Koptischem Patriarchen wird Lateranbasilika „geliehen“

Ökumenisches Gedrängel in der Hauptkirche der Christenheit


Tawadros II. wird im Mai im Gegenzug, daß er Papst Franziskus besucht, die Lateranbasilika zur Verfügung gestellt bekommen.
Tawadros II. wird im Mai im Gegenzug, daß er Papst Franziskus besucht, die Lateranbasilika zur Verfügung gestellt bekommen.

(Rom) Was zunächst nur ein „öku­me­ni­sches Miß­ver­ständ­nis“ hät­te sein kön­nen, wie angeb­lich die Fei­er eines angli­ka­ni­schen Got­tes­dien­stes in der Late­ran­ba­si­li­ka, wur­de inzwi­schen offi­zi­ell bestä­tigt: An Tawa­dros II., den Papst der kop­tisch-ortho­do­xen Kir­che, wird „im Geist der Öku­me­ne“ die Late­ran­kir­che, also gleich die Kathe­dra­le des Bischofs von Rom und Haupt­kir­che der katho­li­schen Kir­che, „ver­lie­hen“, damit er die Mög­lich­keit bekommt, dort eine kop­tisch-ortho­do­xe Mes­se zele­brie­ren zu kön­nen, obwohl er nicht in der Ein­heit mit dem Stuhl Petri steht.

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Der Vor­gang ist prä­ze­denz­los: Dem Ober­haupt einer aka­tho­li­schen Gemein­schaft wird die Haupt- und Mut­ter­kir­che der katho­li­schen Kir­che zur Ver­fü­gung gestellt. Sind alle dok­tri­nel­len und lit­ur­gi­schen Fra­gen, die seit vie­len Jahr­hun­der­ten die Kop­ten von Rom tren­nen, aus­ge­räumt? Bis­her ist kei­ne sol­che wie­der­ge­won­ne­ne Ein­heit bekannt gewor­den. War­um wird dann die Rei­hen­fol­ge auf den Kopf gestellt?

In Rom wird inof­fi­zi­ell auf die Nr. 137 des Direk­to­ri­ums zur Aus­füh­rung der Prin­zi­pi­en und Nor­men über den Öku­me­nis­mus vom 25. März 1993 ver­wie­sen, kurz Direk­to­ri­um Öku­me­nis­mus genannt. Die­se wur­de vom Päpst­li­chen Rat zur För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten erlas­sen. Dort heißt es, zitiert nach der Aus­ga­be der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz:

„137. Die katho­li­schen Got­tes­häu­ser sind kon­se­krier­te oder geseg­ne­te Gebäu­de, die eine gro­ße theo­lo­gi­sche und lit­ur­gi­sche Bedeu­tung für die katho­li­sche Gemein­de haben. Folg­lich sind sie im all­ge­mei­nen dem katho­li­schen Got­tes­dienst vor­be­hal­ten. Aber wenn Prie­ster, Amts­trä­ger oder Gemein­den, die nicht in vol­ler Gemein­schaft mit der katho­li­schen Kir­che ste­hen, kei­nen Ort und auch nicht die not­wen­di­ge Aus­stat­tung haben, um ihre reli­giö­sen Zere­mo­nien wür­dig zu fei­ern, kann der Diö­ze­san­bi­schof ihnen erlau­ben, eine katho­li­sche Kir­che oder ein katho­li­sches Gebäu­de zu benut­zen und auch die not­wen­di­ge Aus­stat­tung für die Got­tes­dien­ste zu ent­lei­hen. Unter ähn­li­chen Umstän­den kann ihnen auch erlaubt wer­den, auf katho­li­schen Fried­hö­fen zu beer­di­gen oder dort Got­tes­dien­ste zu halten.“

Nun stellt sich die Fra­ge, was die­ser Para­graph des Direk­to­ri­ums mit dem Besuch von Patri­arch Tawa­dros II. in Rom zu tun haben könn­te. Er besucht den Papst im Vati­kan und natür­lich die kop­tisch-ortho­do­xen Gläu­bi­gen in Rom und Italien.

Spit­ze Zun­gen im Vati­kan sagen, daß als näch­ste Mel­dung – nach dem Hin­weis auf das Direk­to­ri­um Öku­me­nis­mus – fol­gen wird, daß Tawa­dros II. kein aus­rei­chend gro­ßes Got­tes­haus zur Ver­fü­gung hat, um sich mit den bis zu 100.000 ägyp­ti­schen Kop­ten, die mut­maß­lich in Ita­li­en leben, zu versammeln.

Zusam­men mit die­ser näch­sten Mit­tei­lung wer­de ver­si­chert, daß mit größ­ter Sorg­falt dar­auf geach­tet wer­de, daß Tawa­dros II. dem Papst­al­tar fern­bleibt. In Wirk­lich­keit wer­de er dann aber genau dort unter den Reli­qui­en der hei­li­gen Johan­nes des Täu­fers und Johan­nes Evan­ge­list zele­brie­ren. Beim Hei­li­gen Stuhl wer­de man anschlie­ßend mit den Schul­tern zucken und bedau­ern, von nichts gewußt zu haben. Es sei­en eben voll­ende­te Tat­sa­chen geschaf­fen worden.

Die Kop­ten sind Mia­phy­si­ten, grob gesagt, eine Unter­grup­pe der Mono­phy­si­ten, und Teil der Gegen­be­we­gung zum Aria­nis­mus.

Was wird vom zustän­di­gen Vati­kan­ver­tre­ter, Pater Hya­c­in­the Destivel­le, vom Dik­aste­ri­um für die Ein­heit der Chri­sten gesagt? Anlaß für den Besuch von Tawa­dros II. bei Papst Fran­zis­kus ist der 50. Jah­res­tag der ersten Begeg­nung zwi­schen einem kop­ti­schen und einem katho­li­schen Papst. Nur, was ändert ein sol­ches Jubi­lä­um an den Grün­den, die bis­her die Kir­chen­uni­on ver­hin­dert haben?

Oder gilt auch hier, daß nach Hegel die Pra­xis vor der Leh­re kommt?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

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1 Kommentar

  1. Wir kön­nen den Kop­ten doch mal unse­ren Papst ausleihen.

    Dann hält bei den Kop­ten end­lich mal der Fort­schritt Einzug.
    Das geht doch nicht dass die seit so vie­len Jah­ren unverändert
    ihren Ritus halten
    und erst die Gesän­ge und die Gewänder.…
    viel zu viel Weihrauch
    und jeder Prie­ster in Soutane…
    Unse­re Fort­schritts­fa­na­ti­ker soll­ten sich mal ein Bei­spiel nehmen.

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