Gastgeber der „Mafia von Sankt Gallen“ wurde beigesetzt

Wodurch sich ein Bischof auszeichnet

Msgr. Ivo Fürer, von 1995 bis 2005 Bischof von Sankt Gallen, war in dieser Zeit in seiner namengebenden Bischofsstadt auch auch Gastgeber der Treffen der "Mafia von Sankt Gallen"
Msgr. Ivo Fürer, von 1995 bis 2005 Bischof von Sankt Gallen, war in dieser Zeit in seiner namengebenden Bischofsstadt auch Gastgeber der Treffen der "Mafia von Sankt Gallen"

(Rom) Msgr. Ivo Fürer, der eme­ri­tier­te Bischof von Sankt Gal­len, wur­de heu­te in der Otmars­kryp­ta im St. Gal­ler Dom bei­gesetzt. Der Ver­stor­be­ne wur­de dabei als „auf­ge­schlos­se­ner Bischof“ und „Netz­wer­ker“ gerühmt. Uner­wähnt blieb, daß er auch der Haus­herr und Gast­ge­ber der „Mafia von Sankt Gal­len“ war.

Bischof Fürer ist am 12. Juli nach lan­gem Lei­den an einer Par­kin­son-Erkran­kung im Alter von 93 Jah­ren ver­stor­ben. Heu­te wur­de er in der Kathe­dra­le sei­nes ehe­ma­li­gen Bis­tums bestat­tet. Das Requi­em wur­de mit­tels Live-Stream über­tra­gen. Zuvor hat­te bereits der Osser­va­to­re Roma­no über den Tod berichtet.

Bischofs­wap­pen von Msgr. Fürer

Der Kir­chen­recht­ler Fürer, 1930 in Gos­sau gebo­ren – dem Ort, an dem ganz unab­hän­gig davon 70 Jah­re spä­ter der katho­li­sche Fern­seh­sen­der K‑TV ent­stan­den ist –, war 1995 von Papst Johan­nes Paul II. zum Bischof von Sankt Gal­len ernannt wor­den. Nur zehn Jah­re spä­ter wur­de Fürer mit der Voll­endung des 75. Lebens­jah­res von Papst Bene­dikt XVI. ohne Ver­län­ge­rung emeritiert.

In der Tat wur­de Fürer nicht durch sein Wir­ken als Bischof bekannt, son­dern als Mit­glied der berüch­tig­ten „Mafia von Sankt Gal­len“, jenes Geheim­zir­kels rang­ho­her Prä­la­ten, die unter Füh­rung von Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni SJ gegen das Pon­ti­fi­kat von Johan­nes Paul II. intri­gier­ten und die Wahl Bene­dikts XVI. um jeden Preis ver­hin­dern wollten.

In der ehe­ma­li­gen Fürst­ab­tei Sankt Gal­len, die 1805 auf­ge­ho­ben und 1847 zum Bis­tum Sankt Gal­len wur­de, fand der Geheim­zir­kel sei­nen namen­ge­ben­den Treff­punkt. Bischof Fürer war ein Mann der ersten Stun­de die­ses sub­ver­si­ven Geheim­zir­kels. Er war es, der Sankt Gal­len als „dis­kre­ten“ Ver­samm­lungs­ort der „Mafia“ anbot, wie sich die Mit­glie­der des Geheim­zir­kels selbst nann­ten. So hat­te es eines sei­ner rang­ho­hen Mit­glie­der, der bel­gi­sche Kar­di­nal God­fried Dan­neels, 2015 selbst­ge­fäl­lig ent­hüllt.

Gesi­chert ist, daß die Tref­fen der Sabo­teu­re und Boy­kot­teu­re von 1996 bis 2006 in Sankt Gal­len statt­fan­den. Die Wahl von Papst Bene­dikt XVI. kenn­zeich­ne­te ihre größ­te Nie­der­la­ge, die Wahl von Papst Fran­zis­kus ihren größ­ten Triumph.

