Die Pachamama ist zurück – sakrilegischer denn je

Götzenbild als Ostensorium

Die Pachamama ist wieder aufgetaucht, diesmal als Ostensorium für das Allerheiligste Altarsakrament.
Die Pachamama ist wieder aufgetaucht, diesmal als Ostensorium für das Allerheiligste Altarsakrament.

(Mexi­ko Stadt) Die Figur der Pach­a­ma­ma ist wie­der auf­ge­taucht, nicht mehr im Vati­kan, dafür aber in Gua­da­la­ja­ra in Mexi­ko. Auch die­ses Mal „ohne göt­zen­die­ne­ri­sche Absich­ten“? So wird es zumin­dest behaup­tet. Dafür noch eine Spur sakri­le­gi­scher als in Rom: Die Pach­a­ma­ma dient in der mexi­ka­ni­schen Stadt als Ostensorium.

Als die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO am 30. Janu­ar 2020 den Aus­bruch des Coro­na­vi­rus zu einer „gesund­heit­li­chen Not­la­ge inter­na­tio­na­ler Trag­wei­te der höch­sten Warn­stu­fe“ erklär­te, wie man seit April 2020 weiß, vor­ei­lig und ohne wirk­li­che Not, wur­de im Vati­kan still und lei­se die Pach­a­ma­ma ent­sorgt, die zuvor meh­re­re Wochen lang eine wich­ti­ge Rol­le gespielt hat­te (sie­he auch hier). Die­se angeb­li­che Dar­stel­lung der „Mut­ter Erde“, in Wirk­lich­keit die Neu­erfin­dung einer Pseu­do-Gott­heit, eine Mischung aus Natur­re­li­gi­on und New Age, die in die­ser Form im histo­ri­schen „Göt­ter­him­mel“ der latein­ame­ri­ka­ni­schen Indi­os unbe­kannt war, hat­te im Rah­men der Ama­zo­nas­syn­ode eine ungu­te Rol­le gespielt. Einen Göt­zen, der zum „Mas­kott­chen“ einer Kir­chen­ver­samm­lung gemacht wur­de, das hat­te es in der Kir­chen­ge­schich­te in der Tat noch nicht gegeben.

Beherz­te öster­rei­chi­sche Katho­li­ken eil­ten nach Rom und ent­sorg­ten die Göt­zen­dar­stel­lung in den Tiber. Papst Fran­zis­kus ersuch­te die Repu­blik Ita­li­en um Hil­fe. Ange­hö­ri­ge der Cara­bi­nie­ri-Tau­cher­ein­heit hol­ten die Pach­a­ma­ma-Figu­ren wie­der aus dem Fluß und Fran­zis­kus ent­schul­dig­te sich am Ende der Ama­zo­nas­syn­ode vor den Syn­oda­len, genau­er vor den Indi­os, für die Tat der cou­ra­gier­ten Gläu­bi­gen. Denn die Dar­stel­lung sei „ohne ido­la­tri­sche Absicht“ aus­ge­stellt wor­den. Die Nach­richt, daß die Cara­bi­nie­ri die Figu­ren aus dem Tiber gebor­gen hat­ten, kom­men­tier­te Fran­zis­kus mit den Wor­ten: „Das ist eine schö­ne Nach­richt. Danke“.

Die Pach­a­ma­ma-Mon­stranz von Guadalajara

Nach dem 30. Janu­ar 2020 war aber kein Platz mehr für die Pach­a­ma­ma und den Mut­ter-Erde-Kult, denn das alles beherr­schen­de The­ma hieß nun: Coro­na­vi­rus. Der Hei­li­ge Stuhl betont seit­her man­tra­haft, die Men­schen und die Mensch­heit wür­den aus der Coro­na-Kri­se „bes­ser oder schlech­ter, aber nicht gleich“ hervorgehen.

Die Erin­ne­rung an die Pach­a­ma­ma hat sich jedoch tief in das Gedächt­nis vie­ler Katho­li­ken ein­ge­prägt. Ihr „Auf­tre­ten“ im Herbst 2019 wur­de für zahl­rei­che Gläu­bi­ge zur Ver­bild­li­chung eines schon län­ger gefühl­ten Unbe­ha­gens. Die Macht der Bil­der von dem angeb­li­chen Ama­zo­nas-Göt­zen, die um die Welt gin­gen, wur­de für die päpst­li­chen Pla­nun­gen zum Bumerang.

Nun ist der Pach­a­ma­ma-Göt­ze wie­der auf­ge­taucht, als „Custo­dia“ für das Aller­hei­lig­ste. Die Dar­stel­lung fand in einer Pfarr­kir­che in Gua­da­la­ja­ra im mexi­ka­ni­schen Staat Jalis­co Auf­stel­lung. Und auch hier hat ihr Auf­tau­chen einen skan­da­lös sakri­le­gi­schen Anstrich. Der Göt­ze wur­de auf dem Altar genau vor dem Taber­na­kel platz­iert, umge­ben von Ker­zen. Der Blick zum Aller­hei­lig­sten führt unwei­ger­lich zur Pach­a­ma­ma, denn die höl­zer­ne Göt­zen­fi­gur dient als Osten­so­ri­um, genau­er als Mon­stranz, in wel­cher der kon­se­krier­te Leib Chri­sti zur Anbe­tung aus­ge­stellt ist.

