Neuer regimehöriger Bischof in China geweiht – mit Zustimmung von Papst Franziskus

Geheimabkommen: Römische Jubelperser trotz dürftiger Resultate


In 15 Monaten der zweijährigen Laufzeit des Geheimabkommens wurde erst ein Bischof ernannt, und der ist besonders regimehörig.
In 15 Monaten der zweijährigen Laufzeit des Geheimabkommens wurde erst ein Bischof ernannt, und der ist besonders regimehörig.

(Rom) Wenn die kom­mu­ni­sti­sche Volks­re­pu­blik Chi­na gegen das Geheim­ab­kom­men mit dem Hei­li­gen Stuhl über die Bischofs­er­nen­nun­gen ver­stößt, herrscht im Vati­kan eiser­nes Schwei­gen, als wäre nichts gesche­hen. Wenn das staats­ka­pi­ta­li­sti­sche Regime in Peking aber, aus­nahms­wei­se, zu einem Zuge­ständ­nis bereit ist, und sei es nur ein ver­meint­li­ches, schei­nen in Rom alle Glocken zu läu­ten. In Dau­er­schlei­fe wird dann in alle Welt posaunt, wie gut das Geheim­ab­kom­men funk­tio­nie­re. So ist es heu­te gesche­hen. Doch wie sieht die Wirk­lich­keit aus?

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Vati­can­News eröff­ne­te den Rei­gen der Jubel­per­ser, um in meh­re­ren Spra­chen die heu­te mor­gen erfolg­te Wei­he eines Bischofs zu ver­kün­den, die nicht im Allein­gang von der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas ent­schie­den wur­de, son­dern mit Zustim­mung von Papst Fran­zis­kus erfolgte.

Die Ernen­nung des 57jährigen Thad­dä­us Wang Yues­h­eng durch Fran­zis­kus war am 16. Dezem­ber erfolgt. Die Ver­öf­fent­li­chung erfolg­te aber erst heu­te, am Tag sei­ner Bischofs­wei­he. 70 Jah­re lang war die Diö­ze­se Zheng­zhou in der Pro­vinz Hen­an ohne Bischof gewe­sen, weil die Kom­mu­ni­sten die Beset­zung des Bischofs­stuhl verhinderten.

Der neue Bischof, 1966 in Zhu­ma­di­an in der Pro­vinz Hen­an gebo­ren, wur­de 1993 in Hankou zum Prie­ster geweiht. Seit 2011 wirk­te er als Pfar­rer in Zhengzhou.

Vati­can­News beruft sich in der Mel­dung auf den Mis­si­ons­nach­rich­ten­dienst Fides, doch in Wirk­lich­keit stam­men die Infor­ma­tio­nen von Chi­na Catho­lic, der Nach­rich­ten­sei­te der regi­me­hö­ri­gen Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung. Chi­na Catho­lic erwähnt mit kei­nem Wort eine Betei­li­gung des Vati­kans. Die­ser Hin­weis läßt bereits erah­nen, daß der neue Bischof deren Mit­glied ist und von Fran­zis­kus ein der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei geneh­mer Kan­di­dat ernannt wurde.

Eine Über­prü­fung bestä­tigt die Mut­ma­ßung: Msgr. Wang Yues­h­eng ist Vor­sit­zen­der der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung der Pro­vinz Hen­an. Schon seit län­ge­rem war er fak­tisch der von der KP ein­ge­setz­te Admi­ni­stra­tor der Diözese.

