Wuhan hat nach 19 Jahren wieder einen Erzbischof

Die Zusammenführung der beiden Teile der Kirche in China durch Papst Franziskus

Gestern fand in Wuhan die Weihe des neuen Erzbischofs statt. Es handelt sich um einen regimehörigen Franziskaner, den Papst Franziskus anerkannte.
Gestern fand in Wuhan die Weihe des neuen Erzbischofs statt. Es handelt sich um einen regimehörigen Franziskaner, den Papst Franziskus anerkannte.

(Peking) Die chi­ne­si­sche Mil­lio­nen­stadt Wuhan erlang­te seit dem Auf­tre­ten des Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 welt­wei­te Bekannt­heit. Wuhan ist auch der Sitz eines Erz­bi­schofs. Nach 19 Jah­ren der Vakanz wur­de gestern ein neu­er Erz­bi­schof geweiht – auf der Grund­la­ge des Geheim­ab­kom­mens von 2018.

Der Hei­li­ge Stuhl hielt sich bis zuletzt bedeckt. Erst nach­dem die Pres­se­agen­tur Asia­News zwei­mal über die bevor­ste­hen­de Wei­he infor­miert hat­te und erst nach­dem die­se gestern erfolgt war, bestä­tig­te Vati­kan­spre­cher Matteo Bruni das Ereig­nis in einer Aus­sendung an die in Rom akkre­di­tier­ten Journalisten.

„Ich kann bestä­ti­gen, daß heu­te, Mitt­woch, am 8. Sep­tem­ber 2021, in Wuhan in der chi­ne­si­schen Pro­vinz Hubei die Bischofs­wei­he von P. Fran­ces­co Cui Qing­qi OFM statt­ge­fun­den hat, der am 23. Juni 2021 vom Hei­li­gen Vater zum Bischof von Hankou/Wuhan ernannt wor­den war. Er ist der sech­ste chi­ne­si­sche Bischof, der im nor­ma­ti­ven Rah­men der pro­vi­so­ri­schen Ver­ein­ba­rung über die Ernen­nung von Bischö­fen in Chi­na ernannt und geweiht wurde.“

Msgr. Fran­cis Cui Qing­pi OFM

Der Fran­zis­ka­ner Cui Qing­pi ver­wal­tet das Erz­bis­tum bereits seit 2012. Er gehört der regi­me­hö­ri­gen Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung an und ist stell­ver­tre­ten­der Gene­ral­se­kre­tär des von der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas (KPCh) kon­trol­lier­ten Chi­ne­si­schen Bischofs­rats, dem regi­me­hö­ri­gen Pen­dant zur von Rom aner­kann­ten Chine­si­schen Bischofs­kon­fe­renz.

Msgr. Cui Qing­pi ver­stärkt damit die Rie­ge der regi­me­hö­ri­gen Bischö­fe, die vom Hei­li­gen Stuhl als legi­ti­me Diö­ze­san­bi­schö­fe aner­kannt sind. Sie gehö­ren dem regime­treu­en Bischofs­rat an, haben aber auch Sitz und Stim­me in der mit Rom ver­bun­de­nen Bischofs­kon­fe­renz. Wie Vati­kan­spre­cher Bruni bestä­tig­te, gehen die Ernen­nung und Wei­he auf das vati­ka­nisch-chi­ne­si­sche Geheim­ab­kom­men von Sep­tem­ber 2018 zurück, das 2020 ver­län­gert wur­de. Das kommt auch in der von Bruni ver­wen­de­ten Dop­pel­be­zeich­nung Hankou/Wuhan zum Ausdruck.