Als die Figur am 4. Okto­ber 2019 bei einer skur­ri­len Zere­mo­nie vor Syn­oden­be­ginn in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten erst­mals auf­tauch­te und Indi­os und Fran­zis­ka­ner in Anwe­sen­heit des Pap­stes vor ihr anbe­tend auf dem Boden lagen, hüll­te man sich im Vati­kan in Schwei­gen. Als die Fra­gen nicht nach­lie­ßen, wur­de zunächst der plum­pe Ver­such unter­nom­men, die Figur zu einer Dar­stel­lung der Got­tes­mut­ter Maria umzu­deu­ten, dann mög­lichst schnell das The­ma zu wech­seln, schließ­lich ihre Bedeu­tung her­un­ter­zu­spie­len. Pao­lo Ruf­fi­ni, der Prä­fekt des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­se­kre­ta­ri­ats, lehn­te sich soweit aus dem Fen­ster, rund­weg zu bestrei­ten, daß es sich in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten um göt­zen­die­ne­ri­sche Hand­lun­gen gehan­delt habe. Wie unwohl sich die vati­ka­ni­schen Pres­se­ver­ant­wort­li­chen dabei fühl­ten, war in jeder Pres­se­kon­fe­renz greifbar.

Mit der Ent­sor­gungs­ak­ti­on der muti­gen öster­rei­chi­schen Katho­li­ken änder­te sich die Situa­ti­on aber schlag­ar­tig. Plötz­lich wur­de die Figur nicht nur de fac­to, son­dern auch in den offi­zi­el­len Erklä­run­gen sehr wich­tig, unver­hält­nis­mä­ßig wich­tig. Papst Fran­zis­kus selbst war es, der nun die Aus­flüch­te been­de­te und bei sei­ner Ent­schul­di­gung ein­ge­stand, daß es sich um ein natur­re­li­giö­ses Sym­bol han­delt. Das Haupt­an­lie­gen des Pap­stes war aller­dings die Miß­bil­li­gung der cou­ra­gier­ten Tat der jun­gen Katholiken.

Der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti schreibt zur exzen­tri­schen neu­en Rol­le der Pach­a­ma­ma in Guadalajara:

„Es ist wirk­lich wahr, daß die Rea­li­tät die Fan­ta­sie über­trifft. Hät­te ich in einer dys­to­pi­schen Geschich­te über die Neue Kir­che gele­sen, daß statt der Mon­stranz eine Dar­stel­lung ver­mut­lich heid­ni­schen Ursprungs ver­wen­det wür­de, hät­te ich gedacht: Die­ser Autor über­treibt aber! Komm schon, wer könn­te jemals so etwas den­ken oder tun?
Es ist aber gesche­hen und geschieht immer noch in Gua­da­la­ja­ra in Mexi­ko, in der Pfar­rei San Juan de Maci­as, die von einem spa­ni­schen Prie­ster, Juan Pedro Ori­ol, gelei­tet wird, der, soweit mir gesagt wird, sehr mäch­tig ist und dem Kar­di­nal Robles nichts abschla­gen kann.
So wur­de das Pach­a­ma­ma-Osten­so­ri­um zum ersten Mal bei einem Jugend­tref­fen ver­wen­det und thront auf dem Hoch­al­tar unter dem Kruzifix.“

Der Prie­ster, der auf die unglaub­li­che Idee kam, die Göt­zen-Dar­stel­lung als Osten­so­ri­um zu ver­wen­den und aus ihr eine Pach­a­ma­ma-Mon­stranz zu machen, recht­fer­tigt sich mit der­sel­ben Begrün­dung, die bereits Papst Fran­zis­kus gebrauch­te, als er die Göt­zen­bil­der wie­der aus dem Tiber fischen ließ: Die Auf­stel­lung der Pach­a­ma­ma habe „kei­ne göt­zen­die­ne­ri­schen Absichten“.

Skur­ri­les Pach­a­ma­ma-Ritu­al am 4. Okto­ber 2019 in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten – in Anwe­sen­heit von Papst Franziskus.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Twitter/Youtube (Screen­shots)

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1 Kommentar

  1. Kar­di­nal Robles soll­te auf­ge­for­dert wer­den, die­ses Sakri­leg sofort zu ben­den, mit dem Prie­ster ent­spre­chend zu ver­fah­ren. Han­delt Kar­di­nal Robles nicht, muss der Papst auf­ge­for­dert wer­den, ent­spre­chend zu han­deln. In der Kir­che muss ein Buß­ri­tus durch­ge­führt werden.

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