Freud und Leid beim Institut du Bon Pasteur in Brasilien

Ein kräftiger Hauch von Feudalismus

Am 19. Februar erfolgte in Brasilia eine Priesterweihe für das Institut du Bon Pasteur.
Am 19. Februar erfolgte in Brasilia eine Priesterweihe für das Institut du Bon Pasteur.

(Bra­si­lia) Leid und Freu­de ste­hen oft nahe bei­ein­an­der. Das erlebt der­zeit das Insti­tut du Bon Pasteur in Bra­si­li­en. Kurz vor Weih­nach­ten wur­de das Insti­tut vom Erz­bi­schof von Curi­ti­ba vor die Tür gesetzt. Am ver­gan­ge­nen Sams­tag wur­de ein Dia­kon des Insti­tuts in Bra­si­li­en vom bra­si­lia­ni­schen Mili­tär­bi­schof zum Prie­ster geweiht.

Einen Grund für sei­ne Unfreund­lich­keit nann­te der Erz­bi­schof von Curi­ti­ba, der von Papst Fran­zis­kus ein­ge­setz­te Msgr. José Antô­nio Per­uz­zo, nicht. Dafür erfolg­te ein Ver­weis auf das Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des, das von Papst Fran­zis­kus am 16. Juli 2021 erlas­sen wur­de und das den über­lie­fer­ten Ritus und die damit ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten und Gläu­bi­gen ein­schränkt. Am 21. Dezem­ber muß­te der Distrik­t­o­be­re des Insti­tuts für Latein­ame­ri­ka den Gläu­bi­gen die schlech­te Nach­richt über­brin­gen. Er tat es mit dem Zusatz, man wer­de die Gläu­bi­gen aber nicht im Stich lassen.

Auf das leid­vol­le Ereig­nis folg­te am 19. Febru­ar ein freu­di­ges: Thia­go de Oli­vei­ra Pino, ein Dia­kon des Insti­tuts, wur­de vom bra­si­lia­ni­schen Mili­tär­bi­schof, Erz­bi­schof Fer­nan­do José Mon­tei­ro Gui­marães, zum Prie­ster geweiht.

Msgr. Gui­marães gehört dem Redemp­to­ri­sten­or­den an. Er wur­de 2008 zum Bischof von Gar­an­huns ernannt und von Fran­zis­kus 2014 als Erz­bi­schof zum Mili­tär­or­di­na­ri­at wegbefördert.

2021 waren für das Insti­tut von Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke zwei Prie­ster und zwei Dia­ko­ne geweiht wor­den, je einer davon stamm­te aus Bra­si­li­en. Der von Kar­di­nal Bur­ke zum Dia­kon geweih­te Thia­go de Oli­vei­ra Pino emp­fing nun die Priesterweihe.

Die Zere­mo­nie fand in der Capil­la de Nue­stra Seño­ra de los Dolo­res in der Haupt­stadt Bra­si­lia statt.

Wäh­rend die Petrus­bru­der­schaft heu­te bekannt­gab, am 11. Febru­ar von Papst Fran­zis­kus ein Son­der­de­kret mit eini­gen Erleich­te­run­gen zu Tra­di­tio­nis custo­des erhal­ten zu haben, gehört das Insti­tut du Bon Pasteur zu den übri­gen soge­nann­ten Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten, die kei­nen Anteil an die­sem Dekret haben. Wäh­rend seit Johan­nes Paul II. all­ge­mein­gül­ti­ge Geset­ze erlas­sen wur­den, was auch Fran­zis­kus mit Tra­di­tio­nis custo­des tat, scheint er zugleich ent­schlos­sen, die Gemein­schaf­ten der Tra­di­ti­on mit oder ohne Dekre­te aus­ein­an­der­zu­di­vi­die­ren. Dar­in blitzt eine Form von Feu­da­lis­mus auf, in dem jeder, ein­zeln, zum Bitt­stel­ler wird, was auch ent­spre­chen­de Abhän­gig­kei­ten bedeutet. 

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Insti­tut du Bon Pasteur/​Brasilien (Screen­shot)

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1 Kommentar

  1. Im offi­zi­el­lem Kom­mu­ni­que der Petrus­bru­der­schaft steht:
    „Im Ver­lauf des Gesprächs war es dem Papst ein Anlie­gen, klar­zu­stel­len, daß Insti­tu­te wie die Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus nicht von den all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen des Motu Pro­prio Tra­di­tio­nis Custo­des betrof­fen sind, da der Gebrauch der alten lit­ur­gi­schen Bücher an ihrem Ursprung stand und in ihren Kon­sti­tu­tio­nen ver­an­kert ist.“

    Ich ent­neh­me dem, daß die Bestim­mun­gen auch für die ande­ren Eccle­sia Dei Gemein­schaf­ten gel­ten werden.

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