Das abgeschwächte Wunschziel Rußland

Päpstliche Ostpolitik und ihre Prioritäten

Am 9. November finet ein vatikanisch-russisches Außenministertreffen in Moskau statt.
Am 9. November findet ein vatikanisch-russisches Außenministertreffen in Moskau statt.

(Rom) Papst Fran­zis­kus möch­te der erste Papst sein, der in die Volks­re­pu­blik Chi­na und nach Nord­ko­rea reist. Auf der Liste ange­streb­ter Rei­se­zie­le gibt es noch ein Land, in das es bereits sei­ne Vor­gän­ger zog, aller­dings ver­geb­lich: Rußland.

Noch bevor der von ihm ernann­te Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Kar­di­nal Paro­lin, ein Vati­kan­di­plo­mat, sein Amt ange­tre­ten hat­te, war die Rede von einer neu­en „Ost­po­li­tik“, die sich ankün­di­ge. Die­se zeig­te sich bis­her aller­dings weni­ger im geo­po­li­ti­schen Kon­text der vati­ka­ni­schen Ost­po­li­tik der 60er und 70er Jah­re, son­dern gegen­über der kom­mu­ni­sti­schen Volks­re­pu­blik Chi­na. Ent­spre­chend schwäch­te sich Ruß­land als Wunsch­ziel eines Papst­be­su­ches ab. Das hat vor allem mit Ruß­lands Staats­ober­haupt Wla­di­mir Putin zu tun, zu dem eine nor­ma­le oder gar bevor­zug­te Nähe im Westen nicht ger­ne gese­hen ist, wäh­rend Bezie­hun­gen zu den kom­mu­ni­sti­schen Macht­ha­bern in Peking weit weni­ger pro­ble­ma­tisch schei­nen. Ohne Chi­na läuft in der Welt­wirt­schaft näm­lich nichts mehr. 

Es ist den­noch zu erwar­ten, daß das gestern bekannt­ge­ge­be­ne Tref­fen zwi­schen dem vati­ka­ni­schen Außen­mi­ni­ster, Kuri­en­erz­bi­schof Paul Gal­lag­her, und sei­nem rus­si­schen Kol­le­gen Ser­gej Law­row im Zusam­men­hang mit den Besuchs­ab­sich­ten von Papst Fran­zis­kus steht.

Am 9. Novem­ber wer­den die bei­den Außen­mi­ni­ster, der vati­ka­ni­sche Sekre­tär für die Bezie­hun­gen mit den Staa­ten und der Außen­mi­ni­ster der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on, zusam­men­tref­fen, wie gestern die Spre­che­rin des rus­si­schen Außen­mi­ni­ste­ri­ums, Maria Sach­a­rowa, bekannt­gab. Erz­bi­schof Gal­lag­her wird dazu vom 8. bis 10. Novem­ber nach Ruß­land reisen.

Sach­a­rowa teil­te mit, daß ein „Mei­nungs­aus­tausch über die Ansich­ten zur bila­te­ra­len Zusam­men­ar­beit zwi­schen Ruß­land und dem Vati­kan, zur Inter­ak­ti­on auf mul­ti­la­te­ra­len Platt­for­men und zu wich­ti­gen inter­na­tio­na­len Fra­gen“ statt­fin­den werde.

Msgr. Gal­lag­her, ein Eng­län­der iri­scher Abstam­mung, trat 1984 in den diplo­ma­ti­schen Dienst des Hei­li­gen Stuhls. Er rück­te 2014 mit der Ernen­nung durch Papst Fran­zis­kus zum (Staats-)Sekre­tär für die Bezie­hun­gen mit den Staa­ten und damit an die zwei­te Stel­le der Vati­kan­di­plo­ma­tie hin­ter Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin auf. Sein nur weni­ge Jah­re älte­rer rus­si­scher Amts­kol­le­ge Law­row, ein Rus­se mit arme­ni­schem Vater, begann sei­ne diplo­ma­ti­sche Kar­rie­re bereits 1972 im sowje­ti­schen Außen­mi­ni­ste­ri­um. Seit 1990 gehört er der ober­sten Füh­rungs­rie­ge an. 1992–1994 war er stell­ver­tre­ten­der Außen­mi­ni­ster. Seit 2004 ist er, beru­fen von Wla­di­mir Putin, Außen­mi­ni­ster der Rus­si­schen Föderation.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shot)

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2 Kommentare

  1. Die Kir­che Jesu Chri­sti (die römisch katho­li­sche) hat auch noch ein Anliegen.
    Die Wei­he Russ­lands an das unbe­fleck­te Herz der Gottesmutter.
    Das haben die Päp­ste seit Fati­ma immer wie­der abge­lehnt, daher die kom­mu­ni­sti­sche Flut über die Welt.
    Gebet statt Dialog !

  2. Es ist kaum vor­stell­bar, daß Ber­go­glio den Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel ver­grät­zen will, bei all sei­nem Rela­ti­vis­mus und sei­ner Sprung­haf­tig­keit, und auch nicht noch­mal die grie­chisch-katho­li­sche Kir­che der Ukraine.
    Mos­kau wür­de sich einen Besuch teu­er bezah­len lassen.

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