UN-Klimakonferenz: Päpstliches Programm wird erweitert

Politischer Vorrang

Anfang November findet in Glasgow die UN-Klimakonferenz statt, die bereits 2020 stattfinden sollte – mit Papst Franziskus.
Anfang November findet in Glasgow die UN-Klimakonferenz statt, die bereits 2020 stattfinden sollte – mit Papst Franziskus.

(Edin­burgh) Im Juli wur­de bekannt, daß Papst Fran­zis­kus an der UN-Kli­ma­kon­fe­renz COP26 im schot­ti­schen Glas­gow teil­neh­men wird. Eine Pre­mie­re. Erst­mals wird ein Kir­chen­ober­haupt an dem seit 1995 jähr­lich statt­fin­den­den Kli­ma­gip­fel der UNO teil­neh­men. An der COP26, die vom 1. bis 12. Novem­ber statt­fin­den wird, wer­den die 197 Signa­tar­staa­ten und Rechts­sub­jek­te teil­neh­men, wel­che die Kli­ma­rah­men­kon­ven­ti­on der UNO von Rio de Janei­ro 1992 unter­zeich­net haben. Einen Monat spä­ter wur­de nun die Papst-Teil­nah­me um einen reli­giö­sen Pro­gramm­punkt erwei­tert. Es ist nicht das erste Mal im der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kat, daß einem poli­ti­schen oder kir­chen­po­li­ti­schen Aspekt Vor­rang vor dem reli­giö­sen ein­ge­räumt wurde.

Caserta 2014

So geschah es Ende Juli 2014, als zunächst bekannt wur­de, daß Fran­zis­kus in Caser­ta einer evan­ge­li­ka­len Kir­che einen „Pri­vat­be­such“ abstat­ten wer­de. Es war die Zeit am Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats, als Fran­zis­kus eini­ge Bemü­hun­gen unter­nahm, um ein neu­es Ver­hält­nis zu den Evan­ge­li­ka­len und Pfingst­lern zu errei­chen, die sich jedoch schnell wie­der zer­schla­gen und mit den Prä­si­dent­schafts­wah­len 2016 begra­ben wer­den soll­ten. Auf ver­wun­der­te Nach­fra­gen, wes­halb die katho­li­sche Diö­ze­se Caser­ta beim Besuch nicht berück­sich­tigt wer­de, hieß es zunächst vom vati­ka­ni­schen Pres­se­amt: weil es sich um einen „Pri­vat­be­such“ des Pap­stes hand­le. Als Stau­nen und Kri­tik an der Hal­tung des Pap­stes zu laut wur­den, eine evan­ge­li­ka­le Kir­che zu besu­chen, aber nicht die ört­li­che Diö­ze­se, erfolg­te im letz­ten Moment eine Ergän­zung des Pro­gramms. Fran­zis­kus besuch­te, wie geplant, am 24. Juli 2014 eine evan­ge­li­ka­le Kir­che in Caser­ta und als Ergän­zung zwei Tage spä­ter die katho­li­sche Diö­ze­se Caserta.

Lund 2016

Am 31. Okto­ber 2016 rei­ste Papst Fran­zis­kus zum gemein­sa­men „Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken“ mit dem Luthe­ri­schen Welt­bund in die schwe­di­sche Stadt Lund. Anlaß der Rei­se war der Auf­takt zu den luthe­ri­schen Gedenk­fei­ern „500 Jah­re Refor­ma­ti­on Mar­tin Luthers“. Erst auf Drän­gen der skan­di­na­vi­schen Katho­li­ken häng­te Fran­zis­kus einen wei­te­ren Tag an, um sich auch mit den Katho­li­ken im Nor­den Euro­pas zu tref­fen. Ähn­lich wie schon in Caser­ta galt auch hier, was Katholisches.info am 31. Okto­ber 2016 schrieb:

„Eigent­lich woll­te das der Papst gar nicht, wie er selbst bekannt­gab, um sei­ne ‚Plä­ne‘ im ‚Geist der Ein­heit‘ nicht zu stö­ren. Gestört haben die Katho­li­ken, die der Papst zu einem ‚öku­me­ni­schen Zeug­nis‘ zwin­gen wollte.“

Und wei­ter:

