ti­on gegen das Hei­li­ge und ver­such­te es aus den Her­zen und Köp­fen der Spa­ni­er zu rei­ßen. Die Spa­ni­er wehr­ten sich in Klein­kriegs­tak­tik („Gue­ril­la“) und räch­ten die Mor­de an den Prie­stern und die Schän­dung ihrer Kir­chen, Klö­ster und Fried­hö­fe auf fürch­ter­li­che Wei­se an napo­leo­ni­schen Revo­lu­ti­ons­sol­da­ten.

Was also am Anfang des 19. Jahr­hun­derts gesche­hen war, wie­der­hol­te sich etwa hun­dert­drei­ßig Jah­re spä­ter. Den Älte­ren muß­ten die Erzäh­lun­gen ihrer Groß­el­tern noch in den Ohren hal­len, als sie in der neu­en Repu­blik, der zwei­ten in Spa­ni­en, die Klö­ster und Kir­chen bren­nen sahen.

Immer­hin waren damals schon katho­li­sche Prie­ster und Non­nen ermor­det und Dut­zen­de Kir­chen abge­brannt wor­den. Die­ser Ter­ror brei­te­te sich nach dem 17. Juli explo­si­ons­ar­tig aus. Geschätz­te 100.000 Todes­op­fer for­der­te der rote Ter­ror in der „repu­bli­ka­ni­schen Zone“ bin­nen weni­ger Wochen jenes Som­mers: Bür­ger, Unter­neh­mer, Mon­ar­chi­sten, Falan­gi­sten – Katho­li­ken.

Was ver­an­laßt Men­schen dazu, Prie­ster und Ordens­leu­te zu ermor­den, leben­dig zu begra­ben, zu ver­bren­nen oder zu kreu­zi­gen? Was ist das Motiv, Ordens­frau­en zu ver­ge­wal­ti­gen, sie öffent­lich zu demü­ti­gen und dann umzu­brin­gen? Ganz offen­sicht­lich nicht das Bestre­ben, legi­ti­me sozia­le Anlie­gen zu ver­wirk­li­chen. Im Gegen­teil ist es ein ideo­lo­gisch ver­bräm­ter sata­ni­scher Haß, wie er knap­pe zwei Jahr­zehn­te zuvor in Ruß­land aus­ge­bro­chen war. Auch dort ging es nicht um berech­tig­te sozia­le For­de­run­gen.

Beim Kom­mu­nis­mus han­delt sich um eine irra­tio­na­le und lügen­haf­te Ideo­lo­gie, deren Haupt­feind nach einem Aus­spruch Lenins Gott selbst ist. Und genau die­se Sowjet­uni­on unter­stütz­te die spa­ni­sche „Volksfront“-Regierung, unter ihnen die Sozia­li­sten, deren Füh­rer Fran­cis­co Lar­go Cabal­le­ro als „spa­ni­scher Lenin“ bekannt wur­de.

Terror in der Republik und die Drohung des Sowjetterrors

Es ist bekannt, daß der spä­te­re Held der Gegen­re­vo­lu­ti­on und Sie­ger des Bür­ger­kriegs, Gene­ral Fran­cis­co Fran­co, mit der Erhe­bung lan­ge zöger­te. Die miß­traui­sche Regie­rung hat­te ihn, den sieg­rei­chen Offi­zier und jüng­sten Gene­ral Spa­ni­ens, zur Sicher­heit in der Peri­phe­rie sta­tio­niert, näm­lich auf den Kana­ri­schen Inseln. Auch ande­re Gene­rä­le waren von der Volks­front­re­gie­rung nicht wohl­ge­lit­ten und wur­den weit weg von Madrid ein­ge­setzt.

