Die Katholiken zwischen Option Benedikt, Parallelgesellschaft und dem zu bewahrenden Samen

Wie auf das Neuheidentum in Staat und Kirche reagieren?


Wenn das Christentum verschwindet, wird nicht das alte Heidentum zurückkehren, sondern ein radikal neues Heidentum. Wie aber sollen Katholiken darauf antworten?
Wenn das Christentum verschwindet, wird nicht das alte Heidentum zurückkehren, sondern ein radikal neues Heidentum. Wie aber sollen Katholiken darauf antworten?

Von Ste­fa­no Fontana*

Die in die­ser Aus­ga­be des Rund­briefs unter­such­te Situa­ti­on betrifft Per­so­nen, auch katho­li­schen Glau­bens, die einem poli­ti­schen Macht­ap­pa­rat gegen­über­ste­hen, der auf Lügen basiert, mora­lisch und reli­gi­ös unan­nehm­bar ist und kei­nen Hand­lungs­spiel­raum zuläßt, ohne sich mit ihm zu kom­pro­mit­tie­ren. Es han­delt sich um ein geschlos­se­nes, in allen Thei­len kohä­ren­tes, fein orga­ni­sier­tes System ohne Ris­se. Es ist nicht refor­mier­bar, denn sei­ne bewähr­te inne­re Logik absor­biert alle Reform­ver­su­che. Es ist unmög­lich, sich auf ihm frem­de Kri­te­ri­en zu beru­fen, da die­se voll­stän­dig auf­ge­ho­ben wur­den. Die­ses System beruht auf Lüge, erkennt nur die Wahr­heit an, daß es kei­ne Wahr­heit gibt, ist ver­fol­gungs­ori­en­tiert und kennt kein Gewis­sens­ve­to. Die ein­zig mög­li­che Hand­lung, um nicht zer­malmt zu wer­den, besteht nicht dar­in, sich ihm offen zu wider­set­zen, son­dern viel­mehr dar­in, heim­lich und alter­na­tiv Neu­es zu kultivieren.

Ange­sichts einer der­art extre­men Situa­ti­on haben vie­le vor­ge­schla­gen, den Kampf auf­zu­ge­ben und „den Wald­weg zu wäh­len“ (Jün­ger), eine „Par­al­lel­ge­sell­schaft“ zu schaf­fen (Ben­da), oder „Gemein­schaf­ten, Insti­tu­tio­nen und Wider­stands­netz­wer­ke“ zu grün­den (Dre­her), „neue For­men von Gemein­schaft“ zu ent­wickeln (McIn­ty­re), „den Samen zu ret­ten“, bis „der Fluß wie­der in sein Bett zurück­kehrt, das Land auf­taucht und die Son­ne es trock­net“ (Gua­re­schi), oder sich an die frü­hen Chri­sten zu erin­nern, die wie wir in einer nicht­christ­li­chen Welt leb­ten (Luga­re­si). Das histo­ri­sche Bei­spiel, das ins­be­son­de­re McIn­ty­re und Dre­her immer wie­der anfüh­ren, ist der hei­li­ge Bene­dikt, der in der „Flut“ der Völ­ker­wan­de­rung und dem Zusam­men­bruch der sozia­len Ord­nung des Rei­ches auf­hör­te, „Sand­säcke zu sta­peln“, um den Was­ser­mas­sen Ein­halt zu gebie­ten, oder die Ris­se im sozia­len Gefü­ge sei­ner Zeit zu flicken, und sich statt­des­sen zurück­zog, um den Wie­der­auf­bau vor­zu­be­rei­ten. Die­se Situa­ti­on beschreibt Jün­ger treffend: 

„Wenn alle Insti­tu­tio­nen zwei­fel­haft oder sogar anrü­chig wer­den und man selbst in den Kir­chen nicht etwa für die Ver­folg­ten, son­dern für die Ver­fol­ger öffent­lich beten hört, dann geht die sitt­li­che Ver­ant­wor­tung auf den Ein­zel­nen über oder, bes­ser gesagt, auf den noch unge­bro­che­nen Ein­zel­nen.“1

Es läßt sich ver­tre­ten, daß die Situa­ti­on der heu­ti­gen Katho­li­ken in vie­len Fäl­len zumin­dest die­ser Typo­lo­gie nahekommt.

Einwände gegen das politische System

Das west­li­che poli­ti­sche System scheint von unnah­ba­ren Akteu­ren kon­trol­liert zu wer­den, weil sie im Ver­bor­ge­nen agie­ren und syn­er­ge­tisch wie ein „Deep Sta­te“ – ein tie­fer Staat2 – arbei­ten, eng ver­bun­den mit Wirt­schaft, Tech­no­lo­gie und sozia­len Ideo­lo­gien. Vor­herr­schend ist ein glo­ba­les Pro­gramm, das die Woke-Kul­tur för­dert, die Wis­sen­schaft beein­flußt, die Agen­da inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen koor­di­niert, sei­ne Zie­le in der öffent­li­chen Bil­dung durch­setzt, die Urtei­le inter­na­tio­na­ler Gerich­te mit den Anfor­de­run­gen pro­gres­si­ver Poli­tik ver­knüpft, die Unter­stüt­zung media­ler Kon­zen­tra­tio­nen genießt und ein per­so­na­li­sti­sches, kor­po­ra­ti­ves Netz­werk glo­ba­ler Mana­ger schafft.3 Wer wirk­lich ursprüng­lich die Ent­schei­dun­gen trifft, läßt sich kaum erken­nen; man sieht jedoch, daß sie ein­mal getrof­fen, von ver­schie­de­nen Akteu­ren koor­di­niert und prä­zi­se aus­ge­führt wer­den. Die Coro­na-Zeit war wie eine Gene­ral­pro­be die­ses glo­ba­len Mecha­nis­mus. Teil davon ist die Euro­päi­sche Uni­on4 in ihrer heu­ti­gen Form, die zuneh­mend Frei­hei­ten ein­schränkt und eine post­christ­li­che Ideo­lo­gie auf­zwingt – vor allem in Fra­gen von Leben und Fami­lie und im all­ge­mei­nen in bezug auf natür­li­che Gesell­schaf­ten ein­schließ­lich Völ­ker und Nationen.

