Ein Gastkommentar von Hubert Hecker
In der Kirchenzeitung „Der Sonntag“ für das Bistum Limburg werden in der Januar-Ausgabe Orientierungsperspektiven für die Ortskirche ausgegeben.
Früher war das die Aufgabe des Bischofs, auf der Grundlage des Evangeliums die Gläubigen, Geistlichen und Gemeinden der Diözese im Glauben zu stärken und geistliche Orientierung zu geben, auch in Fragen und Auseinandersetzung der Gegenwart und Gesellschaft.
Heute sind solche Orientierungsaufgaben in der Diözese Limburg auf Laiengremien übertragen. Schon seit drei Jahren ist das Bistum an der Lahn grundstürzend umstrukturiert worden. Nach den Vorgaben des „Synodalen Wegs“ hatte Bischof Bätzing unter dem Druck progressiver Laienvertreter schon 2022 einen „Transformationsprozess“ eingeleitet. Das Ziel dieses Verfahrens war es, im Mittelbau des Bistums die Laien an die Macht zu bringen sowie die bischöfliche Entscheidungsmacht auf ein laiendominiertes Gremium zu übertragen.
Gliederung und Leitungsstruktur der Diözese, synodalweggemäß deformiert
Die bisherigen Dekanate, geleitet von Dechanten, hat man aufgelöst und fünf diözesane Großregionen gebildet. Die stehen unter der Leitung einer laikalen Doppelspitze. Auch die bisherigen kurialen Dezernate schaffte man ab. Stattdessen sind mit neuem Zuschnitt fünf Verwaltungsbereiche eingerichtet worden, denen ebenfalls jeweils ein kollegiales Leitungsteam vorsteht. Des Weiteren wird dem Generalvikar eine bischöfliche Bevollmächtigungsperson zur Seite gestellt, die „mit ihm auf Augenhöhe die Verwaltung leitet“.
Schließlich werden die oben genannten Gremienvertreter jeweils mit einer Person zum leitenden „Bistumsteam“ zusammengefasst. Dort wird der vorsitzende Bischof von fünf Geistlichen und elf Laien ‚gerahmt‘. In diesem von Laien beherrschten diözesanen Leitungsgremium sollen die Leitlinien und Strategien, Ausrichtung und Zukunftsthemen des Bistums „beraten und (mit Mehrheit) entschieden“ werden.
Diese neue Leitungsstruktur des Bistums ist als Umsetzung des „Handlungstextes“ vom synodalen Irrweg: „Gemeinsam beraten und entscheiden“ anzusehen, in dem auf nationaler und diözesaner Ebene synodale Räte die bischöflichen Leitungsfunktionen übernehmen sollten. Zu diesem Ansatz hatte der Vatikan schon am 21. Juli 2022 mit einer Erklärung reagiert, dass der Synodale Weg „nicht befugt sei, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung zu verpflichten“. Nach der Ausarbeitung des Planungstextes für eine kirchlich-synodale Räterepublik Anfang 2023 ließ Papst Franziskus durch seinen päpstlichen Nuntius den deutschen Bischöfen im März 2023 erneut mitteilen, dass auch ein „Diözesanbischof keinen synodalen Rat auf diözesaner Ebene errichten kann“ und darf. Daraufhin wurde auf der Vollversammlung der Synodalversammlung das Beschlusspapier zurückgezogen, weil die Mehrheit der deutschen Bischöfe Ablehnung signalisiert hatte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Bischof Bätzing schon das am Handlungstext orientierte Bistumsstatut für ein synodales Leitungsgremium in Kraft gesetzt: „Das Bistum Limburg wird nun von einem Team unter Vorsitz von Bischof Georg Bätzing geleitet“, heißt es auf der Bistumsseite vom 16.1.2023. Das neue Bistumsstatut kann nachgelesen werden.
Durch Augustinus (+430) ist die Stellung des Bischofs so charakterisiert: „Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof“. Seither hat der Bischof Amt und Vollmacht, die Gläubigen zu heiligen, Christi Lehre zu verkünden und sein Bistum zu leiten, wie das II. Vaticanum bestätigt. Das Leitungsamt ist ihm durch die Bischofsweihe personal übertragen. Synodalweg-Bischof Bode ließ dagegen die lutherische Parole verbreiten: „Wir alle sind Bischof“. Das Synodalforum I behauptete, die Laien hätten ein Mitbestimmungsrecht an der Bistumsleitung. Bischof Bätzing ließ einen entsprechenden synodalen Leitungsrat in seiner Diözese installieren.
Ein solches Leitungsgremium für die Diözese widerspricht sowohl dem einschlägigen Konzilsdokument „Lumen gentium“ als auch den römischen Weisungen von drei Kurienkardinälen, die am 16.1.2023 ein Verbot von synodalen Leitungsstrukturen auf nationaler und diözesaner Ebene aussprachen.
Eine absurde Falschbegründung
Warum waren Bischof Bätzing und seine Mitstreiter so erpicht darauf, dass auf der mittleren und oberen Leitungsebene des Bistums weitgehend die Laien das Sagen haben sollen? Diese Veränderungen wären „auf der Basis der Erkenntnisse der MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche“ notwendig geworden, behauptet das Gründungsdokument für die diözesane Strukturreform in Limburg. Dazu gehöre eben auch, Leitungsmacht „zu teilen und auf Zeit wahrzunehmen, um Machtmissbrauch zu verhindern“.