Die lose Grup­pe exi­stier­te auch nach 2006 wei­ter, aller­dings sind kei­ne Tref­fen mehr in Sankt Gal­len belegt, wo auf Fürer 2006 als Bischof der dama­li­ge Dom­de­kan und Bischofs­vi­kar Mar­kus Büchel folg­te. Greif­bar wird die Grup­pe 2013 durch ihr vier­köp­fi­ges Exe­ku­tiv­or­gan, das nach­träg­lich unter der Bezeich­nung Team Ber­go­glio bekannt wur­de. Fürer spiel­te krank­heits­be­dingt kaum mehr eine Rol­le. Heu­te lebt von dem vier­köp­fi­gen Team nur mehr Kar­di­nal Kas­per, „der Theo­lo­ge“ von Papst Franziskus.

Einer von Fürers letz­ten nen­nens­wer­ten öffent­li­chen Auf­trit­ten fand am 25. Novem­ber 2012 im Bil­dungs­haus Stein Eger­ta in Scha­an im Für­sten­tum Liech­ten­stein statt. Dort erzähl­te Msgr. Fürer, anläß­lich des 50. Jah­res­ta­ges sei­ner Eröff­nung, bei einem Kamin­ge­spräch sei­ne Erin­ne­rung an das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil (1962–1965). Eine jener zahl­rei­chen Ver­an­stal­tun­gen, bei denen ein ver­klär­tes Bild des jüng­sten öku­me­ni­schen Kon­zils kon­stru­iert und gefe­stigt wurde.

Requie­scat in pace.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Face­book (Screenshot)/Wikicommons



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1 Kommentar

  1. Ivo Fürer war gleich­ält­rig mit Car­lo Mar­ti­ni SJ und 4 Jah­re älter als God­fried Danneels.
    Mit die­sen auch Ende der 50er Jah­ren in Rom- alle an der Gregoriana.
    Fürer war als Bischof­as­si­stent ährend des 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil in Rom und hat dort die tak­ti­sche Win­kel­zü­ge und die gro­ße Wich­tig­keit einer guten Logi­stik kennengelernt.
    Fürer war ab 1977 Gene­ra­le­kre­tär des Rates der Euro­päi­schen Bischofs­kon­fe­ren­zen, Car­lo Mar­ti­ni SJ ab 1986 Prä­si­dent die­ses Rates der Europ. Bischofskonferenzen.
    Car­lo Mar­ti­ni SJ ven­ti­lier­te schon etwas frü­her die Idee, alle 20 Jah­ren ein Kon­zil ein­zu­be­ru­fen; gera­de weil die Parkinson’sche Erkran­kung von Papst Johann Paul 2 sich 1987 erst­mals dis­kret zeig­te, schien der Zeit­punkt reif um die Revo­lu­ti­on vorzubereiten.
    Sobald Bischof in St.Gallen (1995) konn­te Fürer in Akti­on tre­ten: er spie­gel­te sich an das Bei­spiel der „Squa­dra bel­ga“ unter Kard. Sue­n­ens im 2. Vat. Kon­zil, wo eine her­vor­ra­gen­de Logi­stik und gute Orga­ni­sa­ti­on ent­schei­dend waren um die Zie­le des Moder­nis­mus durch­zu­drücken. „Netz­wer­ker und Gastherr“.
    Ver­kehrs­gün­stig zwi­schen Nord­ita­li­en, Öster­reich und Deutsch­land gele­gen, ruhig, ohne viel neu­gie­ri­ge Öffent­lich­keit und Zuschau­er, mit einem gro­ßen Stifts­are­al und besten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten, mit sehr viel Geld, im Zen­trum von West­eu­ro­pa, war St.Gallen der idea­le Ort für eine Verschwörung.
    Wie der auf­ge­bla­se­ne Dan­neels (2005 star­te­te er im Erz­bi­schöf­li­chem Palast von Meche­len zur Kon­kla­ve in Rom mit den Wor­ten: „Wenn ich gewählt wer­de, neh­me ich den Titel Johan­nes XXIV“) mit­teil­te in der Saal Vita unter der Basi­li­ka von Koekel­berg , nann­ten die Mit­glie­der sder „Grup­pe von Sankt-Gal­len“ sich unter­ein­an­der „die Mafia“.
    Sue­n­ens hat übri­gens mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit die Akti­vi­tä­ten der „Grup­pe von St.Gallen“ wohl­wol­lend beglei­tet. Dan­neels besuch­te ihn bis zu Sue­n­en­s’­Tod (2004) jede Woche für 2 Stun­den zum Mit­tag­essen in des­sem Appart­ment auf der Ave­nue Smet de Nay­er in Jet­te St. Pierre (Bxl 9)

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