In die­sem Sze­na­rio füh­len sich vie­le gezwun­gen, in einem unein­nehm­ba­ren fal­schen System zu leben, wie Ernst Jün­ger schrieb: Die Men­schen sind so fest in den Net­zen der kol­lek­ti­ven Ord­nung ver­an­kert, daß sie sich nicht mehr zu ver­tei­di­gen ver­mö­gen. Kaum neh­men sie wahr, wel­che Macht die Vor­ur­tei­le unse­rer soge­nann­ten Auf­klä­rung gewon­nen haben. Dies ver­an­laßt die Umsich­tig­sten, Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten und nahe­zu gehei­me Wege zu schaf­fen, die dem System unbe­kannt blei­ben sol­len, aus Angst vor Repres­sa­li­en – im Gesund­heits­we­sen, Bil­dungs­we­sen, in Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­rei­chen, in Geld­be­zie­hun­gen, beim Zugang zu natür­li­chen Res­sour­cen, bei der Beschaf­fung des Not­wen­di­gen außer­halb insti­tu­tio­na­li­sier­ter Kon­troll­net­ze. Dazu gehö­ren Maß­nah­men wie aus­schließ­lich Bar­zah­lung, die Schaf­fung alter­na­ti­ver Wäh­run­gen oder Wirt­schafts­räu­me, die die offi­zi­el­le Wäh­rung aus­schlie­ßen, das Ver­mei­den des zen­tra­li­sier­ten elek­tro­ni­schen Systems, die Grün­dung klei­ner unab­hän­gi­ger Gemein­schaf­ten zur Boden­be­wirt­schaf­tung und Was­ser­nut­zung, die Abwehr der voll­stän­di­gen Digi­ta­li­sie­rung des Lebens oder die För­de­rung dis­tri­bu­ti­ver Koope­ra­ti­ons­for­men. So ver­brei­tet sich die Idee einer alter­na­ti­ven, unter­ir­di­schen und par­al­le­len Praxis.

Eine neuartige kirchliche Situation

Dies betrifft zunächst die poli­ti­sche Ord­nung. Es muß jedoch aner­kannt wer­den, daß – mit gebüh­ren­den Unter­schei­dun­gen – etwas Ähn­li­ches auch in der katho­li­schen Kir­che gesche­hen ist. Wir kom­men aus einer Pha­se einer sehr ent­schlos­se­nen pasto­ra­len Linie, die die Gläu­bi­gen in allen Diö­ze­sen, Pfar­ren und Ver­ei­ni­gun­gen gespal­ten hat. Vie­le hat­ten gro­ße Schwie­rig­kei­ten, die neu­en pasto­ra­len Kri­te­ri­en der Hier­ar­chie zu akzep­tie­ren, sei es im lit­ur­gi­schen oder ethi­schen Bereich. Ange­sichts von Ent­schei­dun­gen zugun­sten neu­er säku­la­ri­sier­ter Ideo­lo­gien – wie zum Bei­spiel in der Kir­che Deutsch­lands – gibt es Prie­ster, die sich öffent­lich distan­zie­ren und dar­um bit­ten, nicht mehr zu die­ser Diö­ze­se zu gehö­ren, und Gläu­bi­ge, die sich anders orga­ni­sie­ren, um an der sonn­täg­li­chen Lit­ur­gie, an der Kate­che­se und an der christ­li­chen Bil­dung ihrer Kin­der teil­zu­neh­men. In vie­len Diö­ze­sen ist es nicht mehr mög­lich, über Bio­po­li­tik oder die Sozi­al­leh­re der Kir­che zu spre­chen, ohne deren Inhal­te in bezug auf Natur­ge­setz und katho­li­schen Glau­ben zu ent­stel­len; sol­che Initia­ti­ven müs­sen par­al­lel und außer­halb der insti­tu­tio­nel­len Netz­wer­ke statt­fin­den. Vie­le spre­chen daher vom „Zeit­al­ter der Lai­en“, da nur sie – nicht kano­nisch an kirch­li­che Insti­tu­tio­nen gebun­den – bestimm­te The­men leben­dig hal­ten und ver­nach­läs­sig­te, wenn nicht sogar ver­dreh­te Wahr­hei­ten bekräf­ti­gen kön­nen. Bei The­men wie Abtrei­bung oder assi­stier­tem Sui­zid, bei denen die Hier­ar­chie ent­we­der fle­xi­bel ist oder schweigt, liegt es an den Lai­en, die Stim­me zu erhe­ben, wodurch eine Art par­al­le­ler Gesell­schaft entsteht.