Linke Milizionäre rissen Leiche einer Ordensfrau aus dem Grab und ließen sich mit ihrer "Trophäe" fotografieren
Lin­ke Mili­zio­nä­re ris­sen Lei­che einer Ordens­frau aus dem Grab und lie­ßen sich mit ihrer „Tro­phäe“ foto­gra­fie­ren

Cha­os und Auf­ruhr, Revo­lu­ti­on und Gegen­re­vo­lu­ti­on lagen in der Luft. Der Trop­fen, der das Faß zum Über­lau­fen brach­te, waren zwei Mor­de. Die­se waren für die Situa­ti­on der Zeit sinn­bild­lich:

Die Ermor­dung des Leut­nants José Castil­lo, Poli­zei­leut­nant der links­ge­rich­te­ten repu­bli­ka­ni­schen Guar­dia de Asalto (Bereit­schafts­po­li­zei), am 12. Juli 1936 durch Ange­hö­ri­ge der Falan­ge, ver­an­laß­te eine Raz­zia gegen rechts­ge­rich­te­te Akti­vi­sten. In der Nacht des 13. Juli wur­de der ehe­ma­li­ge Mini­ster und rech­te Oppo­si­ti­ons­füh­rer José Cal­vo Sote­lo von der Bereit­schafts­po­li­zei ver­haf­tet. Er wur­de in deren Gewahr­sam erschos­sen und vor einen Fried­hof gewor­fen. Ob das ein Rach­akt für den Mord an Castil­lo war oder eine schon län­ger geplan­te Akti­on, ist unge­klärt und in die­sem Zusam­men­hang uner­heb­lich. Die Stim­mung in der Bevöl­ke­rung war jeden­falls für den Mili­tär­putsch gün­stig gewor­den. Das Ziel war, die unfä­hi­ge Repu­blik mit ihrem Cha­os abzu­lö­sen – die wei­te­ren Fra­gen nach der zu eta­blie­ren­den Staats­form wür­den dann spä­ter geklärt wer­den.

Die Erhe­bung der Armee stieß im Volk sowohl auf Unter­stüt­zung als auch auf Wider­stand. In Bar­ce­lo­na ereig­ne­te sich die para­do­xe Zusam­men­ar­beit der dort maß­geb­li­chen kata­la­ni­schen Anar­chi­sten mit der offi­zi­el­len Regie­rung, die „law and order“ wie­der­her­zu­stel­len bemüht war.

Wir wis­sen, wie der Bür­ger­krieg wei­ter­ging und wie er – nach eini­gem Hin und Her – von Fran­co 1939 sieg­reich been­det wur­de. Wir wis­sen auch, daß Gene­ral Fran­co heu­te gene­rell eine schlech­te Pres­se hat. Er wird von einer histo­rio­gra­phi­schen Ein­heits­mei­nung ohne wei­te­re Qua­li­fi­ka­ti­on papa­gei­en­haft als „Faschist“ bezeich­net.

 „Faschismus“?

Ist es nicht bemer­kens­wert, daß der soge­nann­te „Faschis­mus“ erst Jah­re nach dem soge­nann­ten „Anti­fa­schis­mus“ auf­taucht – wenn wir die heu­te gän­gi­ge Ter­mi­no­lo­gie ver­wen­den? Denn 1917 hat der „anti­fa­schi­sti­sche“ Kom­mu­nis­mus das Zaren­reich im Blut ver­sin­ken las­sen – und nicht etwa ein „faschi­sti­sches“ Regime. Die Revo­lu­ti­on wur­de auch sofort expor­tiert und zeig­te in der Bay­ri­schen und in der Unga­ri­schen Räte­re­pu­blik ihre Frat­ze. Dort gab es 1918 und 1919 aber kei­ne „Faschi­sten“.

In einem Massengrab verscharrte Opfer des linken Terrors werden geborgen
In einem Mas­sen­grab ver­scharr­te Opfer des lin­ken Ter­rors wer­den gebor­gen

Das ist zwar alles nichts neu­es, aber erstens ist es so gut wie nicht im kol­lek­ti­ven Bewußt­sein, schon gar nicht der Schü­ler und Jugend­li­chen, die bekannt­lich mit Ideo­lo­gien aller Art trak­tiert wer­den, und zwei­tens ist die Absur­di­tät der heu­te gän­gi­gen Nomen­kla­tur offen­bar noch nie­man­dem auf­ge­fal­len. Erst kommt die Revo­lu­ti­on, näm­lich der „Anti­fa­schis­mus“, dann kommt der „Faschis­mus“ als Gegen­re­ak­ti­on. Sehr merk­wür­dig. Offen­sicht­lich ist die Erkennt­nis, daß die Ver­bre­chen, die im Namen die­ser der kom­mu­ni­sti­schen, „anti­fa­schi­sti­schen“ Ideo­lo­gie ver­übt wor­den sind, schon ab den 10er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts so mon­strös waren, daß eine Gegen­be­we­gung förm­lich erzwun­gen wur­de, heut­zu­ta­ge völ­lig ver­schüt­tet.

