Traditionis custodes – Nicht nur eine 2000 Jahre alte Tradition, eine Glaubenswahrheit wird angegriffen: die Gegenwart Christi in der Eucharistie

Eine Einordnung zur derzeitigen Situation der Katholischen Kirche

Man muss illusionslos feststellen, dass es sich bei der strategischen Matrix von Papst Franziskus um eine Form der psychologischen Kriegsführung handelt.
Man muss illusionslos feststellen, dass es sich bei der strategischen Matrix von Papst Franziskus um eine Form der psychologischen Kriegsführung handelt.

Von Prof. Dr. med. Eber­hard Gross

Wer das Wir­ken Ber­go­gli­os auf der Kathe­dra Petri auf­merk­sam beob­ach­tet hat, kann eigent­lich nicht über­rascht sein von dem Todes­ur­teil, das er mit dem aktu­el­len Motu Pro­prio Tra­di­tio­nis Custo­des über den Vetus Ordo gespro­chen hat. Das Urteil war zu erwar­ten. Es ging nicht um das „ob“, son­dern nur um das „wann“.

Dabei sug­ge­riert der Titel „Hüter der Tra­di­ti­on“ exakt das Gegen­teil des­sen, was der Papst mit dem aktu­el­len Motu Pro­prio beab­sich­tigt. In sei­nem Kampf gegen den Vetus Ordo seit sei­nem Amts­an­tritt hat der Papst sei­ne bekann­te stra­te­gi­sche Matrix ange­wandt. Sie besteht aus drei Schrit­ten: Der Gegen­stand, hier die alte Mes­se und die Prie­ster und Gläu­bi­gen, die sie fei­ern, wer­den mit abschät­zi­gen Bemer­kun­gen1 eti­ket­tiert. Dies ist nichts ande­res als eine gei­sti­ge Zer­set­zung. Zwei­tens wird sie beglei­tet von har­ten, durch­grei­fen­den Aktio­nen gegen die betref­fen­den Orden und Bischö­fe, die in der Regel durch Visi­ta­tio­nen ein­ge­lei­tet wer­den und deren Ergeb­nis die „Zer­schla­gung“ der Insti­tu­tio­nen und die Sus­pen­die­rung der Bischö­fe ist. Drit­tens gewährt der Papst mit­un­ter den Betrof­fe­nen ein ver­söhn­li­ches Ver­ständ­nis. Adres­sa­ten sind vor allem die Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus, die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten und die­je­ni­gen, die auf­grund des Summorum Pon­ti­fi­cum Papst Bene­dikts XVI. (2007) den Vetus Ordo fei­ern, und Gut­gläu­bi­ge, die dem Papst dann kei­ne schlech­ten Absich­ten unter­stel­len und in sei­nem Han­deln nur einen Aus­druck sei­ner beson­de­ren Men­ta­li­tät sehen. Mit den klei­nen Dosen von ver­söhn­li­chen Zuge­ständ­nis­sen gera­ten die Betrof­fe­nen in eine gewis­se Abhän­gig­keit, die lang­fri­stig ihre Wider­stands­kraft schwächt. Man muss illu­si­ons­los fest­stel­len, dass es sich bei die­ser stra­te­gi­schen Matrix um eine Form der psy­cho­lo­gi­schen Kriegs­füh­rung han­delt, die dar­auf zielt, die Wider­stands­kraft der Geg­ner, hier der Tra­di­tio­na­li­sten, zu bre­chen – dar­un­ter ver­ste­he ich auch die­je­ni­gen, die Papst Bene­dikts Urteil über das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil im Sin­ne der Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät für eine künst­li­che Les­art hal­ten, mit der die sub­stan­ti­el­len Ver­än­de­run­gen durch das Kon­zil intel­lek­tua­li­stisch weg­in­ter­pre­tiert wer­den sollen.