Nach der Wahl des neu­en Pap­stes spre­chen vie­le von einer „Ver­söh­nung“ in der Kir­che, was gleich­be­deu­tend ist damit, anzu­er­ken­nen, daß ein Teil der Kir­che gezwun­gen war, eine Art neu­es „Leben in den Kata­kom­ben“ zu füh­ren. Ich lern­te eine Ver­ei­ni­gung von Ehe­paa­ren ken­nen, die, nach­dem ein Ehe­gat­te die ver­las­sen hat­te, eine „Ehe-für-immer-Gemein­schaft“ grün­de­ten, um die Unauf­lös­lich­keit der Ehe zu bewah­ren: Sie wur­den aus ihrer Diö­ze­se ent­fernt, weil sie die zusam­men­le­ben­den Geschie­de­nen stö­ren könn­ten – ein Bei­spiel für eine Par­al­lel­ge­mein­schaft derer, die „jeg­li­chen Aus­weg ver­sperrt“ vor­fin­den (Jün­ger).

Das Haupt­merk­mal der hier beschrie­be­nen Situa­ti­on besteht dar­in, eine Linie durch­zu­set­zen, die nicht auf Leh­re, son­dern auf Pasto­ral beruht. Hin­ter der pasto­ra­len Begrün­dung ver­birgt sich jedoch eine dok­tri­nä­re Moti­va­ti­on, die der Seel­sor­ge eine neue Rol­le in Kir­che und im Glau­bens­ver­ständ­nis zuweist.5 Dies erklärt umso mehr den Wider­stand vie­ler Katho­li­ken – man den­ke an die heim­lich gefei­er­ten Mes­sen wäh­rend der Coro­na-Zeit –, in Erwar­tung, daß sich die Zei­ten ändern und der Hori­zont nach der „Flut“ wie­der klar wird.

Zwei wei­te­re Fak­to­ren haben zur Ent­ste­hung die­ses kirch­li­chen Systems bei­getra­gen, das vie­le zur heim­li­chen Wider­stands­tä­tig­keit zwang. Erstens ein pro­ble­ma­ti­scher „papi­sti­scher Posi­ti­vis­mus“, nach dem jede Aus­sa­ge des Pap­stes ver­pflich­ten­des Lehr­amt sei; zwei­tens die Vor­stel­lung, daß nun die vol­le Akzep­tanz der Säku­la­ri­sie­rung, ein­schließ­lich der Säku­la­ri­sie­rung des Papst­tums, anste­he. Die bei­den Punk­te wider­spre­chen sich: Der erste stärkt unan­ge­mes­sen die Auto­ri­tät, der zwei­te scheint sie zu schwä­chen. In der Pra­xis wirk­ten sie jedoch zusam­men, sodaß ein säku­la­ri­sie­ren­des Papst­tum sich als ver­pflich­ten­der zeig­te. Vie­le, die sich die­sem Zwang nicht unter­wer­fen woll­ten, führ­ten „par­al­le­le“ kirch­li­che Lebens­for­men. Man­che päpst­li­chen und vati­ka­ni­schen Docu­men­te boten Glau­bens- und Moral­vor­stel­lun­gen abwei­chend von der tra­di­tio­nel­len Leh­re. In eini­gen Fäl­len wur­de dage­gen brei­ter Wider­stand gelei­stet, in ande­ren blieb er ver­deckt, in halb­ge­hei­men Krei­sen, um nega­ti­ve Kon­se­quen­zen zu ver­mei­den. Vie­le fühl­ten sich bedroht, katho­lisch zu den­ken, und setz­ten dies heim­lich fort, indem sie Mikro­ge­mein­schaf­ten gegen­sei­ti­gen Ver­ständ­nis­ses bil­de­ten. Semi­na­ri­sten tausch­ten unter­ein­an­der Tex­te tra­di­tio­nel­ler katho­li­scher Phi­lo­so­phen und Theo­lo­gen, sogar Kir­chen­leh­rer, die in ihren Semi­na­ren ver­bo­ten waren. Auch dies sind Fäl­le par­al­le­len Lebens.

Die nichtchristliche Welt in den ersten Jahrhunderten und heute

Die bis­her betrach­te­ten bei­den Ebe­nen – die poli­ti­sche und die kirch­li­che – ver­bin­den sich, wenn man das The­ma der heu­ti­gen Chri­sten­ver­fol­gung unter­sucht. Das her­vor­ra­gen­de Buch von Leo­nar­do Luga­re­si „Vive­re da cri­stia­ni in un mon­do non cri­stia­no6 („Als Christ in einer nicht­christ­li­chen Welt leben“) ver­tritt die The­se, daß sich die frü­hen Chri­sten im wesent­li­chen in einer ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on befan­den, also in einer feind­li­chen Welt, von der man ler­nen kann. Luga­re­si hebt ins­be­son­de­re zwei Hal­tun­gen her­vor, die auch für uns maß­geb­lich sein soll­ten. Die erste ist die kri­sis, das Urteil, das die Welt, in der man lebt, in Kri­se setzt, ihre Wider­sprü­che auf­zeigt und sie destruk­tu­riert, um Irr­tü­mer und Unzu­läng­lich­kei­ten ans Licht zu brin­gen. Dies geschieht, indem man aktiv in das Leben der Welt ein­greift, nicht indem man sich davon zurück­zieht, und sich voll­stän­dig in die kri­ti­sche Bewer­tung ein­bringt. Die chres­is ist der rech­te, der Wahr­heit ent­spre­chen­de Gebrauch des­sen, was durch das kri­ti­sche Urteil zuta­ge geför­dert wur­de.7