Das von Rom errichtete Erzbistum Hankou

1923 wur­de von Papst Pius XI. das Apo­sto­li­sche Vika­ri­at Hank­ou errich­tet, das zuvor Teil des Vika­ri­ats Öst­li­ches Hubei war. Eine kirch­li­che Juris­dik­ti­on über das Gebiet besteht seit 1696. 1946 erhob Papst Pius XII. das Apo­sto­li­sche Vika­ri­at zum Erz­bis­tum. Dem Erz­bi­schof-Metro­po­li­ten unter­ste­hen meh­re­re Suf­fra­ga­ne. Msgr. Cui Qing­pi ist erst der drit­te legi­ti­me Erz­bi­schof von Hank­ou. Die Geschich­te des Erz­bis­tums ist, wie die aller Diö­ze­sen in der Volks­re­pu­blik Chi­na seit der kom­mu­ni­sti­schen Macht­über­nah­me, von star­ken Brü­chen geprägt und liest sich für Außen­ste­hen­de verwirrend.

Der erste Erz­bi­schof von Hank­ou, P. Giu­sep­pe Rosà, war eben­falls ein Fran­zis­ka­ner. Die Gegend war im 19. Jahr­hun­dert dem Fran­zis­ka­ner­or­den als Mis­si­ons­ge­biet zuge­wie­sen wor­den war. Als die Kom­mu­ni­sten 1949 die Macht über­nah­men, muß­te Erz­bi­schof Rosà, da Aus­län­der, 1950 das Land ver­las­sen. Für ihn über­nahm im sel­ben Jahr sein chi­ne­si­scher Mit­bru­der P. Odo­ric Vic­tor Liu Hede als Admi­ni­stra­tor die Lei­tung des Bis­tums. 1954 wur­de P. Liu Hede ver­haf­tet und fast 25 Jah­re in Lao­gai, den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern im kom­mu­ni­sti­schen Chi­na, gefan­gen­ge­hal­ten. Nach sei­ner Ent­haf­tung wirk­te er als Admi­ni­stra­tor im Unter­grund. 1984 wur­de er durch Ernen­nung von Papst Johan­nes Paul II. zum Erz­bi­schof von Hank­ou geweiht. Eine Aner­ken­nung durch den Staat blieb ihm ver­wehrt, weil er sich wei­ger­te, der regi­me­hö­ri­gen Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung bei­zu­tre­ten. Als er 2001 im Alter von 89 Jah­ren ver­starb, blieb der Erz­bi­schofs­stuhl vakant.

Das vom kommunistischen Regime errichtete Bistum Wuhan

Das kom­mu­ni­sti­sche Regime hat­te nach Jah­ren der bru­ta­len Kir­chen­ver­fol­gung 1957/58 eine eige­ne, schis­ma­ti­sche Par­al­lel­kir­che errich­tet, die Chi­ne­si­sche Katho­lisch-Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung, die von der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas (KPCh) abhän­gig ist. Von Rom wird sie nicht aner­kannt. 1958 ernann­ten die Kom­mu­ni­sten für die Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung den Fran­zis­ka­ner Ber­nar­din Dong Guang-qing zum Bischof von Wuhan. 1953 war die Stadt Hank­ou mit den bei­den Nach­bar­städ­ten Wuchang und Han­yang zusam­men­ge­legt wor­den. Enstpre­chend wur­den auch die drei Bischofs­sit­ze in einem ver­eint. Obwohl Hank­ou ein Erz­bi­schofs­stuhl war, des­sen Inha­ber in ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ver­schleppt wor­den war, wies das Regime der neu­en Diö­ze­se Wuhan nur den Rang eines Bischofs zu. Erst 1984, als Dong Guang-qings inzwi­schen frei­ge­las­se­ner rom­treu­er Mit­bru­der Liu Hede mit päpst­li­chem Man­dat zum Erz­bi­schof von Hank­ou geweiht wur­de, beför­der­te auch das Regime ihren Reprä­sen­tan­ten ad per­so­nam zum Erz­bi­schof. In den 90er Jah­ren kam es zu einer Ver­stän­di­gung zwi­schen dem legi­ti­men Erz­bi­schof im Unter­grund und dem ille­gi­ti­men Bischof von Wuhan. Sie ermög­lich­te es dem betag­ten Erz­bi­schof Liu Hede, Auf­ga­ben im Bis­tum zu über­neh­men, zuletzt als Spi­ri­tu­al am Prie­ster­se­mi­nar. Bischof Ber­nar­din Dong Guang-qin ver­starb 2007, nach­dem er 49 Jah­re im Namen des kom­mu­ni­sti­schen Staa­tes das Bis­tum Wuhan gelei­tet hat­te. Der Hei­li­ge Stuhl hat­te ihn nie anerkannt.