Zur Ein­ord­nung die­ses Motu Pro­prio soll­te man sich die vie­len ande­ren Schrit­te und Äuße­run­gen des Pap­stes in Erin­ne­rung rufen, die eben­falls Fra­gen nicht nur in der katho­li­schen Öffent­lich­keit haben auf­kom­men las­sen nach den wah­ren Inten­tio­nen die­ses Pap­stes und den eigent­li­chen Auf­ga­ben des Stell­ver­tre­ters Chri­sti auf Erden. Dar­aus kann man nur schlie­ßen, dass der Papst eine Neue Kir­che, also auch eine Neue Reli­gi­on errich­ten möch­te und dass das aktu­el­le Motu Pro­prio nur ein wei­te­rer Schritt auf dem Weg dort­hin ist. Dass der Papst gera­de jetzt das gei­stig-kul­ti­sche Zen­trum des katho­li­schen Glau­bens, die Hl. Mes­se nach dem Vetus Ordo, in der sich der katho­li­sche Glau­be in sei­ner Ganz­heit aus­drückt und gei­stig-kul­tisch voll­zo­gen wird, offen mas­siv angreift, lässt ver­mu­ten, dass er glaubt auf dem Wege zur Neu­en Kir­che schon nahe am Ziel zu sein und unum­kehr­ba­re Fak­ten schaf­fen zu können.

Rei­chen Auf­schluss über die Mei­nun­gen des Pap­stes zu dem katho­li­schen Glau­ben geben die vie­len Noti­zen der Gesprä­che von Scal­fa­ri mit dem Papst, die der Grün­der der Zei­tung La Repu­bli­ca in ihr ver­öf­fent­lich­te, so auch einen Brief des Pap­stes an Scal­fa­ri2, in dem er die Wahr­heit über­haupt und die des katho­li­schen Glau­bens im Beson­de­ren leug­net und das Gewis­sen als letz­te Instanz sieht. Nach Scal­fa­ri beinhal­tet Evan­ge­lii gau­di­um3 durch den Pri­mat des Gewis­sens und der bedin­gungs­lo­sen Barm­her­zig­keit die Abschaf­fung der Sün­de. Zur Ama­zo­nas­syn­ode bemerk­te Scal­fa­ri: „Fran­zis­kus hat schon seit Jah­ren die Idee des Einen Got­tes vor­an­ge­trie­ben. Es ist natür­lich eine revo­lu­tio­nä­re Idee.“4 Da die Noti­zen Scal­fa­ris nicht offi­zi­ell demen­tiert wur­den5, geben sie wohl die Sicht­wei­se des Pap­stes wie­der. Es ist nahe­lie­gend, dass Fran­zis­kus über den Frei­mau­rer Scal­fa­ri sei­ne „eigent­li­chen Mei­nun­gen und Absich­ten“ einer bestimm­ten Welt-Com­mu­ni­ty kundtut.

Dass er den kath. Glau­ben rela­ti­viert und die Art der Reli­gi­on für bedeu­tungs­los hält, ist nicht nur in der gemein­sa­men Erklä­rung von Abu Dha­bi6 mit dem Groß­i­mam der al-Azhar-Uni­ver­si­tät Kai­ro doku­men­tiert. Ganz undi­plo­ma­tisch hat er sei­ne Sicht an einem ande­ren Ort7 dar­ge­legt. Für den Papst ist die katho­li­sche Reli­gi­on und so auch die Kir­che offen­kun­dig eine histo­risch-kul­tu­rell kon­tin­gen­te Aus­prä­gung der sozio­bio­lo­gisch begrün­de­ten, dem Men­schen imma­nen­ten Reli­gio­si­tät. Und es liegt ihm dar­an, die katho­li­sche Reli­gi­on in die Gemein­schaft der Welt­re­li­gio­nen ein­zu­brin­gen und die­sen Pro­zess unum­kehr­bar zu machen. Bezeich­nend ist, dass Fran­zis­kus in die­sen Doku­men­ten nicht von Jesus Chri­stus spricht, son­dern von Gott. Damit ver­leug­net er Chri­stus und die Drei­fal­tig­keit, was ange­sichts der Auf­fas­sung des Islams von Jesus als einem Pro­phe­ten unter ande­ren und vom Chri­sten­tum als einer poly­the­isti­schen Reli­gi­on einen Bruch im Glau­bens­ver­ständ­nis bedeutet.