Das Buch gelingt jedoch nicht voll­stän­dig dar­in, den wesent­li­chen Unter­schied zwi­schen jener „nicht­christ­li­chen Welt“ und der heu­ti­gen zu ver­deut­li­chen. Die dama­li­ge Welt war vor­christ­lich, die heu­ti­ge ist post­christ­lich. Das dama­li­ge Hei­den­tum war noch „the­istisch“, Athe­is­mus beschränk­te sich auf ein­zel­ne Phi­lo­so­phen, wäh­rend der heu­ti­ge Post-Paga­nis­mus post­t­he­istisch ist8: er hat jede Mög­lich­keit, The­is­mus zu den­ken oder sich dar­auf zu bezie­hen, eli­mi­niert, hat ihn ver­ges­sen und ver­ges­sen, daß er ihn ver­ges­sen hat. Heu­te erfolgt „die gesetz­li­che Ver­ur­tei­lung des Chri­sten­tums durch die gesetz­li­che Ver­ur­tei­lung der Natur“ und „wenn die Post-Natu­ra­li­tät Gesetz wird, wird die Natu­ra­li­tät zur Straf­tat9. Luga­re­si weist auf die­se neu­en, radi­ka­len Ver­fol­gungs­for­men hin, wie das „kon­kre­te Risi­ko, vor Gericht zu lan­den, weil man sich ein­fach wie ein Christ ver­hält“ und die Abschaf­fung des Gewis­sens­vor­be­halts.10

Die heu­ti­ge Ver­fol­gung erfolgt jedoch eher über „leich­te Wege“: Abkehr, Ver­ges­sen, Aus­lö­schung der Prä­senz, Zer­stö­rung von Über­re­sten, Erklä­rung von Unbrauch­bar­keit, Schwei­gen. In der christ­li­chen west­li­chen Welt wer­den Kin­der nicht getauft, Ehen nicht geschlos­sen, Ver­stor­be­ne nicht beer­digt.11 Vie­le Men­schen haben heu­te kei­ner­lei Kennt­nis von Chri­stus und emp­fin­den auch kei­nen Man­gel dar­an. Das Chri­sten­tum ver­schwin­det nicht nur als Reli­gi­on, son­dern auch als zivi­li­sa­to­ri­sches Erbe; selbst sei­ne sozia­len Wir­kun­gen wer­den aus­ge­löscht. Katho­li­ken ste­hen vor Her­aus­for­de­run­gen in bezug auf Abtrei­bungs­kli­ni­ken, Schul­bü­cher, Bil­dung, Ein­wan­de­rungs­po­li­tik, die Umset­zung des Lai­zi­täts­prin­zips, den Kampf gegen reli­giö­se Sym­bo­le und die kul­tu­rel­le Durch­set­zung „neu­er Rech­te“. Vie­le Gläu­bi­ge sind über­zeugt, daß die katho­li­sche Reli­gi­on und die Kir­che wei­ter­hin einen öffent­li­chen Anspruch haben, und füh­len sich ver­pflich­tet, dar­auf zu reagie­ren. Dar­aus ent­ste­hen Initia­ti­ven klei­ner Grup­pen und Gemein­schaf­ten, die stark an Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten erin­nern.12

Luga­re­si ana­ly­siert die Hand­lungs­fel­der der ersten Chri­sten: Gericht, Schu­le, Wirt­schaft und Unter­hal­tung.13 Dar­aus zieht er die Leh­re: Die Chri­sten nutz­ten das bestehen­de System, soweit es mit der Wahr­heit ver­ein­bar war, setz­ten es kri­ti­schem Urteil aus, wo es der Wahr­heit wider­sprach, und ent­wickel­ten schließ­lich das Posi­ti­ve, das dar­aus her­vor­ging. Nach Luga­re­si bedeu­tet dies, daß man sich nicht voll­stän­dig in par­al­le­le Gesell­schaf­ten außer­halb des Systems zurück­zie­hen darf; viel­mehr soll die Par­al­lel­ge­sell­schaft inner­halb der Gesamt­ge­sell­schaft „gären“, um zukünf­ti­ge Ent­wick­lun­gen posi­tiv zu beein­flußen. Unter­sucht man jedoch die Lage der genann­ten vier Berei­che in der römi­schen Epo­che und in der heu­ti­gen Welt, so erkennt man die radi­ka­le Ver­schie­den­heit zwi­schen bei­den. Heu­te sind die­se vier Berei­che so eng ver­zahnt, daß die Wahr­heit fast voll­stän­dig ver­hin­dert wird, wäh­rend die frü­hen Chri­sten noch vie­le Ele­men­te natür­li­cher Weis­heit vor­fan­den. Die Syn­er­gie zwi­schen der Zer­stö­rung des Natur­rechts, der Ver­wü­stung durch die Woke-Kul­tur, der zuneh­men­den Domi­nanz der Finanz­märk­te über die Wirt­schaft und dem Nihi­lis­mus in den Unter­hal­tungs­me­di­en zeigt dies deut­lich. Es han­delt sich nicht um eine quan­ti­ta­ti­ve, son­dern um eine qua­li­ta­ti­ve Ver­schär­fung des Nega­ti­ven. Das Urteil muß daher zuneh­mend durch Ver­ur­tei­lung ersetzt wer­den, da kaum noch Posi­ti­ves geför­dert wer­den kann; falls doch, ist es ein Über­bleib­sel der Ver­gan­gen­heit, das im Fort­gang der heu­ti­gen Logik immer wei­ter schwin­den wird.