Bischof Fausti­no M. Tis­sot (1901–1991)

Das Bis­tum Zheng­zhou war seit 1953 ohne Ober­hir­ten, als der recht­mä­ßi­ge Bischof Fausti­no Maria Tis­sot SX des Lan­des ver­wie­sen wur­de. Der Xaver­ia­ner-Mis­sio­nar Tis­sot, 1901 in Öster­reich gebo­ren, wur­de 1926 zum Prie­ster geweiht und war von 1943 bis 1946 Gene­ral­obe­rer sei­nes Ordens, bis er von Papst Pius XII. zum ersten Bischof der soeben errich­te­ten Diö­ze­se Zheng­zhou ernannt wur­de. 1949 ergrif­fen die Kom­mu­ni­sten gewalt­sam die Macht in Chi­na. Damals waren 0,5 Pro­zent der Bewoh­ner der Diö­ze­se Katho­li­ken. Es gab 24 Prie­ster, 18 Pfar­rei­en und 62 Ordens­frau­en. Bischof Tis­sot wur­de von den Kom­mu­ni­sten ein­ge­sperrt und schließ­lich des Lan­des ver­wie­sen. Er starb 1991 im Mut­ter­haus sei­nes Ordens bei Par­ma. Bis 1983 blieb er offi­zi­ell Bischof der chi­ne­si­schen Diö­ze­se. Der noch von ihm ein­ge­setz­te chi­ne­si­sche Admi­ni­stra­tor führ­te die Unter­grund­kir­che bis zu sei­nem Tod 2012.

Seit­her erhöh­te sich der Druck durch das Regime. Dafür ver­ant­wort­lich war vor allem der neue Bischof Yues­h­eng. Meh­re­re Prie­ster, die nicht bereit waren, sich zu unter­wer­fen, ver­lo­ren ihr Amt und wur­den zum Teil ver­haf­tet. Hen­an ist eine der Pro­vin­zen, in denen die regi­me­hö­ri­gen Kräf­te im Auf­trag der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei seit 2018 die Umset­zung der jüng­sten kir­chen­feind­li­chen Maß­nah­men expe­ri­men­tie­ren, dar­un­ter vor allem das Ver­bot für Min­der­jäh­ri­ge, Kir­chen zu betre­ten und an irgend­wel­chen kirch­li­chen Ver­an­stal­tun­gen teil­zu­neh­men, selbst wenn sie kei­nen reli­giö­sen Cha­rak­ter haben.

Als 2021 alle Kir­chen „wegen Coro­na“ geschlos­sen blei­ben muß­ten, wäh­rend Fabri­ken, Geschäf­te und Gastro­no­mie längst wie­der offen hat­ten, stell­te sich Thad­dä­us Wang Yues­h­eng zu Ostern vor sei­ne ver­schlos­se­ne Kir­che, was ihn nicht zu stö­ren schien, und hul­dig­te dem 100. Grün­dungs­tag der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas, deren „glor­rei­che Geschich­te“ durch eine Aus­stel­lung gewür­digt wer­den soll­te, wie Yues­h­eng damals meinte.

Die heu­ti­ge Wei­he von Bischof Yues­h­eng erfolg­te aus­schließ­lich durch Bischö­fe, die ihr Amt der Par­tei zu ver­dan­ken haben. In San­ta Mar­ta scheint das nicht zu stören.

Die Ernen­nung von Yues­h­eng ist die erste seit der im Okto­ber 2022 erfolg­ten zwei­ten Ver­län­ge­rung des Geheim­ab­kom­mens. Da es jeweils auf zwei Jah­re befri­stet ist, läuft es im kom­men­den Okto­ber schon wie­der aus.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Catho­lic China/​Erzdiözese Tri­ent (Screen­shots)

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2 Kommentare

  1. Wo bleibt die Ver­öf­fent­li­chung des Geheimpapieres?

    Die Chri­sten wer­den in Chi­na schreck­lich verfolgt.

    Man hört nichts von soge­nann­ten Hir­ten in Rom.

    Die­ser Papst soll­te end­lich abtreten.

    Schreck­lich was in Rom durch ihn alles
    gesche­hen ist.

  2. Man kann doch die­sen Prie­stern nicht
    trauen.
    Nicht mal Papst Franziskus.
    Er hat doch die Chri­sten in China
    verraten.
    Viel­leicht sind es Spio­ne, die die
    Chri­sten aushorchen.….
    Schreck­lich die­ses Vor­ge­hen aus Rom.
    Den­ke an die Bot­schaft vom La Salette!

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