2008 setz­te das Regime Joseph Shen Guo­an als Admi­ni­stra­tor von Wuhan ein. 2011 soll­te er zum Bischof geweiht wer­den. Die Wei­he wur­de kurz­fri­stig jedoch abge­sagt, als er sich wei­ger­te, die Wei­he ohne päpst­li­ches Man­dat zu emp­fan­gen. Kurz dar­auf wur­de er als Admi­ni­stra­tor abge­setzt und aus der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung ausgeschlossen.

Ihm folg­te 2012 als Admi­ni­stra­tor von Wuhan der offen­sicht­lich lini­en­treue­re Fran­zis­ka­ner Cui Qing­qi, der seit 2016 auch stell­ver­tre­ten­der Gene­ral­se­kre­tär des Chi­ne­si­schen Bischofs­rats ist, des schis­ma­ti­schen Gegen­stücks zu der mit Rom ver­bun­de­nen Chi­ne­si­schen Bischofs­kon­fe­renz. Mit sei­ner im Juni erfolg­ten Aner­ken­nung durch Papst Fran­zis­kus wer­den der schis­ma­ti­sche Bischofs­stuhl von Wuhan und der kirch­li­che Erz­bi­schofs­stuhl von Hank­ou nun ver­eint. Ent­spre­chend trägt Cui Qing­pi den Titel eines Erz­bi­schofs. Ob damit auch für Rom die bei­den Suf­fra­gan­bis­tü­mer Wuchang und Han­yang in das Erz­bis­tum Hankou/Wuhan ein­flie­ßen, ist nicht bekannt. Der Bischofs­stuhl von Han­yang ist laut offi­zi­el­len römi­schen Anga­ben seit 2005, jener von Wuchang bereits seit 1970 vakant.

Wer gibt den Ton an?

Wer den Ton in den bei­den Tei­len der Kir­che in der Volks­re­pu­blik Chi­na angibt, die auf Wunsch von Papst Fran­zis­kus immer mehr zusam­men­ge­führt wer­den, wur­de gestern am Kon­se­kra­tor, den Mit­kon­se­kra­to­ren und den anwe­sen­den Bischö­fen sichtbar.

Kon­se­kra­tor war Erz­bi­schof Ma Ying­lin von Kun­ming, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung, Mit­kon­se­kra­tor Shen Bin, Bischof von Hai­men, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung. Als „römi­scher Ver­tre­ter“ war Msgr. Li Shan, Bischof von Peking und stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Chi­ne­si­schen Bischofs­kon­fe­renz, Mit­kon­se­kra­tor. Die bei­den ande­ren anwe­sen­den Bischö­fe Ding Ling­bin von Chang­zhi und Li Suguang von Jian­gxi gehö­ren bei­de der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung an. Ling­bin ist deren Gene­ral­se­kre­tär, Suguang ihr Vor­sit­zen­der in der Pro­vinz Jian­gxi. Von fünf anwe­sen­den Bischö­fen waren vier Ver­tre­ter des Regimes. Aller­dings befin­den sich durch das Geheim­ab­kom­men von 2018 inzwi­schen alle in der Ein­heit mit dem Papst.

Nur weni­ge Tage nach der Unter­zeich­nung des Geheim­ab­kom­mens leg­te die Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung ein Treue­be­kennt­nis zur Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei ab – und nur zu ihr.

Als „römi­scher Ver­tre­ter“ trat in der St.-Josephs-Kathedrale von Hank­ou noch Yang Yu in Erschei­nung, ein Prie­ster, der stell­ver­tre­ten­der Gene­ral­se­kre­tär der Chi­ne­si­schen Bischofs­kon­fe­renz ist. Er ver­las die Ernen­nungs­bul­le von Papst Franziskus.

Die St.-Josephs-Kathedrale von Hank­ou (Wuhan)

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: AsiaNews/Provinzverwaltung Hubei (Screen­shots)

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