Die Kirche arbeitet selbst an der Säkularisierung

Zur kirch­li­chen Situa­ti­on gehört, daß die Akzep­tanz der Säku­la­ri­sie­rung inzwi­schen so weit fort­ge­schrit­ten ist, daß die öffent­li­che Nutz­lo­sig­keit des Chri­sten­tums in einer „mün­di­gen“ Welt weit­hin akzep­tiert wird. Wäh­rend der Coro­na-Zeit erklär­te sich die Kir­che selbst als sozi­al und poli­tisch nutz­los. Kar­di­nal De Kesel bemerk­te damals: „Die säku­la­re Gesell­schaft ist für die Kir­che eine Her­aus­for­de­rung und gleich­zei­tig viel­mehr eine Gna­de anstatt eine Bedro­hung.“14

In der heu­ti­gen Kir­che wird der Aus­druck „christ­li­che Gesell­schaft“ ent­schie­den abge­lehnt, ins­be­son­de­re wenn er auch poli­ti­sche Bedeu­tung haben soll. In der öffent­li­chen Sphä­re ver­steht sich die Kir­che als ethi­sche Bil­dungs­agen­tur für Bür­ger; ihre Zustän­dig­keit beschrän­ke sich auf die Ver­mitt­lung von Wer­ten, wäh­rend ein ori­gi­nä­rer, allein der Reli­gi­on vor­be­hal­te­ner Auf­trag auf­ge­ge­ben wird. Die Kir­che sei ledig­lich „Exper­tin für Mensch­lich­keit“15. Doch ein rein ethi­scher Ansatz genügt nicht aus sich selbst, und tat­säch­lich ist eine fort­schrei­ten­de Unsi­cher­heit und Zurück­hal­tung der Kir­che auch in die­sem Bereich zu beob­ach­ten. Die Abtrei­bungs­ge­set­ze wer­den als „gute Geset­ze“ bezeich­net, eine Gesetz­ge­bung zum assi­stier­ten Sui­zid gilt als not­wen­dig und nütz­lich, Ände­run­gen der Leh­re über Emp­fäng­nis­ver­hü­tung wer­den erhofft, und soge­nann­te „prä­marita­le“ Zusam­men­le­ben – obwohl sie, wie Kar­di­nal Bif­fi bemerk­te, nicht wirk­lich als sol­che gel­ten – wer­den akzeptiert.

Doch der rein ethi­sche Anspruch genügt nicht, und so ist die Kir­che auch auf die­sem Gebiet zuneh­mend unsi­cher und inak­tiv. Abtrei­bungs­ge­set­ze wer­den als „gute Geset­ze“ bewer­tet, Gesetz­ge­bung zum assi­stier­ten Selbst­mord als not­wen­dig und nütz­lich erach­tet, Ände­run­gen in der Leh­re über Emp­fäng­nis­ver­hü­tung wer­den erhofft, soge­nann­tes vor­ehe­li­ches Zusam­men­le­ben (obwohl die Begriffs­wahl bereits irre­füh­rend ist, wie Kar­di­nal Bif­fi anmerk­te) wird inzwi­schen akzep­tiert und sogar empfohlen. 

Das Ver­schwin­den des Chri­sten­tums aus der öffent­li­chen Sphä­re wird nicht nur von anti­christ­li­chen neu­heid­ni­schen Kräf­ten vor­an­ge­trie­ben, son­dern auch von kirch­li­chen Sek­to­ren. Daher ent­ste­hen Grup­pen und Gemein­schaf­ten des Wider­stands und par­al­le­len Lebens, die sowohl vom „Feu­er des Fein­des“ als auch vom „Feu­er des Freun­des“ getrof­fen werden.

Wenn kirch­li­che Akteu­re die einst bekämpf­ten Ent­wick­lun­gen begün­sti­gen, ent­ste­hen inner­halb der Kir­che neue Akteu­re, eben­falls kirch­lich inspi­riert, aber weni­ger insti­tu­tio­nell. In Ita­li­en haben kirch­li­che Akteu­re, die einst gegen das staat­lich erlaub­te Abtrei­bungs­ge­setz kämpf­ten, ihre ursprüng­li­che Iden­ti­tät ver­lo­ren; neue Grup­pen sind ent­stan­den, um als par­al­le­le Gesell­schaft für den Schutz des Lebens zu agieren.

Das Urteil über die Moderne

Zwei Punk­te erschei­nen mir beson­ders wich­tig für ein ange­mes­se­nes Verständnis:

Ohne eine fun­dier­te Bewer­tung der phi­lo­so­phi­schen und theo­lo­gi­schen Moder­ne ris­kie­ren vie­le Hin­der­nis­se, die Wirk­sam­keit par­al­le­ler Gesell­schaf­ten zu unter­gra­ben. Um den wesent­li­chen Unter­schied zwi­schen der vor­christ­li­chen nicht­christ­li­chen Welt und der modernen/​postmodernen Welt zu erken­nen, muß man den ursprüng­lich athe­isti­schen Cha­rak­ter der phi­lo­so­phi­schen und theo­lo­gi­schen Moder­ne ver­ste­hen.16 Hier ent­steht etwas bis­her Unbe­kann­tes: eine athe­isti­sche Kul­tur, eine Denk­wei­se, die sich selbst als unfä­hig ansieht, Gott ange­mes­sen zu den­ken. Das erklärt, war­um die moder­ne Welt nicht nur gott­los, son­dern gegen Gott ist, und wes­halb die Ana­lo­gien zwi­schen bei­den Wel­ten nicht voll­stän­dig trenn­scharf sind. Die vor­christ­li­che Phi­lo­so­phie bewahr­te vie­le natür­li­che Ein­sich­ten, die das auf­kom­men­de Chri­sten­tum in die Defi­ni­ti­on sei­ner Dog­men inte­grie­ren konn­te. Anders als von man­chen „Enthellenisierungs“-Lehren behaup­tet, wur­de das Chri­sten­tum nicht hel­le­ni­siert, son­dern hel­le­ni­sier­te das grie­chi­sche Den­ken. Das Kon­zil von Nicäa ver­ur­teil­te Ari­us und damit auch Plo­tin, auf den sich Ari­us stütz­te. Zwi­schen der vor­christ­li­chen Welt und dem Chri­sten­tum bestand kei­ne aggres­si­ve Oppo­si­ti­on, wie sie heu­te gegen­über moder­nen phi­lo­so­phi­schen Prin­zi­pi­en exi­stiert. Die Moder­ne besitzt zudem eine gno­sti­sche reli­giö­se Dimen­si­on, eine unheil­ba­re anti­rea­li­sti­sche, anti­christ­li­che Ten­denz. Paul VI. wies dar­auf im Schluß­wort des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils hin: Das Prin­zip der Imma­nenz des moder­nen Den­kens folgt die­ser Logik umge­kehr­ter Reli­gio­si­tät. Luga­re­si emp­fiehlt den Chri­sten, kri­sis und chres­is zu nut­zen, doch die­se sind ohne ein rich­ti­ges Urteil über die Moder­ne nicht voll­stän­dig möglich.