Was aber ist dann der „Faschis­mus“? Das nur eine Anre­gung für wei­te­res Nach­den­ken. Für unse­ren Zusam­men­hang ist Fol­gen­des maß­geb­lich:

In Spa­ni­en war es eine tra­di­tio­nel­le, katho­li­sche Ord­nung, die von der Revo­lu­ti­on bekämpft wur­de. Von einem tota­li­tä­ren System, das Volks­front, Repu­blik und Anar­chi­sten bekämpft hät­ten, kann nicht die Rede sein. Heu­te wird aber nicht ger­ne dif­fe­ren­ziert. In der „offi­zi­el­len“ Geschichts­schrei­bung waren alle „Faschi­sten“, die nicht libe­ral, anar­chi­stisch oder mar­xi­stisch waren: von Adolf Hit­ler über Beni­to Mus­so­li­ni zu Engel­bert Dol­lfuß und Anto­nio de Oli­vei­ra Sala­zar und eben Fran­co. Durch die Über­deh­nung des Aus­drucks „Faschist“ ver­liert die­ser aber jede Bedeu­tung. Er ist ein rei­nes Schlag­wort gewor­den – genau­so wie sein (wirk­li­ches oder angeb­li­ches) Gegen­teil, der berühm­te „Anti­fa­schis­mus“.

Eine äuße­re Zuschrei­bung von „Faschis­mus“ an die Falan­ge wird zwar eben­falls oft vor­ge­nom­men und zwei­fel­los bestehen Ähn­lich­kei­ten mit dem ita­lie­ni­schen System jener Zeit. Ande­rer­seits ist auch das falan­gi­sti­sche System mit sei­nem star­ken gewerk­schaft­li­chen Ele­ment nicht so ein­fach fest­zu­ma­chen, zumal des­sen spa­ni­sche Ver­tre­ter auf des­sen Unab­hän­gig­keit und Unver­gleich­lich­keit mit ähn­li­chen Syste­men bestan­den.

Verstrickung in komplizierte, aber nicht zu ändernde Umstände …

Gene­ral Fran­co han­del­te rich­tig und ehren­haft, als er mit sei­nen Kame­ra­den das Cha­os und den Ter­ror been­den woll­te. Er wuß­te genau, daß die Repu­blik dem Kom­mu­nis­mus nicht wider­ste­hen wür­de. Man gab sich kei­ner Illu­si­on hin, was das bedeu­ten wür­de. Der Völ­ker­mord an den Ukrai­nern durch die Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung der Land­wirt­schaft mit sei­nen Mil­lio­nen Todes­op­fern („Holo­do­mor“) lag damals nur gut drei Jah­re zurück.

Daß Fran­co sich von Adolf Hit­ler und Beni­to Mus­so­li­ni unter­stüt­zen ließ, weil ihm (zunächst) sonst nie­mand half, zeigt nur, daß die West­mäch­te mit der Restau­ra­ti­on eines katho­li­schen Spa­ni­en nicht sym­pa­thi­sier­ten. (Wie vor kur­zem berich­tet wur­de, ließ sich Groß­bri­tan­ni­en die Neu­tra­li­tät Fran­cos im Krieg auch eini­ges kosten.)