Mit der Ama­zo­nas­syn­ode und sei­ner Teil­nah­me an der kul­ti­schen Göt­zen­ver­eh­rung der Frucht­bar­keits­göt­tin Pach­a­ma­ma im Vati­kan und in der römi­schen Kir­che San­ta Maria in Tras­pon­ti­na (Okt. 2019) hat der Papst den poli­ti­schen Welt­grö­ßen ein Zei­chen gege­ben, wie es deut­li­cher nicht sein kann, wel­cher Art die Neue Kir­che sein soll. Als Zei­chen dient ihm die­ses Sakri­leg der Göt­zen­ver­eh­rung im Zen­trum der katho­li­schen Chri­sten­heit. Es mutet an wie ein Fanal, die katho­li­sche Kir­che, den katho­li­schen Glau­ben zu zer­stö­ren und die Heils­ge­schich­te histo­risch-kul­tu­rell zu deu­ten. Mit der Pach­a­ma­ma, die als Frucht­bar­keits­göt­tin die „Mut­ter Erde“ sym­bo­li­siert und auf den für das „gesun­de Welt­kli­ma“ so unent­behr­li­chen bra­si­lia­ni­schen Regen­wald hin­weist, hat Fran­zis­kus der Kir­che die Ret­tung der Erde und die Schaf­fung einer bes­se­ren Welt als „Neue Heils­leh­re“ ver­ord­net. Dabei hat er sich die Auf­fas­sun­gen des Welt­kli­ma­ra­tes IPCC bis in die Details hin­ein wie z. B. CO2 als „kli­ma­schäd­li­ches Gas“ zu eigen gemacht. Wor­in er offen­kun­dig sei­ne Auf­ga­be und die der Neu­en Kir­che sieht, demon­striert er mit sei­ner Teil­nah­me an der dies­jäh­ri­gen Kli­ma­kon­fe­renz in Glas­gow. Abge­se­hen von sei­ner Kri­tik an der Abtrei­bung und der Zer­stö­rung der Fami­lie betreibt er die Agen­da der UN und EU wie die För­de­rung der unein­ge­schränk­ten Migra­ti­on und die Stär­kung und Erwei­te­rung der supra­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen in einer kon­zer­tier­ten Akti­on mit den ein­schlä­gi­gen NGOs. So ver­tritt er nicht nur auch das offi­zi­el­le Pan­de­mie- und Impf­nar­ra­tiv, son­dern, die­sem fol­gend, hat die Kir­che welt­weit die staat­li­chen Vor­ga­ben in der soge­nann­ten Pan­de­mie zu Ostern 2020 durch Schlie­ßung der Kir­chen ohne Wider­stand erfüllt. Zum ersten Mal seit der Anti­ke fei­er­te ein Papst das Fest der Auf­er­ste­hung Jesu Chri­sti ohne die direk­te Anwe­sen­heit von Gläu­bi­gen und das Weih­nachts­fest 2020 und Oster­fest 2021 mit weni­gen ausgewählten.

Man muss befürch­ten, dass die­ser Papst es nicht bei dem Todes­ur­teil über den Vetus Ordo belas­sen wird, son­dern dass er auch die Pro­te­stan­ti­sie­rung ins­ge­samt und die der Mess­fei­er im Spe­zi­el­len beför­dern wird. So wird der an vie­len Orten zu beob­ach­ten­den Fei­er des Novus Ordo nach Belie­big­keit unter die­sem Papst sicher kein wei­te­rer Ein­halt gebo­ten wer­den. Da vie­le Gläu­bi­ge und man­che Prie­ster nicht an die Real­prä­senz, ja nicht ein­mal an die Gott­heit Chri­sti glau­ben, scheint der Ent­wick­lung des Novus Ordo zur pro­te­stan­ti­schen Mahl­fei­er nichts im Wege zu ste­hen. Dank des syn­oda­len (Irr-)Weges wird man wei­ter ver­su­chen die Frau­en­or­di­na­ti­on durch­zu­set­zen, die nach den öffent­li­chen State­ments man­cher Bischö­fe nur noch eine Fra­ge der Zeit ist. Die wider­stands­lo­se, staats­hö­ri­ge Amts­kir­che wird sich den Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­ni­en der EU will­fäh­rig beu­gen. Das wäre dann auch für den Novus Ordo das end­gül­ti­ge Todesurteil.

Das Motu Pro­prio zwingt die Betrof­fe­nen klar Stel­lung zu bezie­hen. Wie die ersten Reak­tio­nen auf das Motu Pro­prio zei­gen, gibt es deut­li­chen Wider­stand. Die Betrof­fe­nen soll­ten dem Motu Pro­prio des Pap­stes nicht lega­li­stisch fol­gen, son­dern die­sen Angriff auf das gei­sti­ge Zen­trum des katho­li­schen Glau­bens abweh­ren und Wider­stand lei­sten. Es geht um nichts weni­ger als die Ver­tei­di­gung des Glau­bens und das Beken­nen. Das bedeu­tet hier dem Papst und sei­nen Adla­ten, wie einem Dieb, der in fla­gran­ti ertappt wird, in den Arm zu fallen.