Parallelgesellschaft und universeller Blick

Ein wei­te­rer zen­tra­ler Punkt: Vor­schlä­ge, sich vom System zu lösen und eine klei­ne alter­na­ti­ve Gemein­schaft zu schaf­fen, wer­den oft kri­ti­siert, weil sie den Blick auf das Gro­ße ver­lie­ren las­sen wür­den. Luga­re­si ver­weist hier auf die Arche Noah – nicht nur eine par­al­le­le, son­dern auch eine alter­na­ti­ve Gesell­schaft, die aber die Welt der Sint­flut über­ließ. Ähn­li­che Kri­tik wur­de Dre­hers „Opti­on Bene­dikt“ entgegengebracht.

Doch das ist nicht zwin­gend so. Iso­la­ti­on und Selb­st­ab­schot­tung sind mög­lich, aber nicht not­wen­dig. Wer aus Gewis­sens­grün­den ein System als unprak­ti­ka­bel ablehnt, hört nicht auf, sich damit zu beschäf­ti­gen, sei­ne Ent­wick­lung zu ver­fol­gen oder in Ver­ant­wor­tung für das Gan­ze zu den­ken. Als die Katho­li­ken nach dem Non expe­dit von 1868 aus Gewis­sens­grün­den das ita­lie­ni­sche Staats­sy­stem ablehn­ten und der päpst­li­chen Auf­for­de­rung folg­ten, nicht am poli­ti­schen Leben die­ses Systems teil­zu­neh­men, han­del­te es sich um eine gro­ße Par­al­lel­ge­sell­schaft; sie distan­zier­ten sich aber nicht vom Gemein­wohl, beschränk­ten sich nicht auf eige­ne, klei­ne Inter­es­sen, distan­zier­ten sich nicht von der Gesamt­heit der Gesell­schaft und fie­len nicht dem Par­ti­ku­la­ris­mus anheim. Im Gegen­teil: aus Lie­be zum Gan­zen han­del­ten jene, die in den sehr unter­schied­li­chen Situa­tio­nen in par­al­le­len Gesell­schaf­ten tätig waren, nicht für eine klei­ne Grup­pe, son­dern um etwas zu bewah­ren, das künf­tig dem Gan­zen und allen zugu­te­kom­men kann, nicht um eini­ge Wer­te nur für eine eng begrenz­te Gemein­schaft zu ret­ten, son­dern zum Nut­zen aller. Der hei­li­ge Bene­dikt behielt stets den Über­blick – sozi­al wie kirch­lich. Wenn das Kru­zi­fix Don Camil­lo rät, das Wesent­li­che bestehe dar­in, den Samen zu bewah­ren, so lädt es ihn ein, dies aus Lie­be zur gan­zen Mensch­heit zu tun. Ernst Jün­ger spricht von einer „klei­nen Eli­te17, von einer gerin­gen Min­der­heit, fügt aber hin­zu: „Wo sich ein Volk zum Wald­gang rüstet, muß es zur furcht­ba­ren Macht wer­den.“18 Die Par­al­lel­ge­sell­schaft nach Ben­da ver­steht sich nicht als Schat­ten­re­gie­rung gegen­über der offi­zi­el­len Regie­rung, die als auf Lüge gegrün­det gilt. Viel­mehr begreift sie sich als Trä­ger von Wahr­hei­ten, die nicht ihr eige­nes Eigen­tum, son­dern das aller Men­schen sind, und han­delt zum Wohl aller, nicht nur der Ein­ge­weih­ten. Damit unter­schei­den sich die­se Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten von moder­nen Uto­pien, die sich abkap­seln und gegen das Gan­ze kämp­fen, um die Wahr­heit erst zu erschaf­fen; die­se hin­ge­gen die­nen ihr.