Symbolische Hinrichtung Jesu Christi durch Kämpfer der linken "Volksfront" - Herz-Jesu-Statue auf dem Cerro de los àngeles
Sym­bo­li­sche Hin­rich­tung Jesu Chri­sti durch Kämp­fer der lin­ken „Volks­front“ — Herz-Jesu-Sta­tue auf dem Cer­ro de los àngeles

Man muß sich vor Augen füh­ren: Der Westen pil­ger­te noch nach Aus­bruch des Spa­ni­schen Bür­ger­kriegs nach Ber­lin, um Hit­ler aus Anlaß der Olym­pi­schen Spie­le sei­ne Reve­renz zu erwei­sen. Das war übri­gens zwei Jah­re nach dem Mord an Bun­des­kanz­ler Engel­bert Dol­lfuß durch aus dem Deut­schen Reich gesteu­er­te Natio­nal­so­zia­li­sten! Alle waren dort, auch die fran­zö­si­schen Ath­le­ten, die mit erho­be­nem Arm grüß­ten. Frei­lich waren auch die Öster­rei­cher dort – Bun­des­kanz­ler Schu­sch­nigg konn­te sich in völ­li­ger inter­na­tio­na­ler Iso­la­ti­on kei­ne wei­te­re Pro­vo­ka­ti­on Hit­lers lei­sten. Dem Westen lag also offen­bar nichts an einem kon­ser­va­ti­ven Spa­ni­en und einem kon­ser­va­ti­ven Öster­reich.

Ganz abge­se­hen davon, daß der wacke­re Westen im Münch­ner Abkom­men Hit­ler die Abtren­nung der deutsch­spra­chi­gen Grenz­ge­bie­te der Tsche­cho­slo­wa­kei zuge­stand.

Der Westen hat also auch 1939 noch mit Hit­ler ver­han­delt, Spa­ni­en hin, Spa­ni­en her.

Fran­co brauch­te Hil­fe gegen die kom­mu­ni­sti­schen Mord­bren­ner. Er hat­te kei­ne Wahl. Fran­co wuß­te auch, daß Hit­ler nicht unei­gen­nüt­zig han­del­te, son­dern sich selbst aus Spa­ni­en Pro­fit zie­hen woll­te. Aller­dings gelang es Hit­ler nicht, Fran­co in den Krieg hin­ein­zu­zie­hen.

Gene­ral Fran­co war am Beginn der Erhe­bung ein mili­tä­ri­scher Prag­ma­ti­ker. Über sei­ne welt­an­schau­li­chen Prä­fe­ren­zen zu jener Zeit ist so gut wie nichts bekannt, außer daß er zunächst zwar loy­al zur Repu­blik war, aber im Her­zen Mon­ar­chist blieb. Er wuß­te, daß er so unter­schied­li­che Grup­pen wie die CEDA von José Mará Gil-Robles, die tra­di­tio­na­li­sti­schen Katho­li­ken der Kar­li­sten, die Alfon­si­sten und die Falan­gi­sten mit ihren sehr ver­schie­de­nen Vor­stel­lun­gen unter ein ein­zi­ges Kom­man­do brin­gen muß­te. Das ist ihm auch gelun­gen.

… mit tragischen Implikationen

Es erscheint tra­gisch, daß Fran­co die isla­mi­schen Marok­ka­ner ein­set­zen muß­te. Deren Greu­el­ta­ten sind bekannt. Es wur­de auch gespot­tet, daß Fran­cos „Kreuz­zug“ mit mau­ri­scher Unter­stüt­zung geführt wur­de.

Es ist tra­gisch, daß das bas­ki­sche Volk mit sei­ner star­ken Anhäng­lich­keit an die Katho­li­sche Kir­che und der bas­ki­sche Kle­rus mit der Repu­blik gemein­sa­me Sache mach­ten, um Auto­no­mie oder Eigen­staat­lich­keit zu erlan­gen. Damit geriet das Bas­ken­land ins Visier der Mili­tärs.

Das Muster der Bruch­li­ni­en war sehr kom­pli­ziert und kann hier nicht adäquat dar­ge­stellt wer­den.

