„Viele von uns sehen sich weiterhin in der Pflicht, religiöse, als „Evangelisierung“ getarnte Päderastie offenzulegen. Schweigen ist keine Option“, so der galicische Journalist und Publizist Francisco Fernández de la Cigoña, der scharfe Kritik an einem Seligsprechungsverfahren übt.
Die Kontroverse entzündet sich an der angestrebten Seligsprechung von Msgr. Alejandro Labaka. Sein Seligsprechungsprozeß trat am 22. Mai 2025 offiziell in seine Schlußphase ein, indem Leo XIV. die entsprechenden Dekrete autorisierte. Dabei handelt es sich um das erste von Leo XIV. in seinem Pontifikat eingeleitete Verfahren.
Das vom regierenden Papst genehmigte Dekret erkennt das Leben von Alejandro Labaka als „Martyrium“ an und spricht ihm den Titel „ehrwürdig“ zu. Damit wurde der erste wirkliche Schritt auf dem Weg zur tatsächlichen Seligsprechung gesetzt.
Wie die zeitliche Abfolge zeigt, stand das Verfahren bereits unter Papst Franziskus auf der Agenda. Vor allem „synodale und amazonische Kreise“ messen ihm große Bedeutung bei, so der studierte Jurist und Ökonom Fernández de la Cigoña, der auf den Fall aufmerksam macht.
Zu den zahlreichen Eigenschaften, die dem Titularbischof Alejandro Labaka Ugarte OFMCap zugeschrieben werden, zählt seine Unterstützung der sogenannten „Befreiungstheologie“, die von Kritikern als verhängnisvoll und ideologisch problematisch eingestuft wird. Damit ist auch schon angedeutet, wer insbesondere Lobbyismus für die Seligsprechung des baskischen Kapuziners betreibt.
Labaka förderte die Befreiungstheologie in den indigenen Gemeinschaften Amazoniens. Aus dieser Perspektive „gilt er progressiven Milieus, darunter feministischer und abtreibungsbefürwortender Gruppen, homosexueller und lesbischer Aktivisten, selbsternannter Menschenrechtsverteidiger sowie Umweltaktivisten als ‚Heiliger‘ “, so Fernández de la Cigoña.
Unterstützung erhält seine Seligsprechung unter anderem von der Gemeinschaft von Sant’Egidio, die Labaka als jemanden darstellt, der seine missionarische Berufung mit heroischer Hingabe bis zum Tod gelebt habe.
Die von Francisco Fernández de la Cigoña vorgebrachten Vorwürfe gegen Labaka stützen sich “nicht auf bloße Gerüchte”, sondern auf Labakas autobiographisches Werk „Crónica Huaorani“. Der Kapuziner lebte viele Jahre unter den Huaorani, einem indigenen Amazonas-Stamm. Darin schildert er unter anderem Nacktheit, intime Situationen sowie Beziehungen mit homoerotischer Konnotation zu Indio-Jungen, dies alles in Zusammenhang mit der kolumbianischen Ordensfrau Inés Arango, die sich laut Labakas Darstellung ebenfalls nackt unter indigenen Gruppen aufgehalten habe.
Labaka wurde 1954 als Missionar in das ecuadorianische Amazonas-Gebiet entsandt. 1965 wurde er Apostolischer Präfekt von Aguarico. Obwohl kein Bischof nahm er in dieser Funktion an der vierten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils teil. 1970 verzichtete er auf sein Amt und zog zu den Huaorani in den Urwald.
1984 wurde Aguarico zum Apostolischen Vikariat erhoben. Labaka wurde zum ersten Apostolischen Vikar und nun auch zum Titularbischof ernannt. Im selben Jahr erfolgte die Bischofsweihe durch den aus einer deutschen Sprachinsel in Norditalien stammenden Missionsbischof Massimiliano Spiller vom Josephinerorden.
Die Zuerkennung des „Martyriums“ beschleunigt das Seligsprechungsverfahren, da für einen Märtyrer kein Wunder als Voraussetzung notwendig ist. In Rom spricht man von einer „bergoglianischen“ Abkürzung, die der argentinische Papst auch in anderen Fällen anwandte.
Im Juli 1987 wurden Alejandro Labaka und Inés Arango von einer Gruppe Tagaeri-Krieger mit Speeren getötet. Die Tagaeri gelten als traditionelle Gegner der Huaorani.
„Auf eine Wiedergabe weiterer, polemisch formulierter Passagen über den zur Seligsprechung vorgesehenen Bischof und seine Begleiterin wird hier verzichtet; entsprechende Texte sind leicht zugänglich“, so Fernández de la Cigoña unter Verweis auf den homosexuellen Schriftsteller Roger Peyrefitte, der in seinen Romanen seine homosexuellen Phantasien ausbreitete und diese bevorzugt in katholischem Kontext handeln ließ. Dabei schildert er homosexuelles Päderastentum und im Roman „Die blütenweiße Ziege“ (La Chèvre blanche, 1951) auch satirisch und polemisch das Leben eines Bischofs, “der blütenweißen Ziege”, und dessen Beziehung zu einem jungen Mann.
Oben genannte Gruppen konstruierten aus dem tragischen Konflikt zwischen Amazonas-Stämmen ein ganz eigenes Narrativ, das besser in ihr sozialromatisches Konzept paßt. Demnach sollen Labaka und Arango von Schergen irgendwelcher internationaler Konzerne ermordet worden sein, die den Amazonas ausbeuten und die Indios unterdrücken wollen.
Auf diesem Narrativ beruhren die Bemühungen um Labakas Seligsprechung. Papst Franziskus hatte bekanntlich ein sensibles Ohr für solche Erzählungen. Tatsache ist jedoch, daß Leo XIV. das unter Bergoglio vorbereitete Dekret unterzeichnete und Labaka den Titel “Diener Gottes” zuerkannte.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Infovaticana
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