„Die skan­di­na­vi­schen Katho­li­ken konn­ten es nicht glau­ben, daß der Papst nach Schwe­den kommt, sich aber nur mit den Luthe­ra­nern trifft, und das aus­ge­rech­net um den exkom­mu­ni­zier­ten Häre­ti­ker Mar­tin Luther zu fei­ern. Dar­auf­hin warf ihnen Papst Fran­zis­kus hin­ter den Kulis­sen vor, wie nun bekannt wur­de, ein ‚sek­tie­re­ri­sches‘ Ver­hal­ten an den Tag zu legen. Nicht die Luthe­ra­ner sei­en ‚Sek­tie­rer‘, son­dern die skan­di­na­vi­schen Katho­li­ken, ließ sie der argen­ti­ni­sche Papst ver­är­gert wis­sen. Die ‚Ein­heit‘ der Chri­sten­heit sei beim öku­me­ni­schen Luther­ge­den­ken in Lund gegen­wär­tig. ‚Wah­re Chri­sten‘ hät­ten sich also dort ein­zu­fin­den und nicht ein geson­der­tes katho­li­sches Tref­fen und sogar eine katho­li­sche Mes­se zu wol­len.
Es brauch­te viel Druck und ein ‚gründ­li­ches Nach­den­ken‘ des Pap­stes, indem er sich ‚sei­ne Rol­le als Hir­te der katho­li­schen Her­de‘ in Erin­ne­rung rufen muß­te, um einem Tref­fen mit den Katho­li­ken und einer Hei­li­gen Mes­se zuzustimmen.“

Dies alles ent­hüll­te Papst Fran­zis­kus selbst in einem Inter­view mit der schwe­di­schen Jesui­ten­zeit­schrift Signum vor sei­nem Besuch in Schwe­den. Dabei mach­te er deut­lich, daß er das katho­li­sche („sek­tie­re­ri­sche“), weil exklu­si­ve Den­ken nicht tei­le, denn sein Geist sei der „Geist der Ein­heit“, und der mani­fe­stier­te sich für ihn beim „Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken“ am 31. Okto­ber in Lund und nicht bei der katho­li­schen Mes­se am 1. Novem­ber in Malmö.

Glasgow 2021

Ähn­li­ches wie­der­holt sich nun bei sei­nem Schott­land-Besuch. Das eigent­li­che Anlie­gen ist die Teil­nah­me beim UN-Kli­ma­gip­fel COP26. Fran­zis­kus sucht und gewinnt seit 2015 die Rol­le eines „geist­li­chen Assi­sten­ten“ der UNO, indem er deren Agen­da sei­ne mora­li­sche Auto­ri­tät zur Ver­fü­gung stellt. Jüngst geschieht dies im Zusam­men­hang mit den Coro­na-Maß­nah­men und der Impf-Kampagne.

Wie The Scot­tish Dai­ly Mail, die schot­ti­sche Aus­ga­be der eng­li­schen Tages­zei­tung Dai­ly Mail, in ihrer gest­ri­gen Aus­ga­be berich­te­te, wird die päpst­li­che Teil­nah­me am Gip­fel­tref­fen um einen katho­li­schen Pro­gramm­teil erwei­tert, der ursprüng­lich nicht vor­ge­se­hen war.

Der Grund der Papst­rei­se ist „öko­lo­gi­scher“, sprich, poli­ti­scher Natur, näm­lich eine Rede an die Kon­fe­renz­teil­neh­mer. Die­ser wur­de in einem ersten Schritt eine Begeg­nung mit den Bischö­fen hin­zu­ge­fügt und nun, wie schon in Caser­ta und Lund, um die Zele­bra­ti­on einer Mes­se für die Katho­li­ken des Lan­des ergänzt. The Scot­tish Dai­ly Mail beruft sich auf eige­ne Quel­len. Man arbei­te dar­an, so die schot­ti­sche Zei­tung, eine Mes­se in den „ziem­lich engen Zeit­plan“ zu inte­grie­ren, obwohl es „eini­ge Zwei­fel“ gebe. 

Eine offi­zi­el­le Bestä­ti­gung steht noch aus.

Die schot­ti­sche Tages­zei­tung The Herald setz­te die Alli­anz des UN-Kli­ma­gip­fels ins Bild: „Biden, Papst, Gre­ta“ [Thun­berg].

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: UKcop26/The Herald (Screen­shots)

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2 Kommentare

  1. Der Besuch stellt eine in sich logi­sche Fort­set­zung der bis­he­ri­gen Akti­vi­tä­ten dar. Nicht umsonst kon­sta­tier­te P. Sera­fi­no M. Lan­zet­ta im „geschnitz­ten Frucht­bar­keits-Fetisch“ der Ama­zo­nas­syn­ode das Gesicht einer „neu­en Öko-Reli­gi­on“ und nicht zufäl­lig for­der­te Bischof Adria­no Cioc­ca Vasi­no von Sao Felix/Brasilien auf der Syn­ode, dass „Sün­den gegen die Schöp­fung“ auch im Beicht­stuhl genannt wer­den soll­ten — der Papst nahm die Idee posi­tiv auf. Kei­ne Über­ra­schung, da in sei­ner Enzy­kli­ka Lau­da­to Si wenig von Gott und sei­nen Gebo­ten, son­dern von Umwelt­ver­schmut­zung, gerech­ter Res­sour­cen­ver­tei­lung, „Kli­ma­wan­del“, „Erd­er­wär­mung“ und „Treib­haus­ga­sen“ die Rede ist und auch das „Arbeits­pa­pier“ der Ama­zo­nas­syn­ode im Kern die Auf­fas­sung paga­ner Natur­re­li­gio­nen wiedergibt.

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