Francos Verdienste – und die problematischen Seiten

Fran­co ret­te­te Spa­ni­en vor Sta­lin. Er stell­te die Ord­nung wie­der her und schütz­te die Katho­li­ken vor dem Ter­ror von Kom­mu­ni­sten und Anar­chi­sten. Er hielt Spa­ni­en aus dem Welt­krieg, in den die kom­mu­ni­stisch umge­stal­te­te „Repu­blik“ aller Vor­aus­sicht nach hin­ein­ge­ra­ten wäre, und ret­te­te es somit auch vor Hit­ler. Er gestat­te­te die­sem kei­nen Angriff auf das bri­ti­sche Gibral­tar und hin­der­te ihn am Ein­marsch in Por­tu­gal. Er ret­te­te geschätz­te 60.000 sephar­di­sche Juden aus Grie­chen­land durch die Aus­stel­lung von Päs­sen. Er sta­bi­li­sier­te Spa­ni­en nach dem Krieg bis zu sei­nem Tod im Jahr 1975.

Stalin-Propaganda der Volksfront in Madrid
Sta­lin-Pro­pa­gan­da der Volks­front in Madrid

Der Preis war aller­dings hoch und kla­rer­wei­se müs­sen auch die uner­freu­li­chen Ent­schei­dun­gen benannt wer­den: Fran­co unter­zeich­ne­te Todes­ur­tei­le und konn­te (oder woll­te oder bei­des) Rache­ak­te sei­ner Ver­bün­de­ten an den Besieg­ten nicht ver­hin­dern. Wie weit er hät­te anders han­deln kön­nen, ist hier schwer zu beur­tei­len. Ange­sichts der Bru­ta­li­tät und Grau­sam­keit, die die spä­te­ren Ver­lie­rer zuvor gegen­über Gefan­ge­nen, Zivi­li­sten und Prie­stern und Ordens­leu­ten gezeigt hat­ten, sind die Reak­tio­nen der Sie­ger nach­voll­zieh­bar, aber im Fall von Rache­ak­tio­nen nicht gut­zu­hei­ßen.

Lei­der gelang ihm als postu­mes Ver­mächt­nis nicht, wofür die Erhe­bung der Mili­tärs ursprüng­lich gedacht war: Die Ver­tei­di­gung von Glau­ben und Kir­che und ein Spa­ni­en unter Gott. Denn im Tau­mel einer „neu­en Zeit“ hat die kirch­li­che Hier­ar­chie in den 1960ern selbst einen Irr­weg ein­ge­schla­gen. Papst Pius XI. hat­te das Unter­neh­men Fran­cos geseg­net. Sein Nach­fol­ger Pius XII. gra­tu­lier­te Fran­co zum Sieg sei­nes „Kreuz­zu­ges“. Natür­lich, denn es ging um Glau­ben, Kir­che, Frei­heit der Reli­gi­ons­aus­übung, Schutz der Gläu­bi­gen vor dem Ter­ror der Lin­ken!

Aber mit dem Pon­ti­fi­kat von Johan­nes XXIII. und vor allem von Paul VI. war die kirch­li­che Hier­ar­chie mehr auf den irrea­len welt­li­chen Opti­mis­mus einer „Neu­en Zeit“ und auf die Ver­stän­di­gung mit der Sowjet­uni­on bedacht („Ost­po­li­tik“) als auf den Schutz der katho­li­schen Zivi­li­sa­ti­on.

Die Fol­gen zeig­ten sich bald:

Alte Gespenster wieder aktiv

Ein­und­vier­zig Jah­re nach dem Tod Fran­cos wird man auch die Ein­set­zung der Bour­bo­nen als unglück­li­che Ein­ge­bung betrach­ten müs­sen. Der gro­ße spa­ni­sche Staats­mann Juan Dono­so Cor­tés (1809–1853) hat­te es schon Mit­te des 19. Jahr­hun­derts vor­her­ge­se­hen, daß eine libe­ra­le Regie­rung zwangs­läu­fig dem Tota­li­ta­ris­mus den Boden berei­tet. Auch Papst Leo XIII. hat das gese­hen (Enzy­kli­ka Liber­tas prae­stan­tis­si­mum von 1888).

Lei­der hat die spa­ni­sche Ope­ret­ten­mon­ar­chie das Land nach 1975 doch noch in mar­xi­sti­sche und kul­tur­kämp­fe­ri­sche Umstän­de geführt, wie beson­ders am Bei­spiel von Mini­ster­prä­si­dent José Luis Rodri­guez Zapa­tero (2004–2011) sicht­bar wur­de.