Bild: Latin Mass Society


1 Im apo­sto­li­schen Schrei­ben Evan­ge­lii Gau­di­um heißt es: „Grup­pen­bil­dung durch rück­wärts­ge­wand­te Gläubige“.

2 Katholisches.info, 12. Sep­tem­ber 2013: Brief des Pap­stes an Scal­fa­ri als Ant­wort auf zwei Arti­kel in La Repub­bli­ca: „Mir scheint, dass es Ihnen am Her­zen liegt, die Hal­tung der Kir­che gegen­über jenen zu ver­ste­hen, die den Glau­ben an Jesus nicht tei­len. Vor allem fra­gen Sie mich, ob der Gott der Chri­sten jenen ver­gibt, die nicht glau­ben und nicht den Glau­ben suchen. Es sei vor­aus­ge­schickt, und das ist grund­le­gend, dass die Barm­her­zig­keit Got­tes kei­ne Gren­zen kennt. Die Fra­ge für jene, die nicht an Gott glau­ben, liegt in dem Gehor­sam gegen­über dem eige­nen Gewis­sen. Die Sün­de exi­stiert auch für den, der kei­nen Glau­ben hat, wenn man gegen das Gewis­sen handelt.“

3 Katholisches.info, 30. Dezem­ber 2013.

4 Katholisches.info, 9. Okto­ber 2019.

5 Katholisches.info, 20. März 2018.

6 Vati­can­News, 4. Febru­ar 2019, Abu Dha­bi: „Die Frei­heit ist ein Recht jedes Men­schen: Ein jeder genießt Bekenntnis‑, Gedanken‑, Mei­nungs- und Hand­lungs­frei­heit. Der Plu­ra­lis­mus und die Ver­schie­den­heit in Bezug auf Reli­gi­on, Haut­far­be, Geschlecht, Eth­nie und Spra­che ent­spre­chen einem wei­sen gött­li­chen Wil­len, mit dem Gott die Men­schen erschaf­fen hat. Die­se gött­li­che Weis­heit ist der Ursprung, aus dem sich das Recht auf Bekennt­nis­frei­heit und auf die Frei­heit, anders zu sein, ablei­tet. Des­halb wird der Umstand ver­ur­teilt, Men­schen zu zwin­gen, eine bestimm­te Reli­gi­on oder eine gewis­se Kul­tur anzu­neh­men wie auch einen kul­tu­rel­len Lebens­stil auf­zu­er­le­gen, den die ande­ren nicht akzeptieren.“

7 Earth Day mit der Foko­lar­be­we­gung in der Vil­la Borghe­se, 24. April 2016: „Da kommt mir in den Sinn. Wie kann man es machen? Ganz ein­fach: mit dem Bewusst­sein, dass wir alle etwas gemein­sam haben. Wir sind alle mensch­lich. Und in unse­rer Mensch­lich­keit kön­nen wir uns gegen­sei­tig annä­hern, um gemein­sam zu han­deln… Ich aber gehö­re zu die­ser Reli­gi­on oder zu einer ande­ren… Das ist nicht wichtig.“

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6 Kommentare

  1. Ich Fra­ge mich wann wir glau­bens­treu­en Katho­li­ken end­lich den Mut haben auf­zu­ste­hen end­lich laut zu werden.
    Aber es rührt sich gar nichts ausser end­lo­sen Dis­kus­sio­nen in ver­schie­de­nen Foren. Das ist echt arm. Ihr Katho­li­ken steht end­lich auf und ver­schafft eurer Stim­me Gehör. Alles aned­re ist nur Schall und Rauch.

    • Sehr geehr­ter @Moselmann, die­je­ni­gen, die immer öfter und in immer grö­ße­rer Zahl die Mes­sen der FSSPX und — so lan­ge noch mög­lich der FSSP — besu­chen, tun das. Und nicht nur das, sie geben Gott die Ehre, tre­ten für ihren Glau­ben ein und haben Anteil am Gna­den­strom, der wah­ren hl. Messe.

  2. Wir kön­nen sicher sein, wenn Chri­stus gewollt hät­te, das bei­de Riten in der Kir­che gleich­wer­tig neben­ein­an­der exi­stie­ren sol­len hät­te er es bewirkt.