Um eine Hypo­the­se auf­zu­stel­len, wie die sozia­le Pasto­ral der Zukunft aus­se­hen könn­te, weist Erz­bi­schof Cre­pal­di (eme­ri­tier­ter Bischof von Tri­est) dar­auf hin, daß sie von unten her­aus ent­ste­hen wird und die Lai­en zu ihren zen­tra­len Akteu­ren zäh­len: „Gera­de in die­ser Pha­se kommt den Lai­en eine beson­ders wich­ti­ge Rol­le zu. Die Initia­ti­ve muß von ihnen aus­ge­hen, auch wenn ich mir wün­sche, daß sie auf Prie­ster und Bischö­fe tref­fen, die bereit sind, unter­stüt­zend mit­zu­wir­ken.19
Vom Boden auf­wärts zu begin­nen und in klei­nen, neu­en Kon­tex­ten anzu­set­zen bedeu­tet jedoch nicht, die Per­spek­ti­ve des christ­li­chen Uni­ver­sa­lis­mus zu ver­lie­ren: „Es wird not­wen­dig sein, neu zu begin­nen – von unten und mit einem erneu­er­ten Bewußt­sein. Dies schließt nicht aus, daß die neu­en Initia­ti­ven sich an alle rich­ten und eine voll­stän­dig kirch­li­che, uni­ver­sa­le Per­spek­ti­ve wah­ren.“20
Ein anschau­li­ches Bei­spiel für die Umset­zung die­ser Prin­zi­pi­en ist die katho­li­sche Haus­schu­le. Sie ent­steht als Par­al­lel­ge­sell­schaft, jedoch nicht, um sich von der Kir­che zu lösen, son­dern im Gegen­teil, um die Kir­che bei der Wie­der­ent­deckung ihrer eige­nen erzie­he­ri­schen Ori­gi­na­li­tät zu unter­stüt­zen.21

Zwei wichtige Grundsätze

Die Beob­ach­tun­gen in den bei­den vor­an­ge­gan­ge­nen Kapi­teln legen nahe, daß der­ar­ti­ge Erfah­run­gen gemein­schaft­li­chen Enga­ge­ments – die wir unter dem Begriff „Par­al­lel­ge­sell­schaft“ oder „Opti­on Bene­dikt“ zusam­men­fas­sen – nicht das Dog­ma der Unum­kehr­bar­keit der Säku­la­ri­sie­rung akzep­tie­ren, son­dern die rea­le und uni­ver­sel­le Per­spek­ti­ve des Chri­sten­tums wah­ren müssen.

In die­sem Zusam­men­hang kann es nütz­lich sein, kri­tisch auf die Posi­ti­on von Chan­tal Dels­ol in dem bereits erwähn­ten Buch über das Ende der Chri­sten­heit und die Rück­kehr zum Hei­den­tum zurück­zu­kom­men.22 Dels­ol stellt die Chri­sten­heit als eine „auf Erobe­rung gegrün­de­te“ dar, als eine „Per­ver­tie­rung der Bot­schaft“, eine Gesell­schaft, die „von Dog­men gesät­tigt“ ist, gelei­tet von der „Pro­fa­nie­rung der Idee der Wahr­heit“ und in der eine „Form von Ein­fluß und Herr­schaft über die See­len“ aus­ge­übt wer­de.
Nach Dels­ol sei das Wahr­heits­ver­ständ­nis der Chri­sten­heit über­holt: „Sein ist Ereig­nis und Wer­den, nicht objek­ti­ve Defi­ni­ti­on“; die Wahr­heit sei „ein Traum, dem wir nach­ja­gen“, „sie muß auf­hö­ren, Pro­po­si­ti­on und Dog­ma zu sein, um zu einem Licht­schein, zu einer zag­haf­ten Hoff­nung, zu etwas Unfaß­ba­rem zu wer­den, das man mit bet­teln­den Träu­men erwar­tet“. Dar­aus fol­ge: „Auf die Chri­sten­heit zu ver­zich­ten, ist kein schmerz­haf­tes Opfer“, viel­mehr „ver­läßt uns nicht die Chri­sten­heit, son­dern wir ver­las­sen sie“.
Laut Dels­ol sei es „eine Dumm­heit zu glau­ben, daß, wenn das Chri­sten­tum zusam­men­bricht, alles mit ihm zusam­men­bricht“, und sie for­dert: „Hören wir auf zu glau­ben, daß wir die ein­zi­gen auf der Welt sind, die der Welt einen Sinn geben kön­nen“. Nach der Chri­sten­heit wer­de nicht der Athe­is­mus, son­dern ein neu­es Hei­den­tum fol­gen, denn das reli­giö­se Bedürf­nis des Men­schen wer­de nicht ver­schwin­den und in die­ser Situa­ti­on wer­den die Chri­sten als „Hel­den der Geduld, der Auf­merk­sam­keit und der demü­ti­gen Lie­be“ leben.
Die­se Per­spek­ti­ve jedoch dür­fen die Gemein­schaf­ten der Par­al­lel­ge­sell­schaft nicht über­neh­men, denn wür­den sie das tun, wür­den sie sich tat­säch­lich in klei­ne, geschlos­se­ne, sen­ti­men­tal selbst­re­fe­ren­zi­el­le Zir­kel ver­wan­deln, die nur sich selbst ver­ste­hen und sich als ermü­de­te Epi­go­nen eines irrever­si­blen Nie­der­gangs sehen.

*Ste­fa­no Fon­ta­na, Direk­tor des Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thu­an for the Social Doc­tri­ne of the Church; zu sei­nen jüng­sten Publi­ka­tio­nen gehö­ren „La nuo­va Chie­sa di Karl Rah­ner“ („Die neue Kir­che von Karl Rah­ner. Der Theo­lo­ge, der die Kapi­tu­la­ti­on vor der Welt lehr­te“, 2017), gemein­sam mit Erz­bi­schof Pao­lo Cre­pal­di „Le chia­vi del­la que­stio­ne socia­le“ („Die Schlüs­sel der sozia­len Fra­ge. Gemein­wohl und Sub­si­dia­ri­tät: Die Geschich­te eines Miß­ver­ständ­nis­ses“, 2019), „La filoso­fia cri­stia­na“ („Die christ­li­che Phi­lo­so­phie. Eine Gesamt­schau auf die Berei­che des Den­kens“, 2021); alle erschie­nen im Ver­lag Fede & Cul­tu­ra, Verona.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: van​t​huan​ob​ser​va​to​ry​.com (Screen­shot)