Wie Medi­en­be­rich­ten zu ent­neh­men ist, ist der anti­christ­li­che Ter­ror in Spa­ni­en der­zeit wie­der im Kom­men. So wur­de vor kur­zem die Kapel­le an der Auto­no­men Uni­ver­si­tät Madrid ver­wü­stet und mit lin­ken Paro­len pro Abtrei­bung beschmiert. Die lin­ke Poli­ti­ke­rin Rita Maest­re, Spre­che­rin der Madri­der Stadt­re­gie­rung, stürm­te 2011 im Femen-Stil einen Got­tes­dienst an der Madri­der Comp­lu­ten­se-Uni­ver­si­tät. Bekannt sind auch die Beschimp­fun­gen und Ankla­gen gegen glau­bens­treue Bischö­fe (wobei die jüng­ste Attacke gegen Kar­di­nal Anto­nio Cañi­za­res Llove­ra von Valen­cia vom Gericht abge­wie­sen wur­de – immer­hin). Trotz des über­ra­schen­den Wahl­sie­ges von Maria­no Rajoy bei den vor­zei­ti­gen Neu­wah­len im Juni und des unter den Erwar­tun­gen zurück­ge­blie­be­nen Ergeb­nis­ses der extre­men Lin­ken ist die Stim­mung aggres­siv.

Die Dämo­nen der 30er Jah­re sind wie­der aktiv.

Resümee

Von daher wird man resü­mie­ren kön­nen, daß die­je­ni­gen, die die Tafeln am Kar­me­li­ter­markt anbrin­gen lie­ßen, einen kri­ti­schen Blick auf die Geschich­te der betref­fen­den Per­so­nen wer­fen soll­ten. Was haben die­se Leu­te in Spa­ni­en genau gemacht? Haben sie Gefan­ge­ne, Zivi­li­sten und Ordens­leu­te ermor­det?

Wir wis­sen es nicht. Aber aus­schlie­ßen kann man es erst recht nicht. Daher wären erklä­ren­de Zusatz­ta­feln durch­aus ange­bracht. Oder die Ent­fer­nung der bestehen­den.

Ange­sichts des (nach den Wor­ten des israe­li­schen Staats­prä­si­den­ten Chaim Her­zog im Jahr 1986) über­pro­por­tio­nal star­ken jüdi­schen Ele­ments in den Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den soll­ten deren Nach­fah­ren die Ehren­haf­tig­keit haben, Schuld und Mit­schuld an Greu­el­ta­ten ein­zu­be­ken­nen. „Scha­lom Liber­tad!“ ist, um auf ein ein­schlä­gi­ges Werk anzu­spie­len, ein irre­füh­ren­der Slo­gan: Wel­che „Frei­heit“ ist hier gemeint?

Es ist auch lächer­lich und heuch­le­risch, wenn die „offi­zi­el­le“ Geschichts­po­li­tik Öster­reich zum Mit­tä­ter des NS-Regimes erklärt – ein Öster­reich, das damals bekannt­lich nicht exi­stier­te und von der „inter­na­tio­na­len Gemein­schaft“ auch nicht unter­stützt wor­den war – und gleich­zei­tig dem roten Ter­ror in Spa­ni­en Denk­mä­ler setzt.

Und über­dies: Was hat Öster­reichs Schutz­bund­füh­rer Juli­us Deutsch in Spa­ni­en gemacht? Und Ungarns Béla Kun? Gäbe es nicht auch hier Auf­ar­bei­tungs­be­darf?

Acht­zig Jah­re nach Beginn des Spa­ni­schen Bür­ger­kriegs wäre ein guter Zeit­punkt für eine wahr­heits­ge­mä­ße Dar­stel­lung der Geschich­te – und für eine Abkehr von kom­mu­ni­sti­schen Wahn­ideen aller Art.

*MMag. Wolf­ram Schrems, katho­li­scher Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, Kate­chist

Bild: La Gaceta/ReligionenLibertad/manueldelgadoruiz/Wikicommons