Diese Begründung ist eine absurde Falschbehauptung:
Hat die MHG-Studie etwa herausgefunden, dass in Gremien der Geistlichen, vielleicht bei Dekanats- oder Dezernatskonferenzen, Missbrauch an Minderjährigen betrieben wurde? Ist die Leitungsbeteiligung der Laien eine Gewähr für Missbrauchsverhütung, wenn von ihnen mehr als 99 Prozent aller sexuellen Übergriffe in der Gesellschaft ausgehen?
Bei jedem Missbrauch, gleich ob von Geistlichen oder Laien, in Kirche, Vereinen oder im familiären Umfeld, wird das bestehende Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern genutzt und missbraucht. Das geschieht aber in der unmittelbaren Sozialbeziehung, nicht im Rahmen von Gremienarbeit. Zu behaupten, durch Leitungsbeteiligung von Laien würde Missbrauchseindämmung betrieben, ist ein gefährliches Ablenkungsmanöver von wirklichen Präventionsaufgaben. Diese Willkürthesen sind 2018 von den damaligen führenden Bischöfen Marx, Bode und Ackermann aufgestellt worden, um auf den laiendominierten Versammlungen des Synodalen Wegs der Kirche in Deutschland eine Strukturreform zu oktroyieren.
Primat der Evangelisierung statt Strukturwandel der Kirche
Papst Franziskus hatte im Sommer 2019 in einem programmatischen Schreiben an die deutschen Bischöfe den Synodalen Weg der „Reform von Strukturen und Verwaltung“, wie sie inzwischen im Bistum Limburg durchgesetzt ist, deutlich verurteilt. Das Vertrauen auf Strukturreformen würde „die lebendige Kraft des Evangeliums und seine missionarische Dynamik abwürgen“. Eine Erneuerung und Reform der Kirche müsse mit dem „Primat des Evangeliums beginnen, dem Leitkriterium einer pastoralen Bekehrung schlechthin“.
Die Bischöfe Marx und Bätzing verdrehten dem Papst das Wort im Munde. Sie behaupteten: Wenn wir mit den vier Synodalforen die strukturellen Reformen der Kirche forcieren, „dann fangen wir an, im besten Sinne zu evangelisieren“. Oder: Ja, wir haben die „Perspektive der Evangelisierung“, aber erst nach Vollzug der kirchlichen Strukturreformen.
Bischof Bätzing hat in seinem Bistum den Strukturwandel vorangetrieben und durchgesetzt, wie oben geschildert. Leitet er jetzt, wie versprochen, die Phase der Evangelisierung ein? Kann er das überhaupt noch, nachdem er (fast) alle Leitungsvollmachten an die Laienräte abgegeben hat?
„Primat der Evangelisierung“ als Leitkriterium einer Glaubensbekehrung und Kirchenerneuerung festzulegen bedeutet eine strategische Neuausrichtung für ein Bistum. Eine solche weitreichende Entscheidung ist aber durch das Limburger Bistumsstatut, das Bischof Bätzing gewollt und unterschrieben hat, ausdrücklich dem kollegialen Leitungsteam vorbehalten. Die Laienmehrheit auf der mittleren und obersten Leitungsebene fühlt sich aber weder den päpstlichen Weisungen verpflichtet noch an bischöfliche Versprechen gebunden, sondern allein an die Beschlüsse des Synodalen Irrwegs. Sie ist an Evangelisierung nicht interessiert.
Verweltlichung der Kirche
Diese Haltung spiegelt sich in den oben erwähnten Stellungnahmen der Kirchenzeitung wider. Die beiden Leitungspersonen zur Bistumsregion Frankfurt fragen nicht nach dem Auftrag des Evangeliums zur geistlichen Erneuerung der Kirche und Bekehrung der Gläubigen, nicht nach den spezifisch christlichen Beiträgen, mit denen die katholische Kirche und Lehre zu den gesellschaftlichen (Fehl-)Entwicklungen etwas zu sagen hätte. Dass Kirche und Christen mit ihrem Proprium als Salz der Erde, Licht der Welt und als Sauerteig auf die Gesellschaft einwirken sollen, ist diesen vom Leitungsteam beauftragten Gremienkatholiken offensichtlich fremd.
Im Gegenteil soll sich die Kirche von der Gesellschaft beauftragt sehen, um sich als Dienstleisterin „auf die Bedürfnisse der Menschen heute einzustellen“. Das „Selbstverständnis der Kirche“ müsste sich ohnehin in die Richtung ändern, dass wir „künftig viel stärker danach fragen, was die Menschen in der Stadt heute brauchen“. Bei dieser Richtungsänderung denken die Frankfurter Stadtkirchenplaner vorwiegend an Bedürfnisse des links-liberalen Gesellschaftssektors, etwa mit der Beteiligung am Christopher-Street-Day oder sich für Demokratie und gegen Rassismus einzusetzen. Kulturoptimistisch wollen sie sein bei der Mitgestaltung der Kirche und auch beim Frankfurter „World Design Capital“ sind sie mit „vielen Veranstaltungen“ dabei.
Papst Franziskus hatte einem solchen Ansatz von Kirchengestaltung aus dem Geist der Strukturreformen eine „erstickende Weltlichkeit“ bescheinigt, indem er die „lebendige und missionarische Kraft des Evangeliums abwürgt“. Ohne Verwurzelung im Evangelium, ohne die schöpferische Kraft aus dem Weinstock Jesu Christi wird die Kirche zu einem Treibgut links-liberaler Zeitgeistströmungen ausgeliefert, wie man am Frankfurter Beispiel sehen kann.
Für diese Fehlentwicklung im Bistum Limburg ist Bischof Bätzing verantwortlich.
Bild: bistumlimburg.de (Screenshot)
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