  1. Ernst Jün­ger: Der Wald­gang, Frank­furt am Main 1951. ↩︎
  2. Osser­va­to­rio Inter­na­zio­na­le Car­di­na­le Van Thu­an: Un Deep Sta­te pla­ne­ta­rio. La poli­ti­ca manov­ra­ta dal­l’om­bra (Ein pla­ne­ta­ri­scher Deep Sta­te. Die aus dem Dun­keln gelenk­te Poli­tik), 15. Bericht zur Sozi­al­leh­re der Kir­che in der Welt, Sie­na 2023. ↩︎
  3. Mau­ri­zio Mila­no: Il Pif­feraio di Davos. Il Gre­at Reset del capi­ta­lis­mo: prot­ago­ni­sti, pro­gram­mi e obi­et­ti­vi, (Der Rat­ten­fän­ger von Davos. Der Gre­at Reset des Kapi­ta­lis­mus: Akteu­re, Pro­gram­me und Zie­le. Cro­to­ne 2024. ↩︎
  4. Osser­va­to­rio Van Thu­an: Finis Euro­pae, un epitaf­fio per il vec­chio con­ti­nen­te (Finis Euro­pae, ein Epi­taph für den alten Kon­ti­nent), 16. Bericht zur Sozi­al­leh­re der Kir­che in der Welt, Sie­na 2024. ↩︎
  5. Ste­fa­no Fon­ta­na: La con­ver­sio­ne pasto­ra­le e il pro­gres­sis­mo cat­to­li­co (Die pasto­ra­le Wen­de und der katho­li­sche Pro­gres­sis­mus), in: Bol­let­ti­no di Dottri­na Socia­le del­la Chie­sa, XV (2019), 3. ↩︎
  6. Leo­nar­do Luga­re­si: Vive­re da cri­stia­ni in un mon­do non cri­stia­no. L’es­em­pio dei pri­mi seco­li (Als Christ in einer nicht­christ­li­chen Welt leben. Das Bei­spiel der ersten Jahr­hun­der­te), Turin 2024 ↩︎
  7. Ibid. ↩︎
  8. Zu die­sem The­ma hat Chan­tal Dels­ol das Buch geschrie­ben: „La fin de la Chré­ti­en­té : retour au paga­nis­me (Das Ende der Chri­sten­heit. Rück­kehr zum Hei­den­tum), Paris 2021. Wie bereits aus dem Titel ersicht­lich wird, spricht die Autorin von einer „Rück­kehr“ des vor­christ­li­chen Hei­den­tums, wäh­rend es sich in Wirk­lich­keit um ein radi­kal neu­es Hei­den­tum han­delt. ↩︎
  9. Giam­pao­lo Cre­pal­di: La Chie­sa ita­lia­na e il futu­ro del­la pasto­ra­le socia­le (Die ita­lie­ni­sche Kir­che und die Zukunft der sozia­len Seel­sor­ge), Sie­na 2017. ↩︎
  10. Ibid. ↩︎
  11. Emma­nu­el Todd: La Défai­te de l’Oc­ci­dent, Paris 2024. ↩︎
  12. Kürz­lich zeig­te auch Abbé Clau­de Bar­the – obwohl er sowohl Havels Kon­zept der „par­al­le­len Gesell­schaft“ als auch Dre­hers „Opti­on Bene­dikt“ kri­ti­siert, da bei­de sei­ner Ansicht nach in die libe­ra­le Demo­kra­tie mün­den – zumin­dest im Bereich der Bil­dung die­sen mög­li­chen Aus­weg auf: „Die Lai­zi­tät – eine Mon­stro­si­tät. Über­le­gun­gen zum hun­dert­jäh­ri­gen Jubi­lä­um der Enzy­kli­ka über Chri­stus den König“, in: Res Novae v. 11. Sep­tem­ber 2025. ↩︎
  13. Die vier Berei­che fin­den sich dar­ge­legt in Luga­re­si: Vive­re da cri­stia­ni, S. 121–158, 159–204, 205–244 und 245–286. ↩︎
  14. Ste­fa­no Fon­ta­na: For­get­ting the Social Doc­tri­ne of the Church in the Epoch of Coro­na­vi­rus (Die ver­ges­se­ne Sozi­al­leh­re der Kir­che im Zeit­al­ter des Coro­na­vi­rus), in: Com­mu­nio (ame­ri­ka­ni­sche Aus­ga­be), XLVII (2020) 3. ↩︎
  15. Jozef De Kesel: Cri­stia­ni in un mon­do che non lo è più (Chri­sten in einer Welt, die nicht mehr christ­lich ist, in: Teo­lo­gia, 1 (2025) 1. ↩︎
  16. Ste­fa­no Fon­ta­na: Ateis­mo cat­to­li­co? Quan­do le idee sono fuor­vi­an­ti per la fede (Katho­li­scher Athe­is­mus? Wenn die Idee für den Glau­ben irre­füh­rend sind), Vero­na 2022. ↩︎
  17. Jün­ger: Der Wald­gang. ↩︎
  18. Ibid. ↩︎
  19. Cre­pal­di: La Chie­sa ita­lia­na. ↩︎
  20. Ibid. ↩︎
  21. Ste­fa­no Fon­ta­na: Dal­la scuo­la del­lo Sta­to alla scuo­la del­le fami­glie (Von der Schu­le des Staa­tes zur Schu­le der Fami­li­en), in: Bol­let­ti­no di Dottri­na socia­le del­la Chiea, XI (2015) 1. ↩︎
  22. Dels­ol: La fin de la Chré­ti­en­té. ↩︎

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*