  3. Sehr geehr­ter Herr Prof. Dr. Gross, haben Sie vie­len Dank für die­sen so kla­ren Arti­kel inner­halb der weit­ge­hen­den Problematik.Ich möch­te auf fol­gen­den Satz von Ihnen ver­wei­sen: Für den Papst ist die katho­li­sche Reli­gi­on und so auch die Kir­che offen­kun­dig eine histo­risch-kul­tu­rell kon­tin­gen­te Aus­prä­gung der sozio­bio­lo­gisch begrün­de­ten, dem Men­schen imma­nen­te Reli­gio­si­tät. Aber inner­halb des Begrif­fes „imma­n­an­te Reli­giö­si­tät“ ist auch — so fürch­te ich — der Sata­nis­mus, die Ver­eh­rung des gefal­le­nen Licht­trä­gers, Luzi­fer, behei­ma­tet. Die Eini­gung der Reli­gio­nen ist die Eini­gung von voll­kom­me­nen gegen­sätz­li­chen und sich wider­spre­chen­den Glau­bens­rich­tun­gen. Es ist der Weg, der uns weg von der Wahr­heit führt und der die Wahr­heit verdunkelt.

    • Mit Ihrer Befürch­tung haben Sie lei­der recht. So gehört auch die Aner­ken­nung sata­ni­scher Gott­hei­ten nach wie vor zur indi­ge­nen Reli­gio­si­tät, wie etwa das immer noch prak­ti­zier­te Ver­gra­ben von Neu­ge­bo­re­nen bei leben­di­gem Leib. (Mal nach­fra­gen beim bra­si­lia­ni­schen Mis­si­ons­bi­schof Kräut­ler. Der hält das näm­lich für selbstverständlich.)

      Auch der Pseu­do­re­for­ma­tor Mar­tin Luther hat­te nebst ande­ren Unge­heu­er­lich­kei­ten behin­der­te Kin­der als vom Teu­fel gezeugt bezeich­net. Die Natio­nal­so­zia­li­sten hat­ten dies bereit­wil­lig in ihre abstru­se nor­disch-reli­giö­se Wahn­welt mit auf­ge­nom­men und in einem eige­nen Eutha­na­sie­pro­gramm in die Tat umgesetzt.

      Im Prin­zip geht’s in unse­ren Tagen mun­ter wei­ter, sie­he Abtrei­bung oder Tötung auf Ver­lan­gen. Gott sei Dank stellt sich wenig­stens die katho­li­sche Kir­che noch ein­deu­tig dagegen.

  4. Wer­ter Aqui­li­nus. Bei den Römern gab es den Begriff der reli­gio inte­gra­ta. Er bezeich­ne­te den Umstand, dass die Göt­ter­welt der erober­ten Völ­ker der römi­schen Göt­ter­welt ange­gli­chen und ein­ge­glie­dert wur­den. Ver­ehr­ten die Gal­li­er ein Zwil­lings­paar als Götter,so
    wur­den die­se Göt­ter nach der römi­schen Erobe­rung mit Castor und Pol­lux gleich­ge­setzt. Die­se Bemü­hun­gen wur­den dadurch erleich­tert, weil es kei­ne Buch­re­li­gi­on mit einer fixen Got­tes­be­schrei­bung gab. Die heu­ti­gen von Papst Fran­zis­kus mit­ge­tra­ge­nen Bemü­hun­gen um eine Gleich­set­zung der Reli­gio­nen im „The Abra­ha­mic Fami­ly Hou­se“ ein Are­al in Abu Dha­bi zu bebau­en, dass gleich drei reli­giö­se Stät­ten behei­ma­tet – eine für jede der drei gro­ßen mono­the­isti­schen Reli­gio­nen: Islam, Juden­tum und Chri­sten­tum, ver­sucht den römi­schen Gedan­ken der der Reli­gio inte­gra­ta als ein­zi­ge Wahr­heit zu erneu­ern. Für uns Chri­sten bedeu­tet es den Ver­rat an dem, was wir immer als unse­re Wahr­heit bezeich­net haben. Es ist der Ver­rat an dem, wel­cher für die Wahr­heit am Kreu­ze gestor­ben ist. Aber damals wie heu­te dient die reli­gio inte­gra­ta nicht der Ver­eh­rung Got­tes, son­dern dem Macht­er­halt der Eli­ten. So bit­ter die­se Er-
    kennt­nis auch ist. Fran­zis­kus wird mit die­sem Ziel die Kir­che verraten.

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